Alfons Mucha – Beeinflusst durch Japan, ein Einfluss auf Japan

Der tschechiche Künstler Alfons Mucha ist einer der herausragenden Vertreter des Jugendstils, den er vor allem durch seine berühmten Plakatarbeiten prägte. Sein typischer Zeichenstil mit den kräftigen Konturen und floralen Mustern wurde dabei vom japanischen Farbholzschnitt inspiriert. Wiederum übt Mucha noch heute einen großen Einfluss auf die japanische Kunst des Manga aus…

Werk von Alfons Mucha

Geboren wird Alfons Mucha am 24. Juli 1860 in der tschechischen Stadt Ivančice. Da er an der Prager Akademie der Bildenden Künste nicht angenommen wird, bildet er sich auf eigene Faust künstlerisch weiter und lebt für einige Zeit von Bühnenmalereien, Buchillustrationen und ähnlichen kleineren Aufträgen. Erst als er 1894 das erste Plakat für die Schauspielerin Sarah Bernhardt entwirft, gelingt ihm der Durchbruch. Die farbenfrohen und eleganten Darstellungen des Weiblichen treffen den Nerv der Epoche und werden später aufgrund ihrer Begehrtheit bei Kunstliebhabern in riesigen Auflagen gedruckt. Mucha entwirft fortan nicht mehr nur Werbeplakate für Bernhardts Stücke, sondern arbeitet auch für Firmen wie Nestlé und Maggi und lässt seine sinnlichen Frauengestalten sogar Zigaretten bewerben.

Werke von Alfons Mucha

Wie viele andere Vertreter des Jugendstils ließ sich auch Alfons Mucha von der japanischen Kunst inspirieren, in diesem Fall vom Farbholzschnitt. Genau wie bei den asiatischen Vorbildern, zeichnen Muchas Werke geschwungene Linien und dicke schwarze Konturen aus, während die meist weiblichen Gestalten von floralen Mustern umgeben werden. Typisch für Muchas Zeichnungen sind die ausufernden Gewänder und das wallende Haar der Frauen, welches in langen Locken die gesamte Bildfläche durchzieht. Hier erkennt man bereits die erste Parallele zur Welt der Manga, denn welches andere Medium ist derart berühmt berüchtigt für die exzentrischen Frisuren seiner Protagonisten. Gerade im Bereich der Shoujo-Manga begegnen einem immer wieder die manchmal scherzhaft als „Muchas Makkaroni“ bezeichneten Haarlocken.

Oh! My Goddess, Moyashimon und RG Veda

Doch damit ist der Einfluss Muchas auf die Manga-Welt noch nicht zuende. Die Figuren des Tschechen zeichnen sich durch eine ungeheure Dynamik aus und scheinen in der Bewegung erstarrt zu sein, etwas, das Mangaka meisterlich umzusetzen wissen. Auch sind die Gesichter und Hände von Muchas Figuren, trotz der eigentlich plakativen Gestaltung seiner Bilder, äußerst fein und detailliert ausgearbeitet und erinnern von ihrer Form her an den Stil manches Manga-Künstlers aus den Shounen- und Seinen-Genres, z. B. Takeshi Obata.

Death Note und Muchas Médée

Moderne Manga wurden nicht nur direkt durch den Stil von Alfons Mucha beeinflusst, sondern auch indirekt, denn seine Werke werden bereits seit den 1960er-Jahren in diversen Medien zitiert, von den LP-Hüllen aus der Hippie-Generation bis hin zu den Comics aus dem Hause Marvel. Der ausufernd schmuckhafte Zeichenstil von Mangaka wie CLAMP scheint geradezu aus dem Jugendstil erwachsen zu sein, aber auch bekannte Manga-Serien anderer Künstler, wie Sailor Moon oder Oh! My Goddess, stehen unter dem Einfluss von Mucha und seinen Zeitgenossen.

Alfons Mucha

Der Verbindung zwischen Alfons Mucha und den japanischen Comics widmet sich noch bis zum 30. März eine Ausstellung im Berliner Bröhan-Museum mit dem Namen „Mucha Manga Mystery“. Auch wenn der Name gegenteiliges Vermuten lässt, befasst sich nur ein kleiner Teil der Ausstellung mit den von Alfons Mucha inspirierten Manga. Dafür lassen sich eine Vielzahl von Muchas Plakaten in lebensgröße Bewundern und auch der Rest des Museums, welcher sich mit Gegenständen aus der Zeit von Jugendstil, Art Deco und Funktionalismus beschäftigt, ist den Besuch wert. Wen es einmal nach Prag verschlagen sollte, der kann im dortigen Mucha-Museum ebenfalls in die Welt des Plakatkünstlers eintauchen.

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