Wie mich Pikmin 3 das Multitasking lehrte

Der Beweis dafür, dass auch ein alteingesessener Zocker noch etwas dazulernen kann…

Alph, Brittany und Charlie

Multitasking in Videospielen war noch nie meine Stärke. Deswegen bevorzuge ich rundenbasierte RPGs und halte mich von Echtzeitstrategiespielen größtenteils fern. In Titeln wie Fire Emblem hingegen gehe ich auf, kann ich dort doch jeden meiner Züge in aller Seelenruhe planen und ungünstige Entscheidungen wieder rückgängig machen.

Dementsprechend bekam ich es ein wenig mit der Angst zu tun, als ich erfuhr, dass man in Pikmin 3 für die Wii U das Kommando über gleich drei Charaktere haben sollte. Schon im Vorgänger, dem 2004 für den GameCube veröffentlichten Pikmin 2, machte ich kaum Gebrauch von Olimars Kumpan Louie, da ich es einfach nicht zustande brachte, zwei Pikmin-Trupps unabhängig voneinander zu befehligen. Stattdessen trottete mein knollnasiger Kollege die meiste Zeit hinter mir her und ich blieb bei meiner Methode, eine Aufgabe nach der anderen anzugehen. Da in Pikmin 2 das 30-Tage-Zeitlimit aus dem ersten Teil der Serie wegfiel, konnte ich mir das ja auch erlauben. Damals, kurz nach dem GameCube-Launch, als ich mich an Olimars erstem Abenteuer versucht hatte, sah die Sache nämlich noch ganz anders aus: Aufgrund meiner mangelnden Multitasking-Kompetenz ging mir irgendwann die Zeit aus, ohne dass ich im Besitz aller Raumschiffteile war. Ein paar Jahre später dann der zweite Versuch: dasselbe Problem. Aus diesem Grund war ich nie in der Lage, den ersten Pikmin-Teil durchzuspielen. Doch dann kam die Wende.

Pikmin 3 geht es langsam an: Anfangs ist der Spieler noch allein unterwegs, später zu zweit und nach einem Sieg über den zweiten Boss gesellt sich auch der dritte spielbare Charakter der Gruppe hinzu. Doch viel geändert hatte sich für mich bisher noch nicht: Ich erledigte meine Aufgaben stets eine nach der anderen, ohne das Potenzial meiner Teamkameraden wirklich auszuschöpfen. Doch das änderte sich, sobald ich die „Ziel“-Funktion des Wii U-Gamepads entdeckte: Endlich konnte ich der Erforschung des Planeten nachgehen, während der Computer die Kontrolle über die beiden anderen Charaktere übernahm, etwa um am Raumschiff ein paar Pikmins abzuholen oder neue zu pflücken. Die enorm praktische Übersichtskarte, mit der man sich jederzeit einen Überblick über das gesamte Level verschaffen konnte, trug ebenfalls dazu bei, dass ich mir endlich zutraute, mehrere Pikmin-Truppen gleichzeitig zu befehligen. Die ersten Erfolge blieben nicht lange aus!

Pikmin 3

Doch fest in meinem Spielerhirn verankert wurde das Konzept des Multitasking erst, nachdem ich den Abenteuer-Modus von Pikmin 3 bewältigt hatte und mich den Missionen zuwandt. Wer hier beim Schätzesammeln eine Gold- oder gar Platin-Medaille absahnen möchte, muss unentwegt zwischen den Anführern Alph, Brittany und Charlie wechseln, um so viel wie möglich in so kurzer Zeit wie möglich zu bewerkstelligen. Ein toller Modus, der überlegtes Vorgehen erfordert und das taktische Geschick eines jeden Spielers auf die Probe stellt.

Gewappnet mit den Fähigkeiten, die ich während meiner Zeit mit Pikmin 3 erwarb, legte ich nun, mehr als elf Jahre nach dessen Erscheinen, abermals einen neuen Spielstand im ersten Pikmin-Teil an, mit dem festen Vorsatz, es diesmal auch endlich durchzuspielen. Zwar musste ich jetzt wieder damit klarkommen, nur noch den Befehl über einen Anführer zu haben, doch dadurch, dass ich endlich gelernt hatte, dass meine Pikmin auch gut auf sich selbst aufpassen können, war ich viel öfter gewillt, meine Gruppe aufzuteilen und schaffte so viel mehr an einem Tag als zuvor. Und siehe da: Einige Sitzungen später befanden sich zum ersten Mal alle Raumteile in meinem Besitz! Danke, Pikmin 3, für diese wichtige Lektion.

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