Wii U – Back to Hardcore-Gaming?

Nintendo hat die Karten offengelegt und seine neue Konsole präsentiert. Was kann man jedoch aus den spärlichen Informationen schließen, die Nintendos Offizielle bisher preisgegeben haben? Eine mögliche Antwort liefert diese Kolumne.

Die E3 2011 war die große Bühne für die Konsolenhersteller, um Werbung für ihre Produkte zu machen und vor allem neue Hardware vorzustellen. Während Microsoft auf Kinect setzt, begeistert Sony mit dem Kampfpreis von 250$ für die neue Playstation Vita, die zukünftige Konkurrentin des 3DS. Nintendo wiederum eröffnet die neue Heimkonsolengeneration mit der Wii U, die zwar mit der Wii-Philosophie nicht abschließt und deshalb ähnlich heißen soll, aber dennoch eine Auszeit von der Bewegungssteuerung nimmt und dafür die traditionelle Spielkultur mehr berücksichtigt.

Nintendo konnte mit der Ankündigung niemand überraschen, denn Industrie-Insider verrieten den etwas groß geratenen Controller bereits vor der E3: Mit einem großen Touchscreen, Gyroskop, Accelerometer und Kamera ausgerüstet, gilt der Controller bereits jetzt als einer der vielfältigsten. Viele Spielveteranen freuen sich jedoch auf die Tatsache, dass der Controller genügend Knöpfe, ein Digitalkreuz, sowie zwei Analog-Schiebeknöpfe sein eigen nennt. Traditionelle Spiele können also ihr Kontrollschema beibehalten.

Die Verantwortlichen fokussierten sich bei der Präsentation derart auf den Controller, dass einige Beobachter konfus wurden und nicht wussten, ob die Wii U nur aus dem Controller besteht (und quasi Wii-Zubehör ist) oder eigentlich eine neue Konsole sein soll. Die neue Konsole taucht zwar im Vorstellungsfilm auf, außerdem zeigte Nintendo die Leistung der neuen Konsole mit einer Technikdemo; trotzdem waren viele Zuschauerinnen und Zuschauer verwirrt. Hiermit möchte ich deshalb festhalten: Ja, die Wii U ist eine neue Konsole und nicht bloß ein Zubehör für die Wii! Die Konsole hat ein größeres Volumen als ihre Vorgängerin und lässt dank mehr Öffnungen auch mehr Luft ein. Diese Lüftung soll helfen, die leistungsfähigen Prozessoren zu kühlen. Rechenleistung? Über kaum ein Thema debattieren die Spieler intensiver. Von „marginal besser als die PS3“ war mancherorts die Rede, andere Entwickler wollen hingegen eine signifikante Steigerung festgestellt haben. Nintendo weist darauf hin, dass die Eckdaten noch nicht feststehen. Bekanntlich sollen IBM und AMD die neuen CPU und GPU liefern, die altbewährte Kooperation garantiert Abwärtskompatibilität und effizientes Chipdesign.

Uneingeschränkte Freude auf die neue Generation? Zwar war der Nintendo-Stand gut besucht, auch positive Eindrücke gab es zuhauf; im Internet tobt seit der Veröffentlichung jedoch ein Meinungskrieg um die neue Konsole. Gewiss gehört der verbale Schlagabtausch zwischen Fans der verschiedenen Konsolen seit jeher zur Videospielkultur, die Wii U erhitzt die Gemüter allerdings deutlich stärker als andere Konsolen. Der Grund für diese Aufregung: Einerseits bewegt sich Nintendo wieder in die Richtung des traditionellen Gamings und macht eine Verschnaufpause in Bezug auf die bewegungssensitive Steuerung; andererseits macht die Konsole leistungstechnisch zwar einen Sprung nach vorne, Nintendo bleibt jedoch kostensensibel und wird von der Kundschaft voraussichtlich weniger als 400$ für die Konsole verlangen – dies ist zumindest der Konsens unter den technikaffinen Spielern. Kein Wunder, dass manche Zocker Nintendos Schritt zurück zum AAA-Gaming nicht so recht trauen.

Einige Nintendofans trauern um den Rückschritt in Sachen Motion Gaming, denn die Wii U unterstützt zwar die Wiimote, aber den Standard setzt natürlich der neue Controller mit dem großen Bildschirm. Die eingebauten Gyroskop und Accelerometer können nicht darüber hinweg täuschen, dass Bewegungssteuerung nicht mehr erste Wahl ist. Kann der neue Controller den alten vergessen machen und gleichzeitig Gelegenheitsspieler und Vielzocker begeistern? Reicht die angestrebte Bildqualität aus, um die wählerischen Technikliebhaber für sich zu gewinnen? Nintendo hat nun ungefähr ein Jahr und nach der Veröffentlichung vielleicht noch ein weiteres Zeit, um auf diese Fragen Antworten zu liefern.

5 Antworten zu Wii U – Back to Hardcore-Gaming?

  1. g1zmo sagt:

    Nintendo sollte evtl. nochmal den Namen überdenken, so dass auch wirklich für die breite Masse klar wird, dass die Wii U eine richtige Nachfolge-Konsole und nicht ala Wii Fit und Konsorten nur ein Add-On ist.

    Außerdem bin ich schon mal sehr auf das Online-System gespannt. Die bisherigen „Infos“ dazu hören sich ja leider alle so schwammig und als Konzept ziemlich dezentral an, hoffentlich wird das am Ende was handfestes, sprich Gutes^^.

  2. Die E3-Präsentation (sowie das anschließende Nachspiel) wirkte ohne Frage wie mit einer glühend heißen Nadel gestickt. Ich war geschockt, wie unvorbereitet und amateurhaft Iwata und Co. die angeblichen Vorzüge der neuen Konsole anzupreisen versuchten. Wenn du mich fragst, dann herrscht bei Nintendo mehr und mehr blanke Panik, weil man glaubt, unbedingt wieder mit einem neuen Feature aufwarten zu müssen, um sich von der Konkurrenz unterscheiden zu können – was an sich gar nicht mal so falsch ist. Das rechtfertigt aber noch lange nicht diesen reichlich seltsamen, unsortierten E3-Auftritt. Überhaupt: Nintendo hat im Moment Probleme, die Nachfolge-Plattformen auch unter diesem Label verkaufen zu können. Nicht nur die WiiU (Ich mag den Namen aus verschiedenen Gründen überhaupt nicht) hat bisher so ihre Identitätskrise zu bewältigen, auch der 3DS wird von vielen Käufern als weiteres Modell der NDS-Linie verstanden.

  3. piccolo-junior sagt:

    Ich hoffe einfach, dass die Wii U mehr Drittherstellergames haben wird als die Wii, vor allem dank der stärkeren Leistung der Konsole.

    Ich muss ehrlich sagen, ich bevorzuge immer mehr die klassichen Steuerungsmöglichkeiten.

  4. Ich nur in jenen Bereichen, in denen sie schon immer mehr Sinn machten. Ein Spiel wie Zelda: SS hätte, mal angenommen, das Spiel funktioniert wie versprochen, schon kurz nach der Einführung von Wii Motion+ erscheinen müssen. Oder viel besser: Nintendo hätte die Wii-Remote von Tag 1 in der Plus-Variante anbieten müssen. Eine echte Schande, wie viel Potential vergeudet und wie viele Betonköpfe hier bestätigt worden sind.

    • piccolo-junior sagt:

      Naja, man muss auch immer an das Preis-Leistung-Verhältnis denken. Wahrscheinlich hat Nintendo die Motion+ einfach nicht von Anfang an gebracht, weil sie zu teuer war oder Nintendo die Technologie nicht beherrschte.

      Aber das ist auch nur eine Vermutung, wieso Big N die Motion+ nicht von Beginn an, gebracht hat, wird wohl deren Geheimnis bleiben.