Bei Retro V geht es jetzt um mehr

2. Januar 2015

Ein frohes neues Jahr an unsere Leserschaft! 2015 bringt auch für Retro V Veränderungen mit sich und bereits ein Blick auf den neuen Header verrät: hier wird sich bald etwas tun.

Retro V

Seit seiner Entstehung im Jahr 2006 ging es in diesem Blog hauptsächlich um Videospiele, aber in letzter Zeit wurden immer mal wieder auch andere Themen außerhalb dieser Sphäre angeschnitten, seien es Comics, Anime, Musik oder Kunst.

In Folge dessen ist eine Erweiterung der Themengebiete, die wir in Zukunft auf Retro V abdecken werden, die logische Konsequenz. Der große Oberbegriff soll dabei „Genuss“ sein. Gemeint ist die Stimulierung der eigenen Sinne, egal ob dies durch Musik, Film oder eben Videospiele geschieht, oder aber durch das grundlegendste aller Genussmittel, nämlich Essen und Trinken.

Gerade in letzterem Bereich gibt es heutzutage wieder viele Bewegungen, die wegführen vom gedankenlosen Konsum und hin zum Genuss hochwertiger Güter, sei es beim Craft Beer oder dem Third Wave-Kaffee. Retro V möchte für seine Leserschaft ein Rategeber für all das sein, was die Sinne verzückt.

Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Fühlen. Bei Retro V geht es jetzt um mehr. Wir hoffen, dass die neuen Themengebiete bei unseren Lesern auf großes Interesse stoßen werden und freuen uns bereits auf eure Rückmeldungen. Auf ein erfolgreiches Jahr!


Retro V wird 8! (…und wir werden alt)

4. Mai 2014

Retro V wird 8!

Als mein Kalender mir den achten Geburtstag von Retro V ankündigte (ja, ich habe das Gründungsdatum meines Blogs als Geburtstag in meinen Kalender eingetragen), war ich erst einmal ziemlich erschrocken. Sofort schoss mir das Bild von der Drei mit Waschbärschwanz, welches ich anlässlich des dritten Geburtstags von Retro V dem Super Mario Bros. 3-Logo entliehen hatte, in den Kopf. Das kann doch keine fünf Jahre her sein!

Oh doch, kann es. Und wenn ich einmal genauer darüber nachdenke, sind diese fünf Jahre auch nicht einfach spurlos vorübergegangen. Nein, mein Platz in der Videospielwelt hat sich in dieser Zeit erheblich geändert. Das gefürchtete „Keine-Zeit-mehr-zum-Zocken-haben“, dessen Existenz ich in jüngeren Jahren geleugnet hatte oder dessen Ursache ich zumindest auf ein mangelndes Interesse der Betroffenen am Medium geschoben habe, hat mich mit voller Breitseite erwischt. Und dabei hat meine Leidenschaft für Videospiele keineswegs abgenommen. Ganz im Gegenteil: Ich versuche so viel Zeit wie möglich für mein liebstes Hobby freizuschaufeln, aber dies gestaltet sich immer schwieriger. Die gefürchtete Dreifaltigkeit aus Studium/Arbeit, Partner/-in und Freundeskreis klopfte zunächst höflich an meine Tür und trat diese im nächsten Augenblick mit Nachdruck ein.

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Retro V feiert seinen 5. Geburtstag!

4. Mai 2011

Jawohl, seit nunmehr fünf Jahren versorgt Retro V seine Leser (relativ) regelmäßig mit Beiträgen rund um das Thema Videospiele!

Und es ist den Lesern zu verdanken, dass Retro V weiterhin besteht. Die Autoren-Crew möchte daher jedem Besucher, welcher der Seite mehr als nur einen kurzen Blick gegönnt hat, Folgendes sagen:

Auf unsere inzwischen 272 Artikel kommen 1080 Kommentare. Das sind ~3,97 Kommentare pro Artikel! Bitte, liebe Leser, nur weiter so! Neben eigenen Meinungen zu den behandelten Themen nehmen wir auch gerne Kritik oder Verbesserungsvorschläge entgegen. Also, Mund auf!

Wir wünschen euch noch viel Spaß beim Stöbern auf Retro V!


Retro V feiert seinen 3. Geburtstag!

4. Mai 2009

Retro V feiert seinen 3. Geburtstag!

Am 4. Mai 2006 erblickte eine Seite namens Retro V das Licht der Welt. Drei Jahre, 220 Artikel und 738 Kommentare später, ist aus dem einstigen Blog über dies und jenes ein umfangreiches Kompendium rund um die faszinierende Welt der Videospiele geworden.

Dass aus Retro V mehr als nur ein Experiment geworden ist, liegt zum einen an dessen fleißiger Autoren-Crew, zum anderen an den Lesern, vorallem den Stammgästen, die diese mit ihren Kommentaren immer wieder aufs Neue motiviert haben.

Auf viele weitere Jahre Retro V!


Drei Dinge, die ich an dir hasse

20. Februar 2009

Nun, da bin ich wieder. Nachdem ich mir eine (mehr oder weniger artig eingehaltene) Auszeit von mehreren Monaten gegönnt habe, die ich unter anderem mit dem Studium einiger in den Jahren davor zu kurz gekommener Spieleperlen verbrachte, werde ich den Retro V-Blog wieder frisch und voller Tatendrang unterstützen, auch wenn der eigentliche (Wieder-)Einstand schon mit der Veröffentlichung der ersten Teile der umfangreichen Super Mario-Retrospektive gefeiert wurde, für die ich aber nur schon vorhandenes Material auf den neusten Stand bringen und kurz mit dem Staubwedel drüber fahren musste. Da sich in dieser Zeit sehr viele potenzielle Themen angesammelt haben, von denen die meisten(zumindest meiner Meinung nach) keine eigenständigen Artikel rechtfertigen, aber doch nicht unangetastet und unkommentiert bleiben dürfen, möchte ich an dieser Stelle zwei in der jüngeren Vergangenheit gemachte Beobachtungen ansprechen und auch gerne die Leser dazu auffordern, uns an ihren derzeitigen Ärgernissen in der Welt der Videospiele und/oder der Community teilhaben zu lassen. Ich eröffne unsere kleine Gruppentherapie mit dem Stichpunkt…

Selbsternannte Hardcore-Spieler

Manchmal erscheint es mir, als ob die Wii das Schlimmste in vielen Videospielern zu Tage gebracht hätte. Das elitäre Getue selbsternannter Hardcore-Spieler, die sich von all diesen unwürdigen Casual-Spielern möglichst weit abgrenzen wollen, steht ganz oben auf der Liste trauriger Nebeneffekte, die mit dem Erfolg der Konsole einhergehen. Dabei verschwinden die Grenzen zunehmend und selbst der durchschnittliche 08/15-Zocker, der noch nie einen obskuren Japan-Titel, der im Heimatland nur in begrenzter Stückzahl erhältlich ist und niemals offiziell den Weg über das Meer finden wird, importierte, die PC Engine für ein vorsintflutliches Navigationsgerät hält und den Freunden ständig die für viel Geld erworbene Halo 3 – Legendary Edition (inklusive Master Chief-Helm) als Prunkstück seiner Sammlung vorstellt, sieht sich plötzlich als der absolute Hardcore-Zocker, in dessen linken Brusthälfte ein Dual Shock-Controller anstelle eines Herzens schlägt. Früher (aua, meine Knochen…) haben wir Mitmenschen als Hardcore-Spieler bezeichnet, die über die Tiefen eines Street Fighter II wissenschaftliche Arbeiten hätten verfassen können, kein Treasure-Spiel ohne vorherige Auswahl des höchsten Schwierigkeitsgrades angingen und – dies vor allen anderen Dingen – neuen Ideen und neuen Spielkonzepten stets aufgeschlossen gegenüberstanden. Heute genügt es, die Collectors Edition von Gears of War 2 drei Monate im Voraus bei einem Internethändler vorzubestellen, um sich in der Spielergemeinschaft aufspielen zu können. Wie sich die Zeiten und Ansprüche ändern können.

Internationale Foren-User

Es war in der Hochzeit der Revolution-Gerüchte und damit in der Mitte dieses Jahrzehnts, als die nach Neuigkeiten und Gerüchten gierende Fan-Schar dafür sorgte, dass ein paar Webseiten, von deren Existenz hierzulande nur eine eingeschränkte Gruppe wusste, nach und nach zu einer Anlaufstelle für jedermann mit einem bestimmten Grad an Englisch-Kenntnissen wurde. Und damit wurde ein sich bereits ausbreitender und wahrscheinlich gar nicht zu vermeidender Trend beschleunigt, der die Sprach- und Diskussionskultur in hiesigen Foren nachhaltig beschädigte. Kurz: Wenn heute in einem der populären Foren aus Übersee mal wieder aus einer Mücke einen Elefanten gemacht oder einfach nur die tägliche Sau durchs Dorf getrieben wird, dann ist auch stets eine Person dabei, der die Mücke bzw. die arme Sau auch in unser Dorf bringt. Ich habe immer meine Bedenken, wenn es um die Größe und damit Bedeutung derart großer Plattformen geht, die leider dazu neigen, Gruppendenken stark zu begünstigen. Hat etwa ein Spiel einmal einen bestimmten Stempel aufgedrückt bekommen, so kann sich diese Meinung weit über die Grenzen der besagten Plattform verbreiten, womit die einzelne Meinung dieses Forums, das selbst einer Gruppendynamik unterliegt, allmählich den Status eines Faktums einnimmt. Überhaupt ist es bedenklich, welch hohen Status manche dieser Foren inzwischen genießen, so dass User auch nicht davor zurückschrecken, ihre eigene Identität ein Stück weit aufzugeben und sich sprachlich (Immer daran denken: In US-Foren so oft wie möglich Satzverstärkungswörter wie „Fuck“ und „Shit“ in all ihren wunderbaren Variationen verwenden) wie inhaltlich der Mehrheit annähern. Schade für den User, aber dies wäre für sich genommen kein größeres Ärgernis, wenn die Anpassung nicht auch nachher in deutschsprachigen Foren spürbar wäre. Es tut mir immer Leid, wenn ich mit ansehen muss, wie ein stets mit lesenswerten und interessanten Beiträgen glänzender User plötzlich zu einer GIF- und Phrasen-Schleuder verkommt und letztendlich zu einer Nummer unter vielen wird. Der schlimmste anzunehmende Fall ist aber eine Mischung aus Foren-Äffchen und der oben genannten Sorte von „Hardcore-Spieler“. Das sind dann jene Personen, die die Foren mit total fundierten und knallhart recherchierten „News-Meldungen“ von den „Journalisten“ bei Kotaku zumüllen…

„Dead Space“

Die Dead Space-Ankündigung von Electronic Arts entlockte den Wii-Besitzern einen stillen Freudenschrei, schließlich unterscheidete sich die Mitteilung ganz erheblich von den Neuankündigungen, mit denen Käufer der Konsole sonst so abgespeist werden. Die Wii bekommt keinen Port, sondern eine völlig auf die Fähigkeiten der Hardware zugeschnittene Neuentwicklung spendiert. An der neuen Episode werkelt nicht etwa irgend ein unfähiger D-Klasse-Entwickler, der in der Vergangenheit an billigen Mario Kart-Klonen arbeitete, sondern das Originalteam des HD-Vorgängers. Und zu guter Letzt wird man intelligten Gebrauch von der Wiimote machen, womit der Titel eine Vorreiterrolle für alle Dritthersteller-Spiele auf der Nintendo-Konsole hätte einnehmen können. Hätte, weil EA das Spiel in einen On-Rail-Shooter verwandelt, einem Genre, von dem es auf der Wii bereits jetzt nicht gerade an guten Titeln mangelt und damit der gerade einsetzende Hype um das Spiel mit einem Schlag zerstört wurde. Das ist in etwa vergleichbar mit einem in Führung liegenden Teilnehmer des 100-Meter-Laufs, der wenige Schritte vor dem Ziel und Gewinn der Goldmedaille umdreht und zurück in die Kabine läuft. Natürlich soll hier keine Vorverurteilung des eigentlichen Spiels stattfinden, welches eventuell richtig toll werden könnte. Aber ich (und ich wette, hier spreche ich einer großen Anzahl an Lesern aus der Seele) hätte mich nach einem Spiel in der Art des HD-Ablegers, mit den Vorteilen der Wiimote-Steuerung ausgestattet, gesehnt, schließlich gibt es Produkte dieser Art und in der versprochenen Qualität nicht allzu häufig auf der Wii von Seiten der Dritthersteller. Die erhoffte Signalwirkung ist dahin, beziehungsweise wurde mit dieser Entscheidung ein ganz und gar nicht erwünschtes Signal ausgesendet. Wie sich das Spiel nun an der Kasse schlagen wird, darüber darf orakelt werden.


Otaku1990 wird 18 – Eine Ode ans Videospiel

24. Juli 2008

Ab heute, dem 24. Juli 2008, zähle ich 18 Lebensjahre und bin damit endlich volljährig. Für mich Anlass genug, in einem persönlichen Essay die wichtigsten Momente meiner Videospiel-Kindheit und -Jugend zu rekapitulieren und Billanz darüber zu ziehen, inwiefern das Hobby mein restliches Leben beeinflusst hat…

Normalerweise datiere ich den Beginn meiner Zockerkarriere auf den Kauf meiner ersten Konsole, dem Nintendo 64, im Frühjahr 1997. Tatsächlich jedoch hatte ich schon zuvor ein wenig Erfahrung im Bereich des elektronischen Zeitvertreibs gesammelt, verfügte unser Haushalt doch über einen Commodore 64. Da ich diesen allerdings nur unregelmäßig nutzte und das Spielen von Games noch nicht als ernsthaften Zeitvertreib betrachtete (welches Kind tut das in diesem Alter schon), musste schon Nintendos 64-Bit-Konsole daherkommen, um mich ein für alle Mal in den Videospiel-Bann zu ziehen.

Wie ich überhaupt auf das Nintendo 64 aufmerksam wurde? Über eine Werbe-VHS. Aufgrund meiner positiven Reaktion auf den Commodore 64 dachte meine Mutter wohl, dass mir diese neuartige Spielkonsole aus Japan ebenfalls gefallen könnte und kam irgendwann mit der Promo-VHS „The New Dimension of Fun“ nach Hause. Es dürfte wohl nicht viel länger als ein paar Minuten gedauert haben, bis ich in Anblick der bunten 3D-Welten (welche ich im Alter von 6 Jahren natürlich noch nicht als technische Errungenschaft anerkennen konnte) am Fernsehbildschirm klebte. Besonders die Präsentation von Super Mario 64 (meiner ersten Begegnung mit Nintendos Klempner) hatte es mir angetan, weshalb für mich eines klar war: Ich musste das Nintendo 64 zusammen mit Marios 3D-Debut unbedingt haben! Ich muss die Werbe-Kasette hunderte von Malen gesehen haben, bis ich die begehrte Konsole irgendwann 1997 endlich geschenkt bekam. Zusätzlich zu Super Mario 64 gönnte sich auch mein Vater noch einen zweiten Controller sowie Wave Race 64, ein zweites großartiges Spiel. Eine Zeit lang war auch meine Mutter dem Mario-Fieber verfallen, bevor ihr andere Pflichten die nötige Zeit zur Jagd auf die Power-Sterne raubten. Im Laufe des Jahres gesellten sich noch die Titel Mario Kart 64, Bomberman 64 und Pilotwings 64 zu meiner Sammlung hinzu, ebenfalls drei tolle Spiele, die ich stets in Ehren halte.

Während meine N64-Sammlung langsam aber stetig wuchs und ich mich mehr und mehr zu einem bewussten Nintendo-Fan entwickelte (inzwischen war ich auch im Besitz eines GameBoys), nahm ich das Angebot eines hiesigen Supermarkts wahr, welcher die letzten Super Nintendo (im Bundle mit Super Mario World und dem Super GameBoy) aus den Regalen räumte und für nur 50 Mark verkaufte und ließ mir die 16-Bit-Konsole zu Weihnachten schenken. Ein paar gute Titel für den grauen Kasten kannte ich bereits von Freunden, doch ich ahnte nicht, welche Meisterwerke ich noch darauf spielen würde: Zelda: A Link to the Past (von dessen bloßer Existenz ich nicht einmal etwas wusste, bis meine Mutter mir das Spiel eines Tages vom Flohmarkt, mit Anleitung und Verpackung wohlgemerkt, mitbrachte), Donkey Kong Country 2 und Yoshi’s Island (meiner Meinung nach noch immer das beste 2D-Spiel überhaupt) stellten allesamt Höhepunkte meiner Zockerkarriere dar. Der Kracher aller Kracher jedoch ereignete sich bei mir mit etwas Verspätung, nämlich 1999, auf dem Nintendo 64: Nachdem ich, uninformiert wie ich zu der Zeit noch war, die Zelda-Spiele bislang stets als stumpfe Monsterklopperei verkannt hatte (ich spielte A Link to the Past erst einige Zeit später), probierte ich „The Legend of Zelda: Ocarina of Time“ irgenwann einmal trotzdem aus… Und erlebte die Spieleerfahrung meines Lebens! Ich möchte an dieser Stelle gar nicht explizit auf das Meisterwerk eingehen, da so gut wie jeder Leser wohl die selben Erfahrungen wie ich gemacht hat. Gesagt sei nur, dass auch heute noch die ersten paar Noten einer der Okarina-Melodien ausreichen, um bei mir eine Gänsehaut zu verursachen.

Zu weiteren Höhepunkten meiner N64-Ära zählen Diddy Kong Racing, Banjo-Kazooie, Mario Party, Super Smash Bros., Lylat Wars, Zelda: Majora’s Mask, Mischief Makers und Mystical Ninja: Starring Goemon, wobei ich auf letzteres später noch einmal aus anderem Grund eingehen werde. Obwohl das Nintendo 64 oft wegen einer zu kleinen Spielebibliothek kritisiert wird, stellt die Sammlung für meine erste Konsole die bislang größte dar, selbst der DS kommt da nicht heran.

Da die GameCube-Ära nicht ganz so ereignisreich verlief (auch wenn Super Smash Bros. Melee den von mir meistgespielten Titel überhaupt darstellt) und ich die Leser nicht allzu lange mit dieser melancholisch verklärten Retrospektive langweilen möchte, gehe ich über zu einer Erklärung, die ich inzwischen schuldig sein dürfte: Ja, ich war bzw. bin im Besitz einer Playstation/Playstation 2, allerdings hat es zwischen uns nie so richtig gefunkt. Das hat mehrere Gründe: Zum einen habe ich die Sony-Konsolen aufgrund des Preises stets recht spät erworben, weshalb viele Titel beim Erwerb des Geräts bereits ihr Alter zeigten. Zum anderen kann ich mit den Spielen westlicher Entwickler leider überhaupt nichts anfangen. Ein dritter Grund dürfte sein, dass die Produkte aus dem Hause Nintendo meinen Geschmack in Sachen Videospiele zu sehr geprägt haben, sodass ich bestimmte Elemente in den Produkten der Konkurrenz schmerzlich vermisste. God of War, Devil May Cry, Kingdom Hearts, GTA… Vieles habe ich ausprobiert, nur wenig sagte mir auf Dauer zu. Dies ist der Grund, warum ich heute keinerlei Ambitionen habe, mir eine PSP, PS3 oder XBox360 zuzulegen. In aller Fairness muss ich jedoch sagen, dass mir durchaus einige Titel auf den Sony-Plattformen zugesagt haben, darunter Ape Escape auf der PS1 und Disgaea und Okami auf der PS2.

Im Folgenden möchte ich kurz darauf eingehen, inwiefern sich mein Verhalten im Bezug aufs Spielen selbst verändert hat. Eines ist sowieso klar: Solch beeindruckende Spielerlebnisse wie in den 90ern werde ich nie wieder erleben, denn die Magie, welche Videospiele in Kinderaugen ausstrahlen, ist ab einem bestimmten Alter schlicht verschwunden. Vielmehr faszinieren mich Spiele heutzutage als beeindruckende Gesamtkunstwerke und genau das haben in den letzten Jahren neben Nintendos Blockbustern á la Metroid Prime und Super Mario Galaxy vorallem Spiele wie Donkey Kong: Jungle Beat, Paper Mario 2, Mario & Luigi: Superstar Saga, Drill Dozer, Dragon Quest Heroes: Rocket Slime, Animal Crossing: Wild World und sogar Klassiker wie The Legend of Zelda, Mega Man und Earthbound geschafft. Trotzdem werde ich in zehn Jahren wohl eher nostalgisch auf meine Zeit mit dem Nintendo 64 zurückschauen, schließlich stellt dieser Lebensabschnitt eine Zeit dar, in der alles ein wenig beeindruckender wirkte. Ganz objektiv ist das natürlich nicht und genau das scheinen Videospieler gerne zu vergessen, wenn sie mal wieder ein Spiel mit dessen Vorgänger aus längst vergangenen Zeiten vergleichen. Aber ich schweife schon wieder ab.

Worauf ich eigentlich zu sprechen kommen wollte, ist die Art wie ich an Videospiele herangehe. In meiner Kindheit, als ich noch Freizeit im Überfluss hatte, konnte es schonmal Jahre dauern, bis ein Spiel durchgespielt war. Als Kind hatte man schließlich auch Spaß am Spiel, ohne wirklich voranzukommen. Im Laufe der Zeit wurde das Durchspielen allerdings immer mehr zum Ziel der Spielesessions und den Höhepunkt dieser Wandlung betrachtete ich vor kurzem beim Spielen von Harvest Moon, welches ich mir über den Virtual Console-Service heruntergeladen hatte. Wie neben mir stehend beobachtete ich, mit welcher Systematik ich an die eigentlich so entspannte Bauernsimulation heranging. Innerhalb eines Spieljahres hatte ich geheiratet, ein Kind, mein Haus vollkommen ausgebaut, alle goldenen Werkzeuge in meinem Besitz, ordentlich Vieh und jede Menge Kohle. Die Konsequenz: Das Spiel hatte für mich erst einmal seinen Reiz verloren, ich sah es als durchgespielt an, obwohl ich erst ein Drittel des Spiels hinter mir hatte. Dies zeigt sehr deutlich: Die wenige Zeit, welche nicht durch Schule, Ausgehen oder kreative Arbeit am Computer verschlungen wird, wird effizient genutzt. Auch aus den Spielen selbst versuche ich heutzutage alles herauszuholen: Das zeigt sich zum einen daran, dass kaum ein Titel aus meiner Sammlung noch nicht komplett durchgespielt wurde, zum anderen daran, dass ich zur selben Zeit meist nur ein einziges Spiel zocke, nicht wie noch vor wenigen Jahres zwei bis drei.

Nachdem der Artikel bereits viel länger geworden ist, als ich anfangs vorhatte, möchte ich nun endlich auf den Gesichtspunkt eingehen, weswegen ich diesen Beitrag überhaupt verfassen wollte: Den (positiven) Einfluss von Videospielen auf mein Leben. Viel zu oft wird sich in den Medien darüber ausgelassen, wie schädlich Videospielkonsum für Kinder und Jugendliche sei und wie aggressiv all die „Killerspiele“ machten. Ich jedoch beobachte bei mir einen enorm positiven Einfluss durch das interaktive Medium. Alles fing wohl damit an, dass ich mir die Bildschirmtexte in Super Mario 64 stets von meinen Eltern vorlesen lassen musste. Als ich dann 1997 eingeschult wurde, war genau dieses Spiel Ansporn genug, so schnell wie möglich Lesen und Schreiben zu lernen. Wer diese Zeilen liest, weiß, wohin dieser Ansporn geführt hat: zum kreativen Schreiben. Und wer jetzt denkt, da hätten andere Faktoren eine größere Rolle gespielt, der irrt: Die Anzahl an Büchern, die ich in meinem 18-jährigen Leben gelesen habe, ist fast schon beschähmend gering. Tatsächlich stellen den Löwenanteil an Literatur, welchen ich über all die Jahre gelesen habe, Texte zum Thema Videospiele (in einem breiten Sinne wohlgemerkt) dar. Und das beschränkt sich natürlich nicht nur auf deutschsprachige Texte. Hier greift der zweite große Pluspunkt: Das Erlernen von Englisch fiel mir durch englischsprachige Texte über Videospiele und englische Games selbst erheblich leichter.

In Sachen Sprachen brachten mich Videospiele also direkt und indirekt deutlich voran. Dies zeigt sich auch am dritten Beispiel: Irgendwann im Jahre 1998 fand ein Spiel mit dem Namen „Mystical Ninja: Starring Goemon“ den Weg in den Modulschacht meines Nintendo 64. Der schräge Japano-Stil und die einzigartige Musikuntermalung des Action-Adventures ließen in mir ein Bewusstsein für Japan erwachen; die etwa um die selbe Zeit anlaufenden Anime-Serien auf RTL2 (wie „Digimon“ oder „Dragon Ball“) verschlang ich dementsprechend und entwickelte mich über die Jahre zu einem großen Manga- und Anime-Fan. 2008, zehn Jahre nach der ersten Begegnung mit Goemon, besuche ich bereits seit mehr als einem Jahr einen Japanisch-Kurs, beherrsche alle Hiragana und Katakana (sozusagen die Standart-Schriftzeichen), mache mich nun an die Kanji (Schriftzeichen chinesischer Herkunft) und spare fleißig für meine erste Reise ins Land der aufgehenden Sonne.

Einen letzten Aspekt postiven Einflusses durch Videospiele möchte ich noch ansprechen: Musik. Ich bin stolz darauf, eine große Bandbreite an Musikgenres zu hören, Grund dafür sind fast ausschließlich Videospiele, aber auch Animes, denn diese führten mich an eine Vielzahl von Musikrichtungen heran. Erst in den letzten Jahren erwachte schließlich auch ein Interesse an den Kompositionen an sich, sodass ich mir im „hohen Alter“ noch ein Keyboard zulegte, wobei ich jedoch schon zuvor kreativ mit Musik arbeitete und diese am Computer abmischte (auch dies begann mit einem Videospielsong).

Eigentlich wollte ich noch auf weitere Punkte eingehen, so z.B. das eigene Entwickeln von Spielen via RPG Maker und Co. und meine Haltung gegenüber Onlineforen im Laufe der letzten Jahre, doch da sich dieser (zugegebenermaßen ziemlich egozentrische) Artikel, welcher eigentlich nur ein kleines Essay werden sollte, schon zu sehr in die Länge gezogen hat, bleibt mir an dieser Stelle nur noch eines zu sagen: Danke für eure Aufmerksamkeit.


In eigener Sache

7. August 2007

Sollte ich den einen oder anderen Leser mit dem folgenden Artikel langweilen, möchte ich mich schon an dieser Stelle entschuldigen. So, damit bin ich aus dem Schneider.

Mittwoch: Nur noch zwei Tage, dann kommt „Die Legende von Schröder: Die Zwieback-Prinzessin“ auf den Markt. Wie lange habe ich auf dieses Ereignis gewartet, wie viel wurde darüber geschrieben und wie pedantisch wurde jedes bekannte Detail unter die Lupe genommen. Wobei ich da schon deutlich vorsichtiger zu Werke ging, als noch beim Sequel „Der Windel-Wecker“, von dem ich schon den Ablauf des finalen Bosskampfes kannte, noch bevor das Spiel einen europäischen Erscheinungstermin bekam. Aber aus Fehlern lernt man…

Samstag: SAGENHAFT. Ich bin nur noch am Spielen. Dabei habe ich nicht einmal den ersten Dungeon komplett hinter mich gebracht. Die Jungs und Mädels (haha..) in den Foren müssen vor Lobeshymnen nur so dahin schmelzen. Schnell wieder an die Konsole..

Montag: Meine armen Hände. Ach egal.

Donnerstag: Schon Donnerstag?!

Freitag, zwei Wochen später: Soeben flimmerte der Abspann über den Bildschirm. Das war ein Trip, den man nicht allzu oft mitmacht. Nun wollen wir mal schauen, wie die Stimmung im Forum aussieht und wie viel Superlativen sich in einen Beitrag quetschen lassen.

*Es folgt eine längere Sitzung am PC*

Typisch, wieder zwei Kerle dabei, die man einfach nicht zufrieden stellen kann. Der eine lamentiert darüber, dass ihm alte Elemente wie die Tuba der Zeit gefehlt haben und drückt mit seiner folgenden Aufzählung doch nur aus, dass er sich Kindheitserinnerungen zurückwünscht. Die zweite Person nimmt die exakte Gegenposition ein: Seiner Ansicht nach wurden doch viel zu wenig Neuerungen geboten und er hätte reihenweise negative Déjà-vu-Erlebnisse durchlitten. Beide Positionen kann ich nicht nachvollziehen. Ist auch egal, ich setze mich ans Spiel zurück und kümmere mich um die ausstehenden Geheimnisse.

Sonntag: Hm, so langsam nehmen die negativen Stimmen aber zu. Die eine, wie die andere Person, von der ich vorgestern sprach, kann inzwischen auf eine nicht zu verachtende Anhängerschaft verweisen. Ich setze mich dann mal an einen längeren Text und gehe auf die Kritikpunkte ein.

Mittwoch: Und schon wieder neue Beiträge von Forenbesucher, die seitenlang über ihre Enttäuschungen sprechen. Vielleicht hatte ich ja unrecht und habe im blinden Hype die ganzen Mankos, die das Spiel anscheinend wie einen Schweizer Käse durchlöchern, nicht gesehen. Wollte sie nicht sehen…

Dienstag, zwei Monate später (aus einem Foreneintrag von mir entliehen): (….) Die Zwieback-Prinzessin zeigte doch überdeutlich, wie sehr Minitendo im Dunkel herumstochert. Ein unausgegorener Mist, der mich wehmütig an selige N46 Zeiten zurückerinnern lässt. Und wer mir in dieser Sache nicht zustimmt, soll sich doch alleine die überwältigenden Stimmen hier im Forum ansehen.

Sicherlich, dies war eine recht abstrakte Nacherzählung der Ereignisse rund um Twilight Princess, aber sie zeigt dennoch recht gut den Kern meines Anliegens auf, denn noch vor wenigen Tagen war ich eine der Personen, die das letzte Zelda-Abenteuer inzwischen so schlecht in Erinnerung hatte, dass es im Rückblick fast schon zum lachen ist. Bis ich nun zu einem erneuten Durchgang ansetzte, der mich wie aus einem Traum aufweckte. Das perfekte Beispiel, wie man, ohne es zu erkennen, der Gruppendynamik eines Forums erliegt. Der finale Satz des letzten fiktiven „Tagebucheintrages“ gibt das Dilemma so schön ehrlich preis. Ich wage es an dieser Stelle jedoch nicht, meine Hand in das Feuer zu legen, in dem ich behaupte, dass auch der Großteil der Foren-Kritiker in diese Spirale geraten sind. Ich nehme es aber, aufgrund vergleichbarer Beobachtungen in der Vergangenheit, äußerst stark an.

Ich hätte es mir jedoch auch einfacher machen und eine Digital-Cam schnappen können, um ein Photo von meinem derzeitigen Backlog (aka nicht durchgespielte Titel) zu machen. Der ist nämlich bedrohlich gewachsen, wobei die alleine Existenz des Backlogs für sich spricht, da in früheren Zeiten jedes Videospiel von mir gnadenlos gemeistert wurde. Dies hängt ohne Frage mit meiner Tätigkeit als Redakteur bei Gaming Universe zusammen, aber eben auch nur zu einem bestimmten Anteil. Ich habe zwar nur wenig Wissen darüber, wie es anderen Spielern ergeht, aber wenn ich Hasstiraden zu einem Titel lese, dann kann mir schon leicht die Lust darauf vergehen. Eine Angewohnheit von der ich ganz besonders schockiert bin und die dazu führte, dass ich in den letzten zwei Jahren erschreckend wenige Spiele perfekt durchgezockt habe. Gleichzeitig sitze ich (viel zu) lange vor dem Computer und lese gebannt in Foren wie dem Neo Gaming Age (auch bekannt als Himmel und Hölle der Videospieldiskussion) über kommende Spiele, bin neidisch auf die Japaner und Amerikaner, die schon die neusten Hits in den Händen haben dürfen, während mein Backlog stumm in der Ecke sitzt. Noch schlimmer wird es allerdings, wenn hier die schon angesprochene Forendynamik einsetzt. Ein Beispiel: Ein japanisches Forenmitglied postet im Neo GAF sein negatives Resümee zu Spiel X. Sofort verbreitet sich diese einzelne Meinung in Foren in aller Welt. Zwar überwiegt die Anzahl der Spieler, die auf eine einzelne Meinung nichts geben, aber jene Forenbesucher, die diese Kritik für bare Münze halten bzw. schon als Fakt erklären, sorgen für eine unterschwellige Verschlechterung der Stimmung. Am Ende kann die absurde Situation eintreffen, dass ein Großteil aller Forenbesucher schon eine vorgefertigte Meinung zum Spiel im Kopf hat, noch bevor sie den Startbildschirm passierten und (und das ist ein Knackpunkt) auf Kritikpunkte, die anderen Leute mit völlig anderen Geschmäckern aufgestoßen sind, mit akribischem Auge achten, an die sie selbst aber nicht im Traum gedacht hätten. Mir persönlich ergeht es so immer dann, wenn einmal mehr die Sprachausgabe-Diskussion auftritt. Erst als ich die Diskussion über diesen „Schönheitsfehler“ der Zelda-Spiele in Internetforen bemerkte, fand ich am Fehlen der Sprachausgabe bei den Charakteren außer Link ebenfalls Anstoß. Obwohl ich daran zuvor nie einen Gedanken verschwendete. Woraufhin viele Stunden draufgingen, in denen ich andere User davon überzeugen wollte, wie wichtig dieses Feature doch wäre. Und wieder ein Punkt für die Gruppendynamik.

Auf was ich eigentlich hinaus möchte: Ich werde mir die Freiheit erlauben und mir für eine unbestimmte Zeit eine Internet-Pause gönnen (von regelmäßigen Besuchen der News-Seiten abgesehen, versteht sich), weswegen dies auch mein vorerst letzter Artikel für den Retro V Blog darstellen wird. Falls die berechtigte Frage aufkommen sollte, weshalb ich dies nicht gleich hinausposaunen konnte, anstatt die Leser mit dem oben stehenden Text zu malträtieren: Weil mich die Frage interessiert, ob auch andere Videospieler da draußen dieselben Beobachtungen machen konnten, egal ob an sich oder andere. Womit ich freundlich auf die Kommentarfunktion verweise. ;)

Ich möchte Kevin aka Otaku1990 dafür danken, dass er mich seinen schönen Blog mit meinen wirren Gedanken hat verschandeln lassen – und das auch noch freiwillig und (na ja, fast) ohne Waffengewalt. Das müssen er, Neo Caligula und Ness nun wieder ausbaden, aber ich bin vom Erfolg dieser Mission überzeugt. Und nicht zuletzt ein Dankeschön an die Leser des Blogs und die vielen freundlichen Kommentare der vergangenen Monate. Wobei: Was macht ihr noch am PC? An die Konsole, aber schnell. Nein, Wii- und PS3-Browser zählen nicht.