Ist die Zukunft portabel?

Lange galten die tragbaren Konsolen wie Game Boy eher als Nebenzweig der Videospielindustrie, mit den problembeladenen Heimkonsolen wendet sich nun jedoch das Blatt zugunsten des DS und der PSP.

Zu teure Spielproduktion, zu lange Produktionszeiten, schrumpfende Marktsegmente und hohe Preise für Konsolen und Spiele: Für viele Videospielenthusiasten hört sich diese Bilanz der Heimkonsolen wie Schwarzmalerei an. Machten die Spiele etwa keinen grafischen Sprung? Haben viele Spiele sich nicht millionfach verkauft, so wie der neueste Teil der GTA-Serie? Und wächst der Markt nicht mit zweistelligem Prozentsatz? Einige Leute werden dann noch zähneknirschend zugeben, dass der Markt vor allem dank der Wii nicht schwächelt, eine Konsole mit einer eher bescheidenen technischen Leistung und starkem Fokus auf Minituarisierung. Aber immerhin ist die Wii eine Heimkonsole, da müsste man doch annehmen, dass der Heimkonsolenmarkt gesund ist.

Bei genauerer Beobachtung sieht die Bilanz dennoch nicht gut aus: Während die auf Hochauflösung fokussierten Konsolen Xbox 360 und Playstation 3 schon seit längerem mit schwachen Absätzen zu kämpfen haben, verfügt die Wii trotz ihrem anderthalb Jahre andauernden Verkaufserfolg immer noch nicht über eine herausragende Spieleauswahl. Nintendo lieferte zwar in einer relativ kurzen Zeitspanne bemerkenswert viele gute Spiele aus, aber die Dritthersteller brauchen schlicht zu lange, um die Wii mit guten Spielen zu unterstützen. Und da auch die anderen Konsolen nicht über eine breite Spieleauswahl verfügen, schneidet die jetzige Generation bisher etwas schlechter ab als die letzte.

Natürlich lässt sich die momentan schwächelnde Heimkonsolengeneration nicht mit einer Handhelddominanz gleichsetzen. Ausserdem sind Vergleiche schon deswegen unfair, weil die zwei dominierenden portablen Spielkonsolen DS und PSP zwei Jahre länger auf dem Markt sind. Trotzdem sprechen die Zahlen Bände: Die zwei Handhelds haben sich, beide zusammengerechnet, über 110 Millionen Mal verkauft. Der DS verkauft sich momentan deutlich schneller als die Wii, obwohl er schon länger auf dem Markt ist und eine grössere Spielerbasis aufweist.

Bis jetzt gehen die Branchenbeobachter davon aus, dass die Wii die Ressourcen der Dritthersteller bündelt, dass die Dritthersteller im Verlauf der Generation immer mehr Wii-Spiele veröffentlichen werden. Neulich findet eine neue Hypothese immer mehr Anhänger: Nicht die Wii bekommt den grössten Teil des Kuchen, sondern der DS. Während viele westliche Firmen immer noch nicht den Zugang zu dieser Plattform gefunden haben und meistens nur günstige Spiele dafür entwickeln, stimmt die neue Hypothese im Hinblick auf den japanischen Markt absolut. DS-Spiele dominieren nicht nur in den Verkaufscharts, sondern sind auch am zahlreichsten vertreten. Während die Wii geduldig auf mehr Rollenspiele (RPGs) wartet, die Xbox 360 vor allem dank Microsofts finanzielle Unterstützung einige davon erhält und die PS3 immer noch auf die ersten Blockbuster-RPGs wartet, mausert sich der DS zum bevorzugten RPG-Plattform für japanische Firmen. Im Gegensatz zu der letzten Generation, als die PS2 praktisch alle Rollenspiele bot und die Konkurrenzkonsolen nur wenige exklusive RPGs aufweisen konnten, dominiert diesmal nicht eine Heimkonsole in diesem Genre, sondern der DS. Zwar bekommt die Wii zukünftig sicherlich einige gute Rollenspiele, aber an den DS kommt sie nicht an.

Gewiss haben die portablen Systeme immer noch einige Probleme, unter anderem kämpfen sowohl der DS als auch die PSP mit der Softwarepiraterie: Dass die Tie-Ratio (das Verhältnis Spiele pro Systeme) tiefer liegt als bei den Heimkonsolen, hängt zwar nicht primär, aber doch relativ eng mit unerlaubt kopierten Spielen zusammen. Falls die Hersteller jedoch die Nachfolgergeräte des DS und der PSP weniger anfällig gegen die Piratie konstruieren können, gehört die Zukunft der Videospiele den portablen Systemen. Denn im Gegensatz zu den früheren Handhelds wie dem Game Boy und dem Game Gear bieten die jetzigen System genügend Potenzial, um auch ambitionierte Projekte realisieren zu können.

2 Antworten zu Ist die Zukunft portabel?

  1. Cube sagt:

    Ja, der DS hat viele (J-)RPGs zu bieten, aber was ist mit den anderen Genre? Gleiches auch für bei der 360, zu viele Shooter. Wo sind die guten Action-Adventures, (2D-)Jump’n’runs, etc.? Als Fan dieser komme ich mir zur Zeit auf allen Systemen ziemlich im stich gelassen vor. :/ (Und RPGs hängen mir zu Hals raus, da da seit langem einfach nichts neues/frisches mehr geboten wird…)

  2. ness sagt:

    Der DS ist wirklich auf dem guten Weg, die Konsole mit den meisten Spielen bei mir zu Hause zu werden (21 im Vergleich zu 28, GCN), infolge dessen kann ich dem Grundgedanken des Artikels gut nachvollziehen und auch zustimmen.

    @ JRPGs: Grundsätzlich finde ich die Ankündigungswelle toll, muss aber auch Cube zustimmen, dass es bei Spielen dieser Art mehr „Frischere“ geben könnte, wobei mir das Genre (zum Glück) noch nicht zum Halse raushängt^^.