Iwatas riskante Wette: Der 3DS, ein Spagat zwischen Vielzocker und Gelegenheitsspieler

Noch vor ein paar Monaten wurde der 3DS noch als zukünftiger Dominator gepriesen, nun mehren sich erste Befürchtungen. Eine Kolumne zur Markteinschätzung des Handhelds.


25.000 Yen bzw. 2.5000 Yen (die asiatische Zählweise trennt erst ab zehntausend) soll der 3DS kosten. Als Iwata diesen Preis im Oktober vorstellte, wurden viele Fans ganz still: Nicht wenige erwarteten einen Preis unter 200 Dollar, einige spekulierten gar mit unter 180 Dollar. Nun fanden sich selbst Skeptiker, die 230 Dollar als Grenze sahen, unter den Optimisten. Dass Iwata in der Konferenz noch die Software und das System vorstellte, dass er den Veröffentlichungstermin in Japan auf Frühjahr 2011 verschob – irrrelevant angesichts des Preisschocks.

Die Reaktionen darauf waren und sind unterschiedlich, aufgefallen sind mir zwei Tendenzen: Erstens üben viele DS-Befürworterinnen und –Befürworter am heftigsten Kritik, zweitens halten sich gerade die Wii-Kritikerinnen und –Kritiker auffällig zurück. Tatsächlich hat Nintendo mit dem 3DS eine Maschine geschaffen, die überaus hübsche Grafiken darstellen kann. Die technikaffinen Vielzocker fühlen sich dementsprechend angesprochen. Anders sieht es bei den DS-Spielerinnen und –Spielern aus, die zum Teil gerade deshalb den DS bevorzugen, weil die spartanische Darstellung es den Entwicklern erlaubt, neue Spielideen auszuprobieren. Diese Leute befürchten nun, dass der Preis viele Kunden abschreckt und die Hersteller seltener innovative Spiele unterstützen.

Macht Nintendo wirklich eine Kehrtwende? Verabschiedet es sich von seiner Strategie, möglichst viele Kunden zu erreichen? Einige Fakten sprechen dagegen: Der 3DS ist keine PSP2, die Technik entspricht durchaus dem jetzigen gängigen Stand und ist nicht Generationen voraus. Die Technik ist auch nicht so teuer, dass der Preis gezwungenermaßen derart hoch angesetzt werden muss; Nintendo erwartet eher, dass die Leute bereit sind, so viel für den Handheld zu zahlen. Eine Preiskorrektur kann deshalb schnell erfolgen und würde Nintendo auch nicht gleich in die Verlustzone bringen. Und Nintendos eigene Spiele sind weiterhin breit angelegt, da finden kleine Kinder bis jung gebliebene Erwachsene genügend ansprechende Software.

Eine totale Kehrtwende führt Nintendo deshalb nicht durch, trotzdem zielt der 3DS offensichtlich auf die sogenannten Core-Gamers. War der überragende und dennoch zwiespältige Erfolg der Wii ein Grund für den Strategiewechsel? Die neue Strategie birgt einige Gefahren: Mögen die ersten Spiele auf dem 3DS bereits graphisch brillieren, der hohe Preis schreckt die Gelegenheitsspieler ab. Die ersten Kunden sind also Spiel- bzw. Technikenthusiasten, auch einige betuchte Kunden könnten den Handheld kaufen wollen. Diese Zielgruppen müssen den 3DS dann möglichst lange tragen, denn bei zurückhaltenden Verkaufszahlen werden Rufe nach Preisreduktionen laut. Kommt die Reduktion jedoch zu früh, werden die Kunden auf weitere Preisabschläge warten. Nintendo spielt deshalb ein nicht ungefährliches Spiel, weil hohe Verkaufszahlen mit dieser Strategie nicht gesichert sind. Die Dritthersteller werden aber ihren Unmut zeigen, wenn die Hardware- und damit auch die Softwarezahlen nicht wunschgemäß aussehen.

Der Videospielliebhaber sorgt sich jedoch nicht in erster Linie um Nintendos Bilanzen, sondern um die Entwicklungskosten: Der DS und die Wii galten als eine effektive Antwort auf die Kostenspirale. Während Microsoft und Sony mit ihren Spielplattformen die Entwicklungskosten in neue Höhen trieben, konnten die Softwarehersteller bei Nintendos Spielsystemen auf dem finanziellen Niveau der letzten Generation (Game Boy Advance, GameCube) bleiben. Beim 3DS sieht die Situation jedoch wie folgt aus: Erstens werden in den ersten zwei Jahren wegen des Preises nur bestimmte Käuferschichten angesprochen, zweitens kostet die Entwicklung eines 3DS-Spiels viel mehr im Vergleich zu einem DS-Spiel. Der Spielerhersteller Marvellous rechnet mit einer Verdreifachung der Kosten! Innovative Spielkonzepte werden es deshalb noch schwieriger haben, überhaupt auf den Markt zu kommen. Keine gute Aussicht, wenn innovative Spiele nur mit Digital Distribution ihren Kunden finden.

Advertisements

Eine Antwort zu Iwatas riskante Wette: Der 3DS, ein Spagat zwischen Vielzocker und Gelegenheitsspieler

  1. HomiSite sagt:

    Ich hätte mir im Vergleich zu Apple-Geräten auch einen niedrigeren Preis gewünscht – aber waren die jüngeren Nintendo-Handheld nicht immer überteuert? Ist die Frage, ob 3D ähnlich ziehen wird wie Touch beim NDS.

    Vielleicht mag auch der Verkaufseinbruch bei der Wii zum höheren Hardwarepreis beigetragen haben bzw. die Erfahrungen, dass sich Software für Wii und NDS nicht mehr besonders gut verkauft. Man muss auch beachten, dass die jüngsten Wii-Spiele deutlich verstärkt die Core-Gamer anvisieren.

    Zu den Entwicklungskosten: Ich denke, das ist auch Taktik der Entwickler, um in App-Store-Zeiten Forderungen nach niedrigeren Preisen abzuwehren. Denn ungeachtet von vielleicht mäßiger Verkaufszahlen: Was technisch auf Wii und NDS jahrelang auf die Kunden losgelassen wurde, war ja oft nicht kostenbewusst, sondern schlicht geizig (Wii-Spiele, die schlechter aussehen als GC-Launchtitel…).