Die letzte Konsolengeneration – Weltuntergangsprophezeiung für Videospielenthusiasten

Kaum haben wir den 21. Dezember 2012 überlebt, schon müssen wir uns mit dem nächsten Untergang befassen. Doch warum soll die nächste Konsolengeneration die letzte sein? Eine Kolumne über Marktanalysen, Tabletjünger und Untergangsfetischismus.

Untergang der Videospielwelt

Die Videospielindustrie bewegt sich, die Wii U ist endlich auf dem Markt und war wohl auch unter dem Weihnachtsbaum vieler Familien. Auch die Spielkonsolen der Konkurrenz warten nur noch auf die offizielle Ankündigung, angeblich arbeiten diverse Studios still und heimlich an Projekten für die nächste Konsolengeneration. Wahrlich ein Grund zur Freude, doch die Stimmen mehren sich, die die kommende Generation als die letzte seiner Art sehen. Gewiss haben in der Vergangenheit schon viele Firmen das Spielkonsolengeschäft aufgeben müssen, und in einer früheren Kolumne habe ich bereits gezeigt, dass insbesondere Nintendo immer wieder totgeschrieben wird. Aber dass gleich alle drei Konsolenhersteller scheitern werden? Sind Spielkonsolen wirklich die Dinosaurier der Unterhaltungsindustrie, überholt und zum Aussterben verdammt?

Noch vor nicht allzu langer Zeit schien die Welt den Konsolengiganten Sony und Microsoft zu gehören. Die Umsätze kannten nur den Weg nach oben, Videospiele beeinflussten die Film- und Musikszene, verschiedenste Industriezweige und letztendlich auch die Gesellschaft. Microsoft fürchtete derart vor Sonys Machtstellung im Wohnzimmer, dass sie keine Kosten scheute, um mit einer eigenen Konsole den Rang streitig zu machen. Und Nintendo brach mit der Wii nicht nur diverse Verkaufsrekorde, sondern stieg – für kurze Zeit – zu einem der wertvollsten Unternehmen auf. In den letzten vier Jahren hat die Videospielindustrie jedoch häufig schlechte Schlagzeilen gemacht: Teuer produzierte Spiele haben die Verkaufserwartungen verfehlt, Firmen sind Bankrott gegangen und einst erfolgreiche Spieleserien stagnieren künstlerisch und kommerziell. Die Unsicherheit der Industrie zeigt sich auch in ihrem Kampf gegen Piraterie und dem Geschäft mit gebrauchten Spielen, verbissen sucht sie nach Wegen, die Umsätze nach oben zu treiben.

Kein Wunder, dass bei vielen Leuten Endzeitstimmung herrscht. Die wirtschaftlichen Gründe erklären jedoch nicht, warum die nächste Generation die letzte sein soll. „Digital Distribution“, d.h. der Verkauf von Spielen als Datenpaket über das Internet, wird wachsen. Apple, Google und Valve übernehmen hier die Führungsrolle, während Sony, Microsoft und Nintendo immer noch mit dem Einzelhandel Geschäfte machen. Gut möglich, dass manch ein alter Gamer sich vor einem Umbruch fürchtet, ausgelöst durch ein „DD-only-Business-Modell“ (Business-Studenten lieben solche Unwortkreationen). Tatsächlich kann ein solches Modell die alten Zyklen brechen, denn Apple bringt jährlich neue Hardware und macht nicht wie bei den Konsolenherstellern den Schnitt alle fünf bis sieben Jahre. Doch lässt sich ein solches Modell auf das Konsolengeschäft übertragen? Oder werden Tablets die Mainstream-Plattform für Videospiele sein?

Ich halte wenig von solchen Untergangsszenarien, obwohl ich verschiedene Entwicklungen der jüngsten Vergangenheit kritisch bis düster betrachte. Das Geschäft ist sicherlich unberechenbarer und weniger lukrativ geworden, auch hat noch kein Experte einen Weg beschrieben, wie die Industrie wieder den Weg zurück zur niedrigen Investition bei hohen Softwarepreisen findet. Wahrscheinlich kann die Industrie diesen Weg gar nicht mehr beschreiten. Aber Konsolen versprechen immer noch ein Spielerlebnis, das andere Spieleplattformen nicht bieten können – diese Erkenntnis gilt erst recht für Nintendo-Konsolen. Deshalb wird auch nach dieser neuen Konsolengeneration noch eine weitere Generation existieren. Vielleicht nicht unbedingt eine mit Microsoft und Sony, aber sicherlich mit Nintendo.

Eine Antwort zu Die letzte Konsolengeneration – Weltuntergangsprophezeiung für Videospielenthusiasten

  1. ness sagt:

    Kann mich dem größtenteils eigentlich nur anschliessen. Finde es auch immer wieder bekloppt, warum in vielen Artikeln irgendwie nie die Rede von einer Koexistenz zwischen den verschiedenen Spielgeräten ist? Ein Tablet bietet nunmal von Haus aus nicht dasselbe Spielerlebnis wie eine „richtige“ Spielekonsole bzw. ein richtiger Spielehandheld, schon allein aufgrund fehlender Knöpfe und Sticks.

    Und man sieht doch auch weiterhin, dass viele Menschen immer noch bereit sind, für ein gutes Spiel 40, 50 oder 60€ auf den Tisch zu legen.