Nintendo und die Hanafuda-Karten: Eine kurze Einführung

Wie die meisten Leser wahrscheinlich schon wissen werden, liegen Nintendos Wurzeln nicht in der Videospiel-Industrie, sondern in der Herstellung japanischer Kartenspiele begründet. Wie genau es zu der Entstehung des kleinen Unternehmens aus Kyoto kam, möchte ich an dieser Stelle einmal genauer beleuchten.

Während der Adel seit jeher seine Zeit mit verschiedenen Arten von Kartenspielen vertrieben hatte, fanden diese erst im 16. Jahrhundert in der breiten Bevölkerung Anklang, und zwar unter dem Einfluss der Portugiesen. Diese waren nicht nur für die Gründung von Nagasaki, der Verbreitung des christlichen Glaubens und diverse Wortneuschöpfungen (wie „pan“ für Brot) verantwortlich, sondern brachten den Japanern auch ihre, zumeist zum Glücksspiel verwendeten, Kartenspiele näher. Verspielt seit eh und je, zeigten sich die Japaner sofort Feuer und Flamme für den Zeitvertreib und entwickelten schon bald ihre eigenen Variationen der westlichen Spiele.

Der Kartenspiel-Boom fand jedoch ein jähes Ende, als Japan seine Grenzen zur Außenwelt dicht machte und jegliche Form von westlichem Einfluss auszumerzen versuchte. Glücksspielenthusiasten ließen sich davon allerdings nicht unterkriegen und veränderten die bekannten Spielkarten in einer Art und Weise, sodass diese nicht mehr den geltenden Verboten unterlagen. Die Regierung war jedoch nicht auf den Kopf gefallen und verbot auch die nun mit kunstvollen japanischen Illustrationen verzierten Karten, sodass „Hanafuda“ („Blumenkarten“) lediglich im Verborgenen weiterexistierten. Erst als Amerika im 19. Jahrhundert mit schallenden Kanonenschüssen zu verstehen gab, dass Japan seine Tore doch bitte wieder öffnen solle und sämtliche Verbote bezüglich Glücksspielen aufgehoben wurden, erfreute sich Hanafuda erneut größerer Beliebtheit.

Dies bringt uns zu einem Mann namens Fusajiro Yamauchi. Nachdem der leidenschaftliche Kartenspieler mehrere Jahre in der Herstellung dieser Spiele ausgebildet worden war, entschied er sich 1889 dazu, in Kyoto sein eigenes Unternehmen zu gründen: „Nintendo Koppai“. Mithilfe einiger weniger Mitarbeiter stellte er in Handarbeit die für westliche Verhältnisse winzigen Hanafuda-Karten aus Baumrinde, Papier und Lehm her. Lediglich das Bedrucken der Karten ging maschinell vonstatten. Resultierend daraus hatten die Karten natürlich ihren Preis, erfreuten sich aber bei Yamauchis besser gestellten Kunden großer Beliebtheit. Als deren Bedarf jedoch gedeckt war, brachen die Umsätze des kleinen Unternehmens ein. Yamauchi musste also umdenken.

Die Lösung war eine Idee, welche sich auch heute noch in Nintendos Firmenphilosophie wiederfinden lässt: So viele Kundenschichten wie möglich anzusprechen. Während Yamauchi zuvor nur die besten Hanafuda-Karten verkaufte und die fehlerhaften Exemplare währenddessen in den Müll wanderten, wurden die weniger gelungenen Karten nun in eigene Sets zusammengefasst und zu einem günstigeren Preis verkauft. Doch damit nicht genug: Yamauchi schaute sich nach weiteren Möglichkeiten um, sein Geschäft zu erweitern und stieß schließlich auf die florierenden Spielräume der Vergnügungsviertel in Kyoto und Osaka. Da es dort oft um viel Geld ging, wurden manche Kartendecks nicht mehr als einmal benutzt, was für Yamauchi eine perfekte Gelegenheit war, hohe Stückzahlen in kurzer Zeit abzusetzen. Folglich handelte er mit den Besitzern der Spielräume Abkommen aus, aus denen er als alleiniger Lieferant der Kartendecks hervorging. Etwa 70 Spielräume versorgte Nintendo fortan mit bis zu 50 Decks pro Tag, was das Unternehmen auf einen Schlag zur Nummer Eins in Kyoto beförderte. Der Grundstein für den weiteren Erfolg von Nintendo war gelegt.

Natürlich hielt sich das Unternehmen seitdem nicht nur mit der Produktion von Hanafuda-Karten über Wasser. Später vertrieb es auch die immer populärer werdenden westlichen Kartenspiele, versuchte sich in der Herstellung von Kinderspielzeug und vielem mehr. Dieser Mut, sich an verschiedenen Dingen zu versuchen, ging allerdings auf einen bestimmten Mann zurück. Er war es auch, welcher dem Unternehmen seinen heutigen Namen, „Nintendo Co., Ltd.“, verlieh: Hiroshi Yamauchi, Urenkel von Fusarijo Yamaguchi.

Eine Antwort zu Nintendo und die Hanafuda-Karten: Eine kurze Einführung

  1. ness sagt:

    Schöner kleiner Einblick in den Beginn von Nintendo. Der allg. Umstand mit den Karten war mir zwar (natürlich^^) bekannt, diese einzelne Details wie es genau dazu kam und was den Stein erst so richtig ins Rollen brachte aber nicht. von daher Danke dafür =).

    @Hanafuda: Eigentlich ein cooles Spiel. Hatte es mal eine Weile auf den DS gespielt (42 Spieleklassiker) und sogar online einigermaßen ordentlich gegen andere ein paar Matches abgeschlossen. Allerdings fand/finde ich es schon etwas schwer, die einzelnen 4er-Kartensets immer jeweils korrekt zuzuordnen, da sie sich optisch ja teilweise doch nicht sooo sehr voneinander unterscheiden^^.
    Hatte mir auch mal durch den Sternenkatalog das toll gemachte Hanafuda-Kartenspiel im Mario-Style geholt, (wobei nur ein paar Karten mit Mario-Figuren bedruckt sind), mit schicker Box und inkl. Anleitung. Und ja, die Karten sind wirklich vergleichweise klein, aber stabil und echt wertig. Möchte mir auch seit jeher noch ein „normales“ Set holen, auch wenn ich es wohl leider nie benutzen werde =(. (Ich denke mal positiv, sagen wir also lieber „kaum“^^.)