Impressionen zu „Xenoblade Chronicles“

Nach über 60 Stunden steht für mich fest: „Xenoblade Chronicles“ gehört zu den besten japanischen Rollenspielen, die ich je gespielt habe. Erfahrt in dieser Kolumne, warum Xenoblade so beeindruckt und wie es dem Genre neue Facetten schenkt.

Viele Spielerinnen und Spieler behaupten, dass in dieser Generation das Genre des japanischen Rollenspiels stagniert. Tatsächlich erreicht keine aktuelle Heimkonsole die Anzahl an RPGs, die einst die PS2 auszeichnete. Einzig die Handhelds – DS und PSP – können in dieser Hinsicht mithalten. Warum also bringt Nintendo ein RPG für die Wii auf dem Markt? Sicherlich will Nintendo den Konkurrenten die Stirn bieten, denn trotz besserer Verkaufszahlen laufen namhafte Rollenspiele auf 360 und PS3. Zugleich muss Nintendo auch zeigen, dass auf ihrer Heimkonsole durchaus gute Rollenspiele vorhanden sind – Nintendo hat aus der Vergangenheit gelernt, dass sich das Image auch auf die nächste Generation auswirken wird.

Nicht zuletzt aus diesem Grund kaufte Nintendo Monolith Soft auf, und bezüglich Innovation und Qualität überzeugt das Studio absolut: Xenoblade fasziniert mit einem aktivem Kampfsystem, das sich wohltuend von den üblichen rundenbasierten Kämpfen anderer Rollenspiele distanziert. Der Spieler kontrolliert eine Figur und bewegt sie frei im Spielfeld, aber im Gegensatz zu der „Tales of“-Serie von Namco verläuft der Kampf weniger hektisch; die Strategie bleibt relevant, weil viele Spielelemente das Geschehen auflockern – Status ändern, den Gegner umwerfen, Team-Combos und Visionen sind an dieser Stelle zu nennen.

Frisch wirkt auch die Welt von Xenoblade: Sie besteht aus zwei unvorstellbar großen, stillen Riesen. Die Truppe um den Helden Shulk reist deshalb vom Fuss des Riesen Bionis bis zu dessen Kopf, und danach wohl hinüber zum anderen Riesen. Diese Welt bietet allerlei tolle Aussichten: große Seen, riesige Prärien, leuchtende Sumpflandschaften, gigantische Tropengebiete, düstere Minen und fliegende Inseln. Unglaublich, wie weit die Sicht in diesem Spiel reicht! Auf einem hohen Gipfel stehend, überblickt die Spielerin oder der Spieler ganze Täler, Städte und Seen. Dabei ist die Welt nicht etwa leer, sondern von diversen kleinen bis sehr großen Monstern bevölkert. Zufällige Gegnerbegegnungen haben in Xenoblade keinen Platz, spielerisch gestaltet sich die Reise zu den verschiedenen Orten deshalb deutlich angenehmer als jene in anderen Rollenspielen.

Diese schöne Welt lädt geradezu ein, von der düsteren Geschichte Abstand zu nehmen und einfach mal die Gebiete zu erkundigen. Verschiedene Sidequests bringen nebenbei noch reichlich Belohnungen in Form von Erfahrungspunkten, Geld und Geschenken. Doch Vorsicht ist geboten! Nicht alle Gegner lassen sich leicht besiegen, einige können auf einen Streich gleich die ganze Truppe eliminieren. Solchen Gegnern sollte man ausweichen und sie vermeiden, bis man das nötige Niveau erreicht hat. Auch das Wetter und die Zeit verlangt viel Beachtung: Einige Gegner tauchen nur unter bestimmten Umständen auf, einige Aufträge können nur in der Nacht erledigt werden, sogar Sammelobjekte variieren je nach Umweltbedingungen. Hinzu kommt, dass die Stadtbewohner Arbeits- und Präsenzzeit haben. Die Städte wirken dadurch realistischer als in anderen Spielen, aber beanspruchen auch mehr Aufmerksamkeit, falls jemand nach bestimmten Aufträgen sucht.

Xenoblade ist ein anfängerfreundliches Spiel: Trotz aller Komplexität baut das Spiel sanft Element um Element auf, Spielanleitungen erscheinen vor allem am Anfang regelmäßig, und die Stadtbewohner geben Tipps, wie man sich vor einer Begegnung mit einem Feind vorbereiten und das Spielsystem effektiv benutzen soll. Das Hauptspiel bietet einen fairen Schwierigkeitsgrad; wer viele Nebenaufträge erledigt, empfindet das Spiel womöglich als zu leicht. Dennoch werden auch Veteranen beim ersten Durchspielen viel Lehrgeld zahlen müssen, denn eine unerwünschte Begegnung mit einem übermächtigen Gegner und ein Fall in die Abgründe passieren hin und wieder, wenn die Konzentration nachlässt.

Trotz 60 Stunden Spielzeit bin ich erst in der Mitte der Geschichte, ein abschließendes Urteil mag ich deshalb nicht aussprechen. Das bisher Erlebte hat mich jedoch begeistert und überzeugt, dass dieses Spiel ein absolutes Must-Have ist. Es gehört zu jenen Spielen, die aufgrund ihrer Qualität als auch ihrer Innovationen im Spielsystem noch Jahre später mit Respekt erwähnt werden. Kauft Xenoblade, wenn ihr genug vom restlichen Rollenspiel-Einheitsbrei habt!

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