Selbst gebraut schmeckt besser: Der Weg zum ersten eigenen Bier

Als ich Ende 2013 mit „Amarsi“ vom BrauKunstKeller mein erstes Craft Beer probierte, erwachte mein Interesse für das Thema Bier. Über die Jahre kostete ich die verschiedensten Bierstile aus aller Welt, bis ich mich Anfang dieses Jahres endlich dazu entschloss, mein erstes eigenes Bier zu brauen. Wie genau das ablief, wie das Ergebnis ausfiel und welche Erfahrungen ich daraus ziehen konnte, möchte ich an dieser Stelle berichten.

Bier selbst brauen

Die Bereitschaft, viel Mühe und Geduld in die Herstellung seines eigenen Biers zu stecken, ist zwar löblich, doch um mit dem Brauen beginnen zu können, reicht das allein noch nicht aus: Zuerst einmal musste ich mich entscheiden, woher ich die entsprechende Ausrüstung beziehen würde. Die auf Amazon beliebten Braufässchen schienen mir derart weit von der traditionellen Bierherstellung entfernt zu sein, dass ich diese bereits zu Beginn ausschloss. Ich landete bald auf verschiedenen Online-Shops für Hobbybrauer und hatte mir mithilfe des Buchs „Bier selbst brauen“ von Greg Hughes bereits alle nötigen Utensilien zusammengestellt, als mir klar wurde, wieviel Flüssigkeit das übliche Brauvolumen von 30 Litern eigentlich wirklich darstellte. Was, wenn mein erstes Bier nichts werden würde? 30 Liter in den Ausguss zu schütten, würde mir das Herz brechen.

Das ganze musste also im kleineren Rahmen stattfinden. Während es allerdings in den Vereinigten Staaten genügend Anbieter von kleinen und feinen Brausets gibt, sieht es in Deutschland eher mau aus. Da stieß ich auf das Start-up-Unternehmen Besserbrauer und deren „Braubox“. Zwar war der Preis im Vergleich zu den Produkten aus den Hobbybrauer-Shops ziemlich gesalzen, jedoch gefiel mir, dass der Brauvorgang hier im Gegensatz zu anderen vorgefertigten Kits der traditionellen Methode ohne vorgefertigte Extrakte oder ähnliches folgte. Außerdem lud das Brauvolumen von vier Litern zum Experimentieren ein. Da ein obergäriger Bierstil mehr Fehler verzeiht als untergärige Sorten wie beispielsweise Pils oder Lager, entschied ich mich für die Brown Ale-Variante des „Rundum-Sorglos-Pakets“, in dem bereits die meisten benötigten Utensilien enthalten waren, wobei aber zusätzlich mindestens ein Kochtopf mit einem Volumen von 10 Litern zum Brauen notwendig ist (zwei sind praktischer, ich habe es aber auch mit mehreren kleineren Töpfen geschafft). Drei der vier wichtigsten Zutaten sind bereits in der Braubox enthalten: Malz, Hopfen und Hefe. Die vierte Zutat, Wasser, ist zum Glück nicht schwer zu bekommen. Um kein Risiko bei der Wasserhärte einzugehen, entschied ich mich dazu, mit stillem Mineralwasser aus dem Supermarkt zu brauen.

Bier selbst brauen: Maischen und Läutern

So beginnt der Prozess dann auch mit dem Einmaischen, bei welchem das Malz im Kochtopf in einige Liter erhitztes Wasser eingerührt wird. Anschließend muss die Temperatur der Maische eine Stunde lang konstant gehalten und am Ende erhöht werden. Es folgt das Läutern, bei dem das Malz von der Flüssigkeit getrennt wird. Hierzu wird der Inhalt des Kochtopfs mit einem großen Löffel nach und nach in ein Sieb gegeben und anschließend die Flüssigkeit nochmals über das im Sieb befindliche Malz geschüttet. Während die Maische langsam durch das dichte Malzbett sickert, werden zusätzlich einige Liter Wasser erhitzt und im Anschluss ebenfalls über das Malz gegossen. Doch auch danach befindet sich noch Restzucker im Malz, weswegen die gesamte Maische noch einmal darüber geschüttet wird. An dieser Stelle hätte sich ein zweiter großer Kochtopf definitiv bezahlt gemacht. Als Endresultat bleibt die Bierwürze, zu der im nächsten Schritt der Hopfen gegeben wird. Das ausgelaugte Malz kann übrigens weiterverarbeitet werden: Die Brauanleitung der Braubox enthält ein Rezept, aus dem ein wirklich großartiges Biertreberbrot entstanden ist!

Bier selbst brauen: Läutern und Biertreberbrot

Beim Hopfenkochen ist dann noch einmal Geduld angesagt. Die Würze wird zum Kochen gebracht und ein Teil des Hopfens nach einigen Minuten hinzugegeben, dieser sorgt für die Bittere. Kurz vor Ende wird der restliche Hopfen hinzugegeben, was zum Geschmack beiträgt. Insgesamt dauert das Kochen eine Stunde. Anschließend muss die Würze heruntergekühlt werden, was beispielsweise durch eine mit kaltem Wasser und (sehr vielen) Eiswürfeln gefüllte Spüle erreicht werden kann. Bis sie die richtige Temperatur erreicht hat, dauert es allerdings eine ganze Weile.

Bier selbst brauen: Würze und Gärflasche

Von nun an kann am meisten schiefgehen, denn da keine Hitze mehr auf das Bier einwirkt, ist es anfällig für Bakterien, die schnell das gewünschte Resultat zerstören können. Daher ist es wichtig, alle Utensilien fortan vor ihrer Benutzung zu sterilisieren. Auch dafür befindet sich zum Glück ein Hilfsmittelchen in der Braubox. Ist dies geschehen, kann die Würze in die mitgelieferte Gärflasche gefüllt werden. Hier kommt dann auch endlich die Hefe ins Spiel, die ebenfalls in die Gärflasche gegeben wird. Das Gemisch wird gut geschüttelt und mit dem sterilisierten Stopfen und Gärspund verschlossen. An einem dunklen Ort und bei Zimmertemperatur lagert das Bier anschließend etwa eine Woche, bevor es in Flaschen abgefüllt werden kann. In den ersten Tagen kann man der zum Leben erweckten Hefe sogar bei ihrer Arbeit zuschauen.

Wer glaubt, nach einer Woche sei das Bier bereit zum Trinken, den muss ich enttäuschen: Nun folgt die vierwöchige Flaschengärung. Die Flüssigkeit aus der Gärflasche wird mittels eines Schlauchs und einer Pumpe zuerst in einen Kochtopf mit einem Wasser-Zucker-Gemisch transportiert. Das ganze wird vorsichtig verrührt und ist nun bereit, in die Flaschen gefüllt zu werden. Vorausgesetzt, es wurde im Vorfeld genügend Leergut gesammelt, werden die einzelnen Flaschen nun wiederum sterilisiert und das Bier mit der Pumpe in diese übertragen. Dass dabei eine Sauerei entsteht, kann ich übrigens versprechen. Ist auch dies geschafft, lagern die verschlossenen Flaschen (mit Kronkorken oder Plopp-Verschluss, Drehverschlüsse schließen nicht dicht genug) etwa vier Wochen noch einmal aufrecht an einem dunklen Ort bei Zimmertemperatur, anschließend mindestens zwei Tage im Kühlschrank.

Bier selbst brauen: Die Verkostung

Bei mir folgte nun der Moment der Wahrheit. Sollte mein erster Brauversuch tatsächlich zum Erfolg geführt haben? Immerhin waren mir zwischendurch einige Patzer passiert (zu hohe Temperatur beim Einmaischen, das Überkochen der Würze…). Doch das laute „Plopp!“ beim Öffnen der ersten Flasche ließ mir einen Stein vorm Herzen fallen: Das Bierbrauen war erfolgreich! Doch wie schmeckte mein Brown Ale denn nun? Die Verkostung überraschte mich immens: Nicht nur war das Bier durchaus genießbar, es schmeckte hervorragend! Angenehm trocken und malzig, mit Anklängen von dem Brot, das aus dem Treber entstanden war. Wer hätte das gedacht. Dem Bier gab ich den dezent ironischen Namen „Kevins erstes Mal“ und verteilte die Flaschen unter meinen Freunden.

Die Braubox bekommt also eine klare Empfehlung von mir. Was hatte ich nun aus dem ganzen gelernt? Erstens, dass man die verwendeten Zutaten genau aus seinem Bier herausschmeckt, wenn man zuvor dessen Dämpfe beim Brauen über mehrere Stunden inhaliert hat. Zweitens, dass das Brauen eine ziemlich langweilige Angelegenheit ist, die man vielleicht lieber zusammen mit einem Kumpel und einem Kasten (wer hätte das gedacht) Bier angehen sollte. Drittens, dass man ein Produkt wesentlich mehr wertschätzt, wenn man es einmal selbst hergestellt hat.

Eine Antwort zu Selbst gebraut schmeckt besser: Der Weg zum ersten eigenen Bier

  1. KingPaddy sagt:

    Bier ist für mich immer wieder ein Ausdruck von Genuss. Keine Frage wie man zu den Leuten steht, die sich mit Billigbier auf Feiern in Stimmung bringen, wo dieses Getränk nur dazu dient, um sich mehr oder weniger günstig in großen Mengen zu berauschen.

    Am besten zu einer deftigen Mahlzeit oder in lauschiger Atmosphäre am Abend ist es gerade der Geschmack der überzeugt und was könnte da besser sein als Selbstgemachtes. Keine Frage man muss nicht elitär über die Biere großer Brauereien schimpfen, dann auch dort wird gute Qualität abgeliefert, aber Craftbeer bietet doch die Möglichkeit ganz andere Akzente zu bekommen.

    Ich finde es interessant diesen Erfahrungsbericht zu lesen und freu mich, dass der erste Versuch geglückt ist. Ich denke einer vielfältigen und hochwertigen Biertradition kann es nur zuträglich sein, wenn sich Bierfreund auch selbst an der Herstellung eigener Mischungen versucht.

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