Monster Hunter im Westen: Ein kulturelles Missverständnis?

„Monster Hunter Tri“ scheint dank kostspieliger Werbung der erfolgreichste Teil der Serie zu sein. Aber ein Millionenhit ist er nicht. Warum kann das Spiel nicht im gleichen Maß wie in Japan reüssieren?


Es besteht kein Zweifel, dass Monster Hunter Tri sehr schnell viele Fans dazugewonnen hat: Nicht nur langjährige Monster Hunter-Spieler, sondern auch viele Erstspieler kauften das Spiel gleich in den ersten zwei Wochen nach der Veröffentlichung. Die ersten öffentlichen Verkaufszahlen deuten auf einen gelungenen Start hin, aber gleichzeitig relativiert sich der Erfolg von Monster Hunter Tri im Vergleich mit den vielen Millionensellern in dieser Konsolengeneration. In verschiedenen Diskussionen habe ich gemerkt, dass der Titel viele Spielerinnen und Spieler abschreckt. Nicht wenige beklagen sich über das „ins kalte Wasser werfen“, denn trotz Tutorial müssen die Zocker vieles selber herausfinden. Auch Missverständnisse über das Spiel häufen sich, weshalb ich mir an dieser Stelle die Mühe mache, einige Aspekte aufzuklären:

„Die Story ist praktisch inexistent.“ Diese Kritik sehe ich oft, und tatsächlich lässt das Schicksal der Dorfbewohner den Spieler praktisch ungerührt. Aber ich frage mich, warum das Fehlen einer hinreißenden Story bei diesem Spiel stören soll. Das Missverständnis entstand wahrscheinlich aus der Vorstellung, Monster Hunter wäre ein japanisches RPG. Ist es nicht! Zwar gehören das Aufrüsten und Verbessern des Waffenarsenals zum Kern des Spiels, aber ein traditionelles Aufleveln existiert in der „Monster Hunter“-Serie nicht. Das Spielprinzip basiert auf Jagen und Sammeln, eigentlich ist Monster Hunter eine Jäger-und-Sammler-Simulation. Im Spiel jagen wir keine Hasen oder Füchse, sondern eben Drachen und andere Fantasy-Ungeheuer.

„Immer nur die gleichen Monster jagen? Das ist doch repetitiv und langweilig!“ Viele Zocker glauben wahrscheinlich, dass die Monsterjagd dem Kämpf gegen große RPG-Bosse ähneln würde. Damit liegen sie komplett falsch. Die Entwicklerfirma heißt Capcom und besitzt wie nur wenige Firmen über reichlich Erfahrung in der Entwicklung von Arcade- und Action-Spielen. Obwohl das Spiel einige RPG-Elemente aufweist, orientiert sich das Spielprinzip am intensiven Spielerlebnis in Spielhallen. Packende Kämpfe mit deutlich größeren Gegnern, die Beherrschung der Waffen und der Spielfigur, schnelles Ausweichen, geschickt eingesetzte Deckung und clevere Nutzung der Fallen: Diese Elemente machen die Jagd spannend! Und wie in einem Arcade-Spiel liegt der Spaß gerade darin, gegen die Gegner mehrmals zu kämpfen, um nach jeder Runde noch besser spielen zu können. Oder würde men etwa über Street Fighter IV klagen, da man ständig gegen Ryu, Sagat und Chun Li antreten muss? Jede Jagd ist anders, und vor allem im Teamplay nimmt jeder Kampf eine andere Wendung: Funktioniert das Team perfekt, können selbst die gefährlichsten Monster bezwungen werden.

„Die Waffen sind träge, die Spielfigur reagiert nicht beim Knopfdruck!“ Viele Leute verwechseln gute Spielbedienung mit einfachem Knopfdrücken: In letzter Zeit kommen immer mehr Actionspiele raus, die schnelle und endlose Schlagkombinationen durch ständiges Drücken auf denselben Knopf erlauben. Auf den ersten Blick sieht ein solches Spielsystem sehr benutzerfreundlich aus, aber in Wahrheit stört es oft die Spielbalance. Monster Hunter Tri hingegen legt viel Wert auf die Balance der verschiedenen Waffen, die Entwickler verzichteten sogar aus diesem Grund auf einige Waffen von früheren Teilen der Serie. Ein schweres Großschwert benötigt für jeden guten Hieb nun mal seine Zeit, während die Lanze das Ausweichen sehr schwer macht, aber dafür eine gute Deckung belohnt. Beherrscht die Spielerin oder der Spieler hingegen die Waffe, fühlen sich selbst grobschlächtige Waffen leicht an.

„Das Spiel ist hardcore und nur für Cracks interessant.“ Marktbeobachter begründen die bisher eher mäßigen Verkaufszahlen der Serie im Westen meistens mit dem Zielpublikum, das sich aus Hardcore-Gamern zusammensetzen soll. Aber warum verkauft sich die Serie in Japan millionenfach? So viele Spielenthusiasten gibt es auch in Japan nicht, um konstant hohe Verkaufszahlen zu garantieren. Die Tatsache bleibt, dass Monster Hunter für japanische Spielerinnen und Spieler als ein populäres Spiel anerkannt wird, während westliche Zocker das Spiel als schwer zugänglich beschreiben. Dabei bietet Monster Hunter Tri klare Spielhilfe: Die Bedienung der Waffen kann man im Spiel nachlesen, die Dorfbewohner erklären die ersten Missionen, und die notwendige Ausrüstung für bestimmte Missionen erhält die Spielerin oder der Spieler aus einer blauen Truhe. Außerdem hat das Spiel einen klaren Fokus, d.h. die Spielerinnen und Spieler verzetteln sich nicht in Dutzenden von Kleinaufträgen. Dass einige das Spiel immer noch als besonders schwierig verurteilen, liegt meines Erachtens oft daran, dass heutige Spiele im Schnitt einfacher geworden sind.

In letzter Zeit hat Monster Hunter Tri deutlich an Aktualität verloren, da viele Zocker eifrig Super Mario Galaxy 2 spielen. Das ist ein bisschen schade, weil meine Freundesliste nur noch selten aktive Mitglieder anzeigt. Die Monster Hunter-Community würde sich deshalb freuen, wenn noch ein paar neue Spieler dazukommen. Ich habe jedenfalls noch gut drei Seiten in meiner Freundesliste frei, falls jemand gerne mit mir ein paar Rathians jagen will.

2 Antworten zu Monster Hunter im Westen: Ein kulturelles Missverständnis?

  1. Interessante Einsicht in ein wirklich prähistorisches Spielerlebnis. Ich hatte mich längere Zeit mit den ebenfalls fabulösen PSP Ablegern beschäftigt.

    Die typisch japanische Jäger und Sammler Mentalität bei MH, dürfte einer der Erfolgselemente im Heimatland sein.

    Unabhängig davon… thx für den wirklich exzellenten Einblick in diese digitale Raubtierjagd ^^

  2. Cube sagt:

    Hatte einmal die Hand angelegt an die Demo zum PS2-Erstling der Reihe und das hat meinem jüngeren Ich scheinbar nicht gefallen, wohl aus den oben genannten gründen. Wollte eigentlich auch Tri nicht weiter beachten, aber nachdem ich einigen spass mit Demon’s Souls hatte, wollte ich mal gucken ob’s noch weitere Action-RPGs (denn ein RPG ist MH sicher) in der Art gibt. Da hat sich das vor kurzem erschienene Tri gerade angeboten gehabt. Denn rest der Geschichte kennst du ja, Neo. ^^‘

    Mario Galaxy 2 hat mich übrigends nicht lange von Tri fern halten können, da das irgendwie bei mir keine begeisterung auszulösen weiss. :/