Sechs tolle Spirituosen für unter 15 Euro

Teurer ist nicht immer besser, das gilt auch für Spirituosen. In den hiesigen Supermärkten kämpfen diverse Marken um die Gunst der Käufer und nicht jede ist ihren Preis wert. In diesem Artikel möchten wir auf einige wirklich gute Produkte aufmerksam machen, die gar nicht mal so teuer sind.

Klar, wem Geschmack und die körperliche Verfassung am Morgen danach egal sind, der kann für die nächste Party gern zum Discounter-Fusel greifen. Wer jedoch den Abend genauso genießen möchte wie seinen Drink, der sollte in jedem Fall mehr als 10 Euro für die Flasche seiner Wahl lockermachen. Doch damit ist die Sache noch längst nicht gegessen bzw. getrunken. Der Konsument wird durch das Sortiment der Supermärkte regelrecht erschlagen, gibt es doch eine Unzahl an Marken in diesem Preissegment und Begriffe wie „Premium“ und „Superior“ werden den Kunden regelrecht um die Ohren gehauen. Durch geschicktes Marketing haben sich einige Marken ungerechtfertigterweise am Markt etabliert und landen schnell einmal in den Einkaufswägen von uninformierten Verbrauchern, die das Etikett mit der hübsch anzusehenden Fernsehwerbung verbinden. Dafür zahlen sie dann oftmals sogar mehr als für eine unbekanntere, qualitativ jedoch hochwertigere Marke.

Damit unsere Leser nicht in dieselbe Falle tappen, stellen wir an dieser Stelle sechs tolle Spirituosen vor – für jede der großen Kategorien eine – die bereits für weniger als 15 Euro zu haben sind. Diese Empfehlungen sind auch angehenden Hobby-Mixern zu empfehlen, denn jede dieser Flaschen macht sich hervorragend in einem Cocktail.

1) Vodka: Russian Standard

Russian Standard Vodka

Unsere erste Spirituose ist auch gleichzeitig die günstigste auf der Liste. Im Segment der Vodkas darf man sich nicht von schicken Flaschendesigns einlullen lassen und genauso wenig sollte man glauben, dass ein werbestarker amerikanischer Vodka einem russischen Original das Wasser reichen kann. Russian Standard gehört nicht ohne Grund zu den meistverkauften Vodkas Russlands, denn im Gegensatz zu mancher Modemarke schmeckt diese Spirituose noch nach ihren Zutaten (beim doch sehr neutralen Vodka ein wichtiges Qualitätsmerkmal), ist dabei aber mild und brennt nicht so sehr im Rachen wie manche ihrer Kollegen. Wer Gefallen an Russian Standard gefunden hat, kann sich innerhalb der Familie auch problemlos hochhangeln, denn für Vodka-Fans gibt es auch teurere Varianten, die sich dann auch mehr und mehr zum puren Genuss eignen.

2) Gin: Bombay Dry

Bombay Dry Gin

Die strahlend blaue Flasche des großen Bruders Bombay Sapphire kennen wohl die meisten, aber wie sieht es mit der günstigeren Variante in der vergleichsweise unauffälligen weißen Flasche aus? Selbst Bacardi, der Vertreiber der erfolgreichen Gin-Marke, behandelt den Dry Gin eher stiefmütterlich, dabei kann er für seinen Preis einiges. Gin wird nicht zuletzt aufgrund des vor kurzem aufgeflammten Hypes teurer verkauft als vielleicht angemessen wäre, weswegen es schön ist, dass man auch für unter 15 Euro einen runden, wenngleich nicht unbedingt spektakulären Dry Gin erstehen kann. Ob im Gin & Tonic oder Fizz, der Bombay Dry funktioniert. Wem jedoch nach einem interessanten Aromenspiel ist, der sollte natürlich ein paar Euros mehr investieren und zu Broker’s oder Tenqueray greifen, von den ganz feinen Schmankerln wie Monkey 47 oder Gin Mare ganz zu schweigen.

3) Tequila: Agavita 100% Agave

Agavita Tequila Blanco 100% Agave

Der ein oder andere verbindet den Name Agavita vielleicht mit den von Krabbeltieren verzierten Flaschen oder auch mit Zitronenscheiben und Salz. Vor einer Weile tauchte jedoch plötzlich eine neue Flasche in den Regalen auf und versprach etwas Unglaubliches: 100% Agave. Für den Preis?! Wie der Hersteller es schafft, seine Konkurrenz derart zu unterbieten, bleibt dessen Geheimnis, Fakt ist jedoch: dieser Tequila ist gar nicht mal schlecht! Der Agavita schmeckt zwar nur nach Tequila und sonst nichts, aber er beseitigt auch die größte Schwäche der günstigen Tequila-Vertreter: den sprittigen Beigeschmack. Stattdessen breitet sich die Spirituose sanft im Gaumen aus, ganz ohne unangenehmes Brennen. Trotzdem sollten schwache Gemüter vorsichtig beim puren Genuss sein. Es handelt sich hier schließlich immer noch um Agavenschnapps.

4) Scotch: Loch Lomond

Loch Lomond Single Malt Scotch Whisky

Allein das Wort „Scotch“ klingt schon nach einem Loch im Geldbeutel. Und während die meisten Scotchs im niederen Preissegment auf ganzer Linie zu enttäuschen wissen, stellt Loch Lomond eine positive Überraschung dar. Es handelt sich dabei um einen jungen, hellen und relativ milden Scotch, der durchaus auch ohne Eis pur genossen werden kann. Selbstverständlich kann er nicht mit dem Geschmackserlebnis der acht Jahre und älteren Scotch-Kollegen mithalten, dafür kostet er aber auch nur einen Bruchteil und ist dabei jedem Blend desselben Preissegments überlegen. Interessant ist er außerdem für Cocktails, denn bei diesem Preis-Leistungs-Verhältnis kann der geneigte Hobby-Mixer auch mal einen Single Malt opfern. (Asche auf mein Haupt, falls es schwierig werden sollte, den Loch Lomond für die titulierten 15 Euro zu bekommen. Die Flasche kostet je nach Anbieter unterschiedlich viel, also am besten Augen offen halten.)

5) Bourbon: Four Roses

Four Roses Straight Bourbon

Der amerikanische Verwandte des Scotch genießt in manchen Kreisen zu Unrecht einen schlechten Ruf. Im Vergleich zum schottischen Pendant sind die Aromen eines Bourbons wesentlich vordergründiger und es schwingt stets die Süße des Mais mit. Das muss jedoch kein Nachteil sein, denn Bourbon macht nicht nur als kräftiger Feierabend-Drink eine gute Figur, sondern auch im Cocktail, denn diese Zutat übertönt so schnell nichts. Auch wenn Maker’s Mark gerne als hochwertiger Einsteiger-Bourbon empfohlen wird, geht es eine Stufe günstiger. Four Roses hat eine interessante Geschichte hinter sich, denn obwohl es sich dabei in den 30er bis 50er Jahren um Amerikas meistverkauften Bourbon handelte, geriet die Marke in Verruf, als der Hersteller anfing, einen qualitativ mangelhaften Blend aus Neutralalkohol unter dem Namen zu vertreiben. Der japanische Konzern Kirin rettete Four Roses schließlich, indem er die Marke vor etwas mehr als zehn Jahren übernahm und wieder echten Bourbon unter dem Namen verkaufte. Kleine Anmerkung am Rande: Wer statt zu Bourbon lieber zum großen Bruder Rye greift, dem kann ebenfalls geholfen werden. Jim Beam (sicher nicht ganz unschuldig an dem Ruf von amerikanischem Whiskey) stellt einen günstigen und soliden Rye Whiskey her. Man halte dafür Ausschau nach dem gelben Etikett.

6) Rum: Zu viele, um sie hier aufzuzählen

Rum-Auswahl

Rum-Liebhaber haben es gut. Nicht nur handelt es sich bei dem Zuckerrohrprodukt um eine ungemein komplexe Spirituose, die ähnlich wie Whiskey scheinbar immer besser wird, je mehr Zeit sie im Fass verbringt, sie ist auch vergleichsweise günstig zu haben, besonders wenn es sich um weißen Rum handelt (wohl eine Nebenwirkung der ökonomischen Situation in den Herstellerländern). Das Problem ist hier eher die mangelnde Auswahl in vielen Supermärkten. Wer jedoch einen gut sortierten Händler findet, hat die Qual der Wahl. Günstigen und guten weißen Rum gibt es beispielsweise von Plantation, Appleton, Cruzan, El Dorado und Flor de Caña, um nur einige Vertreter zu nennen. Sollte nichts davon zu finden sein, kann man sich aber natürlich auch immer auf den guten alten Havana Club 3 Años verlassen. Dieser findet in der anglophonen Trinkkultur nur deswegen so selten Erwähnung, weil er in Amerika aufgrund des Handelsembargos mit Kuba nicht zu bekommen ist. Nachdem dieses jedoch kürzlich gelockert wurde, besteht Hoffnung, dass auch die Amerikaner bald in den Genuss des kubanischen Rums kommen. Na dann, Prost!

Eine Antwort zu Sechs tolle Spirituosen für unter 15 Euro

  1. Minrod sagt:

    Bei den Whiskys hätte ich hier lieber Canadian Club gesehen, statt den beiden vorgestellten ;)