Mini-Reviews – 3DS-Edition

Diesmal stehen die Mini-Reviews ganz im Zeichen des 3DS, wobei neben einem der im Laden erhältlichen Launch-Games auch zwei der bereits auf dem System vorinstallierten Software-Titel unter die Lupe genommen werden.

Nintendo hat sich beim Launch des Nintendo 3DS nicht gerade mit Ruhm bekleckert: Aus eigenem Hause stammt neben dem zugegebenermaßen exzellenten „Pilotwings Resort“ lediglich eine unspektakuläre Weiterführung des „Nintendogs“-Konzepts und unter den Drittherstellerspielen ernteten „Super Street Fighter IV: 3D Edition“ und „Tom Clancy’s Ghost Recon: Shadow Wars“ mit Abstand das meiste Lob.
Was viele Fans jedoch überrascht haben dürfte, ist die Masse an spaßbringenden Spielereien, welche bereits in das System integriert sind. Neben eher traditioneller Software, wie einem Programm zum Abspielen von Musik und der Kamerafunktion, wartet nämlich unteranderem das abgedrehte „Face Raiders“, ein von der „Game Boy Camera“ inspiriertes Action-Minispiel, auf den nichtsahnenden 3DS-Besitzer.

Zwei weitere neue Features, die für den Handheld in Zukunft (hoffentlich) noch von großer Bedeutung sein werden, sind „Augmented Reality“ und „StreetPass“. Schauen wir uns einmal an, wie diese Ideen von Nintendo verwirklicht wurden…

– – – – – – – – – –

AR Games (3DS)

Wer hätte Gedacht, dass diese kleine ?-Box dermaßen viele Überraschungen für uns bereithalten würde? Während sich die Funktion der fünf mitgelieferten Charakterkarten darauf beschränkt, Mario, Link und Co. auf dem heimischen Küchentisch erscheinen zu lassen, beherbergt die wichtigste, mit einem Fragezeichen versehene Karte diverse beeindruckende Minispiele, vom Angeln über einen Mini-Golf-Billard-Hybriden bis hin zum Zielschießen. Und all dies spielt sich direkt auf dem Bett, Schreibtisch oder gar der eigenen Handfläche ab!
Beeindruckend ist die Fülle an Inhalten, welche sich dem Spieler nach und nach erschließt: Gerade hat man einen Drachen bezwungen, da kritzelt man schon dreidimensionale Objekte in den Raum oder stöbert im neuentdeckten Spielmünzen-Shop nach weiteren AR-Attraktionen, darunter neue Level für Zielschießen und Mini-Billard, ein 3D-Globus und (mein persönlicher Favorit) das freie Angeln (Fischen ohne Zeitdruck, sodass man sich in Ruhe dem Fangen der über 30 verschiedenen Meerestiere widmen kann).

Einziger Wehrmutstropfen: Aufgrund der (noch immer) dürftigen Kamera des 3DS kann es bei nicht idealen Lichtverhältnissen schnell zu Problemen bei der Erkennung der Karte kommen. Auch der Abstand zur Karte spielt eine wichtige Rolle. Dennoch: Das Konzept der AR Games hat mich dermaßen beeindruckt, dass ich die volle Punktzahl vergebe. Natürlich auch in der Hoffnung, dass man auf dieser Technik weiterhin aufbaut und uns in den nächsten Jahren noch die ein oder andere Überraschungen präsentieren kann.

Otaku1990 vergibt 5 von 5 Takos

– – – – – – – – – –

StreetPass Mii-Lobby (3DS)

Von der Mii-Parade der Wii inspiriert, ist es auf dem 3DS nun möglich, Besuch von den Miis anderer Leute zu bekommen, denen man zufällig auf der Straße begegnet. So lautet zumindest die Theorie. Natürlich müssen beide Personen ihren DS im Standby-Modus und mit aktiviertem Wireless-Signal mit sich herumtragen, damit dies funktioniert. Dennoch, die Idee ist nicht schlecht und wird von zwei Minispielen unterstützt, welche man mit den fremden Miis bestreiten darf.
Da hätten wir zum einen den sogenannten „Puzzle-Tausch“: Hier gilt es, ein aus 15 Teilen bestehendes Puzzle-Bild (thematisch an eines von vielen Nintendo-Spielen angelehnt) zu komplettieren. Von jedem StreetPass-Besucher erhält man ein Puzzle-Teil, welches man sich aus dem Besitz des jeweiligen Mii ausssuchen darf. Hat man Glück, verfügt der Besitzer des Mii-Charakters über ein anderes Puzzle als man selbst, sodass man mehrere Puzzles nebeneinander vervollständigen kann. Anstatt über die StreetPass-Funktion, ist es alternativ auch möglich, Puzzle-Teile durch das Eintauschen von Spielmünzen zu ergattern. Der Nachteil: Das Puzzle-Teil wird komplett zufällig ausgewählt (kann also sogar doppelt auftauchen) und es werden keine neuen Puzzles angefangen. Ist das Bild schließlich komplett, verwandelt es sich in ein bewegtes 3D-Diorama, das nach Lust und Laune herangezoomt und betrachtet werden kann.

Etwas spannender kommt „Rette die Krone!“ daher. Hier nimmt der eigene Mii-Charakter die Rolle eines Königs ein, der von Geistern entführt und in einem Schloss weggesperrt wird. Die Aufgabe des Spielers ist es nun, Helden zu rekrutieren, um sich durch die Horden von Gegnern bis zum Obermotz zu kämpfen. Die Helden stellen dabei natürlich die Miis dar, denen man über die StreetPass-Funktion begegnet ist. Außerdem ist es möglich, für ein paar Spielmünzen Hilfshelden zu engargieren. Diese können allerdings nicht wie StreetPass-Miis aufgelevelt werden (dies geschieht, wenn man dem selben 3DS-Besitzer mehrmals über den Weg läuft) und sind daher relativ schwach. Gemeinsam ist allen Kriegern, dass sie ziemlich ängstlich sind und nach ein paar Schwerthieben in Anbetracht der Geisterfratzen das Weite suchen. So kämpft man sich nach und nach durch die verschiedenen Bereiche der Burg und trifft immer wieder auf neue Geisterarten: Einige sind immun gegen bestimmte Zaubersprüche, andere werden von einem farbigen Schild beschützt, welches nur ein Held mit entsprechender Kleiderfarbe zerstören kann. Das simple Spielprinzip macht schnell süchtig und stellt für viele wohl den größten Reiz von StreetPass dar.

Doch so witzig die Minispiele auch aufgemacht sein mögen, so bieten sie immer nur ein paar Minuten Unterhaltung am Stück. Daher wäre es schön, wenn Nintendo in nächster Zeit weitere Möglichkeiten, die StreetPass-Funktion zu nutzen, anbieten würde (bei Street Fighter kommt sie ja bereits zum Einsatz).

Otaku1990 vergibt 3 von 5 Takos

– – – – – – – – – –

Pilotwings Resort (3DS)

Kommen wir zum Schluss zu einem „echten“ Launch-Spiel. Wie schon zu Zeiten von SNES und Nintendo 64 demonstriert der japanische Videospielkonzern die Fähigkeiten seiner neuen Hardware mit einem Ableger der beliebten Flugsimulation: Ein 3DS-Game mit stärkerem 3D-Effekt ist zurzeit nicht erhältlich!

Der Spieler findet sich auf der aus „Wii Fit“ und „Wii Sports Resort“ bekannten Insel Wuhu Island wieder, wo er mittels Flugzeug, Raketenrucksack und Hang Glider (sowie drei geheimen Fluggeräten) diverse Missionen erfüllt. Die Aufgabenstellungen reichen von „Leg eine sanfte Landung hin“ im Anfänger-Rang bis hin zu „Schieß auf Zielscheiben, zerstöre Ballons, sammle Kapseln, lande sanft und präzise und sei dabei auch noch schnell“ in den höheren Schwierigkeitsgraden.
Das Spiel wurde vom „Excite Truck“-Team entwickelt und genau wie in ihrem Wii-Debüt geht es auch in Pilotwings Resort stets um die Höchstwertung: Bis zu drei Sterne können in jeder Mission ergattert werden. Wer sich bereits mit ein oder zwei Sternen zufriedengibt, hat den Missions-Modus schnell hinter sich, bekommt aber nicht einmal die Credits zu sehen. Das Hauptziel des Spiels ist es, in jeder Mission alle drei Sterne zu ergattern, was in den frühen Levels schon beim ersten Versuch klappen kann, in den späteren Abschnitten jedoch in einer waschechten Geschicklichkeits- und Geduldsprobe ausartet.
Bis man überall eine Drei-Sterne-Wertung abgesahnt hat, vergehen etwa acht Stunden Spielzeit, wobei echte Hardcore-Zocker sich daran versuchen dürfen, in jeder Mission eine perfekte Punktzahl zu erzielen. Und dann wartet auch noch der Freiflug-Modus. Hier kann man Wuhu Island innerhalb eines (erweiterbaren) Zeitlimits in einem Gefährt seiner Wahl erkunden und nach Ballons und anderen Items Ausschau halten, die wiederum 3D-Dioramas und andere Kleinigkeiten freischalten. Wer alles sehen möchte, kommt also locker auf 10 bis 15 Stunden Spielzeit. Damit ist Pilotwings Resort nicht das längste Spiel, jedoch durchaus annehmbar.

Was ich persönlich bei diesem Titel vermisst habe, sind neben den Minispielen eines „Pilotwings 64“ (Kanonenschießen, Fallschirmspringen etc.) vor allem Online-Features oder ein Multiplayer-Modus, denn ein bisschen Wettbewerb schadet gerade bei einem dermaßen an Punktzahlen orientieren Spiel nie. Auch die aus Wii Sports Resort bekannten Dogfights mit vier Spielern oder mehr hätten sicherlich für kurzweiliges Vergnügen gesorgt. Doch auch ohne diese Features gehört Pilotwings Resort zu den besten Launch-Titeln des 3DS und sollte auf keinen Fall unterschätzt werden (was viele Kritiker der Presse getan haben).

Otaku1990 vergibt 4 von 5 Takos

3 Antworten zu Mini-Reviews – 3DS-Edition

  1. ness sagt:

    Bei der „StreetPass Mii-Lobby“ finde ich es ja richtig blöd gelöst, dass ein anderes Mii „nutzlos“ wird, wenn man nicht beim ersten Treffen sofort das Puzzlestück tauscht und die Burg stürmt. Ich hatte heute bspw. 3 getroffen und bin in die Lobby gegangen. Konnte aber (zeitlich) erstmal nichts machen, blieb in der Lobby und hatte dann den 3DS wieder zugeklappt. Nach einigen Minuten hatte ich einen weiteren Mii getroffen, und habe erstmal mit ihm die ganzen Aktionen durchgeführt. Tja, dann konnte ich aber nichts mehr mit den ersten 3 anfangen, obwohl ich nie aus der Lobby rausgegangen bin. Wirklich richtig blöd gemacht =(.

    • Otaku1990 sagt:

      Da stimme ich dir zu, das ist blöd gemacht. Kann mir vorstellen, dass man krampfhaft versucht hat, so wenig Speicherplatz wie möglich für längere Zeit zu belegen.
      Andererseits wäre ich schon froh, überhaupt mal drei Miis zu treffen ;D

    • ness sagt:

      Ich habe inzwischen sogar schon 12 Miis getroffen^^, wobei allein 5 von Nintendo-Mitarbeitern sind, welche ich heute durch so einen Promotionsveranstaltung in einem großen Kaufhaus mit dutzenden 3DS- & Wii-Geräten getroffen habe.

      3 oder 4 weiteren bin ich bei einer Bud Spencer Signierveranstaltung begegnet, wo hunderte von Leute anstanden, mich eingeschlossen =). Insgesamt bin ich regulär bisher also auch „nur“ 3-4 Miis über den Weg gelaufen^^.