Ein Genussspaziergang durch Freiburg

Freiburg bietet mehr als nur eine hübsche Altstadt und die Nähe zum Schwarzwald. Durch den hohen Anteil der studentischen Bevölkerung gibt sich die Stadt jung und zeitgemäß, was sich auch im kulinarischen Spektrum widerspiegelt. Ich habe für euch einen Rundgang durch Freiburg zusammengestellt, der euch an meinen Lieblingsorten zum Verweilen und Genießen vorbeiführt.

Blick auf das Martinstor in Freiburg im Breisgau

Wir starten unsere kleine Tour dort, wo wohl die meisten Reisenden zuerst eintreffen werden: dem Hauptbahnhof. Wer die Treppen zur Straßenbahnhaltestelle erklimmt und in östliche Richtung blickt, kann die Altstadt schon ausmachen. Ein Blick nach Westen lässt den Stadtteil Stühlinger erahnen. Wir laufen zuerst einmal in Richtung Altstadt, deren Wahrzeichen das Freiburger Münster ist. Schon nach wenigen Metern passieren wir dabei unser erstes Ziel, denn leicht versteckt neben Kino und Eiscafé und direkt an der Haltestelle Stadttheater liegt die…

Passage46, Bertoldstraße 46

Das Motto „Where art, music, gastronomy and culture intersect“ beschreibt das Konzept sehr gut, denn die Passage46 gelangt nicht mehr nur durch ihre Konzerte und Aufführungen, sondern zunehmend auch dank ihrer Bar zu Ruhm und Ehre, nicht zuletzt dank des leitenden Bartender Alexander Mayer, der kürzlich bei der „Made in GSA Competition“ in Berlin abräumte. Bei diesem Cocktail-Wettbewerb geht es darum, hauptsächlich Zutaten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zu verwenden und Alexander konnte mit seinem „Cowbell“, einer Mixtur aus Birnenbrand, Wermut und frischer Buttermilch, die Jury vollends überzeugen und damit den ersten Platz belegen. Diesen Drink kann man natürlich auch in der Passage46 genießen, vorausgesetzt die Zutaten sind gerade auf Lager. Andernfalls lockt eine anschaulich umgesetzte Karte mit diversen ansprechenden Drinks, die allesamt auf frische Zutaten setzen und auch die selbstgemachte Limonade weiß zu überzeugen.

Vom aufkeimenden Genusstempel begeben wir uns nun hin zu einer Freiburger Institution. Nicht unweit des Colombischlössles und beherbergt im Hotel Victoria befindet sich die…

Hemingway Bar, Eisenbahnstraße 54

Nimmt man am Tresen dieser professionell geführten Bar Platz, wird einem allein schon durch die hochwertige Auswahl an Spirituosen im Wandregal unmissverständlich vermittelt, dass man Trinkkultur hier sehr ernst nimmst. Die Karte strotzt dementsprechend nur so vor großartigen Drinks aus aller Welt, sodass die Wahl denkbar schwer fällt. Wie es sich für eine klassische Bar gehört, werden einem, noch während man vor sich hin grübelt, Wasser und ein Schälchen Knabbereien serviert und eine Beratung durch den Bartender angeboten. Worauf auch immer die Wahl am Ende fallen mag, man kann sich sicher sein, dass es mit hochwertigen Zutaten und großer Sorgfalt zubereitet wird. Für Freunde von Zigarre und Co. gibt es übrigens auch eine Smoker’s Lounge.

Fürs Erste bewegen wir uns weg vom alkoholhaltigen Genuss und hin zum Koffein. Wer den Freiburger Stadtgarten betritt, dem wird früher oder später ein kleiner Kiosk auffallen mit der Aufschrift…

Café Marcel, Im Stadtgarten 1

Neben leckeren Croissants wird hungrigen und durstigen Parkbesuchern hier auch exzellenter Kaffee angeboten, wobei sich das Angebot nicht nur auf Espresso-Getränke beschränkt. Sortenreine Bohnen aus verschiedensten Anbauländern werden hier auch via V60 oder Aeropress von Hand aufgebrüht. Dabei wechselt das Sortiment regelmäßig, sodass nicht nur Röstereien aus Freiburg, sondern aus ganz Deutschland vertreten sind und kleine Überraschungen wie ein Espresso Tonic für die heißen Tage beweisen, dass sich das Café Marcel nah am Puls der Zeit befindet.

Wir bleiben beim Kaffee und entfernen uns für unser nächstes Ziel ein wenig von der belebten Innenstadt. Am Fuße des Schlossbergs entlang biegen wir schließlich in die Kartäuserstraße ein. Hier finden wir etwas versteckt eine großartige Kaffeerösterei, deren Bohnen man in ganz Freiburg und auch im Café Marcel antrifft.

Rösterei Schwarzwild, Kartäuserstraße 60

Hat man das Glück, dass gerade frischer Kaffee geröstet wird, wird man unmittelbar vom herrlichen Duft eingenommen, noch bevor man das kleine Geschäft betreten hat. Betreiberin Andrea Jauch kam auf Umwegen zum Kaffee, versorgt Freiburg nun aber schon seit 2011 mit zur Perfektion gerösteten Bohnen. Die unterschiedlichen Röstprofile der aus Ländern wie Guatemala, Indien, Mexiko und Äthiopien stammenden Kaffeesorten decken verschiedenste Zubereitungsmethoden ab, vom Vollautomaten über Siebträgermaschinen bis hin zur guten alten French Press. Wer ob der illustren Namen verwirrt ist, der kann sich fachmännisch (bzw. fachfraulich) beraten lassen oder seine Wahl in Ruhe bei einem Cappuccino treffen, denn es werden nicht nur ganze und gemahlene Bohnen verkauft, sondern auch Kaffeegetränke serviert. Kleiner Espresso aus 100% Robusta gefällig? Daran trauen sich nicht viele Röster heran, doch wer nicht koffeinscheu ist, sollte die Chance nutzen und probieren. Die Geschmacksknospen bedanken sich.

Wir überqueren den Fluss Dreisam und bewegen uns in Richtung Johanneskirche, womit wir uns auch wieder der Altstadt nähern. Nach Cocktails und Kaffee soll es zum Schluss etwas hopfenbetonter zugehen, denn wir schauen uns Freiburgs Craft-Brauer an.

Carlos Köstlichkeiten, Günterstalstraße 7

In diesem Delikatessenladen findet man neben Kaffee, Gebäck, Pasta und diversen anderen Leckereien aus ganz Deutschland und der Welt auch die Biere des Freiburger Braukollektivs. Die vier Hobbybrauer überzeugen mit ihren bisher drei Biersorten auf ganzer Linie, vom stark gehopften „Black Sheep“ über das vollmundige „Horst“ bis hin zum fruchtig-erfrischenden „Moe“. Man darf gespannt sein, womit das Braukollektiv als nächstes aufwarten wird, denn hier ist viel Potenzial vorhanden. Übrigens ist dies nicht das einzige Craft Beer, das Carlos Köstlichkeiten im Sortiment hat. Die Auswahl von Kuehn Kunz Rosen aus Mainz ergänzt die Geschmackspalette des Freiburger Braukollektivs optimal.

Unser letztes Ziel führt uns in den Westen Freiburgs. Wer an einem Freitagabend Augen und Ohren offen hält, wird in der Haslacher Straße, direkt neben Schmitz Katze, den Eingang zur Decker Garage entdecken. Eventuell muss man aber auch nur dem Duft von frisch gebratenem Fleisch folgen, denn bei gutem Wetter wird hier nicht nur Bier verkauft, sondern auch gegrillt.

Decker Garage, Haslacher Straße 25

Drei Stunden stehen dem geneigten Craft Beer-Fan zur Verfügung, wenn er eine der imposanten 1-Liter-Flaschen Decker-Bier sein Eigen nennen will. Während sich das Braukollektiv bisher auf ausländische Bierstile konzentriert hat, interpretiert Decker typisch deutsche Sorten neu. Stets im Sortiment sind Pils, Helles und Export, saisonal werden auch ein Weizen- und ein Schwarzbier angeboten. Die wuchtigen Flaschen teilt man gerne in gemütlicher Runde unter Freunden auf, jedoch sind sie entsprechend ihrer Füllmenge auch nicht ganz günstig. Hinzu kommt der teure Pfand und bisher kann man sein Leergut auch nur in der Garage selbst, d. h. freitags zwischen 17 und 20 Uhr, zurückgeben. Wer diese Problematik umgehen möchte, für den gibt es Hoffnung, denn die Brauer haben für die nahe Zukunft ein Pils mit dem dänischen Namen „Øl“ in herkömmlicher Größe angekündigt.

Und so endet unser kleiner Genussspaziergang. Zum Bahnhof ist es vom letzten Ziel aus nicht mehr weit, aber viel schöner ist es doch, an einem der hier beschriebenen Orte zu verweilen. Freiburg bietet genügend Möglichkeiten zum Genießen und in Zukunft werden sicher noch einige hinzukommen. Man darf also gespannt sein, womit die junggebliebene Stadt in Zukunft noch so aufwarten wird.

Advertisements

Kommentare sind geschlossen.