Final Fantasy Crystal Chronicles: My Life as a Darklord – Review

Nach einem Abstecher ins Genre der Aufbausimulation betritt die „Crystal Chronicles“-Reihe wieder einmal neues Terrain: Bei „My Life as a Darklord“, dem spirituellen Nachfolger zu „My Life as a King“, handelt es sich um ein Tower Defence-Spiel.

Final Fantasy Crystal Chronicles - My Life as a Darklord

In der neuesten WiiWare-Veröffentlichung der Crystal Chronicles-Serie übernimmt der Spieler wieder einmal die Rolle über einen jungen Herrscher, diesmal über Mira, die Tochter des Bösewichts aus My Life as a King und Anwärterin auf den Titel des „Dunklen Lords“. Während es sich ihr Vater in einem Kristall auf der Spitze seines fliegenden Turms gemütlich macht, ist es die Aufgabe von Mira, eben diesen vor ruhestörenden Abenteurern zu schützen und ganz nebenbei die Welt zu erobern. Während sie die Lande durchquert, trifft sie immer wieder auf ebenbürtige Widersacher (die meisten davon sind bereits aus dem Vorgängerspiel wohlbekannt), welche sie schließlich dazu bewegen, den Sinn des Kriegs zwischen Monstern und Menschen zu hinterfragen.
Viel mehr gibt es zur Story nicht zu sagen, spielt sie doch eine sehr untergeordnete Rolle und wird lediglich nach Endgegnerkämpfen weitererzählt.

Wie laufen nun die Kämpfe ab? Nun, zu Beginn eines jeden Gefechts steht der fliegende Turm des Dunklen Lords vollkommen schutzlos in der Gegend herum. Damit die bereits nach wenigen Sekunden heranstürmenden Abenteurer nicht geradewegs zum wertvollen Kristall vordringen können, gilt es, dem Gebilde ein paar Stockwerke mit allerlei Hindernissen hinzuzufügen. Am Anfang des Spiels steht lediglich eine Sorte von Falle zur Verfügung, eine Art Morgenstern, welcher jedem streunenden Möchtegernhelden ordentlich eins auf die Mütze gibt (vorausgesetzt, die Falle ist zum Angriff bereit, was durch eine sich stetig erneuernde Leiste, ähnlich den ATB-Leisten in herkömmlichen Final Fantasys, signalisiert wird). Allerdings verweilen die Abenteurer nur eine bestimmte Zeit lang in einem Stockwerk, bevor sie die Leiter zur nächsten Etage erklimmen, dementsprechend ist eifriges Turmbauen angesagt.
Durch das Übereinanderstapeln mehrerer mit solchen Fallen bestückter Stockwerke lassen sich zwar die einfachsten Gegner bezwingen, doch auf Dauer bringt eine solche Vorgehensweise nichts. Glücklicherweise bietet das Eisenkugel-Stockwerk, um bei diesem Beispiel zu bleiben, auch noch Platz für drei Monster. Diese beschworenen Kreaturen (welche sich in die Kategorien Nahkampf, Fernkampf und Magie unterteilen lassen und in einem Schere-Stein-Papier-Verhältnis zueinander stehen) sind es, welche den lästigen Abenteurern richtig zusetzen und stellen den Schlüssel zum Sieg dar.

Final Fantasy Crystal Chronicles - My Life as a Darklord

Je mehr Schlachten der Spieler für sich entscheiden kann, desto mehr Stockwerk- und Monster-Typen schaltet er nach und nach frei. Mit einem Mal verfügt er über Fallen, die vorwitzige Gegner für kurze Zeit lähmen oder über Monster, die nicht dem Schere-Stein-Papier unterliegen oder auf Heilung spezialisiert sind. Doch vorsicht: Das Bauen eines Stockwerks und das Beschwören einer Kreatur verschluckt „negative Energie“, welche während eines Gefechts nur durch das Bezwingen von Widersachern wiederhergestellt werden kann. Die Menge an negativer Energie, welche dem Spieler zu Beginn eines Levels zur Verfügung steht, kann durch bestimmte Items, die ebenfalls in Schlachten gewonnen werden, erhöht werden. Andere Gegenstände wirken sich direkt aufs Kampfgeschehen aus, so z.B. „Aero“, welcher jedem sich im Turm befindlichen Abenteurer eine festgelegte Anzahl an Schadenspunkten zufügt. Von dieser Art von Items sind jedoch lediglich zwei Exemplare in der Hauptkampagne zu ergattern; eines zu Beginn und eines am Ende des Spiels (es sei denn, man greift auf die kostspieligen Zusatzinhalte zurück, aber dazu später mehr).
Übrigens beschert jeder gewonnene Kampf dem Spieler Karma. Dieses kann dazu eingesetzt werden, die höchstmögliche Anzahl an übereinander platzierbaren Stockwerken zu erhöhen oder die Monster aufzuleveln, was die Möglichkeit eröffnet, diese während eines Gefechts mittels negativer Energie zu stärken.

Während die ersten ein, zwei Spielstunden von My Life as a Darklord (bzw. der Inhalt der kostenlosen Demo aus dem Shop-Kanal), bedingt durch die begrenzte Anzahl an Fallen und Monstern, noch recht eintönig und ohne größere Herausforderung daherkommen, so eröffnen sich im weiteren Spielverlauf immer mehr taktische Möglichkeiten. Und auch die Gegnerhorden schlafen nicht! Die unspektakulären Lehrlinge der ersten Level werden schon bald abgelöst durch Magier (teils mit fiesen Spezialangriffen wie einem Schlummerzauber), kraftstrotzende Gladiatoren und blitzschnelle Diebe, welche auch gerne mal in Gruppen auftreten und die Stockwerke schneller durchqueren, als es dem Turmbauer lieb ist. So steigt auch der Schwierigkeitsgrad nach den ersten Spielstunden gehörig an und wird schließlich richtig, richtig knackig. Das wäre im Grunde kein größeres Problem, würden dem Spieler ausreichend Möglichkeiten an die Hand gegeben, den nicht enden wollenden Gegnerwellen effektiv zu begegnen. Dem ist aber leider nicht der Fall, zumindest nicht direkt. Was mich zu meinem größten Kritikpunkt führt…

„Downloadable Content“, kurz DLC. Wer bereits My Life as a King gespielt hat, kennt die Vorliebe von Square Enix für die „Pay & Play“-Politik. Doch während die herunterladbaren Zusatzinhalte im ersten WiiWare-Ableger von Crystal Chronicles lediglich Schnickschnack wie neue Kostüme darstellten, so muss man in My Life as a Darklord Wii Points für zusätzliche Monstereinheiten und teils wirklich nützliche neue Stockwerke locker machen, sprich für Inhalte, die man unbedingt ins Hauptspiel hätte einbauen sollen. So schlägt My Life as a Darklord mit „nur“ 1000 Wii Points zwar nicht so sehr zu Buche wie der Vorgänger, jedoch muss jeder Spieler mit weiteren Kosten für zusätzliche Einheiten rechnen, es sei denn, er ist in der Lage, das Spielprinzip derart zu meistern, dass er die Kampagne mit den verfügbaren Mitteln hinter sich bringen kann. Pfui, Square Enix! Das gibt Punktabzug!

Final Fantasy Crystal Chronicles - My Life as a Darklord

Abschließend kann man sagen, dass sich My Life as a Darklord durchaus zur Oberklasse der WiiWare-Titel zählen kann. Die Grafik ist wie bereits im Vorgänger simpel, aber äußerst charmant, die Musik geht trotz der geringen Anzahl an Stücken niemals auf die Nerven und das Spielprinzip bietet taktischen Tiefgang und bleibt die gesamte Zeit über motivierend. Wäre da nicht die Sache mit dem DLC, würde ich für diesen Titel mit Freuden vier Punkte vergeben, aber in seinem Rohzustand ist er leider nicht mehr als drei Takos wert.
Wer DLC komplett boykottiert, sollte sich einen Kauf gut überlegen, alle anderen sollten sich die kostenlose Demo anschauen (mit der Gewissheit, dass der spielerische Tiefgang in der Vollversion erheblich zunimmt) und zuschlagen, wenn ihnen das Gameplay im Wesentlichen zusagt. Ich jedenfalls kann My Life as a Darklord jedem Hobby-Strategen wärmstens ans Herz legen.

Otaku1990 vergibt 3 von 5 Takos

Otaku1990 vergibt 3 von 5 Takos

2 Antworten zu Final Fantasy Crystal Chronicles: My Life as a Darklord – Review

  1. ness sagt:

    Ich hatte mir das Spiel nach Erscheinen und Ausprobieren der Demo gekauft, und war einfach begeistert. Hab’s dann auch ohne DLC durchgespielt bekommen, und fand es bis dahin wirklich richtig klasse, eines meiner absoluten Lieblings-WiiWare-Spiele.

    Kann allerdings den Einwand mit dem Schwierigkeitsgrad nachvollziehen, war schon manchmal echt heftig. Hat mich aber nur angespornt^^.

    Allerdings empfinde ich den Umgang von Square mit DLC ebenso sehr fragwürdig. Beispielsweise hätte ich mir auch gewünscht, noch mehr (unterschiedliche) Monster und Stockwerke zu Verfügung gehabt zu haben. Da merkte man schon, wie das absichtlich zurückgehalten wurde.

    Und auch das eine Levelpack inkl. einer weiteren Weltebene, welches ich mir gekauft hatte, hat mich eher enttäuscht. Vor allem da man dort nicht eine einzige Belohnung nach dem Kampf bekam, was die Motivation schon arg nach unten trieb, so dass ich diesen DLC bis heute nicht zu Ende gespielt habe.

    Aber abgesehen von dieser ganzen DLC-Sache, als alleiniges Spiel gesehen, würde ich es persöhnlich auf jedem Fall mind. eine 4/5 geben. Kann aber wie gesagt die Wertung verstehen^^.

  2. motherfreak sagt:

    Ich habe dieses Spiel nicht gespielt. Allerdings habe ich den Vorgänger My Life As A King gespielt. Das Spiel war zwar gut, aber ohne die zusätzlichen Inhalte vom Umfang her etwas mager, was ich sehr schade finde. Ich mag nicht solche Spiele, bei denen man die Hälfte des Spiels noch zusätzliches Geld bezahlen muss. Da ich mir auch sowas vom Nachfolger dachte, habe ich mir das Spiel nicht geholt, auch wenn´s gut sein mag. Ich werde nicht bei solch einer Halsabschneiderei mitmachen, dazu ist mir mein Geld zu schade.