Fusionen mit Nintendo? Nein danke!

Jahr für Jahr wird das Ende von Nintendo prophezeit. Als Nebenprodukt dieser Spekulation kommt das Träumen von einer Elefantenhochzeit Nintendos mit einer Top-Firma hinzu. Doch diese Träume sollten besser Träume bleiben, denn eine Umsetzung wäre schrecklich für alle Videospiel-Fans.

Nintendo ist eine zuverlässige Firma: Abgesehen von 2011 liefert sie jährlich gute Gewinne ab, sie wächst langsam, aber stetig, und auch die Strategie für die nächsten Jahre lässt sich sehen. Trotz guter Fundamentaldaten sieht sich die Firma ständig mit Ausstiegsspekulationen konfrontiert. In der Tat gaben viele Firmen das Hardware-Geschäft irgendwann auf: Atari, Sega, Panasonic, NeoGeo – die Videospielgeschichte kennt viele Gefallene. Und wann wird sich Nintendo dazu gesellen?

Viele können sich statt eines Totalausstiegs auch eine Partnerschaft oder gar eine Fusion vorstellen. Die Motive für solche Überlegungen sind sehr unterschiedlich: Einige Nintendo-Fans nehmen naiv an, eine starke Partnerin könne der Firma leistungsfähigere Konsolen versprechen, teurere Spieleproduktionen erlauben und schlicht alles eine Nummer größer machen; Nintendo-Hasser wollen schlicht keine Hardware von dieser Firma mehr sehen, und ein Ausstieg Nintendos bedeutet zugleich mehr Macht und Kundschaft für die anderen Konsolenhersteller; daneben gibt es die Technikenthusiasten, die Nintendos preisbewusste Hardware nicht mögen, aber gerne ihre Spiele auf anderen Konsolen oder neuerdings Smartphones sehen möchten; und zum Schluss die Wirtschafts-Fundis, die die angelsächsische Wirtschaftsphilosophie für die einzig wahre halten, Nintendo als zu klein betrachten und Wachstum durch Fusionen und Zusammenschlüsse wollen.

Früher sorgte vor allem das Interesse von Microsoft an Nintendos Anteilen für Aufregung. Die Diskussion zu der möglichen Übernahme war bestenfalls uninteressant, schlimmstenfalls absolut peinlich, denn selbst langjährige Nintendo-Fans zeigten eine unglaubliche Ignoranz und Mangel an Fachwissen. Geschäftsmodelle, Spielentwicklung, selbst die Philosophie Nintendos wurden kaum beachtet, dafür fantasierten die Befürworter einer Übernahme über die finanziellen Möglichkeiten Microsofts. Ein Glück, dass die Verantwortlichen von Nintendo durch Microsofts Angebot ins Grübeln kamen, sich aber für die Eigenständigkeit entschieden. Die jüngste Vergangenheit hat leider gezeigt, dass Microsoft die Kultur der aufgekauften Firmen und nicht selten gar ihre Existenz zerstört – die einstige Edelschmiede Rare als traurigstes Beispiel. Ehemalige Rare-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter sagen offen, dass einzig Microsoft für den jetzigen Zustand verantwortlich ist.

Trotz dieser Geschichte häufen sich in letzter Zeit wieder Diskussionen um mögliche Firmenzusammenschlüsse, nicht selten angeregt von gutbezahlten Analysten – wie kommen die bloß zu ihrer Anstellung? Apple hat so viele Reserven angehäuft, dass mehrere Firmen als Übernahmekandidaten gelten, darunter auch Nintendo. Doch würden sie überhaupt zusammenpassen? Manche Technikenthusiasten, darunter auch Nintendo-Fans, schwärmen von der angeblich „gleichen“ Philosophie der beiden Firmen: Innovation bei der Hardwareproduktion, bedienungsfreundliche Software und hoher Qualitätsanspruch zeichnen sie aus. Nicht wenige munkeln, dass Nintendo kräftig bei Apple abgeschaut hatte, als sie die Wii und den  DS Lite entwickelten.

Diese Leute übersehen jedoch die Unterschiede der beiden Firmen: Apple ist trotz der vorgetragenen Andersartigkeit eine zutiefst amerikanische Firma, die auf Expansion und „Corporatism“ setzt; Nintendo wuchs hingegen trotz jahrelanger Gewinne langsam und baut auf ein nachhaltiges Geschäftsmodell.  Apple schreibt fabelhafte Profite durch den Verkauf teurer Hardware, Nintendos Markt besteht dagegen seit Jahrzehnten aus preiswerten Produkten. Am meisten unterscheidet sich Apple von Nintendo jedoch in ihrer Haltung zur Software: Zwar bekennen sich beide an die Maxime „Wer Software schätzt, baut seine eigene Hardware“, aber Apple verdient das Geld vor allem mit der Hardware und sieht sich eher als Distributor: Die Musikindustrie bietet ihre Musikdateien für wenig Geld auf iTunes an, während Apple beim Verkauf einen Anteil erhält. Dasselbe Modell wird auch beim Verkauf von Apps angewendet. Dabei lässt Apple bewusst einen brutalen Preiskampf zu, weil günstige Spiele und Gratis-Apps die Hardware attraktiv machen. Abgesehen von der OS (Operating Software) hält sich die Firma bei der Software-Entwicklung eher zurück, denn mit Apps macht man zwar prima Umsätze, aber kaum Gewinn als Entwickler – im Gegensatz zum Distributor.

Würde Apple sich Nintendo aneignen, wäre Nintendo nicht in einer besseren Situation als heute – im Gegenteil! Apple hat keinen Grund, die Spieletradition fortzuführen, die Patente sind hingegen für das Unternehmen deutlich interessanter. Ein Glück, dass Nintendo sich bis auf weiteres nicht mit solchen Gedankenspielereien auseinandersetzen muss. Mit der Wii U und dem erstarkten 3DS hat die Firma zwei Goldminen, die ein Fortbestehen des Unternehmens in den nächsten Jahren garantieren werden.

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One Response to Fusionen mit Nintendo? Nein danke!

  1. Melvd sagt:

    Ein gelungener Artikel. Schön, dass sich auch Leute differenziert mit der Thematik auseinandersetzen, denn es überwiegen in meinen Augen die Schwarz-Weiß-Seher.