Parov Stelars „The Demon Diaries“: Elektro-Swing wird erwachsen

Immerhin drei Jahre ist es nun schon her, seit Parov Stelar sein letztes vollwertiges Album „The Princess“ veröffentlicht hat. In dieser Zeit hat es nicht nur der österreichische Künstler selbst zu Ruhm gebracht, er hat auch einen großen Teil dazu beigetragen, das Genre des Elektro-Swing zu popularisieren. Mit seinem neuen Album „The Demon Diaries“ scheint dieser Stil nun erwachsen geworden zu sein.

Parov Stelar - The Demon Diaries

Ich erinnere mich noch genau daran, wie das erste Mal ein Song von Parov Stelar an mein Ohr drang. Der magische Moment ereignete sich in einem kleinen Club gelegen an der Bundesstraße B9. Von einer Kommilitonin hatte ich nur eine Woche zuvor von dem noch recht jungen Genre namens „Elektro-Swing“ (gerne auch „Electro Swing“) erfahren, als sie mir einige Lieder von Caravan Palace vorgespielt hatte. Auf der Tanzfläche von besagtem Club war es dann plötzlich so weit: Der DJ blendete über in den kultigen Titel „Libella Swing“ von Parov Stelar. Ich war sofort derart begeistert von dem Track, dass ich mich bei ihm nach dem Namen des Lieds erkundigte. Nachdem ich am nächsten Tag den Künstler recherchiert hatte, stellte ich erfreut fest, dass ein neues Album von ihm unterwegs war. So kam ich mit „The Princess“ an meine erste Platte von Parov Stelar und bin seitdem ein treuer Fan.

Die Wurzeln des Österreichers, der im wahren Leben den Namen Marcus Füreder trägt, liegen eigentlich im Bereich Trance und Techno, wo sich auch seine ersten vereinzelten Releases einordnen lassen. Doch schon 2003 gründete er sein eigenes Label „Etage Noir“ und veröffentlichte im darauffolgenden Jahr dann auch sein erstes Album „Rough Cuts“, eine Jazz-Platte mit starken elektronischen Einflüssen. Ähnlich einzuordnen ist auch der Nachfolger „Seven and Storm“ aus dem Jahre 2005, doch der Swing-Einfluss, der Parov Stelar berühmt machen sollte, war bereits in dem Titel „Kisskiss“ wahrnehmbar und wurde schließlich im 2007 erschienenen Album „Shine“ vollwertig umgesetzt. Die Platte beginnt mit einigen wunderschönen, melancholischen Stücken und nimmt zur Mitte hin Fahrt auf, um dann mit „Charleston Butterfly“ einen reinrassigen Elektro-Swing-Song zu präsentieren. Hier ließ sich bereits erkennen, in welche Richtung sich der Stil des Österreichers entwickeln würde.

Parov Stelar Band

Als 2009 schließlich „Coco“ erschien, hatte sich Parov Stelar bereits als treibende Kraft in der Elektro-Swing-Szene etabliert und das merkt man dieser großartigen Platte deutlich an. Die erste Disc des Doppelalbums stimmt den Zuhörer stimmig auf das ein, was ihn auf der zweiten Scheibe erwartet. Die ruhigen, atmosphärischen Songs lassen bereits erahnen, welche instrumentale Power dieses Mal dank der „Parov Stelar Band“, mit der der Künstler zu jener Zeit bereits gemeinsam Konzerte bestritt, in den einzelnen Tracks steckt. Bereits der erste Titel der zweiten Disc, „The Mojo Radio Gang“, ist dann auch eine durch und durch tanzbare Elektro-Swing-Granate, „Ragtime Cat“ hält diesem mühelos die Stange und in „Silent Snow“ darf das in den Werken von Parov Stelar überaus wichtige Saxophon, virtuos gespielt von Max the Sax, abermals glänzen. Das geniale „Libella Swing“ bereitet den Hörer schließlich auf den Höhepunkt des Albums vor: „Catgroove“, eines der unbestritten fetzigsten Lieder aus dem Repertoire von Parov Stelar (siehe Hörprobe unten). Der Rest des Albums stellt den „Elektro“ dann eher in den Vordergrund als den „Swing“, jedoch möchte ich an dieser Stelle vor allem „Starlight“ als eine der weniger bekannten Perlen erwähnen.

Nach dieser virtuosen Platte war Parov Stelar nicht mehr aufzuhalten. Vereinzelte Single-Releases gaben immer wieder einen Vorgeschmack auf das nächste heiße Eisen aus der Schmiede des Elektro-Swing-Meisters und 2012 war es dann endlich soweit: „The Princess“ bot erneut auf zwei Discs verteilt eine Breitseite tanzwütiger Elektro-Swing-Perlen, darunter der Dauerbrenner „All Night“, das ebenfalls großartige und überraschend unelektronische „Nobody’s Fool“, das durch Gipsy-Einflüsse geprägte „Jimmy’s Gang“, das kraftvolle „Baska Brother“, die „1930 Version“ von „The Phantom“ und „Oh Yeah“, dessen Name für sich spricht.

In den Jahren nach „The Princess“ erntete Parov Stelar die Früchte seiner Arbeit. Während in Deutschland und auf der ganzen Welt immer mehr Elektro-Swing-Partys gefeiert wurden, auf denen die Songs des Genre-Mitbegründers natürlich nicht fehlen durften, gelangte sein unverkennbarer Sound durch Werbespots und Youtube-Videos auch an immer mehr Mainstream-Ohren. Ein paar sommertaugliche Remixes und eine verrucht-jazzige EP später veröffentlichte Parov Stelar zu seinem zehnjährigen Jubliäum das Best of-Album „The Art of Sampling“. Neben modernen Klassikern sind auf dieser Platte auch einige neue Tracks zu hören, darunter „Josephine“, „Heavens Radio“ und verschiedene Remixes. 1 ½ Jahre später sind wir nun in der Gegenwart angelangt und der Release von „The Demon Diaries“ steht vor der Tür.

Konzert der Parov Stelar Band

Das Album erscheint in drei unterschiedlichen Versionen, wobei die Doppel-CD die definitive Variante darstellt. Alternativ kann auch eine Einzel-CD erworben werden, die Songs von beiden Discs enthält. Bei einem Preisunterschied von knapp drei Euro stellt sich allerdings die Frage, welchen Sinn diese Variante wirklich erfüllt. Für einen wesentlich beträchtlicheren Aufpreis ist außerdem eine „Limited Super Deluxe Edition“ erhältlich, welche neben den zwei CDs auch die Schallplatten-Ausgabe des Albums beinhaltet, sowie ein Artbook mit Werken des vielseitig talentierten Künstlers und eine Mini-Vinyl des Lady Gaga-Songs „I Can’t Give You Anything But Love“ samt Parov Stelar-Remix. Abgesehen davon enthält das Paket aber keine zusätzlichen Tracks, Käufer der Doppel-CD-Edition verpassen also nichts.

Die Platte lässt sich nicht ohne weiteres einer Stilrichtung zuordnen, denn neben den typischen Elektro- und Swing-Sounds verarbeitet Parov Stelar dieses Mal auch Einflüsse aus Funk, Disco, Jazz und Soul. All dies wurde durch die Veröffentlichungen der letzten Jahre vorangekündigt, doch manch ein Fan wird im ersten Moment eventuell etwas verwirrt sein, denn die puristischen Elektro-Swing-Tracks sind in der Unterzahl. Als Entschädigung darf man Parov Stelar als Produzenten in Höchstform erleben, denn eine musikalisch vielseitigere und instrumental hochwertigere Platte hat es von ihm bisher wohl noch nicht gegeben. Ein endgültiges Urteil darf man selbstverständlich erst fällen, wenn das Album in den Regalen steht, aber die bisher veröffentlichten „Snippets“ versprechen bereits einiges. Der Elektro-Swing-Boom hat leider eine Vielzahl an Künstlern hervorgebracht, für die ein guter Track aus nicht viel mehr als einem tanzbaren Beat und den richtigen Samples besteht. Parov Stelar nimmt nun aufs Neue die Vorreiterrolle ein und zeigt, dass in dem Genre durchaus noch Luft nach oben ist. Wird Elektro-Swing nun erwachsen oder handelt es sich lediglich um eine pubertäre Phase? Die Zeit wird es zeigen.

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