Übersehen und unterschätzt, Vol. 2: Excite Truck

Obwohl mit „Excitebots: Trick Racing“ in den USA und kürzlich auch in Japan bereits der Nachfolger erschienen ist, gibt es noch immer viele Wii-Besitzer, die „Excite Truck“ noch nie gespielt haben. Das sollte sich schleunigst ändern!

Auf der E3 2006, wo Excite Truck (der spirituelle Nachfolger zu den Excitebike-Games für NES und Nintendo 64) erstmals spielbar war, offenbarte sich einigen Journalisten bereits das Potenzial, welches in diesem auf den ersten Blick doch recht unscheinbar wirkenden Launch-Titel für die Wii steckte. Dennoch schaffte es das ambitionierte Projekt des kleinen Entwicklers namens Monster Games nicht, gegen Größen wie Zelda: Twilight Princess und das kräftig beworbene Red Steel zu bestehen und ging in Sachen Verkaufszahlen dementsprechend unter. Trotz allem entwickelte sich Excite Truck unter Kennern zu einem Kult-Hit und zog 2009 sogar einen Nachfolger nach sich. Berechtigterweise, denn Excite Truck ist alles andere als ein gewöhnliches Rennspiel!

Excite Truck

Zuerst einmal unterscheidet sich der Racer in seinem Spielziel von den Genre-Kollegen: Hier geht es nicht zwingend darum, als erster über die Ziellinie zu rauschen, sondern um das Ergattern von Sternen; denn nur wenn man eine vorgegebene Anzahl davon erlangt, gilt das Rennen als erfolgreich abgeschlossen. Zwar beschert einem eine hohe Platzierung einen ordentlichen Batzen Sterne, doch allein darauf kann man sich nicht verlassen. Stattdessen liegt es am Spieler, mit waghalsigen Sprüngen, gefährlichen Crashs und gekonnten Tricks das Punktekonto aufzubessern. An Möglichkeiten dazu mangelt es dabei nicht: Unzählige Hügel, Klippen und Sprungschanzen laden zu den für das Spiel typischen Riesensprüngen ein. Je länger sich der Truck in der Luft befindet, desto mehr Sterne warten als Belohnung auf den Spieler, bei einer perfekten Landung gibt es außerdem einen ordentlichen Turbo-Boost. Apropos Turbo: Per Tastendruck lässt sich dieser jederzeit zünden und ist unentbehrlich, um die Konkurrenz hinter sich zu lassen. Aufpassen sollte man dabei allerdings auf den Motor, der bei übermäßigem Einsatz des Turbos überhitzt. Eine schnelle Methode, um ihn wieder abzukühlen, stellt ein ausgedehnter Sprung dar, noch schneller geht es mit einer Fahrt durchs kühle Nass.
Sollte gerade kein Wasser in der Nähe sein, lässt sich oft welches herbeizaubern, indem man ein spezielles Item einsammelt: Dieses verändert die Struktur der Umgebung vom einen auf den anderen Moment. Das heißt konkret, dass vor den Augen des Spielers plötzlich Gebirgszüge aus dem Boden schießen, Teiche entstehen oder Felskonstellationen in sich zusammenbrechen. Nicht nur bieten sich dank dieses Effekts oft neue Möglichkeiten für Stunts, auch Gegner werden gerne einmal durch die Luft geschleudert, wenn der Boden unter ihren Reifen gen Himmel wächst.
Neben dem Terrain-Symbol gibt es noch ein weiteres wichtiges Item. Das POW-Emblem versetzt den Truck in einen Zustand, der dem des Sterns in den Mario Kart-Spielen ähnelt: Neben einem Dauerturbo erhält der Spieler die Fähigkeit, seine Gegner bei bloßer Berührung zu verschrotten und ist mehr oder weniger unverwundbar. Das heißt, dass auch Bäume (das wohl größte Hindernis in Excite Truck) einfach niedergemäht werden können. Wer allerdings nach dem Highscore strebt, sollte die stämmigen Gewächse besser stehen lassen und stattdessen möglichst knapp an ihnen vorbeirasen: Das bringt ordentlich Sterne!

All diese Tricks lassen sich in den drei Hauptmodi erproben: Excite Race, Challenge und Versus. Nach einer kurzen Trainingseinheit öffnet sich das Herz des Spiels, das Excite Race. Hier geht es in vier verschiedenen Cups darum, eine möglichst hohe Anzahl an Sternen zu ergattern und mit Rängen von D bis S ausgezeichnet zu werden (ab Rang B gilt das Rennen als bestanden). Dabei besucht man sechs verschiedene Länder, deren Strecken in jedem Cup mal mehr, mal weniger stark verändert immer wieder auftauchen. Das wahre Spielziel besteht jedoch nicht nur im Bestehen der Rennen, sondern im Ergattern aller S-Ränge, denn nur mit ihnen lassen sich neue Schwierigkeitsgrade, ein geheimer Cup und versteckte Fahrzeuge sowie Lackierungen freischalten. In Angriff nehmen lässt sich diese Aufgabe mit über 20 verschiedenen Trucks, die allesamt über unterschiedliche Fahreigenschaften verfügen. Und ganz nebenbei: Das Ergattern aller S-Ränge stellt vor allem auf den höheren Schwierigkeitsgraden eine enorme Herausforderung dar. Fans von fordernden Spielen werden hier also fündig.
Der Challenge-Modus unterteilt sich in drei Disziplinen: In einer muss der Spieler immer enger werdende Tore durchfahren, in einer anderen durch Ringe springen und in der „Jagd“ schließlich andere Trucks mit möglichst viel Wumms verschrotten. All dies geht auf Zeit und ist nach Ergattern der entsprechenden S-Ränge auch auf einem höheren Schwierigkeitsgrad verfügbar, allerdings stellt der Challenge-Modus eher eine nette Abwechslung dar und ist nicht mit dem Hauptmodus zu vergleichen.
Unter dem Punkt „Versus“ findet man den obligatorischen Multiplayer vor, dieser ist jedoch leider eher mau ausgefallen: Zum einen geht die Framerate bei zwei Spielern gleichzeitig (mehr sind nicht möglich) etwas in die Knie, zweitens stört das durch den Splitscreen begrenzte Sichtfeld. Was zusätzlich an der Qualität des Multiplayers nagt, ist wohl die Tatsache, dass Excite Truck ein Singleplayer-Spiel ist und als solches designt wurde.

Excite Truck

Kommen wir zur Musik, denn in diesem Punkt stellt Excite Truck (zumindest auf der Wii) ebenfalls eine Besonderheit dar: Wer eine SD Card sein Eigen nennt, kann diese mit allerlei eigenen MP3-Dateien füllen und diese im normalen Spielgeschehen statt des üblichen Soundtracks abspielen lassen. Es macht wirklich jede Menge Spaß, zu der eigenen Lieblingsmucke über die Pisten zu rasen und sorgt gleichzeitig für die klanglische Abwechslung, während man die schwierigeren Strecken immer und immer wieder aufs Neue versucht. Böse Zungen behaupten, die Entwickler hätten dieses Feature deswegen eingebaut, weil man gemerkt hat, dass der Standart-Soundtrack (bestehend aus Rock-Stücken von fragwürdiger Qualität) zu grottig für die Gamer-Ohren sein würde. Ganz Unrecht haben sie dabei nicht…

Schließlich muss noch auf einen äußerst wichtigen Punkt eingegangen werden: die Steuerung. Diese funktioniert nämlich wirklich tadellos und ist von der Feinfühligkeit her jedem Analogstick überlegen. Hier hält man die Wiimote waagerecht im NES-Stil und lenkt mit leichtem Kippen nach links oder rechts. Per 2-Knopf gibt man Gas, der 1-Knopf bremst, das Steuerkreuz zündet den Turbo. Neulingen sei aber nochmals gesagt, dass die Steuerung von Excite Truck enorm feinfühlig ist. Wer also die Wiimote wild hin und her schwenkt, wird sich kaum auf der Strecke halten können. Hat man aber erst einmal die Kontrolle über die Trucks erlangt, ist es möglich, unglaublich präzise um Kurven zu driften, durch Engstellen zu manövrieren und die Reifen für eine perfekte Landung auszurichten.

Excite Truck gehört zu den besten Racern auf der Wii und ist von seiner Spielweise her einzigartig. Dazu ist es vielerorts zum Schnäppchenpreis erhätlich, was Anlass genug für jeden Wii-Besitzer sein sollte, dieser Perle eine Chance zu geben. Ein besseres Geschwindigkeitsgefühl wird man auf Nintendos aktueller Konsole bis zum Release eines neuen F-Zero-Teils so schnell nicht finden.

Eine Antwort zu Übersehen und unterschätzt, Vol. 2: Excite Truck

  1. ness sagt:

    Kann mich da nur anschliessen, finde Excite Truck ebenfalls richtig klasse, abgesehen halt von den Kleinigkeiten. Es bietet ein absolut cooles Geschwindigkeitsgefühl, zumal das Spiel ja auch von grafischer Seite her ein tolles Bild abgibt.