Nujabes – Ein Nachruf

Den meisten wird der Name Nujabes vor allem im Zusammenhang mit der Anime-Serie „Samurai Champloo“ ein Begriff sein, da er einen großen Teil des Soundtracks beigesteuert hat. Doch damit erschöpft sich das musikalische Repertoire des japanischen Hip Hop-Künstlers, welcher heute vor drei Jahren, am 26. Februar 2010, verstarb, noch lange nicht. Ein akustischer Rückblick auf sein Lebenswerk.

Nujabes

Jun Seba, geboren am 7. Februar 1974, zeichnete sich unter dem Künstlernamen Nujabes (sein Nach- und Vorname rückwärts gelesen) vor allem dadurch aus, dass er Hip Hop-Beats wie kein anderer mit Jazz-Klängen zu verbinden vermochte und damit einen ganz besonderen Klang erzeugte, der zur selben Zeit heiter und melancholisch, entspannend und anregend, traurig und wohltuend wirkt.

Der japanische Produzent und DJ, außerdem Besitzer zweier Plattenläden in Shibuya und Gründer des unabhängigen Plattenlabels Hydeout Productions, arbeitete während seiner Laufbahn mit allerlei verschiedenen Künstlern zusammen, darunter japanische Namen wie Shing02 und Uyama Hiroto, aber auch amerikanische Musiker wie Fat Jon und Substantial.
Aus dieser Zusammenarbeit erwuchsen unter anderem seine zwei wichtigsten Alben: Metaphorical Music und Modal Soul.

Unter seinem eigenen Label veröffentlichte Nujabes außerdem zwei Anthologien: Hydeout Productions 1st Collection und Hydeout Productions 2nd Collection. Auch diese beiden Alben stecken voller großartiger Songs, bei denen die verschiedensten Künstler mitgewirkt haben.

2004 arbeitete Nujabes zusammen mit Tsutchie, Force of Nature und Fat Jon am Soundtrack zu Samurai Champloo, einem Anime aus der Feder von Shinichirō Watanabe, welcher sich sechs Jahre zuvor bereits einen Namen mit dem Space-Western Cowboy Bebop gemacht hatte. Das Setting von Samurai Champloo ist zwar im feudalen Japan angesiedelt, jedoch nimmt der Anime es mit der historischen Richtigkeit nicht so genau und bindet sogar moderne Elemente wie Graffiti und Rap ein. Dementsprechend gut macht sich die Mischung aus Hip Hop, Jazz und Downtempo als Hintergrundmusik und verleiht dem Anime eine ganz besondere Atmosphäre.

Am 26. Februar 2010 kam Jun Seba bei einem Autounfall in Tokyo ums Leben. Er hinterließ eine Heerschar von Fans, die nicht glauben konnten, bereits die letzten Klänge aus der Hand dieses besonderen Künstlers gehört zu haben. Im Dezember des folgenden Jahres erschien das bisher letzte Album von Nujabes, Spiritual State, welches posthum veröffentlicht wurde und aus den von ihm hinterlassenen Werken besteht.

Bis heute werden immer wieder Songs in Erinnerung an Nujabes veröffentlicht, nicht nur von Musikern, die mit ihm zusammengearbeitet haben, sondern auch von Fans, die ihre eigenen Mixtapes und Cover erstellen, um sein Werk in Ehren zu halten. Und obwohl er sich stets dem Rampenlicht fernhielt, ist ein Dokumentarfilm über das Lebenswerk von Jun Seba namens „An Eternal Soul“ in Arbeit, wobei der Zeitpunkt von dessen Fertigstellung noch nicht absehbar ist. Shing02 produziert im Andenken an seinen Freund und Kollegen weiterhin Songs der Reihe „Luv(sic)“, einer Art Fortsetzungsgeschichte in musikalischer Form, die zu Nujabes‘ Lebzeiten Stück für Stück weitergeführt wurde.

Was mich persönlich betrifft, so bin ich wie so viele durch Samurai Champloo auf die Musik von Nujabes gestoßen und seitdem begleitet sie mich täglich. Aus diesem Grund hat mich sein Tod sehr berührt, doch wie alle großen Musiker hat auch Jun Seba sich selbst mit seinem Werk unsterblich gemacht. Ich jedenfalls möchte ihm an dieser Stelle meinen tiefsten Dank aussprechen, denn ohne Nujabes wäre so manch regnerischer Tag um einiges trister gewesen. Vielen Dank für deine Musik!

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2 Antworten zu Nujabes – Ein Nachruf

  1. ness sagt:

    Wow, ich wusste garnicht, dass du auch ein Nujabes-Fan bist?!

    Ich liiiiieeeeebe seine Musik, und kann mich glaube ich auch extrem glücklich schätzen, es über die Jahre geschafft zu haben, mir mehrere seiner CDs original aus Japan importiert haben zu können. (Habe Metaphorical Music, Modal Soul, Modal Soul Classics, Modal Soul Classics II, Hydeout Productions 2nd Collection, Samurai Champloo Music Record: Departure & Samurai Champloo Music Record: Impression. Kann alle genannten Alben nur absolut empfehlen, obgleich einige natürlich nur noch schwer zu bekommen sind.)

    Viele seiner Lieder zählen für mich musikalisch gesehen zu dem besten, was es je gegeben hat. Was dieser Mann geschafft hat, mit vergleichsweise „unspektakulären“ Tönen zu erschaffen, ist für mich schier unglaublich. Es war deshalb damals für mich auch durchaus ein kleiner Schock, als ich hörte, dass er schon so früh in seinem Leben gestorben ist.

    Bis zu meinem Lebensende wird er einer meiner absoluten Lieblingskünstler bleiben.

  2. Chronik sagt:

    Wirklich super gemachter Beitrag. Ich bin auch Nujabes Fan und höre tägich seine Musik nach einem stressigen Arbeitstag, beim Joggen oder auf dem Weg zur Arbeit. Es ist so traurig das er gestorben ist.