Otaku1990 in Japan (Teil 1)

Im Sommer diesen Jahres habe ich mir endlich einen langjährigen Traum erfüllt und bin für eine Woche nach Japan verreist. Meine teils sehr beeindruckenden Erfahrungen möchte ich in einer Serie von Artikeln schildern…

Otaku1990 in Japan

Mein Interesse am Land der aufgehenden Sonne wurde erstmals durch mein Videospiel-Hobby geweckt und während das Thema Japan für mich in den darauffolgenden Jahren zusätzlich aufgrund meines Manga- und Anime-Konsums aktuell blieb, entwickelte sich auch ein Interesse an der Kultur und Sprache dieses fremdartigen Landes. Nachdem ich nunmehr zwei Jahre Japanisch-Unterricht genossen und mir ein hübsches Sümmchen zusammengespart hatte, sollte es im Sommer 2009 endlich soweit sein: Meine erste Reise nach Japan!

Ziemlich früh war mir klar, dass ich mich bei meinem ersten Besuch ausschließlich auf Tokyo konzentrieren wollte. Schließlich wurde meine Leidenschaft durch die Pop-Kultur des Landes entzündet und Tokyo stellt in dieser Beziehung wohl das Epizentrum dar.
Ursprünglich schien mir „Destination Japan“ der ideale Anbieter für eine Tour nach meinem Geschmack zu sein, doch nachdem ich erfahren musste, dass die von mir beäugte Veranstaltung ausgerechnet dieses Jahr nicht stattfinden würde, musste ich mich anderweitig umschauen.
So stieß ich auf den Reiseveranstalter „Gebeco“ und eine seiner Städtetouren. Mit etwas mehr als 1.700 € für sieben Tage Tokyo war ich dabei. Auf den happigen Preis war ich gefasst, allerdings hatte ich mir einen längeren Aufenthalt in der Metropole gewünscht, zumal durch den langen Flug über etwa 12 Stunden nochmal einiges an Zeit aufgebraucht wurde. Ich ahnte zu diesem Zeitpunkt ja noch nicht, wieviel man in einer Woche sehen kann, wenn man nur will…

Spulen wir vor zum 20. Juli: Da saß ich nun mit meinem Kumpel André im Flughafen, während ich auf das Boarden der Maschine wartete. Unser Flug hatte sich aufgrund eines defekten Wetterradars um eine halbe Stunde verspätet. Kein Beinbruch, ich hatte schon wesentlich längere Verzögerungen erlebt. Während ich also wartete, ging ich nochmal unser Programm für die Woche durch.

– 1. Tag: Nonstop-Flug nach Japan
– 2. Tag: Ankunft in Tokyo und erste Erkundungen der Umgebung
– 3. Tag: Besuch von Tokyo Tower, Meji-Schrein und Asakusa-Kannon-Tempel
– 4. Tag: Ausflug nach Nikko, inklusive Besuch von Rinnoji-Tempel, Toshogu-Schrein, Chuzenji-See und Kegon-Wasserfall
– 5. Tag: Frei
– 6. Tag: Frei
– 7. Tag: Rückflug

Gebeco bot auch für den fünften und sechsten Tag Ausflüge an, allerdings war ich nicht zum Bergsteigen und Tempelbesichtigen nach Japan gekommen. Mich interessierte vor allem die Millionen-Metropole Tokyo, weswegen André und ich uns den fünften und sechsten Tag zur Erkundung der beliebten Viertel freihielten.

Endlich betraten wir die riesige Lufthansa-Maschine und suchten unsere auf der Boardkarte vermerkten Sitzplätze. Zu unserer Freude saßen wir in einer der wenigen Zweierreihen im Flugzeug, was unbequeme Nachbarn ausschloss.
Trotzdem sind 12 Stunden Flug nicht ohne, vorallem da ich bisher nur Flüge in den europäischen Raum getätigt hatte und Langstreckenflüge für mich Neuland darstellten. Dennoch, dank eines dicken Wälzers, meines DS und des neuesten „Fire Emblem“-Teils überlebte ich auch dies.
Zumindest über das Essen konnten wir uns nicht beklagen, gab es uns doch bereits während des Flugs die Möglichkeit, schonmal in die japanische Küche einzusteigen. Serviert wurden California Rolls (eine Art von Sushi), Hiyamugi-Nudeln mit Wasabi und Schnittlauch, dazu Men-Sauce und als Hauptgericht Rindfleisch-Curry. Stolz präsentierten wir unsere (durchschnittlichen) Essstäbchen-Künste und wähnten uns bereits Experten der asiatischen Küche, als uns eine japanische Mitreisende netterweise darauf hinwies, dass man die Hiyamugi-Nudeln (welche uns zuerst eigenartig trocken und geschmacklos erschienen) in der Men-Sauce badet, die wir auf unserem Tablett vollkommen übersehen hatten. Hochmut kommt eben vor dem Fall.

Flughafen Narita

Übermüdet kamen wir schließlich am überraschend leeren Flughafen Narita an, wo wir bald einer Horde Japanern mit den typischen Atemmasken begegneten, die uns per Broschüre vor den Gefahren der Schweinegrippe warnten. Auch das restliche Flughafenpersonal lief fast ausnahmslos mit Masken herum. Die Japaner nehmen diese Sache wirklich ernst.
Während wir mit dem Rest der Gebeco-Gruppe auf den Bus warteten, der uns zu unserem Hotel transportieren sollte, fiel uns zum ersten Mal etwas typisch japanisches auf: ein Getränkeautomat. Diese stehen in Tokyo an jeder Straßenecke (und damit meine ich JEDE Straßenecke), sind schnell, günstig und die Getränke schön kalt (oder heiß, je nach Inhalt). Die gesamte Reise über würden wir noch etliche Male auf das (nicht selten abstruse) Angebot der überaus praktischen Automaten zurückgreifen. Übrigens trafen wir auch auf Maschinen, die auf einem kleinen Bildschirm eines der Getränke in Form von Werbespots besonders bewarben, während einer der Kaffeeautomaten den Bildschirm nutze, um die Zubereitung des heißen Getränks live zu übertragen und dem Kunden damit die Wartezeit zu versüßen.

Als unser Bus schließlich angerollt kam, staunten wir nicht schlecht: Noch bevor das Vehikel zum Stehen kann, verbeugten sich die für die Koffer zuständigen Angestellten tief vor dem Bus! Im Grunde verbeugten sie sich natürlich vor dem Busfahrer, der allerdings zu dem Zeitpunkt noch gar nicht ausgestiegen war. Auf jeden Fall ein ungewohnter Anblick für uns Deutsche, wobei dies nur ein Vorgeschmack auf die unglaubliche Höflichkeit der Japaner sein sollte.
Während der etwa eineinhalb Stunden andauernden Busfahrt zum Hotel (dem „Tokyo Prince Hotel“, um genau zu sein), versuchte ich zumindest etwas Ruhe zu finden, hatte ich doch seit knapp 20 Stunden nicht ein Auge zugetan (und in der Nacht davor ebenfalls nicht viel Schlaf abbekommen). Vergeblich, denn meine Neugier war größer als mein Verlangen nach Schlaf, weswegen ich immer wieder einen Blick aus dem Fenster warf, um die Highways Tokyos zu mustern. Der Linksverkehr war dabei wie erwartet ungewohnt. Auch fielen mir die diversen Mautstationen auf.

Als ich bei unserer Ankunft am Hotel aus dem Fenster schaute, erblickte ich wieder einen Japaner, der sich tief verbeugte und kurz darauf unsere Koffer entlud. Diverse andere Angestellte schienen nur dafür da zu sein, uns zu begrüßen und uns die Türen aufzuhalten (und das nicht nur bei unserer Ankunft, sondern bei jedem Betreten des Hotels).
Auf unseren sauberen, ordentlichen Zimmern, durften wir uns nicht nur über einen eigenen Kühlschrank, Fernseher (das japanische Programm fiel erwartungsgemäß durchgedreht aus) und eine der berühmten japanischen Toiletten mit diversen Funktionen freuen, sondern auch über einen herrlichen Ausblick direkt auf den (bei Nacht sehr schön beleuchteten) Tokyo Tower.

Blick aus dem Hotelzimmer

Eine längere Pause, als zum Verstauen der Sachen, gönnten wir uns nicht. André hatte große Pläne für den restlichen Tag: Wie könnten wir unseren Urlaub besser beginnen, als mit einem Abstecher nach Akihabara, dem knallbunten, hyperaktiven Mekka der Otaku-Gemeinde…?

–> zu Teil 2

4 Antworten zu Otaku1990 in Japan (Teil 1)

  1. thomasd sagt:

    Interessante Einblicke. Das mit Mautstationen und Getränkeautomaten kriegt man hierzulande ja niemals mit, wenn man nicht selbst dort war…
    Freu mich auf die nächsten Artikel!

  2. vanduhn sagt:

    Ich hasse dich immer noch dafür, dass du da warst und ich nicht. xD
    Und noch mehr hasse ich dich dafür, dass du kein Bild vom Touhou Laden gemacht hast! T_T

  3. ness sagt:

    Interessanter erster Bericht und schöne Bilder =).

    Nach Japan will ich ebenso unbedingt mal, hab mir auch schon viele Sach- und Reisebücher gekauft und durchgelesen und bin einfach nur faszieniert über dieses Land.

  4. piccolo-junior sagt:

    Super. Da wird man richtig neidisch. Hattet ihr überhaupt Zeit euer Gepäck auszupacken? *g*