Otaku1990 wird 18 – Eine Ode ans Videospiel

Ab heute, dem 24. Juli 2008, zähle ich 18 Lebensjahre und bin damit endlich volljährig. Für mich Anlass genug, in einem persönlichen Essay die wichtigsten Momente meiner Videospiel-Kindheit und -Jugend zu rekapitulieren und Billanz darüber zu ziehen, inwiefern das Hobby mein restliches Leben beeinflusst hat…

Normalerweise datiere ich den Beginn meiner Zockerkarriere auf den Kauf meiner ersten Konsole, dem Nintendo 64, im Frühjahr 1997. Tatsächlich jedoch hatte ich schon zuvor ein wenig Erfahrung im Bereich des elektronischen Zeitvertreibs gesammelt, verfügte unser Haushalt doch über einen Commodore 64. Da ich diesen allerdings nur unregelmäßig nutzte und das Spielen von Games noch nicht als ernsthaften Zeitvertreib betrachtete (welches Kind tut das in diesem Alter schon), musste schon Nintendos 64-Bit-Konsole daherkommen, um mich ein für alle Mal in den Videospiel-Bann zu ziehen.

Wie ich überhaupt auf das Nintendo 64 aufmerksam wurde? Über eine Werbe-VHS. Aufgrund meiner positiven Reaktion auf den Commodore 64 dachte meine Mutter wohl, dass mir diese neuartige Spielkonsole aus Japan ebenfalls gefallen könnte und kam irgendwann mit der Promo-VHS „The New Dimension of Fun“ nach Hause. Es dürfte wohl nicht viel länger als ein paar Minuten gedauert haben, bis ich in Anblick der bunten 3D-Welten (welche ich im Alter von 6 Jahren natürlich noch nicht als technische Errungenschaft anerkennen konnte) am Fernsehbildschirm klebte. Besonders die Präsentation von Super Mario 64 (meiner ersten Begegnung mit Nintendos Klempner) hatte es mir angetan, weshalb für mich eines klar war: Ich musste das Nintendo 64 zusammen mit Marios 3D-Debut unbedingt haben! Ich muss die Werbe-Kasette hunderte von Malen gesehen haben, bis ich die begehrte Konsole irgendwann 1997 endlich geschenkt bekam. Zusätzlich zu Super Mario 64 gönnte sich auch mein Vater noch einen zweiten Controller sowie Wave Race 64, ein zweites großartiges Spiel. Eine Zeit lang war auch meine Mutter dem Mario-Fieber verfallen, bevor ihr andere Pflichten die nötige Zeit zur Jagd auf die Power-Sterne raubten. Im Laufe des Jahres gesellten sich noch die Titel Mario Kart 64, Bomberman 64 und Pilotwings 64 zu meiner Sammlung hinzu, ebenfalls drei tolle Spiele, die ich stets in Ehren halte.

Während meine N64-Sammlung langsam aber stetig wuchs und ich mich mehr und mehr zu einem bewussten Nintendo-Fan entwickelte (inzwischen war ich auch im Besitz eines GameBoys), nahm ich das Angebot eines hiesigen Supermarkts wahr, welcher die letzten Super Nintendo (im Bundle mit Super Mario World und dem Super GameBoy) aus den Regalen räumte und für nur 50 Mark verkaufte und ließ mir die 16-Bit-Konsole zu Weihnachten schenken. Ein paar gute Titel für den grauen Kasten kannte ich bereits von Freunden, doch ich ahnte nicht, welche Meisterwerke ich noch darauf spielen würde: Zelda: A Link to the Past (von dessen bloßer Existenz ich nicht einmal etwas wusste, bis meine Mutter mir das Spiel eines Tages vom Flohmarkt, mit Anleitung und Verpackung wohlgemerkt, mitbrachte), Donkey Kong Country 2 und Yoshi’s Island (meiner Meinung nach noch immer das beste 2D-Spiel überhaupt) stellten allesamt Höhepunkte meiner Zockerkarriere dar. Der Kracher aller Kracher jedoch ereignete sich bei mir mit etwas Verspätung, nämlich 1999, auf dem Nintendo 64: Nachdem ich, uninformiert wie ich zu der Zeit noch war, die Zelda-Spiele bislang stets als stumpfe Monsterklopperei verkannt hatte (ich spielte A Link to the Past erst einige Zeit später), probierte ich „The Legend of Zelda: Ocarina of Time“ irgenwann einmal trotzdem aus… Und erlebte die Spieleerfahrung meines Lebens! Ich möchte an dieser Stelle gar nicht explizit auf das Meisterwerk eingehen, da so gut wie jeder Leser wohl die selben Erfahrungen wie ich gemacht hat. Gesagt sei nur, dass auch heute noch die ersten paar Noten einer der Okarina-Melodien ausreichen, um bei mir eine Gänsehaut zu verursachen.

Zu weiteren Höhepunkten meiner N64-Ära zählen Diddy Kong Racing, Banjo-Kazooie, Mario Party, Super Smash Bros., Lylat Wars, Zelda: Majora’s Mask, Mischief Makers und Mystical Ninja: Starring Goemon, wobei ich auf letzteres später noch einmal aus anderem Grund eingehen werde. Obwohl das Nintendo 64 oft wegen einer zu kleinen Spielebibliothek kritisiert wird, stellt die Sammlung für meine erste Konsole die bislang größte dar, selbst der DS kommt da nicht heran.

Da die GameCube-Ära nicht ganz so ereignisreich verlief (auch wenn Super Smash Bros. Melee den von mir meistgespielten Titel überhaupt darstellt) und ich die Leser nicht allzu lange mit dieser melancholisch verklärten Retrospektive langweilen möchte, gehe ich über zu einer Erklärung, die ich inzwischen schuldig sein dürfte: Ja, ich war bzw. bin im Besitz einer Playstation/Playstation 2, allerdings hat es zwischen uns nie so richtig gefunkt. Das hat mehrere Gründe: Zum einen habe ich die Sony-Konsolen aufgrund des Preises stets recht spät erworben, weshalb viele Titel beim Erwerb des Geräts bereits ihr Alter zeigten. Zum anderen kann ich mit den Spielen westlicher Entwickler leider überhaupt nichts anfangen. Ein dritter Grund dürfte sein, dass die Produkte aus dem Hause Nintendo meinen Geschmack in Sachen Videospiele zu sehr geprägt haben, sodass ich bestimmte Elemente in den Produkten der Konkurrenz schmerzlich vermisste. God of War, Devil May Cry, Kingdom Hearts, GTA… Vieles habe ich ausprobiert, nur wenig sagte mir auf Dauer zu. Dies ist der Grund, warum ich heute keinerlei Ambitionen habe, mir eine PSP, PS3 oder XBox360 zuzulegen. In aller Fairness muss ich jedoch sagen, dass mir durchaus einige Titel auf den Sony-Plattformen zugesagt haben, darunter Ape Escape auf der PS1 und Disgaea und Okami auf der PS2.

Im Folgenden möchte ich kurz darauf eingehen, inwiefern sich mein Verhalten im Bezug aufs Spielen selbst verändert hat. Eines ist sowieso klar: Solch beeindruckende Spielerlebnisse wie in den 90ern werde ich nie wieder erleben, denn die Magie, welche Videospiele in Kinderaugen ausstrahlen, ist ab einem bestimmten Alter schlicht verschwunden. Vielmehr faszinieren mich Spiele heutzutage als beeindruckende Gesamtkunstwerke und genau das haben in den letzten Jahren neben Nintendos Blockbustern á la Metroid Prime und Super Mario Galaxy vorallem Spiele wie Donkey Kong: Jungle Beat, Paper Mario 2, Mario & Luigi: Superstar Saga, Drill Dozer, Dragon Quest Heroes: Rocket Slime, Animal Crossing: Wild World und sogar Klassiker wie The Legend of Zelda, Mega Man und Earthbound geschafft. Trotzdem werde ich in zehn Jahren wohl eher nostalgisch auf meine Zeit mit dem Nintendo 64 zurückschauen, schließlich stellt dieser Lebensabschnitt eine Zeit dar, in der alles ein wenig beeindruckender wirkte. Ganz objektiv ist das natürlich nicht und genau das scheinen Videospieler gerne zu vergessen, wenn sie mal wieder ein Spiel mit dessen Vorgänger aus längst vergangenen Zeiten vergleichen. Aber ich schweife schon wieder ab.

Worauf ich eigentlich zu sprechen kommen wollte, ist die Art wie ich an Videospiele herangehe. In meiner Kindheit, als ich noch Freizeit im Überfluss hatte, konnte es schonmal Jahre dauern, bis ein Spiel durchgespielt war. Als Kind hatte man schließlich auch Spaß am Spiel, ohne wirklich voranzukommen. Im Laufe der Zeit wurde das Durchspielen allerdings immer mehr zum Ziel der Spielesessions und den Höhepunkt dieser Wandlung betrachtete ich vor kurzem beim Spielen von Harvest Moon, welches ich mir über den Virtual Console-Service heruntergeladen hatte. Wie neben mir stehend beobachtete ich, mit welcher Systematik ich an die eigentlich so entspannte Bauernsimulation heranging. Innerhalb eines Spieljahres hatte ich geheiratet, ein Kind, mein Haus vollkommen ausgebaut, alle goldenen Werkzeuge in meinem Besitz, ordentlich Vieh und jede Menge Kohle. Die Konsequenz: Das Spiel hatte für mich erst einmal seinen Reiz verloren, ich sah es als durchgespielt an, obwohl ich erst ein Drittel des Spiels hinter mir hatte. Dies zeigt sehr deutlich: Die wenige Zeit, welche nicht durch Schule, Ausgehen oder kreative Arbeit am Computer verschlungen wird, wird effizient genutzt. Auch aus den Spielen selbst versuche ich heutzutage alles herauszuholen: Das zeigt sich zum einen daran, dass kaum ein Titel aus meiner Sammlung noch nicht komplett durchgespielt wurde, zum anderen daran, dass ich zur selben Zeit meist nur ein einziges Spiel zocke, nicht wie noch vor wenigen Jahres zwei bis drei.

Nachdem der Artikel bereits viel länger geworden ist, als ich anfangs vorhatte, möchte ich nun endlich auf den Gesichtspunkt eingehen, weswegen ich diesen Beitrag überhaupt verfassen wollte: Den (positiven) Einfluss von Videospielen auf mein Leben. Viel zu oft wird sich in den Medien darüber ausgelassen, wie schädlich Videospielkonsum für Kinder und Jugendliche sei und wie aggressiv all die „Killerspiele“ machten. Ich jedoch beobachte bei mir einen enorm positiven Einfluss durch das interaktive Medium. Alles fing wohl damit an, dass ich mir die Bildschirmtexte in Super Mario 64 stets von meinen Eltern vorlesen lassen musste. Als ich dann 1997 eingeschult wurde, war genau dieses Spiel Ansporn genug, so schnell wie möglich Lesen und Schreiben zu lernen. Wer diese Zeilen liest, weiß, wohin dieser Ansporn geführt hat: zum kreativen Schreiben. Und wer jetzt denkt, da hätten andere Faktoren eine größere Rolle gespielt, der irrt: Die Anzahl an Büchern, die ich in meinem 18-jährigen Leben gelesen habe, ist fast schon beschähmend gering. Tatsächlich stellen den Löwenanteil an Literatur, welchen ich über all die Jahre gelesen habe, Texte zum Thema Videospiele (in einem breiten Sinne wohlgemerkt) dar. Und das beschränkt sich natürlich nicht nur auf deutschsprachige Texte. Hier greift der zweite große Pluspunkt: Das Erlernen von Englisch fiel mir durch englischsprachige Texte über Videospiele und englische Games selbst erheblich leichter.

In Sachen Sprachen brachten mich Videospiele also direkt und indirekt deutlich voran. Dies zeigt sich auch am dritten Beispiel: Irgendwann im Jahre 1998 fand ein Spiel mit dem Namen „Mystical Ninja: Starring Goemon“ den Weg in den Modulschacht meines Nintendo 64. Der schräge Japano-Stil und die einzigartige Musikuntermalung des Action-Adventures ließen in mir ein Bewusstsein für Japan erwachen; die etwa um die selbe Zeit anlaufenden Anime-Serien auf RTL2 (wie „Digimon“ oder „Dragon Ball“) verschlang ich dementsprechend und entwickelte mich über die Jahre zu einem großen Manga- und Anime-Fan. 2008, zehn Jahre nach der ersten Begegnung mit Goemon, besuche ich bereits seit mehr als einem Jahr einen Japanisch-Kurs, beherrsche alle Hiragana und Katakana (sozusagen die Standart-Schriftzeichen), mache mich nun an die Kanji (Schriftzeichen chinesischer Herkunft) und spare fleißig für meine erste Reise ins Land der aufgehenden Sonne.

Einen letzten Aspekt postiven Einflusses durch Videospiele möchte ich noch ansprechen: Musik. Ich bin stolz darauf, eine große Bandbreite an Musikgenres zu hören, Grund dafür sind fast ausschließlich Videospiele, aber auch Animes, denn diese führten mich an eine Vielzahl von Musikrichtungen heran. Erst in den letzten Jahren erwachte schließlich auch ein Interesse an den Kompositionen an sich, sodass ich mir im „hohen Alter“ noch ein Keyboard zulegte, wobei ich jedoch schon zuvor kreativ mit Musik arbeitete und diese am Computer abmischte (auch dies begann mit einem Videospielsong).

Eigentlich wollte ich noch auf weitere Punkte eingehen, so z.B. das eigene Entwickeln von Spielen via RPG Maker und Co. und meine Haltung gegenüber Onlineforen im Laufe der letzten Jahre, doch da sich dieser (zugegebenermaßen ziemlich egozentrische) Artikel, welcher eigentlich nur ein kleines Essay werden sollte, schon zu sehr in die Länge gezogen hat, bleibt mir an dieser Stelle nur noch eines zu sagen: Danke für eure Aufmerksamkeit.

5 Antworten zu Otaku1990 wird 18 – Eine Ode ans Videospiel

  1. ness sagt:

    Zuersteinmal: Herzlichen Glückwunsch und alles Gute zu deinem Gebutstag =).

    Den Text zu lesen war wirklich interessant, da dort vieles Bekanntes steckte, dass auch ich an Erfahrung sammelte. Zwar einige Jahre früher, aber vom Grundansatz das gleiche^^. Auch die Sache mit der Magie, welche Videospiele in Kinderaugen ausstrahlen, kenne ich nur zu gut^^.

    Ebenso das mit dem „keine Ambitionen haben, sich eine PSP, PS3 oder XBox360 zuzulegen“, ist bei mir ebenso ausgeprägt, eigentlich sogar wegen fast identischen Gründen, auch wenn das manchmal auf diversen News-Seiten zu manch Problemen führt^^.

    Also, mach weiter so. Auf ein erfolgreiches neues Lebensjahr =).

  2. jetsetradio sagt:

    Alles Gute! Schöner Artikel, hab ihn sogar komplett gelesen und hätte auch noch weitergelesen, wenns so gekommen wäre. Das N64 ist für mich auch eine der wichtigsten Konsolen überhaupt. War für mich der Sprung in die 3D-Welt, erst danach hab ich mit Psone und Saturn gekauft. Und zum Thema Spieleangebot: ich fands klasse. Gerade weil’s für Nintendo der Sprung zu 3D war, gabs auch viele Neues und überhaupt keine klassischen Nachfolger. Wenn das Wii nur annähnernd so viel zu bieten hätte wie das N64 könnte man schon glücklich sein. Nintendo in allen Ehren, aber nach der starken N64-Ära gings (für mich und meinen Geschmack) von Jahr zu Jahr bergab. Mir gehts hier also völlig anders. Mich würde das Spielen ohne 360 und PS3 gar nicht mehr interessieren.

  3. butch405 sagt:

    Herzlichen Glückwunsch auch von mir! Deine Affinität zu Nintendo kann ich sehr gut nachvollziehen ;-) Schöner Artikel. Hat Spaß gemacht ihn zu lesen.

  4. piccolo-junior sagt:

    Ein wirklich fantastischer Artikel. Ich würde sogar sagen, dass er dein bester ist. Die gleichen Erfahrung, die du schilderst, habe ich mehr oder weniger auch gemacht. Zwar lernte ich nicht schneller lesen, da ich es bereits konnte, als ich eine Konsole erhielt. Aber das mit dem Englischen kann ich nur zustimmen.

    Das mit der Nostalgie kann ich nur zustimmen, dass sehe ich bei mir jetzt schon XD. Mal schauen, wie dein nächster persönlicher Beitrag in zehn Jahren sein wird.^^

  5. Seltsam, wenn ich jetzt zurück denke, werd ja nun dieses Jahr endlich 18, dann muss ich sagen, dass auch ich mit dem N64 angefangen habe und zuvor schon Erfahrung mit dem NES hatte. Dann parallel dazu, bin ich mit Nintendo aufgewachsen, während mein Cousin, und damaliger Spielepartner mit der Playstation aufwuchs. Erstaunlich. Wenn man bedenkt, wie man damals noch Mario oder GTA 2 zusammengespielt hat :D Tolle Jahre gewesen.