Der 3DS und warum westliche Studios schleunigst dafür programmieren sollten

Die Zukunft ist klein und portabel. Die großen westlichen Studios setzen jedoch weiterhin auf Heimkonsolen. In dieser Kolumne erfährt ihr, warum sie den 3DS nicht ignorieren sollten, wenn sie weiterhin eine Rolle in dieser Industrie spielen wollen.


Auf der diesjährigen E3 ließ Nintendo endlich die Katze aus dem Sack: Nintendo-Präsident Satoru Iwata stellte den 3DS vor, erklärte die Features ausführlich und nannte bereits ein paar Spiele, die wahrscheinlich schon im ersten Jahr in den Handel kommen werden. Einige Geheimnisse mögen Iwata und Reggie Fils-Aime, der Präsident von Nintendo of America, noch nicht lüften, so zum Beispiel den Preis der Hardware und der Spiele, die Hardware-Architektur, das Veröffentlichungsdatum und das Interface. Aber die bereits bekannten Fakten lassen Spieler aus der ganzen Welt jubeln; ich möchte hier eine Auswahl der bestätigten Informationen präsentieren,  die zum Teil nur dank der Detektivarbeit vieler Fans bekannt wurden:

Der 3DS hat im Vergleich zum DS drei zusätzliche Inputmöglichkeiten: Iwata nannte den Analogstick, das Motion-Sensoring und die 3D-Kamera. Mich hat die Ankündigung überrascht, dass nur ein Analogstick implementiert ist, weil Nintendo auf diese Weise die Symmetrie aufgibt. Wie erwartet verfügen die Bildschirme über eine erhöhte Auflösung, der 3D-Bildschirm stellt 800×240 Pixel dar – 400×240 für jedes Auge. Der untere Bildschirm hat eine Auflösung von 320×240 und ist ein Touchscreen. Der 3DS wird ungefähr die Maße des DSi haben. Für viel Aufregung sorgt die Grafikleistung: Waren die Spieler am Anfang noch skeptisch, ob Nintendo überhaupt an einer guten Grafik interessiert sei, so verfielen viele nach den ersten Bildern und Videos in Euphorie. Einige wagen zu behaupten, der 3DS zeige eine bessere Grafikdarstellung als die PlayStation 2 oder gar der GameCube, allerdings lassen sich die Systeme nur schwer vergleichen – dazu mehr im nächsten Abschnitt. Überraschend ist auch die Tatsache, dass Nintendo nicht ATI oder Nvidia als Partnerfirmen für die Grafikchip gewählt hat, sondern die eher unbekannte Firma DMP. Die Details sind nicht bekannt, aber angeblich gehört der Chip zur PICA200-Serie und besitzt drei Eigenschaften, die für seinen Einsatz sprechen: Er verbraucht wenig Energie, ist relativ günstig und lässt sich leicht programmieren.

Die letztgenannte Eigenschaft des Chips erklärt auch, warum die ersten Bilder von den Spielen begeistern: Die Programmierer können Lichteffekte und Bump-Mapping gleich in ihren ersten Spielen einbauen. Die Bilder sehen deshalb plastischer aus als viele PS2-Spiele, selbst Wii-Spiele nutzen selten Bump-Mapping, d.h. eine Texturdarstellung, die Volumen vortäuscht. Unter diesem Aspekt trumpft der 3DS tatsächlich auf, aber die Bildqualität im Allgemeinen lässt sich schwer mit anderen Systemen vergleichen. Zwar verfügt der obere Bildschirm über 800×240 Pixel, aber jedes Auge sieht nur 400×240 – das wäre noch weniger als die PSP mit 480×270, aber mehr, wenn man den unteren Bildschirm dazuzählt. Auf alle Fälle ist die 3DS-Auflösung nicht vergleichbar mit jener der Heimkonsolen (PS2 und GameCube), die 640×480 darstellen können. Grundsätzlich sagen direkte Screen-Vergleiche nichts aus, weil der 3D-Effekt den großen Unterschied macht. Einige Szenekenner mutmaßen, dass der 3DS nicht so viele Polygone darstellen kann wie die PS2, da der kleine Bildschirm und das Bump-Mapping dafür sorgen, dass eckige Darstellungen auf ein Minimum begrenzt werden. Bestätigt ist diese Vermutung jedoch noch nicht.

Japanische Entwicklerfirmen zeigen bereits im jetzigen Stadium beeindruckende Grafikdarstellungen, die offensichtlich in Echtzeit laufen. Konami und Capcom liefern nicht nur tolles Bildmaterial, sondern unterstützen den 3DS mit ihren besten Franchises wie Metal Gear, Street Fighter und Resident Evil. Mit anderen Worten: Die Möglichkeiten des 3DS werden von diesen Firmen ausgeschöpft. Aber warum haben wir bisher nur von japanischen Firmen ein solches Engagement gesehen? Wahrscheinlich nehmen westliche Firmen die portablen Spielsysteme immer noch nicht ernst. Dabei sprechen die erwähnten Fakten für eine portable Zukunft: Das neue System ist leistungsfähig genug, um Spiele auf PS2-Niveau darstellen zu können; die Steuerung ist extrem vielseitig, kaum ein System hat so viele Inputmöglichkeiten; der 3DS ist der Nachfolger des DS und außerdem abwärtskompatibel. Sollten diese Argumente die westlichen Studios immer noch nicht überzeugen, dann horchen die Firmenverantwortlichen wohl spätestens nach der E3 auf, da Nintendo bekanntgab, dass der 3DS einen neuartigen Kopieschutz hat. Wie dieser funktioniert, ist leider streng geheim.

Advertisements

15 Antworten zu Der 3DS und warum westliche Studios schleunigst dafür programmieren sollten

  1. ness sagt:

    Was mich vor allem auch sehr begeistert ist, dass sich der überwältigende Teil der Äußerungen jener Leute, die schon Kontakt mit dem 3DS und dessen Spielen bzw. Technikdemos hatten, wirklich fantastisch anhört und das absolut kein Vergleich mit dem DS damals ist, wo er vielleicht höchstens als nett und so bezeichnet wurde^^.

    Und es gibt ja schon einige Gerüchte bzgl. eines März-Termines hier in Europa. Würde ja passen, wenn man sich an 2005 zurückerinnert^^.

  2. Robert sagt:

    Mhh der 3DS wird sicher genauso ein Erfolg wie seine Vorgänger. Hoffentlich wird er nicht so teuer wie die Wii. Und hooooooooooffentlich werden schnell FlashLinker dafür erscheinen

    • ness sagt:

      @ FlashLinker: Ich hoffe deine Aussage bezieht sich nicht auf ROMs… Denn genau solche Dinger wie R4 & Co. lassen die (ernsten) Spieleveröffentlichungen und -verkaufszahlen für den DS teilweise einbrechen wie sonst was.

  3. wolffarre sagt:

    Ich ueberlege grade, ob es ueberhaupt wirklich nennenswerte westliche spiele fuer gameboy und DS gibt…
    Sicher gibt es da welche, aber im grossen und ganzen waren die Japaner auf handhelds immer staerker vertreten. Im Westen schmeissen die eher ihre billigspiele und ableger grosser serien auf die handhelds. Oder taeuscht mich mein eindruck?

    Jedenfalls bin ich auch gespannt, schon allein weil ich immernoch keinen DS besitze und mir den 3D-Effekt nicht so recht vorstellen kann.

    achja, euren Blog find ich uebrigens gut. ^_^

    • ness sagt:

      @ nennenswerte westliche Spiele: Hab‘ grade mal nachgeschaut. Unter den 30 bestbewertesten DS Spielen befinden sich gerade mal 2 (!!!) westliche Entwicklungen, was schon echt ziemlich traurig ist, auch wenn sich an erster Stelle GTA:CW befindet.

      Beim GBA sind es immerhin 6, wobei 4 davon zur Tony Hawk-Serie gehören.

  4. Robert sagt:

    Ja ich meine „Roms“
    In der finanziellen Situation heutzutage kann man sich halt nicht mehr jedes Topspiel leisten und auf dem DS gibt es mehr als genug davon. Es sei denn das ist beabsichtigt das Videospiele nur etwas für die Gutverdiener sind.

    • Otaku1990 sagt:

      Ich möchte jetzt keine weitere Diskussion zum Thema Roms anbrechen, aber wenn ich mir nicht „jedes Topspiel“ leisten kann, dann lasse ich es halt sein und fange nicht an zu klauen.

  5. Robert sagt:

    naja klauen würd ich das jetzt nicht nennen…
    aber mal ganz ehrlich. bis zu 40€ für ein DS Spiel…
    das ist wirklich ein übertrieben hoher preis.
    die hardware kostet ja dann auch noch einen haufen geld.
    da ist es doch kein wunder wenn immer mehr Leute zu sog. Flashlinkern greifen.

    • Otaku1990 sagt:

      Natürlich ist das Klauen. Du nimmst dir ein Spiel einfach, ohne dafür etwas zu bezahlen. Das ist Diebstahl. Und ein (deiner Meinung nach) zu hoher Preis der Ware rechtfertigt diesen ganz bestimmt nicht. Du gehst ja auch nicht einfach in einen Laden und holst dir nen Fernseher mit, ohne zu bezahlen, nur weil er dir zu teuer ist.

  6. ness sagt:

    @ Robert & „In der finanziellen Situation heutzutage kann man sich halt nicht mehr jedes Topspiel leisten“:

    Ich kann so einen Schwachsinn echt nicht mehr hören. In meiner finanziellen Situation kann ich mir auch keinen Ferrari leisten, trotzdem klaue ich mir nicht einfach einen. Und wenn dir Spiele für 40€ zu teuer sind dann warte halt ein wenig bis sie nur noch 20€ kosten. So schwer kann das doch echt nicht sein, das sollten selbst Leute wie du noch auf die Reihe kriegen…

  7. motherfreak sagt:

    Das ist ja wie mit den Anime – durch solche Aktionen bricht der Markt immer weiter zusammen, auch wenn es jetzt bei der Videospielbranche (noch) nicht so spürbar ist – dennoch gibt es niemanden das Recht, einfach zu klauen. Außerdem sind Ds-Spiele auch nicht teurer, als es damals die Game Boy (Color)-Spiele waren. Verbesssert mich, wenn ich falsch liege, aber hat damals die goldene Edition nicht 89.99DM (rund 45€)gekostet? Oder irre ich mich da?

    Auf jeden Fall sind Videospiele gleich wie Anime: Luxusgut – das muss man nicht haben um zu Überleben. Außerdem muss man doch irgendwie die Entwickler für ihre Arbeit belohnen (naja ich kaufe nur Spiele, von denen ich auch wirklich überzeugt bin, wie etwa die Dragon Quest-Reihe; alles andere was mich nicht überzeugen kann lass ich links liegen – so mag ich Castlevania überhaupt nicht). Doch ich schweife wieder mal ab…
    Wie gesagt: Videospiele sind wie (teure) Autos, Bücher, DVD´s und Schmuck Luxusgut – daher sollte man auch mit einigen Ausgaben rechnen, die nicht zur Grundausstattung gehören.

    So, nun zum eigentlichen Topic…

    Ich freue mich schon irgendwie auf den 3DS. Ob ich mir ihn leisten kann ist eine ganz andere Frage. Ich hoffe, der wird nicht über 200€ kosten…
    Ich bin mal gespannt, wie der in natura funktioniert.^^

  8. Oliver sagt:

    Neue GB Spiele haben 69 DM gekostet. Spiele, die zur Classic Reihe (SML 1-3, DK usw.) gehörten, kosteten dagegen regulär 49 DM. Von daher sind die Preise für NDS Spiele, bedenkt man den gestiegen Entwicklungsaufwand und die allgemeine Inflation, absolut in Ordnung.

    Ich finde die Preisgestaltung von NDS und Wii Spielen eigentlich sehr fair. NSMB Wii habe ich, wie fast alle 1st Party Titel, für etwas mehr als 40 Euro erstanden und das war die deutsche und nicht die UK Version, wohlgemerkt. Und ich muss fast immer lachen, wenn mir jemand etwas über die hohen Preise vorheult: Ich bin mit Modulen aufgewachsen, die neu so gut wie nie für unter 120 DM den Besitzer wechselten. Wir sind damals mit SMB und einem eher unbekannten Tennis Spiel für das NES ein gutes Jahr ausgekommen, bevor es in Form von Zelda II überhaupt wieder neue Software gab. Danach mussten wir noch einmal fast ein Jahr warten, bevor es endlich das so sehr herbei gesehnte SMB 3 gab (Ich war so glücklich, dass ich von da an jedem verdammten Tag die Anleitung bei Autofahrten verschlang, bis ich sie absolut auswendig konnte – da hat man Spiele noch richtig zu schätzen gewusst^^).
    Anders gesagt, ich hoffe doch sehr stark, dass Nintendo diesmal seine Hausaufgaben und es den verdammten Raubkopierern so schwer wie irgendwie möglich macht. Das kriminelle Gesindel ist, zusammen mit Nintendos Versagen, schließlich für das früher als gedacht anstehende Ende des NDS verantwortlich.

    Und: Zur Hölle mit den westlichen Entwicklern. Der NDS ist der Handheld mit der bis dato besten Software-Bibliothek und diese Idioten haben es tatsächlich fertig gebracht, daran nicht den Hauch eines Anteils zu haben. Ich habe fast 60 NDS Spiele und dann noch mal an die 10 DSiWare Titel und wenn ich mich nicht täusche, stammen maximal 3 Spiele aus westlichen Gefilden – darunter MPH. Aber ich erkläre ja auch heimischen Spielern seit Jahren, dass sie einen signifikanten Teil einer Generation verpassen, wenn sie weiterhin ihre Vorurteile bezüglich der tragbaren Videospiel-Plattformen nicht ablegen (und sich gleichzeitig über fehlende Abwechslung in der Branche beschweren). Ich kann ja durchaus verstehen, dass man tolle Titel am liebsten auf einem großen (hoch aufgelösten) TV sehen möchte. Deswegen aber gleich ganz auf die in meinen Augen beste Plattform dieser Generation zu verzichten, das ist mit Übertreibung noch nett umschrieben.

    Da fällt mir ein: Leute, spielt Wario Land 2 und DK 94. Zwei der besten Spiele aller Zeiten!

  9. Cube sagt:

    Oh, keine Sorge, die westlichen Entwickler werden den 3DS schon unterstützen… aber wohl im selben masse wie den DS und die PSP. Sprich, Ports von Konsolentiteln (die teils nur bedingt für Handhelds gegeignet sind) und Spin-ofs von alrbekanntem. Wirklich ambitionierte Titel wird man wohl wieder mit der Lupe suchen müssen…

  10. piccolo-junior sagt:

    Mal schauen, ob der 3DS den gleichen Erfolg haben wird wie der Vorgänger, jedenfalls wäre es Nintendo zu gönnen. Es gibt eigentlich nur einen Weg Raubkopien das Wasser zu legen, in dem man Spiel nur noch als Download erwirbt (wie bei WiiWare Titel), da entfällt die Angst vor Raubkopierern. Dass westliche Entwickler lieber Games für Heimkonsolen produzieren, liegt wohl einfach daran, dass sie sich auf stationären Konsolen besser verkaufen.

    Obwohl man eigentlich von den Handhelds auch eher von „Heimkonsolen“ sprechen müssten, schliesslich werden diese auch vorwiegend zu Hause gezockt. Ich habe jedenfalls (ausser Kindern) selten Leute DS / PSP in der Öffentlichkeit spielen sehen. Vielelicht ist es ja in Japan anders?

    • ness sagt:

      Also ich spiele mit meinem DS eigentlich regelmäßig außer Haus, sei es während einer etwas längeren Bahn- oder Busfahrt, bspw. auf den Weg zu Uni, oder in der Zeit zwischen den Vorlesungen. Vorwiegend spiele ich aber auch zu Hause^^.

      @ „Es gibt eigentlich nur einen Weg Raubkopien das Wasser zu legen, in dem man Spiel nur noch als Download erwirbt (wie bei WiiWare Titel), da entfällt die Angst vor Raubkopierern.“:

      Schön wäre es, aber einige Berichte zeigen, dass bspw. selbst auf dem iPhone viele Download-Spiele, zum Teil sogar die meisten, illegal erworben wurden.