Auf Tuchfühlung mit der Wii U – Ein persönlicher Bericht

Eine neue Nintendo-Konsole steht in den Läden und womöglich auch schon in vielen eurer Häuser. Grund genug, um die gerade veröffentlichte Hardware unter die Lupe zu nehmen. Doch dieser Artikel legt keinen Wert auf Taktfrequenzen, Auflösungen und zu Skandalen hochgeschaukelten Problemchen einer noch in den Babyschuhen steckenden Plattform, sondern schildert einfach nur die ersten Eindrücke mit Nintendos sechster Heimkonsole.

Dieser Konsolen-Launch war anders. Zwar habe ich meine Vorbestellung für das Wii U Deluxe Set und New Super Mario Bros. U schon am 14. September bei einem gewissen Online-Händler getätigt, aber der ganz große Hype sollte sich erst knapp eine Woche vor dem 30. November einstellen. Arbeit, (viel) Manga und Anime und das Durchspielen der wenigen verbliebenden Perlen der Wii-Sammlung ließen den gesamten November in Windeseile vergehen. Ich bin ganz glücklich darüber, dass ich mir zwar einige der Negativ-Schlagzeilen, die der US-Launch generiert hatte, aufmerksam durchgelesen habe, mich diese Nachrichten aber nicht in einem Zustand der Resignation versetzten, wie es mit einiger Wahrscheinlichkeit früher der Fall gewesen wäre. Gerade nach dieser Generation ist der gemeine Videospieler bedenklich abgestumpft, was die kleinen wie großen Probleme betrifft, die zur Einführung einer neuen Plattform quasi schon dazu gehören und man ist heilfroh, wenn es nicht in einem Desaster wie beim berühmt-berüchtigten „Ring of Death“ endet. Nur vor den geschilderten Problemen, mit der Wii U eine Verbindung ins heimische WLAN-Netzwerk einzurichten, hatte ich Bammel, da mein Netzwerk seit Monaten rund lief (ein absolutes Novum…) und ich wenig Lust darauf hatte, an dieser sensiblen Stelle herumzudoktern, damit sich die zickige neue Nintendo-Konsole im Netzwerk wohlfühlt.

Am Nachmittag des 30. Novembers war es dann soweit. Ein Paket und ein kleineres Päckchen lächelten mich im Flur an. Es hatte also doch noch mit der Zustellung geklappt, obwohl die Konsole, zumindest laut dem Tracking-Service von DHL, erst um kurz vor 22 Uhr am Vortag losgeschickt wurde. Also alles rein in die gute Stube, ablegen und mit der Auspackzeremonie beginnen. Ein Grinsen war jetzt nicht mehr zu verkneifen und es fühlte sich nach einer Ewigkeit an, als ich zuletzt eine neue Konsole (Slim-Editionen, wie bei der PS3, nicht inbegriffen) ausgepackt hatte. Und falls jemandem die Frage auf den Lippen brennt: Nein, im Gegensatz zu Iwata hatte ich keine weißen Handschuhe an. Auch wenn ich sie mir insgeheim in jenem Moment herbeiwünschte, als die Wii U aus der, wie schon beim Konsolen-Vorgänger, in zwei Segmente unterteilten Verpackung an die frische Luft geholt und sofort mit den ersten Fingerabdrücken um ihre Jungfräulichkeit beraubt wurde. Hätte ich zwanzig Euro extra für eine Konsole mit einem matten Gehäuse zahlen müssen, ich hätte von dem Angebot Gebrauch gemacht. Der erste Eindruck: Schwerer als die Wii, aber etwas kleiner, als ich sie erwartet habe, da Nintendos sechste Heimkonsole auf Bildern im Netz extrem lang wirkte. Die abgerundeten Ecken lassen die Konsole, im Vergleich zur klobigen weißen Schwester, moderner wirken. Damit erschöpfen sich aber auch schon meine Notizen. Rein vom Äußerlichen her ist die Wii U mit Sicherheit die langweiligste Konsole, die ich jemals ausgepackt habe und so fiel die eingehende Betrachtung so kurz aus wie bei keiner anderen Hardware zuvor.  Zusatzinfo für alle Hardware-und-Anleitungen-Schnupperer: Auch geruchlich sehr neutral und damit das absolute Gegenstück zur ersten Xbox, die auch nach drei Wochen (!) noch ihren ganz eigenen Geruch im Spiele-Zimmer verbreitete.

Der Controller ist der Star und wurde auf der Verpackung auch dementsprechend zentral positioniert. Nachdem ich eilig eine den Touchscreen schützende Folie angebracht hatte, war es an der Zeit, den Controller, der mich nun die nächsten Jahre begleiten wird, zum ersten Mal in den Händen zu halten. Das relativ zur Größe geringe Gewicht überraschte mich mehr, als die Tatsache, dass das neuartige GamePad eine hervorragende Ergonomie besaß und meine Hände sofort mit dem Controller verschmolzen, denn hier hat mich Nintendo noch nie enttäuscht. Ja, richtig, ich bin eine dieser bedauernswerten Gestalten, die selbst mit dem dreihörnigen N64-Controller exzellent auskamen (auch wenn der Analogstick gegen heutige Standards natürlich den Kürzeren zieht). Die nun klickbaren Analogsticks orientieren sich am Stick des Nunchuks, wobei das GamePad der erste Analog-Controller Nintendos ist, der keine achteckige Öffnungen um die Sticks besitzt. Das große Steuerkreuz machte schon gleich am Anfang einen hervorragenden Eindruck, der sich später bei New Super Mario Bros. U bestätigen sollte. Etwas Sorgen machte ich mir um die vier Action-Buttons auf der rechten Seite, die auf den Bildern, wohl aufgrund der schieren Größe des Controllers, immer reichlich verloren und zu klein aussahen. Zum Glück waren diese Befürchtungen umsonst. Inwieweit sich die ebenfalls sehr griffigen, aber eben nur digitalen LZ- und RZ-Schulter-Trigger negativ auf kommende 3rd-Party-Titel auswirken werden, lässt sich jetzt noch nicht sagen. Allerdings kann ich aus meiner eigener Erfahrung sagen, dass ich bei Gran Turismo 5 dankend von der Option Gebrauch gemacht habe, Gas und Bremse mit den (leider eher misslungenen) Triggern des PS3-Controllers zu dosieren. Wobei die Action-Buttons des Wii U-Controllers ebenfalls nicht analog sind. Nur an die Position der Plus- und Minus-Tasten (bzw. Start- und Select-Tasten) muss ich mich noch immer gewöhnen, aber zumindest sind diese besser zu erreichen, als es bei der Wii-Remote der Fall war.

Das nun ebenfalls rundlichere Netzteil für die Konsole und das kleinere Netzteil für das nach Strom gierende GamePad, sorgten, zusammen mit dem der Konsole beiliegendem HDMI-Kabel (Nehmt euch ein Beispiel, Sony und Microsoft…), für ein hoffnungsloses Kabel-Gewirr hinter dem TV-Rack (welches sich kurz darauf aber wieder etwas legte, da die Kabel der Xbox 360, zusammen mit der Konsole, bei Ebay landeten). Wie praktisch, dass Nintendo mir die Möglichkeit verwehrte, gleichzeitig zum HDMI-Kabel auch ein AV-Kabel anzuschließen, um den Ton analog auf meinen guten alten Yamaha-Verstärker umzuleiten. Das zusätzliche Kabel hätte mich nur gestört und der Ton aus den mickrigen Lautsprechern meines Flachbild-Fernsehers reicht doch völlig. Im Ernst: Nehmt euch ein Beispiel an Sony, Nintendo. Die haben das schon vor sechs Jahren mit der PS3 besser vorgemacht.

Der Moment war gekommen, der Finger wanderte auf den On-Schalter der Konsole und der Raum wurde vom Fernseher und dem sich erleuchtendem GamePad mit Licht durchflutet. Zugegeben, ganz so episch war der Moment in der Realität natürlich nicht, doch es ist immer ein schöner und seltener Moment, wenn man zum ersten Mal eine neue Konsole einschaltet – vor allem, wenn man es sich erfolgreich verkneifen konnte, vorher entsprechende Videos im Netz anzuschauen. Als erstes musste der Controller registriert werden, womit ich nun endlich den Touchscreen im Einsatz betrachten und ungeniert betatschen konnte. Ganz ehrlich, in den Tagen danach kam mir selbst mein feuerroter 3DS XL wie eine Miniaturausgabe mit schlechter Auflösung vor. Dafür zeigte sich schnell, dass die Tragbarkeit des GamePad in meinem Hause schnell an ihre Grenzen stößt. Aus dem Zimmer mit der Konsole heraus, konnte ich gerade noch drei Schritte weiter gehen, bevor die Verbindung so schlecht wurde, dass ein Warnbildschirm den Spielbetrieb vollständig unterbrach. Dazu muss ich allerdings anmerken, dass das Haus schon über ein Jahrhundert auf dem Buckel hat und sehr dicke Wände besitzt, die schon beim Verlegen der LAN-Kabel Probleme bereiteten.

Ich kann nicht sagen, ob es daran liegt, dass ich jedem meiner Geräte eine feste IP zugewiesen und schon zuvor Ports für die Konsolen und Handhelds geöffnet habe, aber auf jeden Fall hatten sich mein Speedport-Router und die Wii U auf Anhieb gern und das gefürchtete Firmware-Update, das bekanntlich Wasser zu Wein und die Wii U in einen stundenlangen Schockzustand versetzen kann, wenn dieses die Konsole nicht gleich ganz killt, wurde gestartet. Auch hier kann ich nicht mit einer dramatischen und tränenreichen Story aufwarten, denn nach gut vierzig Minuten war das Update komplett heruntergeladen und installiert auf dem internen Speicher der Konsole. Vielleicht hätte sich beim Datentransfer von der Wii auf die Wii U noch eine Katastrophe ergeben, doch da die Daten auf der guten alten Wii bleiben, da die Spiele, auch wenn sie hochskaliert über die Wii U abgespielt werden, über einen unangenehmen Input-Lag verfügen und ich bei den N64-Virtual Console-Titeln nicht auf den GameCube-Controller verzichten möchte, werden wir das nie erfahren.

Von der inzwischen ja beinahe obligatorischen Schöpfung eines neuen Miis, ging der Weg schnurgerade zum „Miiverse“, Nintendos Antwort auf das Twitter- und Facebook-Zeitalter. Dort herrschte schon am frühen Freitagabend reger Betrieb auf den europäischen Servern und es dauerte nicht lange, bis man sich auch einer leichten Diskussion in deutscher Sprache anschließen konnte. Schade eigentlich, dass Nintendo auch das Schreiben über eine eingebaute Tastatur erlaubt. Gerade durch die Beschränkung auf die eigene Handschrift versprüht der Mail-Dienst des 3DS ein sehr persönliches Flair. Anderseits sollte gerade jemand mit einer Sauklaue wie ich froh über die Integrierung einer digitalen Tastatur sein, zumal das Schreiben durch die Größe des Screens in angenehmer Geschwindigkeit vonstatten geht. Der ganze Dienst wirkte auf den ersten Blick für Nintendos Verhältnisse ungewohnt gewagt. Die Möglichkeit, den Einträgen anderer User zu folgen, diesen auf direktem Wege Freundesanfragen zu schicken, der Wegfall der verhassten Freundescodes und die Einführung eines Gamertag-Systems… Ich war und bin angenehm überrascht, aber das wahre Potenzial zeigte sich erst, nachdem ich die Möglichkeit entdeckte, Screenshots aus dem gerade im Hintergrund pausierten Spielen an meine Nachrichten zu heften, um mit Freunden (herzliche Grüße an Ness) um Highscores zu spielen und so eine Art privates Leaderboard zu führen. Clever: Die angezeigten Titel beim Start der Konsole und die sich darum versammelten Miis repräsentieren die am heißesten diskutierten Spiele der Community, womit auch uninformierte Besitzer der Konsole immer im Bilde sind, welche Titel gerade angesagt sind, solange sie die Konsole mit dem Internet verbunden haben. Dass Nintendo aber nicht über Nacht zum alle Grenzen sprengenden Konzern mutierte ist, machte sich schnell durch die von emsigen Moderatoren gelöschten Nachrichten bemerkbar. Die Effektivität ist hierbei erstaunlich: Ein (schlecht gezeichneter) Penis war keine zwei Minuten in der Nintendo Land-Community zu sehen, bevor ein Moderator den Beitrag auch schon tilgte. Verständlich, dass Nintendo nicht alles durchgehen lassen kann und will. Auf der anderen Seite mache ich mir als Gegner jeglicher Zensur durchaus Gedanken über die zukünftige Atmosphäre im Miiverse. Auf jeden Fall sind die Tools zum automatischen Aufspüren „böser“ Wörter noch verbesserungswürdig, da es mir mehrmals beim versuchten Abschicken einer Nachricht passierte, dass ich auf einen nicht gewünschten Inhalt hingewiesen wurde. Dabei war die Nachricht so rein wie der Tau in einem Disney-Film und ich weiß bis jetzt noch nicht, woran die Übermittlung scheiterte, da die Software keinerlei Einblick gibt und nicht auf einzelne Wörter deutet. Trotzdem: Das Miiverse ist Nintendos mit Abstand ambitioniertester Vorstoß in das Online-Zeitalter und es dürfte schon mit dem Teufel zugehen, wenn die Konkurrenz nicht bereits fleißig Notizen macht.

Mit diesen Worten will ich es für heute gut sein lassen. Bevor jetzt die berechtigten Fragen nach dem Einsatz des GamePads, welches schließlich den Dreh- und Angelpunkt von Nintendos neuer Plattform ausmacht, und den Launch-Spielen aufkommen, möchte ich sagen: Gemach und alles zu seiner Zeit. Gerade Nintendo Land hat seine große Bewährungsprobe im Kreise der zu Weihnachten versammelten Familie noch vor sich und bei New Super Mario Bros. U habe ich den Eindruck, dass ich bisher, obwohl ich nur noch eine Welt vor dem Endkampf stehe (aber vielleicht kommt ja wieder eine geheime neunte Welt dazu…), nur die Oberfläche angekratzt habe. Stichwort: Challenge-Mode. Überhastete Reviews überlassen wir den anderen…

Eine Antwort zu Auf Tuchfühlung mit der Wii U – Ein persönlicher Bericht

  1. ness sagt:

    Ich gehörte ja zu einem der Glücklichen, die ihre Wii U bereits am Donnerstag erhalten haben. Hatte einfach mal auf gut Glück bei dem Media Markt angerufen, wo ich sie vorbestellt hatte, und noch bevor ich die eigentliche Frage stellen konnte, wurde mir schon gesagt, dass ich sie bereits abholen kann :D.

    @ matte Oberfläche: Oh ja, das hätte ich mir auch gewünscht, gerade beim GamePad…

    Ansonsten bin ich von Miiverse und co. ebenso relativ begeistert, hätte ich Nintendo garnicht so zugetraut, auch wenn das Konzept an sich irgendwie typisch für sie ist^^.