Die Faszination von Dragon Quest

Manch ein Gamer mag behaupten, die „Dragon Quest“-Reihe sei angestaubt oder gar antiquitär. Dabei verstehen es die Entwickler der Serie lediglich, ihre Spiele langsam weiterzuentwickeln und dabei trotzdem ihren Wurzeln treu zu bleiben. Was genau damit gemeint ist, erfahrt ihr in diesem Artikel…

Dragon Quest

Meine ersten Erfahrungen mit den Dragon Quest-Spielen machte ich 1999 mit „Dragon Quest Monsters“ für den Game Boy, dem ersten in Europa erschienenen Titel der alteingesessenen Franchise (welcher wohl nur bei uns veröffentlicht wurde, um Profit aus dem Pokémon-Hype zu schlagen). Da sich dieses Spin-Off in Sachen Gameplay jedoch stark von den Hauptspielen unterscheided, würde ich nicht sagen, dass ich aufgrund dieses Spiels meinen Weg zur Reihe gefunden habe, egal wieviele Stunden ich damit verbracht habe.
Fast ein Jahrzehnt später griff ich trotz Zweifeln, ob mir denn ein solch traditionelles RPG überhaupt gefallen würde, zur Platinum-Version von „Dragon Quest VIII“, dem damals neuesten Teil der Serie. Ich hatte wie gesagt meine Bedenken was das Spielprinzip des ansonsten sehr ansprechend wirkenden Rollenspiels anging, war mir doch bewusst, wie verwurzelt die Dragon Quest-Reihe in seinen eigenen Ursprüngen war. Dennoch, ich hatte jede Menge Freude an dem Titel, bis ich nach etwa 45 Spielstunden merkte, dass das Ende des Spiels noch immer nicht in Sicht war. So verschwand Dragon Quest VIII im Schatten neuer Releases wieder in meinem Regal…

In der Zwischenzeit hatte ich mich für „Dragon Quest Heroes: Rocket Slime“, ein ungemein unterhaltsames Action-Adventure für den Nintendo DS, begeistern können, aber genau wie bei Dragon Quest Monsters handelt es sich auch dabei nur um ein Spin-Off, welches nicht viel mit dem Gameplay der Hauptreihe zu tun hatte.
Wirklich entfacht wurde meine Liebe für die Serie daher erst letztes Jahr, als ich mir das Remake des vierten Dragon Quest-Teils für den DS bestellte. In diesem Spiel steckte die Quintessenz der in Japan unglaublich beliebten Reihe in unverwässerter Form, sodass ich endlich vollends in die faszinierende Welt eintauchen konnte.
Auf Teil 4 folgte dieses Jahr Teil 5, darauf ein Neubeginn von Dragon Quest VIII und nebenher ein Ausflug in die Welt von „Dragon Quest Swords“. Nun warte ich nur noch darauf, dass der neunte Teil lokalisiert wird und habe dabei ein wachsames Auge auf das Remake von Dragon Quest VI.

Während ich mich durch Dragon Quest V, VIII und Swords schlug, fragte ich mich irgendwann, was mich so sehr an den Spielen fasziniert und was da so plötzlich Klick gemacht hatte. Ich kam zu dem Schluss, dass im wesentlichen die Arbeit von drei Männern dafür verantwortlich gewesen war…

Dragon Quest IV

Der Name des ersten Herrn lautet Yuuji Horii. Er ist der Erfinder von Dragon Quest und ist in fast jedem Spiel der Serie (ob es sich nun um ein Spin-Off handelt oder ob es der Hauptreihe angehört) für die Story und das Gameplay-Gerüst verantwortlich. Das heißt, dass er dafür verantwortlich ist, dass Dragon Quest seinen Wurzeln über all die Jahre hin so treu geblieben ist. Seine Kunst besteht allerdings darin, dass er es schafft, die Fans immer und immer wieder für die neuen Teile der Serie zu begeistern. Warum greifen wir immer wieder zu, obwohl die Grundzüge von Gameplay und Story in so ziemlich jedem Teil der Reihe die gleichen sind?
Wahrscheinlich weil Herr Horii uns die Reise ein jedes Mal so wunderschön gestaltet, dass wir gar nicht genug davon bekommen können. Jawohl, wir sind schon etliche Male über ähnliche Oberweltkarten gewandert, haben ähnliche Dörfer, Städte und Schlösser besucht, haben bereits in etlichen Höhlen und Türmen nach einem magischen Gegenstand gesucht, aber es macht uns immer wieder von neuem Spaß. Und das liegt vor allem an der Story.
Mit „Story“ meine ich nicht etwa das „Drehbuch“, wie man es vielleicht im Kontext eines Metal Gear Solid verstehen würde, denn dieses fällt in den meisten Dragon Quest-Spielen sehr spartanisch aus: Eine böse Macht bedroht die friedliche Welt, der Spieler ist der auserwählte Held und muss den Oberfiesling zur Strecke bringen, nachdem er auf seinem Abenteuer die nötige Kraft dazu erworben hat.
Nein, was ich meine sind die diversen kleinen Etappen des Abenteuers, die Geschichten zwischen den Zeilen der Legende. Ob man nun in Teil 4 dem pummeligen Händler Torneko dabei hilft, ein florierendes Geschäft zu eröffnen, in Teil 5 Vater von zwei Kindern wird und von diesen Jahre später von einem Fluch befreit wird oder in Teil 8 einem seit etlichen Monden trauernden König die Erinnerungen an seine verstorbene Frau ins Gedächtnis zurückruft, all dies sind nur Anekdoten im Vergleich zur Fülle der gesamten Queste, doch genau diese sind es, welche den Spieler immer weiter und weiter treiben. Und genau dafür ist Yuuji Horii verantwortlich.

Der zweite Herr im Bunde nennt sich Akira Toriyama und düfte vor allem Fans von Anime und Manga ein Begriff sein. Der Zeichner von „Dragon Ball“ leiht der Serie bereits seit dem ersten Spiel seine Feder und ist für das Charakterdesign von Helden, Freunden und Widersachern verantwortlich. Manch ein Toriyama-Kritiker mag anführen, dass seine Designs zu leicht wiederzuerkennen sind und dass es ihnen somit an Variität fehlt. Doch gerade dieser Wiedererkennungwert, der nicht einmal von Größen wie Otomo, Oda oder gar Miyazaki erreicht wird, verleiht Dragon Quest einen großen Teil seines Charmes.
Dabei sind nicht einmal die menschlichen Charaktere die Stars der Reihe, sondern die Monster. Jeder der unzähligen Zufallskämpfe in den Dragon Quest-Spielen wird erträglicher gemacht durch die lebendigen, charamanten und witzigen Designs der Monster. Berühmtestes Beispiel ist der Slime, die schwächste Kreatur eines jeden Teils der Reihe und nichts weiter als ein blauer Tropfen mit zwei Glubschaugen und einem fröhlichen Mund. Trotz (oder gerade wegen) dieses ungemein simplen Designs wurde der Slime zum Maskottchen der Serie und ist in Japan eine wahre Ikone. Doch das ist bei weitem nicht das einzige Monster mit derartigem Wiedererkennungswert: In jedem neuen Spiel der Reihe besteht das Arsenal an Gegnern überwiegend aus altbekannten Widersachern aus den vorherigen Teilen, einfach weil die einzelnen Designs so charmant und einzigartig sind, dass man sie immer wieder verwenden kann. Es kommt einem fast so vor, als würde man alte Freunde wiedersehen (und anschließend auf sie eindreschen).

Dragon Quest VIII

Der letzte Name lautet Koichi Sugiyama. Er komponiert die Musik für fast jedes Dragon Quest-Spiel und weiß ebenfalls Teil für Teil von neuem zu begeistern. Die Qualität seiner Kompositionen an sich ist sicherlich unbestritten, was mich aber viel mehr an seinen Stücken fasziniert, ist die Art, wie er der Serie über die Jahre einen ganz eigenen Klang verliehen hat, der in jeder neuen Veröffentlichung konsequent weitergeführt wird. Das schafft er unteranderem dadurch, dass er in seine Lieder immer wieder kurze Stücke aus älteren Werken einbaut, also sozusagen „samplet“ (besonders beim Soundtrack von Dragon Quest VIII ist dies zu bemerken). Außerdem bleibt Sugiyama seinen Stilrichtungen treu. So reichen wenige Sekunden, um ein Kampfthema zu identifizieren, genauso Lieder welche in Türmen oder auf der Oberweltkarte spielen. Natürlich gibt es immer wieder erfrischende „Stilbrüche“, welche die Sache nicht allzu vorhersehbar werden lassen, beispielsweise das südländisch angehauchte Kampfthema der Schwestern Maya und Meena in Dragon Quest IV.
Insgesamt erinnert Koichi Sugiyama von seinem Stil her an Joe Hisashi, welcher die Soundtracks für die meisten Studio Ghibli-Filme komponiert hat. Mir persönlich ist dies am meisten beim Oberwelt-Thema von Dragon Quest VIII aufgefallen, welches mich sofort an den Titelsong zu „Nausicaä“ erinnerte.

Ich könnte noch auf viele weitere Qualitäten von Dragon Quest eingehen, sei es der Humor, die Atmosphäre oder das Kampfsystem, aber im Rahmen dieses Kapitels wollte ich lediglich die drei wichtigsten Punkte behandeln. Wem die Serie bisher nicht zusagte, der kann nun hoffentlich ein wenig besser nachvollziehen, warum ganz Japan verrückt danach ist und warum die Fan-Gemeinde auch im Westen stetig zunimmt. Natürlich ist Dragon Quest nicht für Jedermann, aber welches Spiel ist das schon?

6 Antworten zu Die Faszination von Dragon Quest

  1. thomasd sagt:

    Oje, schon wieder den mund wässrig gemacht durch DQ… ich hab noch KEIN EINZIGES spiel der serie gespielt, obwohl ich mich durchaus als rpg-spieler bezeichnen würde (nicht grade hardcore-rpg’ler, aber doch…) – spätestens in der pension :-)

  2. piccolo-junior sagt:

    Ich mag eigentlich Japano-RPG, vor allem, wenn sie rundenbasiert sind. Das einzige DQ, welches ich (an-)gespielt habe, ist Teil 8. So richtig anfreunden konnte ich mich mit der Serie noch nicht, vielleicht ändert sich das mit Teil 9.

  3. ness sagt:

    Mein erstes (und bisher einziges) DQ war das Remake vom 4. Teil für den DS, der mir leider nicht sooo gut gefallen hatte wie erhofft. Lag vielleicht aber auch daran, dass man in den ersten 4/5 Kapiteln quasi immer wieder von Neuem anfing, bloß mit anderen Charakteren. Und dadurch fiel halt das typische Entdecken der Oberwelt nahezu weg, da man eigentlich immer wusste, wo man hin musste und levelbedingt auch garnicht anders konnte, als zielgerichtet zu laufen. Auch die Dungeons waren irgendwie sehr linear, beeinhalteten kaum Rätsel und waren nicht wirklich groß.

    Zwar stimmten auch viele Sachen, wie der Umfang, die tolle Musik, die schön anzusehende Grafik sowie ein paar nette kleinigkeiten (wie z.B., dass sämtliche Party-Mitglieder auch aufleveln, wenn sie nicht im Einsatz sind. Oder dass man nach einem GameOver nicht gleich wieder vom letzten Speicherpunkt aus alles nochmal machen muss, sondern dass alle Gegenstände und Erfahrungspunkte beibehalten werden, und nur das Geld halbiert wird.), dennoch hatte mich dieser Titel (leider) davon abgehalten, gleich zum Nachfolger zu greifen.

    Aber mal schaun, spätestens den 9. Teil werd ich mir wohl wieder gönnen^^.

  4. motherfreak sagt:

    Ich habe den achten Teil gespielt und habe gute Erfahrungen gemacht.
    Ich mag DQ VIII sehr, vielleicht liegt es am Soundtrack, der Grafik und dem Umfang, dass das Spiel mit sich bringt.

    Ich mag einige Stücke aus dem Spiel, speziell hat es mir „Remembrances…“ angetan
    Ich höre mir aber auch Soundtrack der vergangenen Teile an, so mag ich „Heavenly Flight“ von Dragon Quest 3 oder auch In „The Town“ von Dragon Quest VI oder Pastoral „Catastrophe“ von Dragon Quest II(nur um ein paar zu nennen, mir gefallen natürlich noch mehr OST). Irgendwann hole ich auch die DS-Teile nach, muss nur das Geld zusammenbringen…(leider ist von Dragon Quest 3 kein Remake angekündigt worden, ich würde speziell diesen Teil gerne spielen).

  5. motherfreak sagt:

    Inzwischen habe ich mir den vierten Teil fürn DS geholt und bin schon wieder fasziniert von der Serie, denn es macht mir trotz des alten Konzepts dennoch eine Menge Spaß.

    Da fällt mir ein, dass ich mal den achten Teil weiterspielen sollte…

  6. Oliver sagt:

    Ich werde nie den Sommer vergessen, an dem ich Dragon Quest 8 durchgespielt habe. Bis tief in die Nacht drang noch die sanfte Orchestermusik aus meinem Fenster in den Hof, während ich die riesige Oberwelt erkundete. Seit Pokémon Gold habe ich keine 90 Stunden mehr in so kurzer Zeit verspielt. Mein absolutes Lieblings-PS2-Spiel.