Donkey Kong Jungle Beat (New Play Control) – Preview

Mit der „New Play Control“-Serie versucht Nintendo, noch ein wenig Profit aus ihrem Repertoire an GameCube-Klassikern zu quetschen, indem es sie auf die Wii portiert und an die Steuerung mit der Wiimote anpasst. Einen interessanten Fall stellt das Remake von „Donkey Kong Jungle Beat“ dar, denn dieses scheint mehr zu werden, als nur ein Port…

Donkey Kong Jungle Beat (New Play Control)

Die neueste Geschäftsidee aus dem Hause Nintendo rief bei der Zockergemeinde wie so oft gemischte Gefühle hervor: Auf der einen Hand ist die Portierung von teils mehr als fünf Jahre alten GameCube-Titeln auf die Wii nichts weiter als Geldmacherei, was umso unverzeihlicher ist, wenn man sich den derzeitigen Mangel an neuen First-Party-Games für die weiße Konsole anschaut. Auf der anderen Hand besteht das vorgestellte Line-up der „New Play Control“-Serie aus sieben äußerst hochwertigen Titeln, welche für die Steuerung mit der Wiimote wie geschaffen zu sein scheinen.
Im Endeffekt liegt die Entscheidung wie immer bei den Spielern. Neulinge, die eine der GameCube-Perlen verpasst haben, werden sich mit Sicherheit über die Remakes freuen, Veteranen müssen sich überlegen, ob ihnen ein erneuter Kauf ihrer Lieblingstitel in Anbetracht der neuen Steuerung und einem 16:9-Modus bei einem Preis von 30 € gerechtfertigt erscheint. Schließlich handelt es sich bei den bisher in Japan erhältlichen Spielen wirklich um nicht viel mehr als Ports, mit einer Ausnahme…

Donkey Kong Jungle Beat, eines der besten Jump and Runs der letzten Konsolengeneration, wurde bei seinem Erscheinen für den lila Spielewürfel schändlich übersehen und genießt seinen sehr guten Ruf bis heute nur bei Kennern. In dieser Hinsicht ist dessen Aufnahme in die „New Play Control“-Reihe wohl die löblichste. Im Gegensatz zu den Pikmin– und Mario Power Tennis-Remakes hat man es bei Donkey Kongs Abenteuer allerdings nicht bei Detailverbesserungen belassen: Das gesamte Spielkonzept wurde einer Frischzellenkur unterzogen und hat auf der einen Seite (und zum Leidweisen der Fans des Originals) etwas von seinem Arcade-Feeling verloren, auf der anderen jedoch an Zugänglichkeit gewonnen (zur Freude der Neueinsteiger).

Das ganze fängt schon bei der Steuerung an: Was viele Spieler vom GameCube-Original abgeschreckt haben mag, war der Einsatz der „DK Bongos“, einer Peripherie, welche ursprünglich für das Musikspiel „Donkey Konga“ entwickelt wurde. In Jungle Beat verwendete man die beiden Plastiktrommeln, um den haarigen Affen nach links bzw. rechts laufen sowie springen zu lassen, das eingebaute Mikrophon registrierte das Klatschen des Spielers, womit man eine kleine Schockwelle um Donkey Kong herum erzeugte (diese funktionierte kontextsensitiv und ließ den Protagonisten nach Bananen grabschen, Gegner angreifen oder Projektile reflektieren). Dieses Steuerungskonzept wurde für das Wii-Remake komplett verworfen. In der Neuauflage steuert man Donkey mit dem Analogstick des Nunchucks hin und her, gesprungen wird mit dem A-Knopf der Wiimote, während das Greifen von Gegenständen in der Luft auf selbigen Button gelegt wurde (gerade an diese Änderung werden sich Liebhaber des Originals erst einmal gewöhnen müssen). Kunststücke wie der Rückwärtssalto (erst mit dem Z-Knopf des Nunchucks oder dem B-Knopf der Wiimote ducken, dann springen) und die Stampfattacke (Z- oder B-Knopf in der Luft drücken) wurden ebenfalls neu definiert. Das Klatschen wird nun mit dem Schütteln der Wiimote ausgeführt, doch das ist nicht die einzige Änderungen an diesem Spielelement: Während sich in der GameCube-Version die durch das Klatschen erzeugte Schockwelle kreisförmig um Donkey Kong herum ausbreitete, bewegt sie sich auf der Wii nur noch in eine Richtung. Das heißt, dass der Spieler die Schockwelle mithilfe des Analogsticks manövrieren muss: Befindet sich der Stick in neutraler Position oder wird er nach links oder rechts bewegt, so breitet sich die Welle in Richtung von Donkey Kongs Blickrichtung aus, bewegt man den Stick nach oben, so schlägt der Primat seine Hände über dem Kopf zusammen und die Welle schnellt nach oben.

Donkey Kong Jungle Beat (New Play Control)

Die Neukonfiguration der Steuerung hat natürlich noch diverse andere Folgen, deren ganze Bandbreite jedoch nicht im Rahmen dieses Artikels behandelt werden kann. Schlägt Donkey beispielsweise mit seinen Fäusten auf Gegner ein, so werden die Hiebe nun mit wildem Fuchteln von Wiimote und Nunchuck ausgeführt, beim Ritt auf dem Frostbison ist kein Beschleunigen mehr nötig, nun kommt es nur noch auf gutes Timing bei den Sprüngen an.

Als wären die Änderungen an der Steuerung nicht genug, hat Nintendo auch das Gameplay von Jungle Beat auf den Kopf gestellt. Im Original ging es nur um eines: den Highscore. Ein Ableben war praktisch unmöglich, da die Punktzahl gleichzeitig die Lebensenergie darstellte und diese innerhalb von Sekunden in den dreistelligen Bereich schnellte, während ein gegnerischer Treffer nur ein paar wenige Punkte an Schaden verursachte. Das ganze verlieh dem Spiel einen wunderschön arcadigen Flair, bestand doch die Herausforderung nicht darin, das Level heil zu überstehen, sondern seinen Score mithilfe von Combo-Manövern in die Höhe zu treiben, um am Ende eines Abschnitts die höchste Auszeichnung abzusahnen.
Im Wii-Remake hingegen wurde eine von der Punktzahl seperate Energieanzeige in Form von drei Herzen eingeführt (ein gegnerischer Treffer kostet ein Herz), welche man mithilfe von im Level verstreuten Herzsymbolen wieder auffüllen kann. Das ganze hat außerdem die Einführung von Leben zur Folge. Klassisches Prinzip: Sind alle Leben verloren, heißt es „Game Over“.
Ähnlich wie in der GameCube-Version wird eine hohe Punktzahl am Ende jeder Welt (welche wiederum in zwei Unterlevel und einen Boss-Kampf unterteilt ist) mit Medaillen belohnt. Statt Bronze, Silber, Gold und Platin gibt es nun allerdings nur noch eine Sorte von Medaille, von denen man pro Welt insgesamt drei erlangen kann (je eine für 200, 500 und 1000 Punkte). Zusätzlich wird der Abschluss einer jeden Welt mit der Krone des heimischen Königs (sprich dem Boss-Gegner) belohnt. Übrigens schaltet man neue Welten nun nicht mehr mit einer gewissen Anzahl an Medaillen frei, sondern durchquert sie absolut linear, eine nach der anderen.

Leider halten sich die Neuerungen in Sachen Inhalt in Grenzen: Zwar wurden viele der Level teils mehr, teils weniger stark verändert und an das neue Gameplay angepasst, doch komplett neue Abschnitte sucht man vergebens. Einzig ein Boss-Rush-Modus, in welchem man alle Kämpfe gegen die Kong-Charaktere hintereinander bestreitet, wurde hinzugefügt. Die restlichen Änderungen beschränken sich auf ein paar neue Gegnerarten und Hindernisse oder sind kosmetischer Natur (so feiern die klassischen Kanonenfässer aus Donkey Kong Country ein Comeback).

Donkey Kong Jungle Beat (New Play Control)

Trotz aller Änderungen ist und bleibt Donkey Kong Jungle Beat ein Meisterstück, weshalb bei der Wii-Umsetzung eigentlich nichts mehr schiefgehen kann. Zocker, welche die GameCube-Version aufgrund des ungewöhnlichen Steuerungskonzepts verschmäht hatten oder diese Perle schlichtweg übersehen haben, sollten diesmal unbedingt zugreifen, während Fans sich überlegen sollten, ob für sie ein erneuter Kauf aufgrund der diversen Änderungen in Frage kommt, schließlich werden wir in Anbetracht der mageren Verkaufszahlen des GameCube-Originals wohl niemals in den Genuss einer echten Fortsetzung kommen.

3 Antworten zu Donkey Kong Jungle Beat (New Play Control) – Preview

  1. ness sagt:

    Bei den „New Play Control“ Spielen werde ich mir nur diejenigen zulegen, die ich noch nicht besitze bzw. wo die GameCube Version zu teuer ist (Beispiel Pikmin 2, wo eine nicht-gebrauchte Version schon mal in den 3-stelligen Bereich gehen kann…), und welche mir natürlich zusagen^^.

    Aber gerade Donkey Kong Jungle Beat bekommt man ja noch für 20€ (neu).

    Das Spiel ist natürlich genial, aber ich hab’s ja schon, weshalb ich mir den „Port“ auch nicht holen werde.

  2. piccolo-junior sagt:

    Es ist sicher mal positiv, dass Nintendo die Spiele nicht nur portiert, sondern auch noch ein wenig anpasst. Dass nicht alle Anpassungen positiv sein müssen, liegt leider auf der Hand.

    Nintendo soll lieber neue Games entwickeln. Ein Luigis Mansion 2 wäre doch dank Wiimote geeignet.

  3. ness sagt:

    Für einen 2. Luigi’s Mansion Teil wäre ich auch sehr zu begeistern =).