Das Ende der Bildschirmauflösung?

Gerade noch rechtzeitig vor dem prophezeiten Weltuntergang im Jahr 2012: Gedanken über die Bildschirmauflösung bzw. über das Ende des Wettrennens, möglichst viele Pixel auf eine Fläche zu pressen.

Medienschaffer übertreiben gerne, denn nur außergewöhnliche Ereignisse machen Schlagzeilen. Das Magazin „Wired“ kündigte vor einiger Zeit das Ende des Internets an, Thilo Sarrazin sieht das Ende von Deutschland anhand seiner gesammelten Statistiken, und Gamer fürchten sich vor dem nächsten Videospiel-Crash, wenn die Firmen sich noch länger an die desaströse Blockbuster-Strategie halten. Solche Prophezeiungen wecken Ängste und lösen im schlimmsten Fall Panik aus, obwohl sie selten tatsächlich zutreffen: Häufig sind die Prophezeiungen schlicht falsch, oft halten sich die befürchteten Schäden in Grenzen. Es gibt jedoch auch finale Ereignisse, die uns eher erfreuen als verängstigen: Das Ende des Mega- und Gigahertz-Rennens zum Beispiel, denn das banale Aufstocken der Taktzahlen brachte irgendwann nicht mehr die gewünschte Leistung. Damit konnten die Prozessorentwickler endlich an anderen Aspekten arbeiten! Das Ende der Bildschirmauflösung hätte den gleichen Effekt.

„Das Ende der Bildschirmauflösung“ bedeutet nicht, dass es Auflösung (als Messwert) nicht mehr gäbe, sondern dass sie an Relevanz verliert. Überhaupt ist die Auflösung erst seit den letzten zehn Jahren eine wichtige Grösse: Weder bei den Filmen noch in Videospielen spielte sie bis Mitte der 90er eine Rolle, bei den mobilen Geräten erst recht nicht. Nur die Heimcomputer fingen an, immer höhere Bildschirmauflösungen zu zeigen, aber auch dort war das Thema eher nebensächlich. Kurz vor der Jahrtausendwende kam die Sache endgültig ins Rollen: PCs hatten nun hochauflösende Monitore, und digitale Kameras eroberten den Markt. Letztere zettelten einen jahrelangen und absurden Kampf um immer mehr Megapixel an. Danach versuchten die Firmen, den Kunden hochauflösende Fernseher schmackhaft zu machen. Heute kauft selbst Otto Normalverbraucher zielbewusst einen HD-Fernseher, auch wenn er in der Regel kaum in HD fernsieht.

Obwohl die Bildschirmauflösung seit einiger Zeit prominent als Thema auftritt, behaupte ich, dass sie schon bald nicht mehr so wichtig sein wird. Einige Entwicklungen unterstützen meine Behauptung: Die Entwickler von Kameras übertrumpfen sich in den letzten zwei Jahren nicht mehr in der Anzahl der Megapixel, weil die Kunden merken, dass diese Messgröße wenig über die Bildqualität aussagt. Der Fokus liegt nun auf technischer Hilfe und Automatismen. Der Fernsehmarkt kann die Käufer nicht mehr mit „1080p Full HD!“ begeistern, schliesslich hat bereits die Mehrheit der Fernseher 1080 Bildzeilen, wenn man sich in den Läden umschaut. „3D-Fernseher“ und LED-Technologie sind die neuestens Trends. Wie sieht es bei den portablen Geräten aus? Gewiss spielt die Auflösung heute noch eine wichtige Rolle, denn jedes neue Gerät will noch bessere Bildqualität aufweisen, siehe den markanten Unterschied zwischen DS und 3DS. Aber auch hier könnte das Ende der Fahnenstange erreicht sein: Apples iPhone4 besitzt eine Auflösung von 640×960 Pixel auf einem 3.5 Zoll-Bildschirm und hat eine enorme Punktdichte erreicht. Die Pixel sind so klein, dass man sie mit dem bloßen Auge nicht mehr erkennen kann. Eine noch höhere Auflösung auf gleicher Fläche ergibt deshalb keinen Sinn – es sei denn, Apple möchte stereoskopisches 3D, dann wäre das Limit bei 1080×1920. Was PCs und Macs betrifft, so kann man sich fragen, ob ein größerer Bildschirm als 27 Zoll mit 2560×1440 Pixel wirklich sinnvoll ist. In absehbarer Zeit sehe ich das Ende der Entwicklung bei 3840×2160 Pixel.

Wenn die Auflösung weniger wichtig wird, profitieren andere Bereiche. Nehmen wir die Heimkonsolen als Beispiel: Sie werden in den nächsten zwei Generationen kaum über die 1080p-Grenze gehen, die Entwickler können deshalb die Grafik nicht bloß mit mehr Bildschärfe verbessern. Framerate könnte eine wichtigere Rolle spielen als heute, Animationen und eine interaktive Umgebung ebenso. Texturen müssen nicht noch größer werden, weil die Auflösung nicht mehr zunimmt.  Dafür könnten sie raffinierter und abwechslungsreicher sein. Auch Polygonmodelle müssen nicht immer mehr Polygone enthalten. Mit anderen Worten: Stagniert die Auflösung bei 1080p für mindestens zwei Generationen, könnten die Spielehersteller etwas Kosten sparen, denn die Spiele für PS3 und 360 sind deshalb so teuer in ihrer Entwicklung, weil Texturen und Polygonmodelle neu kreiert werden müssen.

Advertisements

3 Antworten zu Das Ende der Bildschirmauflösung?

  1. Cube sagt:

    Da die Industrie zur Zeit ja sogar noch mit 720p zu kämpfen hat, darf man wohl für die nächste Generation (leider) noch kein Stagnieren erwarten, da sie sich erst dann wohl vermehrt an 1080p versuchen will. Das ist schade, denn dann darf man sich wohl auch weiterhin mit solchen grundlegenden Problemen wie Tearing, Bildrateneinbrüchen und Ladezeiten rumschlagen. :(

  2. piccolo-junior sagt:

    Dass Otto Normalverbraucher kaum in HD fernsieht, liegt wohl eher am mangelnden Angebot, als am fehlenden Willen. Dass bei den Fernsehen die Auflösung im Gegensatz zu den PCs stehengeblieben ist, liegt auch daran, dass die Industrie sich auf einen gewissen Standard einigen musste. Den während beim PC einfach die Software an die neue Auflösung angepasst werden muss, müssen beim Fernsehen auch die Rundfunkanstalten und die Filmemacher ihre Werke im neuen Format produzieren, was nur hohe Kosten verursacht.

    Jedenfalls bin ich heilfroh, dass es wahrscheinlich wieder eine Weile dauern wird, bis beim Fernsehen die nächste „Revolution“ ausbricht.

    • ness sagt:

      @ „Jedenfalls bin ich heilfroh, dass es wahrscheinlich wieder eine Weile dauern wird, bis beim Fernsehen die nächste “Revolution” ausbricht.“

      Naja, 3D steht ja nun auch schon wieder vor der Tür^^.