Impressionen zu „Etrian Odyssey“

Meint ihr nicht auch, dass die Spiele heutzutage zu einfach, zu kurz und zu überladen sind? Wenn ja, dann holt euch Etrian Odyssey, einen puristischen und charmant-harten Dungeon-Crawler.

 

Das Spiel steht bereits seit längerem in den Regalen, doch der überwältigende Umfang hat mich bisher gehindert, über das Spiel schreiben zu können. Etliche Stunden sind seither vergangen, und immer noch lauern die bösen Mächte in den untersten Stockwerken noch unentdeckt. Wie immer möchte ich hier nicht einen endgültigen Urteil abgeben, sondern meine Impressionen schildern.

Etrian Odyssey gehört zum Genre „Dungeon-Crawler“, aber diese Kategorisierung ist eigentlich irrelevant und nur für Genrekenner massgebend. Man kann mit ruhigem Gewissen das Spiel unter der Oberkategorie „Rollenspiel“ einordnen, denn das rundenbasierende Kampfsystem orientiert sich an anderen japanischen Rollenspielen (oder „RPG“: Role-Playing-Game). Der Spieler kontrolliert auch hier eine Truppe von mutigen Abenteurern, die allesamt eine spezifische Klasse darstellen. Der Begriff Dungeon-Crawler weist jedoch darauf hin, dass das Geschehen im Gegensatz zu vielen RPGs vor allem in Labyrinthen abspielt, allerdings täuscht das Wort „Dungeon“, denn der Spieler läuft nicht in Verliessen herum, sondern in meistens grossen und hellen Räumen. Die im Spiel erzählte Geschichte nimmt anders als in vielen RPGs nur eine Nebenrolle ein, dennoch überzeugt Etrian Odyssey mit einem motivierenden Spielablauf.

Am Anfang des Spiels muss der Spieler zuerst einmal eine Truppe aufbauen, dabei kann er bis zu 16 Leute kreieren, aber jeweils nur fünf Leute mitnehmen. Zur Auswahl stehen zunächst folgende Klassen: Paladin mit seiner überragenden Verteidigung und Helferqualitäten; Fährtenleser, der geschickt mit Pfeil und Bogen umgeht und Terrainvorteile bringt; Landknecht, ein harter Kämpfer mit robuster Körperhaltung; Schwarzer Ritter als eine offensive, hinterlistige Kraft der Truppe; Medicus, der unverzichtbare Heiler und Retter; Alchemist, der gepanzerte Feinde mit Elementzauber locker beseitigt; und schliesslich Barde, die wichtige statusfördernde Unterstützung aus der zweiten Reihe. Im späteren Verlauf kommen noch zwei weitere Klassen hinzu, nämlich: Samurai, der über einen offensiv gerichteten Stil verfügt und Drude, der viel Unheil über den Gegner bringen kann. Dabei kann der Spieler zwischen weiblichen und männlichen Figuren wählen.

Hat man die Truppe aufgestellt, geht das Abenteuer los. Dabei findet der Spieler sogleich zwei Spielelemente, die dem Spiel seine besondere Note geben: Erstens muss der Spieler seine Karte selber zeichnen. Etrian Odyssey profitiert vom Touchscreen und gewinnt seinen Reiz dadurch, dass der Spieler wirklich die Welt entdecken muss. Zeichnet der Spieler seine Karte akkurat genug, erleichtert dies seine Orientierung enorm. Zweitens kann der Spieler nach jedem Aufstieg des Charakterlevels Punkte verteilen und so seine Truppe wunschgemäss gestalten. Während also in den meisten anderen RPGs der Levelaufstieg eine relativ passive Angelegenheit darstellt, weil die erweiterten Fähigkeit meistens automatisch hinzugefügt wird, hat der Spieler in Etrian Odyssey viel mehr Kontrolle über seine Figuren. Das bedeutet allerdings auch, dass es der Spieler bei ungünstiger Punkteverteilung in diesem Spiel sehr schwer hat.

Grundsätzlich gehört das Spiel zu den schwierigsten Spielen überhaupt: Einerseits muss man als Spieler viele Kämpfe durchstehen, damit man über genügend Stärke für die Bosse und Zwischenbosse hat, andererseits muss man vor allem am Anfang den Rückweg berücksichtigen. Als ob dieses Spiel nicht schon schwierig genug ist, benötigt man ein gutes Geldmanagement, damit man stärkere Waffen und Rüstungen kaufen kann. Zwar kommen im Spiel genügend Warnungen vor, um nicht blindlings in eine Todesfalle zu stürzen; trotzdem läuft der Spieler nicht selten in einem überfordernden Kampf hinein. Erfahrene Spieler warnen deshalb, das Spiel nicht unbedingt absoluten Neulingen zu empfehlen, da sie Gefahr laufen, sich hoffnungslos zu überfordern. Wer allerdings mit genügend Vorsicht und Geduld zu spielen vermag, wird sehr viele Stunden mit dem Spiel verbringen.

Die Präsentation ist schlicht, die Gegner sind kaum animiert. Schön sieht allerdings die dreidimensionale Darstellung der Labyrinthe aus, und in einer sauberen Framerate läuft der Spieler in der Ich-Perspektive durch die Gänge. Lasst euch nicht von der niedlichen Darstellung in konventionellem Anime-Look täuschen, das Spiel ist hart und fordert Geduld. In der Gamerszene ist das Spiel zurzeit ein Insidertip, und da das Spiel nicht dem Mainstream-Geschmack entspricht, müssen wir damit rechnen, dass es wegen zu kleiner Auslieferungsmenge nicht lange im Handel bleiben wird.

4 Antworten zu Impressionen zu „Etrian Odyssey“

  1. HomiSite sagt:

    Hatte gelesen, dass das Spiel halt wegen des Backtrackings und auch beim Sterben sehr hart ist. Ich denke, ich werde dann auf den zweiten Teil warten, der ja in USA schon erschienen ist.

  2. vanduhn sagt:

    Habs mir mal gekauft und… Hölle, der anfang ist wirklich hardcore. Bin jett nach 2 Tagen exzessivem Zocken bis Ebene 11/12 gekommen und hab Level ~35. Mittlerweile gehts eigentlich, auch die Foes kann ich „relativ“ schnell töten (auch wenn ich danach sofort heilen gehen muss xD).

    Nja, mir gefällt das Spiel jedenfalls sehr gut. Vorallem die Musik mag ich, die kampfmusik hört sich irgendwie nach alten SNES Spielen an, nur in besserer Qualität. xD

  3. piccolo-junior sagt:

    Ich werde mir das Spiel nach diesem Bericht sicher nicht zulegen. Hab weder die Zeit noch die Lust so lange an einem Videospiel zu „knabbern“

  4. der Dennis sagt:

    Habe das Spiel und bereue eigentlich nur dass ich so spät darauf gestoßen bin.
    Die Hier genannten Eindrücke kann ich nur bestätigen. Als einzigen Wehrmutstropfen empfinde ich die Speichermöglichkeiten.
    Gut ich kann mit einem Fluchtseil in null komma nichts zurück in die Stadt gelangen aber der Weg zurück….
    Ich spiele nur dann wenn ich auch nur dann, wenn ich mindestens eine Stunde ungestört bin.

    Alles in allem kein „Kinderspiel“. Gott sei dank! Endlich eine Abwechslung zu den Casual -Weichspüler RPG’s