Nintendos E3-Auftritt – Danach ist alles besser

Nintendos Pressekonferenz auf der E3 2009

Wenn ich eines von der diesjährigen E3 mitgenommen habe, dann die Erkenntnis, dass wohl kein Teil der Messe so überbewertet und manipulativ ist, wie die Pressekonferenzen. Eine lahme Präsentation, ein misslungener Spannungsaufbau, ein unsympathischer oder merklich desinteressierter Redner – schon leidet das vielleicht wirkliche tolle und vielversprechende Spiel darunter und man schließt das Fenster mit dem Stream auf dem PC mit der Erkenntnis, dass es Hersteller XYZ auch in diesem Jahr wieder versaut hat. Es folgt die nächtliche Ruhezeit und am nächsten Morgen sieht die Welt bereits wieder ein wenig anders aus.

Bei aller Aktualität und der Flut an Informationen und Eindrücken (und auch auf die Gefahr hin, dass ich mich schon wieder wiederhole), vermisse ich doch die Zeiten, als man erst Wochen nach diesem ganzen Zirkus in aller Ruhe in Form einer Zeitschrift von den Geschehnissen der größten Videospiel- und Computermesse der Welt erfuhr. Damals wäre eine lahme Pressekonferenz (die zu dieser Zeit noch längst nicht den heutigen maßlos überbewerteten Stellenwert einnahm) kaum mehr als einen Absatz wert gewesen. Das bedeutet nicht, dass eine schlecht aufgenommene Pressekonferenz nicht auch schlicht wegen ihres Inhaltes in die kollektive Kritik geraten kann, wie es bei Sony 2006 und Nintendo 2008 beileibe nicht grundlos der Fall war. In diesem Jahr jedoch hatte ich den Eindruck, dass Nintendo einfach eine Show ablieferte, bei der es an allen Ecken und Enden Verbesserungsvorschläge zu machen gab und die das kommende Software-Lineup deutlich unter Wert verkaufte (in Microsofts Fall trat genau der gegenteilige Effekt ein, aber das ist eigentlich einen eigenen Artikel wert…).

Das fing schon bei den Personen auf der Bühne an. Cammy Dunaway, Executive Vice President of Sales & Marketing von Nintendo of America, wurde letztes Jahr aufgrund ihres, nennen wir es mal übermäßig optimistischen, Auftrittes hart abgestraft. Ein Jahr und eine Flut von Photoshop-Bildern später ist nun das genaue Gegenteil eingetreten. Jemand scheint alles Leben aus dieser (im Grunde bemitleidenswerten) Frau gesaugt zu haben, denn wie man gleich zwei neue Super Mario-Spiele ankündigen und dabei zur selben Zeit eine solch depressive Aura des Niedergangs im Saal verströmen kann, das ist schon erstaunlich. Vielleicht sollte sich Mrs. Dunaway für das nächste Jahr einfach ganz Natürlich geben und einen Mittelweg zwischen der Grinsekatze aus Alice im Wunderland und I-Ah aus Winnie Puh finden.

New Super Mario Bros. Wii ist indes die logische Fortsetzung von Miyamotos Bestreben, aus der passiven Mario-Erfahrung ein gemeinsames Erlebnis zu machen. Schließlich experimentierte Nintendo bereits bei New Super Mario Bros. für den Nintendo DS mit einem simultanen Zweispieler-Modus herum, woraus dann im Endprodukt lediglich der (sehr empfehlenswerte) Versus-Modus wurde. Super Mario Galaxy führte die Sache dann schon ein Stück weiter, da nun auch während des Hauptspiels zu zweit gezockt werden konnte, auch wenn der zweite Spieler nicht gleichberechtigt interagieren durfte. Als einer der drei Menschen auf diesem Planet, der mit Begeisterung Four Swords Adventures auf dem GameCube gespielt hat, kann ich es kaum erwarten, das Wechselspiel zwischen Kooperation und dem gnadenlosen Wettbewerb auch in einem Super Mario-Game zu erleben. Damit wird sogar die kritische Stimme im Kopf, die darauf pocht, dass es sich der Titel zu einfach macht und zu sehr auf die Basiselemente der Reihe verlässt, erfolgreich ausgeschaltet. Und wenn ich von einer persönlichen Erfahrung sprechen darf, so erinnere ich mich noch, wie ich stets aus dem Raum ging, wenn einer meiner Brüder bei Super Mario Galaxy auf einem Planeten ankam, der mir noch völlig fremd war und ich mir meine Spielerfahrung nicht durch den fehlenden Überraschungseffekt kaputt machen wollte. Da man nun voraussichtlich das Abenteuer von Anfang an gleichzeitig mit mehreren Mitspielern erleben darf, werden diese Vorsichtsnahmen überflüssig. Weihnachten kann nicht früh genug kommen…

Super Mario Galaxy 2

Kommen wir zum zweiten Klempner-Spiel der Konferenz: Super Mario Galaxy 2 zeigte in einem kurzen Trailer eindrucksvoll, dass den talentierten Köpfen bei EAD Tokyo noch nicht die Ideen ausgegangen sind. Schon beeindruckend, wie locker der knappe Trailer scheinbar mühelos eine weitere Kostprobe an ungezügelter Kreativität zur Schau stellte, auch wenn ich sehr hoffe, dass einige Grafikelemente und Hintergründe noch als Platzhalter dienten, damit sich das Spiel auch optisch von seinem Vorläufer absetzen kann. Ansonsten hätte ich zu Beginn dieser Generation nicht im Traum daran gedacht, nach langer, langer Zeit wieder drei Super Mario-Spiele auf einem System erleben zu können. Wobei ein Zelda-Effekt unbedingt vermieden und dem Klempner danach dringend eine Pause gegönnt werden sollte.

Wii Sports Resort erwies man einen Bärendienst, denn anstatt die Skeptiker, deren Anzahl größer zu sein scheint, als die der Sterne am Firmament, mit dem Umfang des Spiels und der (Wii MotionPlus sei Dank) das Prequel meilenweit hinter sich lassenden Tiefe zu überraschen, konzentrierte sich Nintendo auf eine weitere mäßig unterhaltsame Live-Präsentation, die das Potential nicht einmal ankratze. Spätestens im Trailer hätte das Unternehmen einige Fakten und Zahlen nennen sollen, schließlich haftet dem Titel noch immer der Mythos einer billigen Fortsetzung eines Spiels an, das als Demo-Software unter den selbst ernannten Hardcore-Spielern verschrien ist. Angesichts der näher rückenden Veröffentlichung von Spiel und Wii MotionPlus war dieser Teil gefährlich vergessbar. Wer wissen möchte, weshalb Wii Sports Resort sträflich vernachlässigt wurde, kann dies unter anderem bei diesem auf N-Sider veröffentlichten Preview tun.

Aber auch so bleibt die Unterstützung der eigenen Hardware bisher relativ schwach. Mindestens ein weiterer Titel, der expliziten Gebrauch von dem kleinen Wiimote-Schrittmacher macht, hätte Nintendo schon in Aussicht stellen sollen. Bleibt nur die Frage, was schlimmer ist: Ein schlecht vorgestelltes oder ein unter den Teppich gekehrtes Spiel. Oder warum fehlte Sin & Punishment 2 bei der Konferenz? Oder warum glänzte das kommende Silent Hill-Remake, das überraschend großen Anklang bei der Fachpresse fand, bei der Abhandlung der 3rd Party-Produkte ebenso wie Red Steel 2 durch Abwesenheit. Um Platz für diese Spiele zu schaffen, hätten der immer mehr zum Roboter mutierende Reginald Fils-Aime gerne etwas weniger über Zahlen reden (oder diesen Punkt à la Microsoft gleich ganz aus dem Programm nehmen) und Satoru Iwata  etwas Abstand von den typischen Markterweiterungsfantasien, die den Zuhörern Jahr für Jahr präsentiert werden, nehmen sollen.

Doch selbst wenn Nintendo all diesen Titel ihren Platz in der Konferenz eingeräumt hätte, die noch immer relativ schwache Unterstützung  der Wii durch die Dritthersteller ließe sich auch dadurch nicht schön reden. Da hilft es auch nicht, noch einmal extra auf die Existenz von Dead Space hinzuweisen, schließlich ist der Titel, der sich „nur“ als On-Rail-Shooter entpuppte, ein gutes Beispiel für den Umgang mit der Konsole. Aber es gibt durchaus Lichtblicke. Zwei davon, nämlich die ambitionierten EA-Projekte Grand Slam Tennis und Tiger Woods 2010, sind nur noch einen Katzensprung vom Release entfernt. Das Bündnis zwischen EA und Nintendo, welches den EA-Spielen den Vortritt bei der Verbreitung und Unterstützung von Wii MotionPlus gibt, ist bemerkenswert und bleibt in Zukunft, wie auch die Zusammenarbeit zwischen Tecmo und Nintendo für Metroid: Other M, hoffentlich nicht einzigartig. Wobei ich bei Samus‘ erneuter Rückkehr den Zweifler gebe, nachdem Itagaki und ein paar sehr fähige Männer ihre sieben Sachen bei Tecmo gepackt haben und das Unternehmen damit einen nicht unerheblichen Verlust einstecken musste. An die viel gerühmte Überwachung von Seiten Nintendos gebe ich nach Ausfällen wie Star Fox Assault oder der Tatsache, dass Ambrella weiterhin ungestraft die Pokémon-Franchise mit ihren Machwerken in den Dreck ziehen darf, herzlich wenig. Auch wenn ein besonders positives Beispiel für eine Zusammenarbeit (*hüstel*Punch-Out!!*hüstel*) gerade in meiner Wii rotiert. Hier wurde viel Porzellan zerschlagen.

metroidotherm_01

Ich persönlich hätte mich auch über eine Erwähnung und einen kleinen Einblick in Muramasa: The Demon Blade für Wii und Scribblenauts für den Nintendo DS gefreut. Ich fürchte, die beiden viel versprechenden 2D-Titel, von denen gerade Scribblenauts als Geheimtipp vieler Messebesucher galt, werden es an der Kasse noch schwer genug haben. Hier muss Nintendo endlich aktiver werden und die eigene und neu erlangte Medienmacht ausspielen. Wo wir gerade von NDS-Spielen sprechen: Mit Golden Sun DS gelang eine schöne Überraschung und ich kann es kaum abwarten, meine eigenen Minispiele bei Wario Ware D.I.Y. zu gestalten. Und auch beim neuen Handheld-Zelda bin ich, der Minderheit der Phantom Hourglass-Fans angehörend, optimistisch, auch wenn ich nicht ohne Vorbehalte über den Zug und die Ähnlichkeiten zum NDS-Vorgänger bin. Ich hätte mir allerdings eine Neuvorstellung mit größerer Signalwirkung für den DSi-Store gewünscht, als ein lauwarmer Aufguss von Mario vs. Donkey Kong 2, denn bisher fehlt ein Referenzwerk des japanischen Entwicklers (aber auf ein solches Werk wartet man ja auch für den WiiWare-Store noch immer vergeblich). Wobei ich mich auch mit einer Ankündigung weiterer über das Jahr verteilter Art Style-Titel zufrieden gegeben hätte, die bereits seit Wochen dafür sorgen, dass ich den Kauf meines DSi nicht bereue (und die viel zu wenig Beachtung finden, aber es handelt sich dabei ja auch nur um uncoole Puzzle-Spiele). Es ist jedoch auch richtig, wenn geduldige Naturen darauf hinweisen, dass Nintendos Download-Titel grundsätzlich sehr kurzfristig ankündigt werden. Es war dem NDS-Aufgebot aber anzusehen, dass der Fokus nun zumindest von Seiten Nintendos endgültig auf dem Konsolen-Segment liegt.

Wie unbeholfen Nintendo bei der Erzeugung eines Hypes agieren kann, zeigte die kleine Show nach der großen Show, sprich das jährliche Treffen zwischen Shigeru Miyamoto und diversen Berichterstattern. Hätte Miyamoto Presse und Fans nicht in einem kleinen Zimmer, sondern auf der großen Bühne über den Entwicklungsstand der nächsten The Legend of Zelda-Episode für die Wii informiert und dabei das dazugehörige Artwork gezückt… Ach, wen kümmern schon Gedankenspiele.

Es war eine gute E3 für Nintendo, nicht mehr, aber auch beileibe nicht weniger. Noch immer wünsche ich mir, dass Nintendo bei der Frage nach neuen Spielen für die alten Fans nicht jedes Mal auf einen der üblichen Kandidaten namens Mario/Zelda/Metroid verweisen würde. Für einen Marktführer dieses Kalibers und einen selbsternannten Innovator fehlte mir außerdem ein visionärer Ausblick auf die Zukunft. Etwas greifbareres als Iwatas weiterhin unterstützenswertes Vorhaben, die Mauern zwischen Spielern und Nichtspielern einzureißen. Es waren mir definitiv zu viele Sequels auf der Messe präsent, aber das gilt beileibe nicht nur für den Konzern aus dem fernen Kyoto. Zumindest bestätigten die Pressekonferenzen der Mitbewerber die in die Tat umgesetzten Visionen der zurück liegenden Jahre noch einmal eindrucksvoll. Welch Ironie, gerade Sony mit dem Prototypen einer eigenen Wiimote zu sehen, wo das Unternehmen doch als einer der Pioniere der bewegungsintensiven Steuerungsmethoden in die Geschichte einging und nun versucht, den Konkurrenten einzuholen. Für Phil Harrison, der bei Sonys Chefetage auf Betonköpfe stieß, als er für die Weiterentwicklung des Eye Toy-Projektes warb, muss das eine späte Genugtuung sein. Eine gute E3 war es aber auch indirekt deshalb, da es für Nintendo-Spieler mindestens zwei weitere Termine für potentielle Enthüllungen gibt. Einmal die inzwischen zur Routine gewordene Herbstkonferenz und dann gibt es auch noch den Rest des Jahres, seitdem Nintendo dazu übergangenen ist, regelmäßig Projekte nur wenige Wochen vor deren Release aus dem Hut zu zaubern. Ob diese Strategie so erfolgreich ist, steht auf einem anderen Blatt.

7 Antworten zu Nintendos E3-Auftritt – Danach ist alles besser

  1. ness sagt:

    Wirklich sehr interessant zu lesender Kommentar.

    Am besten gehe ich auf einzelne Punket ein, sonst wird das zu chaotisch^^:

    @ Infos der E³ aus Zeitschriften:
    Oh ja, das war wirklich immer eine schöne Sache. Wie man damals früh in den Zeitungsladen kam, und wirklich nur die vorgestellten Spiele bestaunen konnte, ohne den ganzen Firlefanz drumherum.

    @ Four Swords Adventures:
    Ich finde das Spiel ebenfalls richtig klasse, allerdings muss ich zugeben, dass ich es nur allein durchgepielt habe =(.

    @ Wii Sports Resort:
    Ich freue mich jedenfalls auch schon auf das Spiel, vor allem da mir der Vorgänger schon richtig viel Spaß machte, auch wegen den Highscores. Und da es jetzt auch fast doppelt so viele Spielarten gibt + die präzisere Steuerung, bin ich echt schon richtig auf das Spiel gespannt^^.

    @ Spielevorstellung auf Konferenz:
    Ich hätte mir auch irgendwie eine bombastischere Vorstellung gewünscht, auch wenn das vielleicht nicht ganz Nintendo-like ist. Genügend Spiele hätte man auf jeden Fall dazu gehabt.

    @ Zelda DS 2:
    Ich freue mich auch schon, da ich den Vorgänger ebenfalls toll fand, allerdings finde ich es ein wenig schade, dass das Dungeondesign anscheinend immer noch so „eckig“ erscheint, also dass es irgendwie zu sehr danach aussieht, als seien sie mit einem Baukasten erstellt worden. Da wünsche ich mir ein wenig weniger geradlinige Geometrie. Ich hoffe man weiß was ich meine, vielleicht geht es aber auch auch nur mir so, keine Ahnung.

    @ Art Style:
    Ich liebe die Serie absolut. Schon von den Vorgängern, also die der ‚bit generations‘-Reihe, habe ich mir 5 Spiele aus Japan importiert, und die WiiWare-/DSiWare-Spiele genießen bei mir das seltene Privileg, sofort am Erscheinungstermin gekauft zu werden, oft auch direkt um 0 Uhr^^.

    @ Referenzwerk von Nintendo @ WiiWare & DSiWare:
    Sie meinten ja schon oft, dass sie sich damit eher zurückhalten werden, da sie den 3rd-Party Herstellern den Vorzug geben wollen und die Plattformen auch hauptsächlich dafür gedacht worden sind.

    @ Erzeugung eines Hypes:
    Ja, da kann Nintendo noch viel lernen, auch wenn sie es auf der E3 2004 damals eigentlich ganz richtig gemacht hatten^^.

    @ üblichen Kandidaten namens Mario/Zelda/Metroid:
    Ja, das finde ich auch ein wenig schade. Zwar sind meine Erwartungen an die Spiele hoch und ich freue mich auch riesig auf sie, aber ein neues 3D-Donkey Kong als Jump’n’Run, ein Kid Icarus / Pilotwings Flugspiel und Pikmin 3 und man hätte Mario, Zelda und Metroid meinetwegen nicht mal erwähnen müssen^^.

  2. Otaku1990 sagt:

    Kein Wort zum Vitality Sensor? ;)
    Das hat die Konferenz meiner Meinung nach auch nochmal nach unten gezogen, da sich jeder Zuschauer fragte „Muss Nintendo wirklich jedes Jahr ein neues Plastikteil aus dem Hut zaubern?“

  3. ness sagt:

    Wobei der ‚Vitality Sensor‘ z.B. gerade bei Horrorspielen sehr interessant werden könnte. Nur bräuchte man dann auch eine Anschlussmöglichkeit für den Nunchuk^^.

  4. piccolo-junior sagt:

    Wenn es darum geht einen Hype zu erzeugen, sollte Nintendo mal bei Apple anklopfen….

  5. Romplayer sagt:

    Also ich bin von allen drei Konferenzen positiv überrascht. Sie alle haben es geschafft, eine beeindruckende Show hinzulegen sowie viele gute Spiele und neue Hardware zu präsentieren.

    Natürlich könnte ich jetzt als Nintendo-Fan einige süffisante Kommentare zu den anderen abgeben. Zum Beispiel dass Microsoft exakt solche Phrasen benutzt hat („60 % der Haushalte haben keine Konsole! Wir versuchen, neue Zielgruppen zu erschließen!“), wie sie Nintendo schon längst verwendet. Oder dass Sony mal wieder die lustige Aussage gebracht hat „Wir sind die Führenden in dieser Branche!“ und außerdem stolz verkünden, sie seien der einzigen Anbieter mit drei Geräten auf dem Markt – wo doch jeder weiß, dass es Sony GEWALTIG gegen den Strich geht, dass sich die PS2 nach über zwei Jahren immer noch genausogut verkauft wie die PS3.

    Aber sei’s drum. Zu den wirklich interessanten Themen:
    Microsofts Natal ist natürlich extrem beeindruckend. Ich hätte nicht gedacht, dass so etwas schon möglich ist (und wie gut es funktioniert, bleibt natürlich abzuwarten).
    Ein paar Gedankenfehler haben sie aber schon. Zum Beispiel wurde die Aussage gemacht, dass der Controller Non-Gamer am ehesten daran hindert, mit Videospielen anzufangen (hmmm, kommt mir bekannt vor dieser Satz… woher nur?). Mit dieser Begründung schaffen sie nun den Controller ganz ab.
    Das ist aber meiner Meinung nach der falsche Weg. Ich glaube, dass sich Menschen ohne irgendwas in der Hand deutlich schwerer tun, als wenn sie bspw ne Wiimote umgreifen können, also etwas handfestes benutzen können.
    Aber natürlich ist mir auch klar, dass solche Phrasen in einer Konferenz nicht die Hauptgründe sein müssen. Von dem her bin ich sehr gespannt, was uns Natal in Zukunft zu bieten hat.

    Auf jeden Fall ist es deutlich innovativer als das, was Sony macht. Ein Wiimote-Klon… uuuuh! Zugegebenermaßen aber besser als das Original! Wenn man mal von den Fanboy-Ansichten weggeht (Ganz ehrlich: Ich mag Sony nicht und will natürlich, dass Nintendo vorne bleibt), ist das trotzdem eine strategisch absolut richtige und sehr gute Maßnahme von Sony: Ein Frontal-Angriff auf die einzige Eigenschaft, die Nintendos Wii von der PS3 unterscheidet. Krass gesagt gibt es ab nächstem Jahr keinen Grund mehr, die Wii der PS3 vorzuziehen.
    Bevor jetzt die Proteststürme losbrechen: Natürlich gibt es die immer noch. Andere Spiele, Virtual Console, günstigerer Preis etc. Aber es dürfte klar sein, was ich damit meine.

    Was die PSP Go betrifft, bin ich zwiespältiger Meinung. Einerseits bin ich wirklich überrascht, dass Sony keinen echten PSP-Nachfolger angekündigt hat. Einer mit Touchscreen und Bewegungssensor, der dem iPod Touch Konkurrenz machen könnte. Davon abgesehen ist die PSP Go aber kein schlechtes Gerät. Endlich mal ein Handheld von Sony, der nicht als Übergewicht am Flughafen-Checkin gilt.
    Dass man nun nur noch über den PC Spiele wechseln kann, ist bedenklich. Aber da die PSP Go die alte PSP (zumindest im Moment) noch nicht komplett ersetzt und auch sonst betont wird, dass es weiterhin Spiele im handel geben wird, kann man wohl beruhigt sein.

    Alles in Allem war diese E3 tatsächlich ein Hammerevent, zumindest was die drei großen Hersteller betrifft. Und was noch viel wichtiger ist: Die ganze Zukunft ist wieder offen. Viel wichtiger als die Frage, wer dieser drei der „Sieger“ der E3 ist (ich halte alle für die Sieger, wobei im direkten Vergleich Nintendo etwas schwächelt), ist nämlich, wer der Sieger um die Gunst der neuen Käuferschar wird.
    Wie wird sich der Heimkonsolenmarkt dieser Generation entwickeln? Werden die Leute eine Xbox samt Natal kaufen, um das einzigartige Gefühl zu erleben? Werden die PS3-Verkaufszahlen endlich nach oben schnellen, da diese Konsole nun endlich Rechenleistung UND Motion Control besitzt? Oder wird auch weiterhin niemand die Wii stoppen können aufgrund der bereits großen Basis sowie deutlich höhere Meinung (und Bekanntheit) bei den Casual- und Non-Gamern?
    Das einzige was man mit Sicherheit sagen kann: Die Karten werden wieder neu gemischt und in einem Jahr wird es wieder mächtig spannend. Und das sogar ohne komplett neuen Konsolen.

    P.S. Einen Vorteil der Wii gegenüber Xbox und PS3 sollte man nicht vernachlässigen: Jeder Wii-Besitzer verwendet Motion Controller, jedes Spiel für die Wii MUSS diese unterstützen.
    Bei den anderen beiden wird es lediglich ein Addon bleiben, das niemals so gut unterstützt werden wird wie auf Nintendos Konsole.

    Soviel zu meinem ganz persönlichen Review/Kommentar/Kolumne zu den E3-Konferenzen, zugegebenermaßen ging es mir im Gegensatz zu dir um den allgemeinen Vergleich zwischen den drei großen Konferenzen.
    Und nun noch ein paar direkte Antworten auf den Beitrag oben:

    „Wobei ein Zelda-Effekt unbedingt vermieden und dem Klempner danach dringend eine Pause gegönnt werden sollte.“
    Hä? Wovon sprichst du?

    „Um Platz für diese Spiele zu schaffen, hätten sie gerne etwas weniger über Zahlen reden und etwas Abstand von den Markterweiterungsfantasien nehmen können.“
    Also ich weiß ja nicht welche Pressekonferenz DU gesehen hast… xD
    Aber ich war richtig überrascht, dass diese beiden Themen dieses Jahr so gut wie gar nicht dran kamen. Iwata war zwar immer noch stinklangweilig, aber nicht mehr so schlimm wie früher immer, da einfach weniger über Statistiken und Balken und Zahlen gesprochen wurde.
    Also ich fand das absolut in Ordnung so.

    Dass Zelda ein Tag später hinter verschlossenen Türen vorgestellt wurde, ist wirklich erbärmlich… aber gut, wenn es noch keinen beeindruckenden Trailer gibt (mehr als zwei Artworks gabs ja eh nicht), wird das eben bei der nächsten Messe geschehen. Auch okay, weil bis das Spiel erscheint dauerts ja eh noch mindestens 1-2 Jahre.

    So, ich habe fertig. Danke für die aufgebrachte Zeit zum Lesen ;-)

    • Oliver sagt:

      „wo doch jeder weiß, dass es Sony GEWALTIG gegen den Strich geht, dass sich die PS2 nach über zwei Jahren immer noch genausogut verkauft wie die PS3.“

      Diese Zeiten sind vorbei, die PS2 liegt längst in ihren letzten Zügen. Nur nimmt die PS3, zum Leidwesen Sonys, nicht den frei gewordenen Platz ein.

      „Microsofts Natal ist natürlich extrem beeindruckend. Ich hätte nicht gedacht, dass so etwas schon möglich ist (und wie gut es funktioniert, bleibt natürlich abzuwarten).
      Ein paar Gedankenfehler haben sie aber schon. Zum Beispiel wurde die Aussage gemacht, dass der Controller Non-Gamer am ehesten daran hindert, mit Videospielen anzufangen (hmmm, kommt mir bekannt vor dieser Satz… woher nur?). Mit dieser Begründung schaffen sie nun den Controller ganz ab.
      Das ist aber meiner Meinung nach der falsche Weg. Ich glaube, dass sich Menschen ohne irgendwas in der Hand deutlich schwerer tun, als wenn sie bspw ne Wiimote umgreifen können, also etwas handfestes benutzen können.
      Aber natürlich ist mir auch klar, dass solche Phrasen in einer Konferenz nicht die Hauptgründe sein müssen. Von dem her bin ich sehr gespannt, was uns Natal in Zukunft zu bieten hat.“

      Microsoft präsentierte eine gewagte Vision und eine große Show und genau damit habe ich meine Probleme. Was wir sahen, war eher eine Konzeptstudie. Davon zeugt alleine die Anwesenheit von Mr. Molyneux, quasi der Dauer-Visionär unter den Spiele-Entwicklern unserer Zeit. Ich bin bei all dem Optimismus und nach der deutlich zu perfekten Präsentation etwas vorsichtig, da Natal einfach einen kollosalen Schritt darstellt und urteile erst beim fertigen Produkt. Und selbst dann ist dieses nutzlos ohne die passende Software. Irgendwie fühle ich mich bei Natal an Ian Malcolm aus Jurassic Park erinnert: „Yeah, but your scientists were so preoccupied with whether or not they could, they didn’t stop to think if they should.“ Bis dato ist Natal in meinen Augen eine Over-the-Top-Kopie, um es mal so auszudrücken, die eher einen Showeffekt als einen wirklichen Nutzen bringt. Hoffentlich ist Microsoft so schlau und erlaubt weiterhin die Nutzung des Controllers in diversen Natal-Spielen. Erst im Zusammenspiel mit diesen beiden Komponenten wird das Projekt für mich interessant, da ein mit Tasten ausgestattetes Eingabeinstrument bei aller Ambition in vielen Fällen nicht zu ersetzen ist. Aber wie gesagt: Zukunftsmusik. Jetzt muss das Ganze in der Realität und der Praxis bestehen. Ich wünsche den Jungs und Mädels auf jeden Fall viel Glück und Talent.

      „Auf jeden Fall ist es deutlich innovativer als das, was Sony macht. Ein Wiimote-Klon… uuuuh! Zugegebenermaßen aber besser als das Original! Wenn man mal von den Fanboy-Ansichten weggeht (Ganz ehrlich: Ich mag Sony nicht und will natürlich, dass Nintendo vorne bleibt), ist das trotzdem eine strategisch absolut richtige und sehr gute Maßnahme von Sony: Ein Frontal-Angriff auf die einzige Eigenschaft, die Nintendos Wii von der PS3 unterscheidet. Krass gesagt gibt es ab nächstem Jahr keinen Grund mehr, die Wii der PS3 vorzuziehen.“

      Doch: Den Preis und die Software. Selbst mit einer Preissenkung in diesem Jahr wird Sony ihre PS3 kaum für 250 Euro anbieten können. Und schließlich ist es Nintendo, die noch sehr viel Raum für Preissenkungen besitzen.
      Ich muss außerdem eine Sache vertiefen, die bereits im Text angedeutet wurde: Sony zeigte bereits auf der E3 2002 eine Kamera (aus der später die Eye Toy Cam wurde), die einen Stab und dessen Bewegungen erkannte, und diesen auf dem Bildschirm in ein Schwert, einen Kochlöffel usw. verwandelte, die den Bewegungen des Spielers folgten. Sony war also auf einer heißen Spur, aber leider haben die japanischen Führungsköpfe nicht das Potenzial dahinter erkannt. Akio Morita wird sich im Grab gewindet haben vor so viel Starrsinn.

      „Was die PSP Go betrifft, bin ich zwiespältiger Meinung.“

      Ich bin nur froh, dass Sony die alten Geräte auch weiterhin im Programm führen und die Go-Variante als eine Option anbieten wird. Denn ich sehe absolut nichts, was den zu erwarteten Preis von 250 Euro für ein im Grunde 4 1/2 Jahre altes Gerät (Plus internen Speicher, minus UMD Laufwerk) rechtfertigt. Der Gewichtsverlust ist quasi das größte Argument für den Handheld.

      „Hä? Wovon sprichst du?“

      Es gab mal eine Zeit, in der jeder Release einer neuen The Legend of Zelda Episode gefeiert wurde, als wären Weihnachten und Neujahr auf einen Tag gefallen. Doch die Serie zeigte zuletzt deutliche Ermüdungserscheinungen und auch der fehlende Hype um Spirit Tracks, dass viel zu stark an PH erinnert, auch wenn das tatsächliche Endprodukt uns vielleicht positiv überraschen wird, ist ein Indikator für die etwas verloren gegangene „Magie“, die früher jeden Zelda-Release begleitete. Oder auch so: Was sich rar macht, macht sich interessant. Zwar ist Nintendo weit davon entfernt, Mario auf Ratchet & Clank Niveau zu pushen und fast jedes Jahr einen weiteren Hauptteil zum Weihnachtsgeschäft zu bringen, aber nach NSMB Wii und SMG 2 sollte es für einige Jahre wieder etwas ruhiger um die Super Mario Spiele werden. Und das sage ich auch aus ganz rationaler Sicht, denn es wird für die Entwicklerteams unmöglich sein, dieses Niveau ohne eine längere Regenerierungspause zu halten. Ein SMG 3 ohne große Veränderungen und Neuerungen würde mich schwer enttäuschen.

      „Also ich weiß ja nicht welche Pressekonferenz DU gesehen hast… xD
      Aber ich war richtig überrascht, dass diese beiden Themen dieses Jahr so gut wie gar nicht dran kamen. Iwata war zwar immer noch stinklangweilig, aber nicht mehr so schlimm wie früher immer, da einfach weniger über Statistiken und Balken und Zahlen gesprochen wurde.
      Also ich fand das absolut in Ordnung so.“

      Man muss das im Kontext mit dem restlichen Programm sehen. Wäre der Rest nicht einer Trauerveranstaltung gleich gekommen, dann hätte man über diesen Teil, mit der Hoffnung, dass es danach wieder umso Interessanter wird, hinwegsehen können. Schließlich haben die Zahlen und der Auftritt des Präsidenten ihre volle Berechtigung als Teil der Konferenz, dass man mich hier nicht falsch versteht, schließlich werden die PKs nicht nach meinen persönlichen Wünschen gestaltet ;)

      Abschließend war es jedoch ein schönes Gefühl, den Glanz alter E3-Tage erneut sehen zu dürfen. Es waren wohl für jeden Geschmack ein oder mehrere Highlights dabei. Auch wenn ich noch ein wenig der Sache hinterher trauere, dass Sonys PK gute Chance hatte, zu einem Feuerwerk der Neuigkeiten und Überraschungen zu werden, wären diese nicht zuvor in den Weiten des Internet in aller Ausführlichkeit enthüllt worden. Aber gut, letztendlich zählt nur, was am Ende auf den Tisch kommt.

  6. Romplayer sagt:

    @PS2: Ja, du hast Recht. Wenn sich die PS2 60.000 mal verkauft, ist es mittlerweile bei der PS3 100.000 mal, Tendenz natürlich steigend. Dann lass es mich anders formulieren ;-) Sony wurmt es gewaltig, dass die PS2 immer noch auf dem Markt ist und nicht wie geplant alle PS2-Fans zu PS3-Käufern werden.
    Ist ja auch egal wie man es formuliert, wir wissen ja alle was gemeint ist.

    @Natal: Da sind wir wohl einer Meinung. Mir kams auch sehr perfekt vor, diese Sache mit dem Jungen, von dem ich mir beim besten willen nicht vorstellen kann dass er anders reagiert hätte wenn die Dame auf der Bühne was ganz anderes getan hätte. Aber angeblich konnten ja auch bestimmte Messe-Besucher dieses Programm testen. Was dabei rauskam, weiß ich nicht, habe keine Tests gelesen.
    Du erwähnst, dass du hoffst dass Microsoft den Controller nicht abschaffen wird. Nunja, genau das haben sie ja auch versprochen auf der Messe. Den Controller wird man nicht loswerden, weil gewisse Spiele darauf angewiesen sind. Genau das haben sie gesagt, und blöd sind sie ja auch nicht ;-)
    Aber ich denke, das Natal-Spiele trotzdem hauptsächlich darauf ausgerichtet sind, ohne Gamepad zu funktionieren. Wobei ich mir auch Spiele wie Mario Kart Wii vorstellen könnte, wo die User wählen können welche Steuerung sie möchten.

    @PS3 versus Wii: Sehr charmant, dass du mein Zitat genau über der Stelle abgeschnitten hast, wo ich genau das gleiche erwähnt habe wie du in deinem Gegenargument :P
    Mir ist schon klar dass es Gründe gibt, und die hatte ich auch bereits aufgeführt!
    Es ging mir nur um den technisch betrachteten objektiven Ansatz, dass nun auf der PS3 generell all das möglich ist, was auf der Wii auch geht.

    @Zelda-Effekt: Das sehe ich anders. Dass Spirit Tracks verhalten aufgenommen wird, liegt nicht daran dass es vor zwei Jahren schonmal ein Zelda-Spiel gab, sondern an den Änderungen, die bei Fans auf Kritik stößt. Dass die Optik die selbe ist wie bei Phantom Hourglass, dürfte auch die wenigsten stören, der Zug ist es, was alle nervt.
    Gegenbeispiel: Wenn Nintendo einen Twilight Princess Nachfolger dieses Jahr rausbringen würde und darin keine waghalsigen Änderungen wie ein Zug enthalten wären, würde es keine Proteststürme geben – sondern Begeisterung.

    @Konferenzen: Also wie gesagt, ich fand die Nintendo Konferenz okay, ich würde sie nicht als Trauerspiel bezeichnen. Ich weiß was du damit meinst, dass man gewisse Sachen euphorischer hätte präsentieren können, aber schlecht wars deswegen trotzdem nicht. Alles in Allem kommt es ja doch auf die Inhalte an, und die waren durchaus richtig gut dieses Jahr.
    Wo ich dir aber zustimmen muss, ist dass Nintendo im direkten Vergleich zu Sony und Microsoft verliert. Diese ganzen 15minütigen Spieledemos bei MS finde ich zwar total langweilig und die tausend verschiedenen Promis die sie auf die Bühne zwingen („Wir haben das Geld ja, also können wir es uns auch leisten“) nerven mich tierisch, aber trotz allem war es ne bombastische Show, ebenso bei Sony.

    @Sony Konferenz: Gut gefallen hat mir der Humor, den sie bewiesen haben, insbesondere was die Informationen betrifft die vorher ins Netz kamen. Ganz ähnlich dem genialen Ausspruch von Reggie damals: „Ich danke allen, die positiv über den neuen Namen ‚Wii‘ berichtet haben. Allen dreien von euch!“ xD
    Aber wo wir gerade bei Sony sind: Deren Präsentator finde ich ja noch viel schlimmer als Cammy Dunaway von Nintendo. Bei dem von Sony hatte ich die ganze Zeit das Gefühl, er hat eigentlich gar keinen Bock auf die ganze Sache…