Was die Switch vom Game Boy gelernt hat – und was nicht­­­­­­­­

30. Januar 2017

Bei der Entwicklung von Nintendos erstem Handheld, dem berühmten Game Boy, kam zum ersten Mal Gunpei Yokois Philosophie des „lateralen Denkens mittels veralteter Technologie“ zum Einsatz. Ein Ansatz, der in der Geschichte des japanischen Konzerns immer wieder Verwendung fand. Doch was hat es damit genau auf sich und inwiefern ist die neue Switch-Konsole ein Ergebnis dieser Denkweise?

Nintendo Switch

Viele Videospiel-Fans sind enttäuscht darüber, dass Nintendo nun zum dritten Mal in Folge eine Konsole auf den Markt bringt, die den Pendants von Sony und Microsoft technisch unterlegen ist. Die Nachteile dieser Strategie liegen auf der Hand, und von den möglichen Vorteilen, hauptsächlich dem eines reduzierten Verkaufspreises, ist bisher nicht viel zu spüren gewesen. Dennoch hat Nintendo die Philosophie, die hinter all dem steckt, schon mehrmals erfolgreich erprobt. Wer jetzt an die Wii denkt, muss die Zeit noch weiter zurückdrehen. Angefangen hat alles Gunpei Yokoi.

Yokoi war seinerzeit für mehrere Hardware-Innovationen aus dem Hause Nintendo verantwortlich, nicht zuletzt für das Steuerkreuz, welches sich in irgendeiner Form auf nahezu jedem Videospiel-Controller wiederfinden lässt. Schon in den 80er Jahren, bei der Entwicklung der ersten Game & Watch-Geräte, kam seine ganz eigene Herangehensweise in Bezug auf die Gestaltung von Hardware zum Einsatz. Er verwendete dafür rückblickend die fast schon poetische Bezeichnung „kareta gijutsu no suihei shikou“, was sich im Deutschen etwas unbeholfen als „laterales Denken mittels veralteter Technologie“ ausdrücken lässt. Beim Game & Watch äußerte sich diese Philosophie konkret darin, dass Yokoi die damals stark sinkenden Preise für LED-Bildschirme ausnutzte, um mit ihnen erschwingliche elektronische Spielgeräte zu produzieren. Doch erst mit der Erfindung des Game Boys kam sein laterales Denken voll zum Einsatz.

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Quo vadis, Nintendo?

18. Juni 2015

Auch am zweiten Messetag der diesjährigen E3 konnte Nintendo das Ruder nicht mehr herumreißen. Zurück bleiben enttäuschte Fans und eine ungewisse Zukunft für die Wii U. Wie geht es nun weiter?

Fox McCloud in Star Fox Zero

Nach der letztjährigen Pressekonferenz anlässlich der Electronic Entertainment Expo dachte ich wirklich, Nintendo hätte den richtigen Weg für zukünftige Präsentationen gefunden: Ohne in Konkurrenz mit den aufwendig inszenierten Selbstdarstellungen anderer Firmen zu stehen, zog Nintendo das Online-Format vor und konzentrierte sich dabei auf das, was bei einer solchen Veranstaltung wirklich zählt: die Spiele. Nach diesem Jahr glaube ich jedoch fast, es wäre besser, Nintendo würde von nun an gänzlich auf eine Präsentation verzichten.

Es ist offensichtlich, dass die Herrschaften in Japan die Medienwirksamkeit der E3-Pressekonferenzen noch immer nicht begriffen haben und dass das diesjährige „Digital Event“ für Nintendo nicht mehr Stellenwert hatte als die über das Jahr verteilten „Nintendo Direct“-Präsentationen. Anders lässt es sich kaum erklären, warum sich Nintendo dazu entschieden hat, diesmal bereits im Vorfeld sein Pulver zu verschießen und mit der Ankündigung der Virtual Console-Version von Mother 1 bzw. EarthBound Beginnings sowie der Enthüllung der neuen Smash Bros. DLC-Kämpfer gleich zwei Kracher vorwegnahm.

Auch wenn einige Beobachter Sony vorhalten, Effekthascherei mit Ankündigungen betrieben zu haben, deren Veröffentlichungen noch viel zu weit in der Zukunft liegen, so wurde hier doch wenigstens eine gute Show geliefert und genau das unterscheidet die E3-Pressekonferenzen nun einmal von den restlichen Veranstaltungen des Jahres, ob einem das nun gefällt oder nicht. Im Gegensatz dazu traute sich Nintendo nicht einmal, den Fans einen Blick auf den offenkundig wohl noch ziemlich unfertigen neuen Zelda-Teil zu gewähren.

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Nintendos E3 2014: Wie ein Phönix aus der Asche

13. Juni 2014

Niemand kann bestreiten, dass Nintendo gerade die beste E3 seit Jahren hinter sich gebracht hat. Warum das Konzept der digitalen Pressekonferenz diesmal glückte und ob man mit den vorgestellten Titeln zufrieden sein kann, möchte ich in diesem Artikel untersuchen.

The Legend of Zelda für Wii U

Das mit Spannung erwartete „Digital Event“ startete humorvoll: In einem Stop-Motion-Sketch von den Robot Chicken-Machern betrat eine Reggie-Puppe die Bühne und eröffnete mit einigen selbstironischen (und im Falle der Mother 3-Bemerkung schmerzhaften) Scherzen die Präsentation. Mit dem, was darauf folgte, hatte aber wohl niemand gerechnet: Reggie und Iwata, dieses Mal leibhaftig, lieferten sich einen herrlich übertriebenen Martial Arts-Kampf, der in einem Smash Bros.-Duell mit deren Miis gipfelte. Manch einem mag es missfallen, wie sich die Nintendo-Köpfe ins Rampenlicht stellen, jedoch zeigen solche Sequenzen, dass sich Nintendo wieder seinen treuesten Fans widmet. Eine nachvollziehbare Reaktion, denn auch wenn Mario Kart 8 die Verkäufe der Wii U kürzlich ankurbeln konnte, wurde ein noch größeres Desaster bisher nur durch die treuen Anhänger der Marke Nintendo verhindert.

Dementsprechend sauber lief dann auch der Rest der Präsentation ab. Bekannte und neue Titel wurden im Detail von den Entwicklern vorgestellt und weitere Sketches rundeten das Programm ab. Die drei großen Highlights waren sicherlich der neueste Schwung an Infos zum derzeit in aller Munde befindlichen vierten Super Smash Bros.-Teil (dessen 3DS-Ableger leider etwas später als erhofft erscheinen wird, nun aber immerhin einen festen Termin hat), die neue IP (hört hört!) namens Splatoon und natürlich die Enthüllung des neuesten Zelda-Teils für Wii U. Letzterer entsprach nach bester Nintendo-Manier natürlich nicht der vor ein paar Jahren vorgestellten Tech-Demo, kommt dafür aber mit einer an die Werke von Studio Ghibli erinnernden, wunderschönen Bilderbuch-Grafik daher. Die Tatsache, dass eine der großen Schwächen von Skyward Sword, nämlich die fragmentierte Oberwelt, augenscheinlich der Vergangenheit angehört und erste Andeutungen darauf, dass von Steampunk inspirierte Technologie frischen Wind in die Welt von Hyrule bringen wird, lassen schon einmal hoffen. Interessant war auch die Diskussion von Fans darüber, ob es sich bei dem Link aus dem kurzen Trailer um einen Jungen oder ein Mädchen handle. Eine durchaus berechtigte Frage in Anbetracht der Vielzahl an weiblichen Neuzugängen in Smash Bros., der Aonuma jedoch jeglichen Wind aus den Segeln nahm.

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Bye bye, DRM – Microsofts Scheitern vor dem Launch

1. Juli 2013

Es ist geschehen: Die DRM-Strategie für Spielkonsolen ist offiziell tot! Die heftigste Kehrtwende der Videospielgeschichte! Eine Kolumne über Arroganz, Ignoranz und andere Krankheiten in der Videospielindustrie. Und auf was sich die Spielerinnen und Spieler in der Zukunft gefasst machen müssen.

Welch eine Ironie! Hätte ich diese Kolumne vor Tagen geschrieben, der Tenor wäre gänzlich düsterer und bissiger. Aber Microsoft sah die Fakten, die schlechten Umfragewerte und das jämmerliche Vorbestellungsvolumen. Was, wenn nicht eine radikale Umkehrung der bisherigen Geschäftspolitik, kann die neue Spielkonsole „Xbox One“ noch retten? Deshalb lässt die Firma ihre DRM-Strategie ohne Wenn und Aber fallen. Zur Erinnerung: Microsoft wollte den Konsumentinnen und Konsumenten die DRM schmackhaft machen, auf Deutsch die „digitale Rechteverwaltung“. Nach ihrer größenwahnsinnigen Vorstellung würde die Firma alle 24 Stunden den Spielekatalog aller Spielerinnen und Spieler überprüfen, Leihen und eigenständiges Verkaufen wären nicht erlaubt ohne die Bewilligung von Microsoft. Die Spielerinnen und Spieler können von dieser Politik kaum profitieren, die großen Vertreiber und natürlich Microsoft umso mehr, denn sie gewännen mehr Kontrolle über die Spiele und könnten potentiell mehr Gewinne erzielen.

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Iwata Asks und Nintendo Direct – Nintendos Antwort auf das Informationszeitalter

5. Februar 2013

Viele Szenekenner belächeln Nintendos Sturheit, eigene Lösungen zu finden, denn nicht selten hinkt die Firma deshalb in vielen Bereichen hinterher. Dass sie es aber nicht nur versteht, neue Kontrollinputs für Spiele entwickeln, beweist sie ausgerechnet in ihrer Informationspolitik.

Nintendo Direct

Wie definiert sich „Gaming-Journalismus“? Auch wenn das Wort den Begriff bereits miteinschließt: Mit Journalismus hat es trotzdem kaum etwas zu tun. Schon in den 90er Jahren, als die Fans die Industrie vor allem durch Printmedien verfolgten, existierten Interessenkonflikte: Einerseits wollten die Schreiberinnen und Schreiber der Spielemagazine die Spiele bewerten, um ihre Leserschaft eine Hilfe für die Spieleauswahl zu geben; andererseits mussten die Spieleproduzenten ihre Spiele verkaufen, deshalb drohten sie mit dem Abzug der Werbegelder, sollten ihre Spiele keine guten Bewertungen erhalten. Mit dieser Drohung setzten die großen Firmen den Spielemagazinen und Internetseiten ab der vorletzten Konsolengeneration (PS2, GameCube und Xbox) aggressiver und offener unter Druck. Heute wagt kaum ein sogenannter Gaming-Journalist mehr, eine klare Meinung zu den großen Blockbustern zu äußern. Spielebewertungen werden zusehends absurd geführt, eine Bestnoteninflation herrscht in den Medien; selbst das abwechslungsarme Sequel einer überbeanspruchten Spieleserie wird als potenzielles „Spiel des Jahres“ gehandelt.

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Die letzte Konsolengeneration – Weltuntergangsprophezeiung für Videospielenthusiasten

18. Januar 2013

Kaum haben wir den 21. Dezember 2012 überlebt, schon müssen wir uns mit dem nächsten Untergang befassen. Doch warum soll die nächste Konsolengeneration die letzte sein? Eine Kolumne über Marktanalysen, Tabletjünger und Untergangsfetischismus.

Untergang der Videospielwelt

Die Videospielindustrie bewegt sich, die Wii U ist endlich auf dem Markt und war wohl auch unter dem Weihnachtsbaum vieler Familien. Auch die Spielkonsolen der Konkurrenz warten nur noch auf die offizielle Ankündigung, angeblich arbeiten diverse Studios still und heimlich an Projekten für die nächste Konsolengeneration. Wahrlich ein Grund zur Freude, doch die Stimmen mehren sich, die die kommende Generation als die letzte seiner Art sehen. Gewiss haben in der Vergangenheit schon viele Firmen das Spielkonsolengeschäft aufgeben müssen, und in einer früheren Kolumne habe ich bereits gezeigt, dass insbesondere Nintendo immer wieder totgeschrieben wird. Aber dass gleich alle drei Konsolenhersteller scheitern werden? Sind Spielkonsolen wirklich die Dinosaurier der Unterhaltungsindustrie, überholt und zum Aussterben verdammt?

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Fusionen mit Nintendo? Nein danke!

23. Oktober 2012

Jahr für Jahr wird das Ende von Nintendo prophezeit. Als Nebenprodukt dieser Spekulation kommt das Träumen von einer Elefantenhochzeit Nintendos mit einer Top-Firma hinzu. Doch diese Träume sollten besser Träume bleiben, denn eine Umsetzung wäre schrecklich für alle Videospiel-Fans.

Nintendo ist eine zuverlässige Firma: Abgesehen von 2011 liefert sie jährlich gute Gewinne ab, sie wächst langsam, aber stetig, und auch die Strategie für die nächsten Jahre lässt sich sehen. Trotz guter Fundamentaldaten sieht sich die Firma ständig mit Ausstiegsspekulationen konfrontiert. In der Tat gaben viele Firmen das Hardware-Geschäft irgendwann auf: Atari, Sega, Panasonic, NeoGeo – die Videospielgeschichte kennt viele Gefallene. Und wann wird sich Nintendo dazu gesellen?

Viele können sich statt eines Totalausstiegs auch eine Partnerschaft oder gar eine Fusion vorstellen. Die Motive für solche Überlegungen sind sehr unterschiedlich: Einige Nintendo-Fans nehmen naiv an, eine starke Partnerin könne der Firma leistungsfähigere Konsolen versprechen, teurere Spieleproduktionen erlauben und schlicht alles eine Nummer größer machen; Nintendo-Hasser wollen schlicht keine Hardware von dieser Firma mehr sehen, und ein Ausstieg Nintendos bedeutet zugleich mehr Macht und Kundschaft für die anderen Konsolenhersteller; daneben gibt es die Technikenthusiasten, die Nintendos preisbewusste Hardware nicht mögen, aber gerne ihre Spiele auf anderen Konsolen oder neuerdings Smartphones sehen möchten; und zum Schluss die Wirtschafts-Fundis, die die angelsächsische Wirtschaftsphilosophie für die einzig wahre halten, Nintendo als zu klein betrachten und Wachstum durch Fusionen und Zusammenschlüsse wollen.

Früher sorgte vor allem das Interesse von Microsoft an Nintendos Anteilen für Aufregung. Die Diskussion zu der möglichen Übernahme war bestenfalls uninteressant, schlimmstenfalls absolut peinlich, denn selbst langjährige Nintendo-Fans zeigten eine unglaubliche Ignoranz und Mangel an Fachwissen. Geschäftsmodelle, Spielentwicklung, selbst die Philosophie Nintendos wurden kaum beachtet, dafür fantasierten die Befürworter einer Übernahme über die finanziellen Möglichkeiten Microsofts. Ein Glück, dass die Verantwortlichen von Nintendo durch Microsofts Angebot ins Grübeln kamen, sich aber für die Eigenständigkeit entschieden. Die jüngste Vergangenheit hat leider gezeigt, dass Microsoft die Kultur der aufgekauften Firmen und nicht selten gar ihre Existenz zerstört – die einstige Edelschmiede Rare als traurigstes Beispiel. Ehemalige Rare-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter sagen offen, dass einzig Microsoft für den jetzigen Zustand verantwortlich ist.

Trotz dieser Geschichte häufen sich in letzter Zeit wieder Diskussionen um mögliche Firmenzusammenschlüsse, nicht selten angeregt von gutbezahlten Analysten – wie kommen die bloß zu ihrer Anstellung? Apple hat so viele Reserven angehäuft, dass mehrere Firmen als Übernahmekandidaten gelten, darunter auch Nintendo. Doch würden sie überhaupt zusammenpassen? Manche Technikenthusiasten, darunter auch Nintendo-Fans, schwärmen von der angeblich „gleichen“ Philosophie der beiden Firmen: Innovation bei der Hardwareproduktion, bedienungsfreundliche Software und hoher Qualitätsanspruch zeichnen sie aus. Nicht wenige munkeln, dass Nintendo kräftig bei Apple abgeschaut hatte, als sie die Wii und den  DS Lite entwickelten.

Diese Leute übersehen jedoch die Unterschiede der beiden Firmen: Apple ist trotz der vorgetragenen Andersartigkeit eine zutiefst amerikanische Firma, die auf Expansion und „Corporatism“ setzt; Nintendo wuchs hingegen trotz jahrelanger Gewinne langsam und baut auf ein nachhaltiges Geschäftsmodell.  Apple schreibt fabelhafte Profite durch den Verkauf teurer Hardware, Nintendos Markt besteht dagegen seit Jahrzehnten aus preiswerten Produkten. Am meisten unterscheidet sich Apple von Nintendo jedoch in ihrer Haltung zur Software: Zwar bekennen sich beide an die Maxime „Wer Software schätzt, baut seine eigene Hardware“, aber Apple verdient das Geld vor allem mit der Hardware und sieht sich eher als Distributor: Die Musikindustrie bietet ihre Musikdateien für wenig Geld auf iTunes an, während Apple beim Verkauf einen Anteil erhält. Dasselbe Modell wird auch beim Verkauf von Apps angewendet. Dabei lässt Apple bewusst einen brutalen Preiskampf zu, weil günstige Spiele und Gratis-Apps die Hardware attraktiv machen. Abgesehen von der OS (Operating Software) hält sich die Firma bei der Software-Entwicklung eher zurück, denn mit Apps macht man zwar prima Umsätze, aber kaum Gewinn als Entwickler – im Gegensatz zum Distributor.

Würde Apple sich Nintendo aneignen, wäre Nintendo nicht in einer besseren Situation als heute – im Gegenteil! Apple hat keinen Grund, die Spieletradition fortzuführen, die Patente sind hingegen für das Unternehmen deutlich interessanter. Ein Glück, dass Nintendo sich bis auf weiteres nicht mit solchen Gedankenspielereien auseinandersetzen muss. Mit der Wii U und dem erstarkten 3DS hat die Firma zwei Goldminen, die ein Fortbestehen des Unternehmens in den nächsten Jahren garantieren werden.