No „Joy“ without the right „Stick“

Es ist doch immer wieder erstaunlich, mit welch kuriosen Eingabegeräten so mancher Hersteller heutzutage aufwartet. Plastik-Gitarren, Lenkräder mit realistischem „Force Feedback“ oder Tanzmatten gehören mittlerweile wie selbstverständlich zum Standard-Repertoir vieler Videospieler. Wüsste man es nicht besser, könnte man glatt glauben, dass die meisten Hardware-Erweiterungen moderne Erfindungen von aktuellen Zulieferern seien. Allerdings gab es bereits seit den Anfängen der Videospielgeschichte eine Vielzahl an kuriosen Eingabegeräten und Hardware Add-Ons, die es immer wieder schafften, den Zockern ein ganz neues Spielgefühl zu vermitteln.

Bereits während der Videospiel-Steinzeit (Mitte der 70er-Jahre), als pixelige Telespiele und simple LCD-Games wie Nintendos Game & Watch-Spiele noch das Non plus ultra für Zocker darstellten, gab es bereits eine erstaunliche Palette an Hardware-Zubehör, wie die zu dieser Zeit äußerst beliebten Trackball- (die Steuerung erfolgte über eine bewegliche Kugel) oder Paddle-Controller (Joypad mit einem runden Drehregler statt eines Steuerkreuzes). Seiner Zeit voraus war allerdings der legendäre Funk-Joystick „CX42“ für Ataris VCS 2600 (mit riesigem Batteriefach und einer ausziehbaren Antenne). Die Ergonomie des Atari-Sticks war zwar alles andere als optimal, aber dafür durfte man nun endlich kabellos zocken. Ein besonders originelles Add-On war das sogenannte „IntelliVoice“-Modul. Bei dieser Hardware Erweiterung für Mattels 8-Bit-Konsole Intellivision handelte es sich um einen Sprach-Synthesizer, dank dem bei einigen speziellen Spielen eine rudimentäre Sprachausgabe aus den Lautsprechern krächzte. Die knarzige Roboter-Stimme klang zwar ziemlich schräg, war zu dieser Zeit aber ein absolutes Novum. Schliesslich konnten die meisten damals erhältlichen Konsolen mit gerade mal zwei- oder dreistimmigen Sound-Prozessoren aufwarten.

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Machen wir einen kleinen Zeitsprung in die frühen 80er-Jahre. Vor allem das Erscheinen von Nintendos 8-Bit-Konsole Famicom (oder NES, wie das gute Stück in den USA und Europa hieß) löste einen regelrechten Boom auf dem Zubehörmarkt aus und die Kaufhäuser wurden mit ungewöhnlichen Hardware-Experimenten nur so überschwemmt. Neben gewöhnlichen Joypads mit marginalen Änderungen erblickten auch einige besonders kuriose Eingabegeräte das Licht der Welt. Allein über diese Epoche könnte man ein ganzes Buch schreiben. Hier ist meine persönliche Top 3 der originellsten Hardware-Spielereien für das NES: Der bekannteste Zusatz-Controller dürfte wohl der Nintendo Zapper sein. Für diese Lightgun erschienen sogar eine Hand voll netter Schießbuden-Spiele wie beispielsweise Duck Hunt (eine witzige Entenjagd), Wild Gunman (Wild West-Schießerei) oder Hogan´s Alley (ein Polizist geht auf Gangster-Jagd). Die Zielgenauigkeit dieses Eingabegeräts ließ zwar etwas zu wünschen übrig, aber die Knarre sorgte trotzdem für ein kurzweiliges Ballervergnügen. Zu einer eher traurigen Berühmtheit gelangte der sogenannte „Power Glove“ vom Spielzeughersteller Mattel. Mit diesem Datenhandschuh (und drei am Fernseher angebrachten Sensoren) steuerte man seine Spielfigur mittels wilder Fuchtelbewegungen. Man könnte den Power Glove deshalb auch als einen primitiven Vorgänger der Wii-Remote bezeichnen. Generell durften alle NES-Spiele mit diesem ungewöhnlichen Controller gesteuert werden, aber das Accessoire musste dazu vorher mühsam mit individuellen Kalibrierungs-Codes gefüttert werden. Und auch danach funktionierte dieses Gadget nur äußerst widerspenstig. Also alles in allem eher ein Sammlerstück, als eine ernsthafte Joypad-Alternative. Genau in diese Kategorie fällt definitiv auch „R.O.B.“ (Robotic Operation Buddy). Hierbei handelt es sich um einen kleinen Spielzeug-Roboter, dessen Greifer man mit dem NES-Pad steuern und somit Plastik-Klötzchen stapeln oder seperate Action-Buttons betätigen lassen konnte (wenn auch nur sehr langsam). Nintendo entwickelte sogar zwei obskure Mini-Games für diese technische Spielerei, die Interaktion zwischen dem Simpel-Roboter und seinem menschlichen Mitspieler war aber eher frustrierend als spaßfördernd. Nicht wenigen unter euch dürfte R.O.B. sicherlich bei seinem Auftritt als Spielfigur im aktuellen Nintendo-Beat-‚em-Up „Super Smash Bros. Brawl“ aufgefallen sein.

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Aber auch für Nintendos damaligen Konkurrenten Sega gab es abgefahrenes Zubehör. Neben einer obligatorischen Lightgun, für die ebenfalls nur wenige Spiele erschienen, sollte hier vor allem die 3D-Brille „Sega Scopes“ für die 8-Bit-Maschine Master System erwähnt werden. Diese offensichtlich vom damaligen Virtual Reality-Hype inspirierte Brille beinhaltete zwei seperat angesteuerte Mini-Bildschirme. Dank dieser Technik konnte ein recht beeindruckender 3D-Effekt erziehlt werden. Leider erschienen aber insgesamt nur sechs Spiele, die dieses Feature nutzten (u.a. der Weltraum Shooter Zaxxon 3D,  das Autorennen OutRun 3D oder der Spielhallen-Klassiker Space Harrier 3D). Nintendo versuchte ein paar Jahre später, sich ebenfalls ein Stück vom 3D-Kuchen zu sichern und brachte die mobile Konsole „Virtual Boy“ auf den Markt. Wie wir aber alle wissen, floppte dieses Gerät bei den Spielern kläglich, was wohl zu einem Teil am augenfeindlichen rot-schwarzen Mini-Display, aber auch an der suboptimalen Ergonomie gelegen haben mag. Vielleicht war aber auch der Virtual Reality-Zug ein für alle Mal abgefahren. Natürlich könnte die Reihe an freakigem Zubehör noch unendlich weitergeführt werden, aber dafür reicht der Platz in diesem Blog bei weitem nicht aus. Deshalb sei mir abschließend noch ein kleiner Literatur-Tip erlaubt. Wer sich für dieses Thema interessiert und mehr darüber erfahren will, sollte unbedingt einen Blick in das Buch „Joysticks“ werfen (erschienen im GAMEplan-Verlag). Da werden nicht nur Sammler große Augen machen.

2 Antworten zu No „Joy“ without the right „Stick“

  1. rupickman sagt:

    …und irgendwie hat sich einfach nichts davon durchgesetzt. An den „Virtual Boy“ erinnere ich mich noch gut. Grauenhafte Erfindung, das Ding, totaler Flop.

    Toller Blogeintrag, übrigens :). Erinnerte mich an ein paar Dinge aus den guten alten Zeiten!

  2. ness sagt:

    Jep, schöner Artikel.

    Kann das „Joysticks“-Buch übrigens ebenso nur empfehlen, da schaue auch immer wieder gerne rein^^.