Mini-Reviews – Dezember 2009

Ein weiteres Mal nehme ich drei Spiele unter die Lupe und schildere kurz und prägnant meine Meinung.

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DJ Hero (Wii)

DJ Hero

Man mag es kaum glauben, aber ich habe noch niemals Guitar Hero oder Rock Band gespielt. Anscheinend hat die Musikspiel-Manie meinen Bekanntenkreis bisher verschont. Ich selbst habe mir keinen der Titel zugelegt, da ich zwar gerne Rock höre, jedoch nicht derart bewandert im Genre bin, als dass sich die Anschaffung lohnen würde. DJ Hero hingegen konnte mich mit seiner breiten Musikauswahl zum Kauf bewegen und enttäuschte mich nicht. Naja, fast nicht.

Dass der durch den beiliegenden Turntable-Controller bedingte Preis höher ist, als er es sein müsste, ist wohl kaum von der Hand zu weisen, steckt in der Peripherie doch nicht mehr Technik als beispielsweise in einer Wiimote. Immerhin ist der Turntable ordentlich verarbeitet und alles funktioniert so wie es sollte, selbst den anfangs zu locker anmutenden Crossfader lernt man mit der Zeit zu schätzen.

Die größte Stärke und gleichzeitig größte Schwäche ist meiner Meinung nach die (durch bisher recht spärlich erscheinenden DLC erweiterbare) Songliste. Ganze 94 Mixes befinden sich auf der Disc, was vor allem dann beeindruckt, wenn man bedenkt, dass jeder Song eigens für dieses Spiel abgemischt worden ist.
In den ersten Spielstunden serviert DJ Hero dann auch einen Knaller-Track nach dem anderen. Je mehr der Setlisten ich jedoch abarbeitete, desto weniger gefielen mir die Lieder, denn gegen Ende des Spiels schwindet der abwechslungsreiche Genre-Mix dahin und der Fokus wird mehr und mehr auf Hip Hop gelegt, was nicht ganz mein Fall ist. Wirklich schade, glänzt die Songliste von DJ Hero doch sonst mit Abwechslung.

Viele Kritiker bemängelten den Schwierigkeitsgrad, vor allem wenn man ihn mit Guitar Hero vergleicht. Dem kann ich nur begrenzt zustimmen. Zugegeben, „Neuling“ ist ein Witz, „Leicht“ höchstens in den ersten Spielminuten zu gebrauchen und „Mittel“ keine wirkliche Herausforderung für Musikspiel-Veteranen. Aber zumindest „Schwer“ und vor allem „Profi“ stellen eine echte Herausforderung dar und verlangen teilweise eine Hand-Augen-Koordination, die man sonst nur aus japanischen Hardcore-Shmups kennt.

4 von 5 Takos

Otaku1990 vergibt 4 von 5 Takos

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Muramasa: The Demon Blade (Wii)

Muramasa - The Demon Blade

Entwickler Vanillaware ist vor allem für eines bekannt: Die wunderschönen 2D-Grafiken seiner Spiele. Ihr neuestes Projekt, Muramasa: The Demon Blade, stellt hier keine Ausnahme dar. Jedoch wurden die vorangegangenen Titel aus dem Hause Vanillaware für ihr Gameplay weit weniger gepriesen, als für ihre malerische Darstellung. Wie sieht es also mit diesem Exemplar, diesmal für die Wii, aus?

Die schlechte Nachricht vorweg: Das Gameplay von Muramasa ist höchst eintönig. Das gesamte Spiel über durchquert man einen Bildschirm nach dem anderen, mäht nebenbei Gegner nieder und freut sich auf den nächsten Boss-Kampf. Keine Rätsel, keine Minispiele, nichts. Die gute Nachricht: Langweilig ist das Spiel deswegen noch lange nicht!

Das liegt zu einem großen Teil an der bereits angesprochenen wunderschönen 2D-Grafik, zum anderen am flotten Kampfgeschehen.
Kommen wir zuerst zur Grafik: Die Welt von Muramasa wirkt tatsächlich wie ein zum Leben erwachtes Gemälde, mit seinen riesigen, toll gezeichneten und gut animierten Sprites, mehreren Hintergrundebenen, welche dank Parallax Scrolling einen anschaulichen Tiefeneffekt simulieren, und der Liebe zum Detail. Allein die Neugier auf die nächste malerische Kulisse treibt den Spieler durch die unzähligen Gegnerhorden.
Da in Muramasa die meiste Zeit gekämpft wird, ist es natürlich äußerst wichtig, dass die Schwertstreiche flott von der Hand gehen, und das tun sie auch. Das Kampfgeschehen ist äußerst schnell und befriedigend, egal ob man mit dem Katana oder Langschwert (von denen es über 100 Stück mit eigenen Spezialattacken zu finden und schmieden gibt) in die Schlacht zieht. Etwas eigenartig mutet allerdings die Entscheidung der Entwickler an, Abwehren auf die gleiche Taste wie Angriff zu legen, vor allem da dies zur Folge hat, dass man während des Eindreschens auf den Gegner ohnehin von sämtlichen Attacken anderer Widersacher geschützt ist. So entsteht zumindest während der normalen Scharmützel niemals ein wirkliches Zusammenspiel von Offensive und Defensive.

Ein weiterer Pluspunkt ist die Atmosphäre: Klassische japanische Instrumente untermalen das Spielgeschehen, ein ordentliches Assemble an Synchronsprechern (übrigens in Originalton) hauchen den Charakteren leben ein und beim Zubereiten und Konsumieren von Essen veranschaulichen kleine Animationen das Geschehen. Leider wird die Story nur sehr verstückelt weiterentwickelt und erschien zumindest mir leicht verwirrend. Aber da ich bei Spielen wie diesen sowieso kaum Wert auf eine gute Geschichte lege, ist das zu verschmerzen.

3 von 5 Takos

Otaku1990 vergibt 3 von 5 Takos

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New Super Mario Bros. Wii (Wii)

New Super Mario Bros. Wii

Bei diesem Titel habe ich lange überlegt, wieviele Punkte ich vergeben soll. Die Punktzahl am Ende jedes Mini-Reviews soll natürlich nur zur groben Orientierung dienen und nicht etwa eine Hierarchie zwischen den einzelnen Spielen suggerieren. Aber dennoch, vier Takos wären zu wenig für dieses großartige Jump and Run. Auf der anderen Hand vergebe ich fünf Punkte nur an Spiele, die mich wirklich vom Hocker gehauen haben, was natürlich auf ganz unterschiedliche Weise geschehen kann. Betrachten wir die Sache doch noch ein letztes Mal…

Das erste New Super Mario Bros. für den Nintendo DS ist ein Superseller und sicher kein schlechtes Spiel, dennoch wurde es von einigen Fans mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Der Nachfolger für die Wii schafft es, nahezu alle Mängel des Erstlings auszumerzen und wird nicht zu Unrecht oft als Kreuzung zwischen Super Mario Bros. 3 und Super Mario World bezeichnet. Was Abwechslungsreichtum und Kreativität angeht, kann sich New Super Mario Bros. Wii mit sämtlichen Stars der Mario-Hauptreihe messen, der Schwierigkeitsgrad wurde endlich wieder in fordernde Regionen hochgeschraubt und der bereits beim DS-Teil angedachte, aber nie vollends wirklichte Multiplayer-Modus katapultiert den Titel in ungeahnte Spielspaß-Dimensionen. Die neuen Power Ups funktionieren prächtig und die Rückkehr von Yoshi kann sich sehen lassen, obwohl man dem grünen Reittier sicherlich noch das ein oder andere Level hätte spendieren können.

Nun gut, die Grafik ist Geschmackssache. Sicherlich wäre mehr drin gewesen, aber zumindest sind Klagen wie zur Zeit der E3-Präsentation nicht mehr angebracht. Die Musikuntermalung kommt zwar nicht an Meisterstücke wie den Super Mario Galaxy-Soundtrack ran, bietet aber trotzdem die ein oder andere Mitpfeif-Melodie. Die Boss-Kämpfe sind in der Tat größtenteils unspektakulär und hätten etwas Abwechslung sicherlich gut vertragen können. Aber damit sind die Kritikpunkte auch schon mehr oder weniger erschöpft. Ach, eines wäre da noch: Ich besitze einen 4:3-Fernseher und darf mit dicken Balken spielen. Ein zwingender 16:9-Modus ist ja wohl ein Unding, vor allem von Seiten Nintendos, und dann auch noch in einem solch wichtigen Spiel wie New Super Mario Bros. Wii. Also bitte.

Zusammenfassend kann ich aber wohl getrost fünf Takos vergeben. New Super Mario Bros. Wii übersteigt seinen Vorgänger um Weiten und ist ein Produkt mit Feinschliff, wie man es früher aus dem Hause Nintendo für selbstverständlich hielt. Fünf Punkte sind die geringste Ehrung, die ich diesem Titel zukommen lassen kann.

5 von 5 Takos

Otaku1990 vergibt 5 von 5 Takos

7 Antworten zu Mini-Reviews – Dezember 2009

  1. Oliver.S sagt:

    NSMB Wii muss sich nicht vor SMB 3 und SMW verstecken und übertrifft beide Titel in meinen Augen (die 2D Krone wird aber wohl bis ans Ende der Zeit bei SMW 2 bleiben). Es ist schön zu sehen, was aus dem jungen Team, die mit den Game Boy Portierungen der Mario Reihe, beginnend mit Super Mario Bros. DX, letztendlich geworden ist, aber das Potential konnte man eigentlich schon bei den neuen Levels erkennen, die sie der GBA Version von Yoshis Island spendierten.

    Das Spiel war übrigens auch wieder einer dieser Titel, bei dem ich während des Lesens einiger dazu gehöriger Kritiken nur den Kopf schütteln konnte. Ja, damit meine ich auch sie, Mr. Cassamassamassamassahaasawieauchimmerdieseheulsuseheißtdieunsseitjahrenmitkidicarusgerüchtenindenwahnsinntreibt. Das hat man davon, wenn eine Branche von Manchildren beherrscht wird, die auf ein Bewertungssystem setzen, bei dem sich die „Kollegen“ (sprich tatsächlichen Kritiker) der Abteilungen Film und Literatur den Hintern ablachen würden.
    Aber ich nehme einen kommenden Beitrag vorweg..^^

    Ach ja:
    http://us.wii.com/iwata_asks/nsmb/vol2_page1.jsp
    Unbedingt lesen (ebenso wie den ersten Teil mit Miyamoto)
    Zitat: „It’s surprising how many game fans aren’t aware of this, but the first Super Mario and Zelda titles were made simultaneously, with the same staff. It’s something that seems completely unthinkable now!“
    Imo immer noch die großartigste Leistung in der Geschichte Nintendos.

  2. motherfreak sagt:

    DJ Hero interessiert mich nicht sonderlich; eigentlich gar nicht.

    Aber Muramasa und NSMB interessieren mich dagegen schon sehr, aber leider habe ich mein Geld schon für nächste Zeit verprasst (für einen SNES (endlich, yeah), Terranigma, Kwirk, Lady Sia und Soul Bubbles, Contact (da mein reparierter DS auf dem Weg zu mir ist)).

    Jedenfalls bin ich speziell an Muramasa interessiert, vllt irgendwann im neuen Jahr… :)

  3. Cube sagt:

    Muramasa auf Leicht oder Normal gespielt?
    Spielerisch fand ich’s lange nicht so eintönig wie es Odin Sphere nach dessen ersten drittel gewesen ist. Aber stimmt, die Geschichte ist wirklich ziemlich „zerhackt“ und unklar. Hatte da viel mehr erwartet. :/
    Man könnte noch hinzufügen, das die Musik nicht nur aus rein klassisch japanischen Stücken besteht, sondern einen ziemlich bunten Mix aus verschiedensten Musikrichtung (Electronic, Jazz, etc) bietet.

  4. ness sagt:

    Muramasa hab ich bei mir bisher rund eine Stunde angespielt, empfand es bis dahin aber leider auch ein wenig eintönig, weshalb ich es vorläufig erstmal zur Seite gelegt habe. Die Geschichte ist aber wirklich unklar^^. Und warum hat man eigentlich das Springen nicht auf eine extra Taste gepackt?
    @ Shura: Naja, man kann den Schwierigkeitsmodus ja jederzeit wechseln, Shura ist halt schwerer.

    @ NSMBWii: Bekomme ich erst zu Weihnachten, bin schon ganz hibbelig^^.

    @ DJ Hero: Musikspiele ala Rock Band (Beatles!) und DJ Hero würde ich mir auch mal gerne holen, aber leider sind sie immer recht teuer =(.

    @ Oliver: Na dann bin ich mal auf den Artikel gespannt, weiß aber schätzungsweise jetzt schon, dass ich ihm zustimmen werde^^.

  5. Cube sagt:

    „Muso“ ist leicht. Hab selbst nur auf Shura gespielt, aber einige Aussagen dazu gelesen, von wegen das man in Muso häufig mit blossen button mashing weiterkommen kann, während man in Shura schon mehr auf die Verteidigung und Kampftaktiken achten muss.

  6. ness sagt:

    Das gibt’s doch nicht: Vorgestern noch gejammert, dass Spiele wie DJ Hero zu teuer sind, und gestern senkt Amazon den Preis der Wii Version auf einmal von 100€ auf 50€! Da hab ich natürlich gleich zugeschlagen, sowas nenn‘ ich echt mal Glück =).

    Komme ich also doch endlich in den Genuss eines „großen“ Musikspiels^^.