Metroid Fusion: Mission accomplished?

Während der Release von Samus‘ neuestem Abenteuer „Metroid: Other M“ in greifbare Nähe rückt, diskutieren Fans der langlebigen Serie hitzig über die ungewöhnliche, storylastige Richtung, in welche sich der Titel bewegt. Grund genug, einen Blick zurück auf „Metroid Fusion“ zu werfen, welches mit dem neuen Schwerpunkt vor acht Jahren erstmals experimentierte.

Metroid Fusion

Die chronologisch bisher letzte Geschichte aus Samus‘ Kopfgeldjägerleben beginnt mit einem erneuten Besuch des Planeten SR388, dem Heimatplaneten der energiesaugenden Metroids. Während einer Expedition wird Samus von einer ihr bisher unbekannten Lebensform namens „X“ angegriffen und infiziert. Als sich auf dem Rückweg die Folgen der Konfrontation bemerkbar machen, überlebt die Kopfgeldjägerin nur knapp einen Crash und muss ihr Leben in die Hände einiger Ärzte legen, welche verzweifelt versuchen, die inzwischen massive X-Infektion zu stoppen.
Als selbst die chirurgische Entfernung großer Teile ihres Power Suits keine Besserung hervorruft, greifen die Mediziner zu einem ungewöhnlichen Mittel: Sie injizieren Samus die DNA eines Metroid, dem einzig natürlichen Feind des X-Parasiten. Endlich verschwinden die X aus ihrem Körper, doch hat das Unterfangen zwei weitere schwerwiegende Folgen: Zum einen ist Samus nun in der Lage, die X zu absorbieren, zum anderen hat sie aber auch einige Schwächen der Metroids übernommen, beispielsweise ihre Kälteempfindlichkeit.
Noch bevor sich unsere Heldin an ihr neues Äußeres gewöhnen kann, wird auch schon wieder ihre Hilfe benötigt: In den „Biologic Space Laboratories“, wo unteranderem Lebensformen von SR388 sowie die infizierten Bestandteile des Power Suits aufbewahrt werden, hat sich eine Explosion ereignet. Wie Samus feststellen muss, ist die Raumstation bereits von den X-Parasiten übersäht und der Grund dafür ist nichts geringeres als das „SA-X“: Ein X, welches sich mithilfe der Power Suit-Bruchstücke in eine perfekte Kopie von Samus in ihrem vollständig ausgerüsteten Zustand verwandelt hat. Wird die Kopfgeldjägerin in der Lage sein, diesem übermächtigen Gegner etwas entgegenzusetzen?

Metroid Fusion

Wer sich den obigen Textabschnitt betrachtet, wird vielleicht über dessen Länge überrascht sein, denn man bedenke, dass es sich hierbei um einen Artikel zu einem Metroid-Spiel, sonst Verfechter minimalistisch erzählter Story, handelt. Dennoch spielen sich all diese Szenarien lediglich im (sehr schön anzuschauenden) Intro und in den ersten Spielminuten ab. In der Tat orientiert sich der gesamte Spielverlauf an der sich nach und nach entfaltenden Geschichte rund um den X-Virus und die Machenschaften in der Forschungsstation. So muss Samus während des gesamten Spiels immer wieder zu Navigationsterminals zurückkehren, um ihren nächsten Zielort zu erfahren und neue Anweisungen vom Computer entgegenzunehmen. Diese Neuerung stimmte viele Fans beim Release des Titels im Jahre 2002 missmutig, waren sie doch das sehr frei gestaltete Gameplay des SNES-Ablegers „Super Metroid“ (heute noch als heiliger Gral der Reihe verehrt) gewöhnt.
Natürlich hatte die Einführung der Navigationsterminals in der Hauptsache den Sinn, die Hintergrundgeschichte kontrolliert weiterzuerzählen, aber auch die Tatsache, dass es sich bei Metroid Fusion um ein Handheld-Spiel handelt, trug mit Sicherheit dazu bei. Wer während der Busfahrt schnell mal einen neuen Sektor der Raumstation auskundschaften möchte, hat nicht die Zeit, wie in Super Metroid jeden einzelnen Raum genauestens auf brüchige Stellen und sonstige Geheimnisse zu untersuchen. Daher übernahm auch „Metroid Zero Mission“, das zweite GBA-Metroid, diese Funktion, wenn auch in abgeschwächter Form (die Anweisungen waren weniger genau und konnten teilweise sogar komplett übersprungen werden).

Auch dass Samus erstmals selbst zu Wort kam und den Spieler nicht nur an ihren inneren Monologen, sondern auch an Zwiegesprächen mit dem Computer teilnehmen ließ, stieß nicht immer auf Begeisterung bei der Fan-Gemeinde. Andere wiederum freuten sich, endlich einmal etwas mehr über die Vergangenheit der Protagonistin und ihre Beziehung zur Föderation zu erfahren. So spielt Samus‘ früherer Vorgesetzter Adam Malkovich eine nicht unbedeutende Rolle im Spiel, ohne aber direkt etwas mit den Geschehnissen in der Forschungsstation zu tun zu haben.

Metroid Fusion

So sehr sich Hardcore-Fans an der neuen Art des Storytelling stießen, so konnten sie doch nicht das großartige Gameplay von Fusion verleugnen, weswegen es weithin als ein weiteres Highlight der nahezu makellosen Videospielreihe angesehen wird.
Fusion versteht es, das Konzept von Super Metroid zu emulieren und dabei gewisse Bereiche zu vereinfachen, ohne sie dabei ihrer Wirkung zu berauben. So wurden die zu SNES-Zeiten auf viele Buttons verteilten Aktionen der Kopfgeldjägerin auf das magere Button-Layout des GameBoy Advance zugeschnitten. Dennoch lassen sich Missiles und Power Bombs jetzt noch leichter einsetzen und auch versteckte Techniken wie der Shinespark sind auf dem Handheld kein Problem. Zusätzlich hält sich Samus nun an Kanten fest und klettert behände über Abgründe und an Leitern. Auch reagiert die Protagonistin nun wesentlich straffer, was ihr besonders in den zahlreichen und fordernden Boss-Kämpfen zugutekommt.
Die Item-Auswahl fällt wie in den meisten Metroid-Teilen eher traditionell aus: Morph Ball, Missiles und die üblichen Beam- und Suit-Upgrades müssen mal wieder aufs Neue erworben werden und auch Zerstörungsmaschinen wie die Screw Attack dürfen natürlich nicht vielen. Interessant ist die Aufrüstung der Missiles über Download-Stationen: So werden die zu Beginn recht schmächtigen Geschosse im Laufe der Mission zu Super Missiles und später zu Ice Missiles (ein Konzept, welches später in „Metroid Prime 3: Corruption“ wieder aufgegriffen wurde) umgebaut und schließlich sogar mit einer Streufunktion ausgerüstet.

Leider wurde das Spielkonzept eines Elements beraubt, welches vor allem bei Langzeit-Fans Anklang gefunden hatte: dem sogenannten „Sequence Breaking“. Dies bezeichnet das Ausnutzen der im Spiel vorhandenen Moves, um zu Bereichen zu gelangen, die dem Spieler zum jeweiligen Zeitpunkt eigentlich noch gar nicht offen stehen sollten. In Fusion wurde dies durch die Einführung der Sicherheitsschleusen umgangen. Diese werden erst nach und nach vom Spieler geöffnet und schirmen vorher sämtliche unzugängliche Bereiche komplett ab. So beschränkt sich leider auch die Jagd nach Energietanks und Missilemunition stets auf einen recht kleinen Bereich, weshalb ein Teil des typischen Metroid-Charms verloren geht. Dies ist wohl auch der Grund, warum Fans das zweite GBA-Metroid namens Zero Mission weithin als überlegen ansehen, da es das zielgerichtete Gameplay von Fusion mit dem Forscherdrang von Super Metroid kombiniert.

Metroid Fusion

Grafisch gibt sich Metroid Fusion wesentlich heller als sein Vorgänger auf dem Super Nintendo und wirkt stellenweise fast schon comichaft (eine Stilrichtung, die in Zero Mission wieder aufgegriffen und weiterentwickelt wurde). Die Musikuntermalung tritt wie in den vorherigen Teil der Serie eher in den Hintergrund und dient hauptsächlich zum Erzeugen der richtigen Atmosphäre. Sie verrichtet ihren Dienst, aber Kompositionen auf dem Niveau eines „Metroid Prime“ sollte man nicht erwarten. Ein deutliches Lob haben aber die Soundeffekte verdient: Egal ob es nun ein Schuss aus Samus‘ Kanone, der Einschlag einer Missile oder das Gebrüll eines Gegners ist: Die Soundeffekte verfügen über die nötige Wucht und erzeugen ein durch und durch befriedigendes akkustisches Spielerlebnis.
Ebenfalls Erwähnung finden sollten die Begegnungen mit dem übermächtigen SA-X, welchem man während des Spiels mehrmals über den Weg läuft: Ähnlich furchterregende Szenen haben sich wohl noch in keinem 2D-Metroid abgespielt.

Mit Metroid Fusion versuchten die Entwickler nach langer Durststrecke, der Metroid-Reihe neues Leben einzuhauchen. Teilweise waren sie erfolgreich, teilweise schwammen sie wohl etwas zu sehr gegen den Strom. Viel eher wurde dieses Ziel aber wohl vom in Amerika am selben Tag erschienenen Konsolenknüller Metroid Prime erreicht. Im Schatten der 3D-Wiedergeburt von Samus Aran wird Fusion wohl nicht mehr als „nur“ ein sehr guter Metroid-Teil bleiben. Und natürlich der Grundstein für Other M

5 Antworten zu Metroid Fusion: Mission accomplished?

  1. thomasd sagt:

    beide reihen der neuen metroids sind trotz des vorgegebenen verlaufs bei fusion sehr gut gelungen. schade, dass die 2D-versionen am handheld keinen 3. teil erhalten haben…

    • ness sagt:

      Auf jeden Fall. Ich hoffe ja auch, dass irgendwann ‚Metroid Dread‘ noch offiziell bestätigt wird bzw. endlich mal das Licht der Welt erblickt.

      @ Artikel: Ich hatte mit Metroid Fusion ebenso eine Menge Spaß, allerdings gefiel mir diese Linearität auch nicht so besonders.

  2. Cube sagt:

    @Ness:
    Die Existenz von Dread wurde im zuge der Other M Ankündigung bestätigt. Das Spiel gibt es, man (sprich Herr Sakamoto) ist sich aber noch unsicher ob es jemals die Entwicklerhallen Nintendos verlässt.

    Fusion war mein erstes Metroid. Fand es auch recht gut. Ein, zwei Monate später rotierte dann Prime 1 im GameCube und das fand ich großartig. Nochmal ein halbes Jahr später steckte dann Super zum ersten mal im SNES und… mir ist permant die Kinnlade gen Boden gerauscht. Das ist mal zeitloses Meisterwerk.

  3. Chronik sagt:

    Achja Metroid Fusion…
    Ich habe mir ja den GBA erst sehr spät geholt und Metroid Fusion war das erste Spiel das ich mir dazu gekauft habe. Sehr gutes Spiel das für mich nach all den Jahren immer noch nicht den Reiz verloren hat es zum x-ten mal durchzuspielen.

  4. piccolo-junior sagt:

    Ich bin zwar kein grosser Metroid-Fan, doch Fusion hat auch mir viel Spass bereitet.