Pokémon Shuffle: Eine Hassliebe

Für Nintendo erwies sich das Konzept von Pokémon Shuffle als voller Erfolg. Für den Spieler kann F2P jedoch oft frustrierend sein, da es ihm nicht erlaubt, im eigenen Tempo voranzukommen. Über meine persönlichen Erfahrungen mit dem Puzzler.

Pokémon Shuffle

Ein relativ neues Konzept in der Videospielwelt, welches vor allem auf Plattformen wie Facebook und Smartphones beliebt zu sein scheint, ist F2P, kurz für Free-to-play. Sogar Nintendo befasst sich nun mit dem System, bei dem man das Spiel selbst kostenlos erhält, bei der Nutzung von bestimmten optionalen Funktionen jedoch bezahlen muss. Nachdem es Rusty’s Real Deal Baseball nicht nach Europa geschafft hat, ist Pokémon Shuffle hierzulande der erste Titel aus dem Hause Nintendo, der auf diese Weise funktioniert. Bei diesem Puzzle-Spiel werden die Versuche, die dem Spieler zur Verfügung stehen, begrenzt, wobei sich diese mit der Zeit regenerieren. Oder aber man kauft sich Weitere hinzu.

Ich habe Pokémon Shuffle tatsächlich nur deswegen ausprobiert, weil man es kostenlos herunterladen kann, denn die Vorläufer Pokémon Link! und Pokémon Link: Battle! hatte ich seinerzeit nicht ausprobiert und auch mit der Hauptserie an sich befasse ich mich nur noch wenig. Nach einigen Minuten mit dem Puzzler gefiel mir das Spielprinzip allerdings sehr gut und aufgrund des einsteigerfreundlichen Schwierigkeitsgrads und den diversen Bonus-Items, die man anfangs erhält, störte mich auch das Limit von höchstens fünf aufeinanderfolgenden Versuchen nicht. Erste Frustmomente ergaben sich allerdings bei den schwierigeren Gegnern, schließlich liegt es in der Natur eines Videospielers, eine nicht auf Anhieb gemeisterte Aufgabe sofort noch einmal angehen zu wollen. Diese zweite Chance aufgrund fehlender Versuche auch nur um eine halbe Stunde verschieben zu müssen, fällt da oft schwer.

Abgesehen davon scheint sich Pokémon Shuffle in der ersten Hälfte des Spiels nicht sonderlich darum zu bemühen, den Spielern das Geld aus der Tasche zu ziehen. Die frühen Kämpfe sind leicht zu bestehen und die meisten Pokémon lassen sich oft schon beim ersten Versuch fangen. Das ändert sich jedoch in den späteren Stufen, denn nicht nur werden die Gegner immer schwieriger, sie entwickeln auch die Angewohnheit, ein aufs andere Mal aus ihren Pokébällen zu entfliehen. Dies wird besonders für weniger erfahrene Spieler zum Problem, da selbst nach einem harten Kampf noch längst nicht garantiert ist, dass das besiegte Monster auch der Sammlung hinzugefügt werden kann. Ganz im Gegenteil: Schwache Pokémon lassen sich mit Leichtigkeit einfangen, während die besonders kniffligen Vertreter mit teils lächerlich niedrigen Fangchancen daherkommen. Dies gilt besonders für die Spezialstufen, in denen besonders beliebte bzw. legendäre Kreaturen auf den Spieler warten. Hier nicht das Handtuch zu werfen und dem Spiel endgültig den Rücken zu kehren, stellte für mich eine frustrierende Geduldsprobe dar.

Pokémon Shuffle

Es ist nicht einmal so, als stünden dem Spieler keine Hilfsmittel zur Bewältigung der schwierigeren Stufen zur Verfügung. Tatsächlich gibt es diverse Items, die verschiedene nützliche Effekte hervorrufen, diese müssen jedoch gegen eine große Menge Münzen eingetauscht werden und an diese heranzukommen, ist leichter gesagt als getan. Nintendo lädt Nutzer der SpotPass-Funktionalität zwar immer wieder zu lukrativen Herausforderungen ein, steht jedoch gerade keine solche zur Verfügung, ist es fast unmöglich, die nötige Anzahl an Münzen zusammenzubekommen. Umso größer ist die Versuchung, schließlich doch einige Euros in den eigenen Spielfortschritt zu investieren.

Warum denn auch nicht? Wer so weit gekommen ist, dem gefällt das Spiel offensichtlich, demnach wäre es auch nicht verwerflich, Nintendo für den Spaß zu bezahlen, oder? Hier muss wohl jeder Spieler selbst entscheiden, was er für richtig hält. Nur weil man einmal in die Tasche gegriffen hat, heißt das nicht, dass damit der Rest des Spiels offensteht. Stattdessen erkauft man sich lediglich Zeit bis zur nächsten unüberwindlichen Hürde. Wer nicht möchte, dass Nintendo in Zukunft stärker auf das F2P-System setzt, der sollte seine Geldbörse also lieber geschlossen halten. Ich persönlich werde in Zukunft jedenfalls mit Vorsicht an solche Konzepten herangehen, auch wenn mir Pokémon Shuffle gut gefallen hat. Denn ich bevorzuge es, selbst zu entscheiden, wann und wie lange ich spiele und wie oft ich mich an einer Herausforderung versuche, bis ich das Gerät aus der Hand lege.

5 Antworten zu Pokémon Shuffle: Eine Hassliebe

  1. ness sagt:

    Zitat: „Wer nicht möchte, dass Nintendo in Zukunft stärker auf das F2P-System setzt, der sollte seine Geldbörse also lieber geschlossen halten. Ich persönlich werde in Zukunft jedenfalls mit Vorsicht an solche Konzepten herangehen, auch wenn mir Pokémon Shuffle gut gefallen hat. Denn ich bevorzuge es, selbst zu entscheiden, wann und wie lange ich spiele und wie oft ich mich an einer Herausforderung versuche, bis ich das Gerät aus der Hand lege.“

    Genauso sehe ich das ehrlich gesagt auch. Gestern hat Nintendo mit „Pokémon Rumble World“ ja bereits den nächsten F2P-Titel angekündigt, mal schauen wie sich das Ganze weiterentwickelt…

  2. Oliver sagt:

    Ich habe generell wenig gegen das F2P-System (Auch wenn ich es IMMER vorziehen werde, meine Spiele auch tatsächlich und im vollen Umfang zu besitzen, was in Zeiten der Download-Only-Titel ja auch eine diskussionswürdige Angelegenheit darstellt). Es ist eben alles eine Sache der Herangehensweise. Und ein schmaler Grad für Entwickler und Publisher. Selbigen scheint Nintendo in der letzten Zeit übrigens öfters zu gehen, um an frische Geldquellen zu gelangen. Siehe amiibo. Das geht manchmal fantastisch gut (Mario Kart 8 DLC), bei anderen Projekten bin ich da schon kritischer eingestellt (Fire Emblem If – Content-Splittung, DLC, weitere „Otakurisierung“).

    • ness sagt:

      Bzgl. „Content-Splittung“:

      Wobei im Falle von FE If es evtl. wohl so sein soll, dass beide Spiele jeweils qausi den Umfang von Awakening haben und sich auch unterschiedlich spielen werden. Also scheint das (mehr oder weniger) eher sowas wie die Oracle-Teile bei Zelda damals zu sein. Da hätte man sich ja auch fragen können, warum man das nicht gleich beides auf ein Modul packt^^.

  3. Oliver sagt:

    Wenn ich das korrekt verstanden habe, werden die anfänglichen Missionen übereinstimmen, bevor sich die Kampagne in zwei unterschiedliche Richtungen teilt, richtig?
    Meine Sorge liegt eher im Umfang dieses Unterfangens begründet. Da befürchte ich, dass beide Versionen für sich genommen etwas knapp ausfallen könnten. Intelligent Systems hat in den letzten Jahren nicht gerade zur Vertrauensgewinnung beigetragen. Ein unrunder Titel nach dem anderen (Die Topwertungen von FE:A kann ich mir nur durch den gesteigerten Produktionswert erklären, was ein ziemliches Armutszeugnis für die Tester darstellt). Du verstehst also, dass ich bei dem nun gesteigerten Arbeitsaufwand skeptisch bin.

    • Yoshi sagt:

      Ich denke, dass bei FEA noch andere Dinge relevant waren:
      1. Einsteigerfreundlichere Casual-Regeln:
      1a) Kein Perma-Death
      1b) Grinding auf der Spielkarte
      2. Waifu-Mist: Frag mich nicht warum, aber ein signifikanter Teil der Otaku-Spieler verliebt sich scheinbar gerne in Comic-Frauen…
      3. Simulationsaspekte für manche Spieler attraktiv: Paarungen, Kinder usw…

      Persönlich gefällt mir FEA von den modernen FEs (ab 7, wahrscheinlich ab 6, aber das muss ich erst spielen) am schlechtesten, aber es macht vieles, was es zu einer besseren Wahl für Einsteiger macht und ich kann daher positive Wertungen verstehen. Ich denke auch, dass FEA unabhängig von diesen DIngen immernoch ein ziemlich gutes SRPG ist, mit Sicherheit im Vergleich zur mir bekannten Konkurrenz Shining Force, Disgaea, FF Tactics und Pokémon Conquest.