Der 3DS – Fakten, Gerüchte und Spekulationen

Seid ihr von den vielen Gerüchten und Halbwahrheiten schon ganz verwirrt, was Nintendos neueste Hardware betrifft? Hier bekommt ihr eine kleine Orientierungshilfe und ein paar Tipps, wie man Spekulationen richtig einschätzen kann.

Fangen wir mit einem Pleonasmus an: Die größten Überraschungen erreichen uns plötzlich und völlig unvorbereitet. Nintendo machte also eine dürftige Presseankündigung am 23. März 2010, die über eine neue Hardware berichtete. Im Wesentlichen können wir daraus folgendes erfahren: Es handelt sich um eine portable Maschine, d.h. um einen Handheld und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit den Nachfolger des DS und DSi; der Codename lautet 3DS und deutet auf 3D-Fähigkeiten hin, die man auch ohne Spezialbrillen bewundern kann; der Handheld ist rückwartskompatibel zu DS und DSi und die Veröffentlichung des Geräts wird noch vor dem Geschäftsjahr 2011 stattfinden (also vor März 2011). Das wichtigste ist jedoch der Hinweis, dass Nintendo seinen neuesten Streich auf der E3 in den USA zeigen wird.

Diese Informationen kommen direkt von Nintendo und dürfen als Fakten angesehen werden. Wer etwas anderes behauptet, kann als Schwindler oder Wichtigtuer entlarvt werden. Gerüchte können jedoch einen wahren Kern haben, deshalb darf man sie nicht einfach ignorieren, wenn man auf dem neuesten Stand bleiben will. So behauptet die renommierte Zeitung Nikkei folgendes: Der Handheld habe (mindestens) einen „3D-Stick“, d.h. wahrscheinlich Analogstick; zudem solle er Vibration erzeugen können und besitze zwei Bildschirme, die kleiner als 4 Zoll seien und deshalb wahrscheinlich größer als jene des DSi; außerdem solle der neue Handheld länger mit dem Akku laufen können. Wie viel Glauben dürfen wir diesen Informationen schenken? Ich zweifle an einem gelungenen Analogstick auf einem Handheld. Vibrationen können mit der jetzigen Technik möglich sein, aber verschlechtern auch die Aussicht auf längere Laufzeiten. Analogstick und Vibrationen könnten ihren Weg zum 3DS finden, aber bleiben bis auf weiteres bloß Spekulationen. Weitere gute Gerüchte bekommen wir von Besuchern der GDC (Game Developers Conference, findet jährlich statt) und Tech-Foren wie „Beyond3D“. Folgende Behauptungen halte ich für glaubwürdig: Der 3DS habe zwei Bildschirme wie der DS, aber der Abstand zwischen ihnen habe sich verringert; erste Spiele befinden sich bereits in der Entwicklung, und technisch komme der Handheld auf das Niveau des GameCubes und lasse sich auch ähnlich programmieren. Obwohl die Spielentwickler einer rigiden Schweigepflicht folgen müssen, dürfen wir annehmen, dass einige bereits mit DevKits arbeiten, d.h. mit speziell auf den 3DS zugeschnittener Hardware. Deshalb könnten diese Gerüchte stimmen, auch wenn die Spielentwickler noch nicht die finale Hardware haben, denn diese kommt erst nach der E3.

Weil die relevanten Informationen so spärlich sind, brodelt die Gerüchteküche gewaltig. Damit die Erwartungen nicht in himmlische Sphären steigen, dürfen wir nur solche Gerüchte und Spekulationen verfolgen, die realistisch klingen. Kann der 3DS wirklich Grafik auf Gamecube-Niveau darstellen? Ich denke, das ist zumindest technisch und finanziell möglich, aber es gibt keine Garantie, dass Nintendo dieses Ziel auch erreichen will. Im Vorfeld galt Nvidias „Tegra 2“ als ganz heißer Kandidat, aber der Chip sei laut einiger Insider nicht Teil der 3DS-Konfiguration. Ich wette auf eine günstigere Lösung als Tegra 2, der immerhin mit der Grafik-Engine „Unreal 3“ umgehen kann. Außerdem dürfen wir „GameCube-Niveau“ nicht zu wörtlich nehmen: Der DS kann zum Beispiel auch eine Polygon-Grafik ähnlich jener des Nintendo 64 darstellen, allerdings nur dank der Tatsache, dass er in der Regel mit einer geringeren Auflösung arbeitet (nur ein Bildschirm hat 3D-Grafik) und gewisse Effekte nicht zeigen kann. Trotzdem sieht die Polygongrafik auf dem DS respektabel aus, meiner Ansicht nach im Schnitt sogar besser als jene des Nintendo 64, dank folgenden Gründen: Der DS kann erstens größere Texturen handhaben, zweitens verfügt er über größere Speicherkarten, was weniger oder bessere Kompressionen zur Folge hat; drittens lässt sich der DS relativ einfach programmieren und profitiert dann doppelt, weil die Programmierer über viel Erfahrung verfügen, wenn es um die Grafik auf diesem Niveau geht. Gute Resultate sind deshalb schnell zu erreichen. Auf den 3DS bezogen, bedeutet die Behauptung von „GameCube-Niveau“ also nichts weiter, als dass der neue Handheld – verglichen mit dem Cube – zwar ähnliche, aber sicher nicht identische Resultate bringen kann. Nintendo könnte wie in der Vergangenheit mit einer tieferen Auflösung aufwarten, um die Prozessoren zu entlasten.

Irritierend sind deshalb alle Spekulationen, die auf eine höhere Auflösung abzielen. Die Firma Sharp, langjähriger Bildschirmlieferant von Nintendo, präsentierte Ende März ihre neuen 3D-Bildschirme für mobile Telefone. Diese besitzen die Parallax-Technik für 3D-Darstellung, eine Diagonale von 3.4 Zoll und eine Auflösung von 854 x 480. Während die zwei ersten Eigenschaften für eine Verwendung im 3DS sprechen, scheint die Auflösung etwas zu hoch zu sein. Diese liegt nicht nur klar höher als beim GameCube, sondern entspricht mehr als der dreifachen Auflösung der PSP! Da der 3DS voraussichtlich zwei Bildschirme hat, hätten wir also eine Gesamtauflösung von 2 x 854 x 480. Ihr könnt also sehen, warum ich sehr skeptisch auf diese Spekulation reagiert habe. Zwar argumentieren viele Technophilen mit der Halbierung der Auflösung, da für die 3D-Darstellung ein Bild für jedes Auge gerechnet werden muss. Effektiv sieht jedes Auge deshalb „nur“ 427 x 480 Bildpunkte, während der Prozessor durch die Halbierung an Rechenleistung sparen könnte – theoretisch. Ich behaupte jedoch, dass ein solches Bild trotzdem technisch viel verlangt, was die Befürworter dieses Setups auch nicht verschleiern. Beliebt sind derzeit deshalb Spekulationen der technischen Leistung, und viele basteln Luftschlösser mit gigantisch viel RAM, neuen Mobil-Prozessoren und bestmöglichen Bildschirmen. Dabei vergessen sie nicht zu erwähnen, dass Nintendo nicht technikfeindlich sei, man erinnere nur an die Zeit vor der Wii.

Ich bleibe skeptisch, weil alle Spekulationen auf ein teures Gerät zielen. Zwar beweist ausgerechnet Nintendo, dass die Konsumenten durchaus viel Geld für einen Handheld auszugeben bereit sind (siehe DSi und DSi XL), aber ein 200$-Richtwert ist doch etwas gewagt. Und selbst wenn es stimmen sollte, so würden Nintendos Ingenieure trotzdem darauf achten, dass sie für wenig Geld möglichst viel herausholen können. Dasselbe gilt übrigens ebenfalls für die 3D-Darstellung: Ob diese jetzt mit Parallax-Bildschirmen oder mit einer anderen Technik erreicht werden kann, ist eigentlich nebensächlich und meiner Ansicht nach nicht besonders spannend als Spekulationsgrundlage. Wichtig ist einzig, dass diese Technik massentauglich ist und sich deshalb günstig produzieren lässt.

3 Antworten zu Der 3DS – Fakten, Gerüchte und Spekulationen

  1. piccolo-junior sagt:

    Ich war doch überrascht von der Ankündigung eines neuen Nintenodo-Handheld. Der DS verkauft sich ja weiterhin sehr gut und es hätte nicht geschadet noch ein Jahr länger mit dem Nachfolger abzuwarten. Neugierig bin ich vor allem auf die 3D Funktion und wie diese umgesetzt wird.

    Übrigens finde ich den Artikel informativ und sehr gut geschrieben!

  2. Melvd sagt:

    Danke für diese realitätsnahe Einschätzung. Derzeit lese ich sehr viele euphorische Kommentare, insbesondere von Leuten, die das Konzept der Wii aufgrund leistungsarmer Technik kritisieren. Man hofft beim 3DS auf Hightech und schraubt die Erwartungen in teils unerreichbare Höhe. Mir kommt es vor, als könne Nintendo diese gar nicht erfüllen, vor allem aus Preisgründen. Es würde mich nämlich sehr wundern, wenn der 3DS zu einem subventionierten Preis erscheint. Andererseits ist Niintendo derzeit flüssig genug, um dies zu tun und allen Konkurrenten eine hohe Messlatte zu setzen.
    Ich bin sehr gespannt auf die E3 und ehrlich gesagt auch etwas gehyped. ;)

  3. motherfreak sagt:

    Gut, dass ihr die Gerüchte von den Fakten trennt, teilweise war ich mir nicht mehr sicher, was stimmt und was nicht. Ich persönlich warte aber noch bis zur E3, bevor ich Vermutungen anstelle.