Final Fantasy Crystal Chronicles: My Life as a King – Review

Nach dem GameCube-Original und „Ring of Fates“ für den Nintendo DS erschien vor kurzem der dritte Crystal Chronicles-Ableger, „My Life as a King“, über den WiiWare-Service. Ob die Chemie zwischen dem Konzept der Aufbausimulation und der Final Fantasy-Serie stimmt, erfahrt ihr in diesem Test.

Obwohl der Connectivity-Titel „Final Fantasy Crystal Chronicles“ für Nintendos Spielewürfel mit gemischten Gefühlen aufgenommen wurde, hat es sich Square-Enix zur Aufgabe gemacht, die Welt der Clavats, Selkies, Yukes und Lilties mit neuen Spielen der Reihe zu erweitern. Bis der erste vollwertige Wii-Titel, um welchen es in letzter Zeit verdächtig stumm geworden ist, Freunde der Kristall-Chroniken erfreuen darf, gilt es sich mit dem WiiWare-Titel „My Life as a King“ die Zeit zu vertreiben. Mit 1500 Wii-Punkten schlägt das Spiel zwar ordentlich zu Buche (die eventuellen Zusatzkosten werde ich später noch einmal ansprechen), bietet dafür aber auch ein äußerst rundes Gesamtpaket. Das Spielkozept ist dabei vollkommen Final Fantasy-untypisch: Statt in rundenbasierten Kämpfen Monster zu vermöbeln, geht es in My Life as a King darum, ein verwüstetes Königreich wieder aufzubauen und dessen Einwohner bei Laune zu halten.

My Life as a King

Die Story setzt einige Zeit nach den Geschehnissen des ersten Crystal Chronicles-Ablegers ein: Das giftige Miasma ist zwar verschwunden, doch die dadurch angerichtete Zerstörung noch immer augenscheinlich. Auch das Königreich des spurlos verschwundenen Monarchen Epitav hat es schwer getroffen, lediglich das Schloss steht noch. Dessen Sohn Prinz Leo (oder welchen Namen sich der Spieler auch immer für den kleinen Herrscher ausdenken mag) setzt nun alles daran, die einst blühende Metropole wieder zu dem zu machen, was sie einmal war. Dabei stehen ihm Hugh Yurg, ein Liltie in schwerer Rüstung und Kanzlerin Chime, halb Clavat, halb Selkie, mit Rat und Tat zur Seite. Die wichtigste Komponente im Restaurationsplan stellt jedoch Prinz Leos magische Fähigkeit „Architek“ dar: Diese vermag es, Gegenstände aus bloßen Erinnerungen zu materialisieren. Dies ermöglicht es beispielsweise, die Häuser des alten Königreichs mitsamt Einwohnern wiederherzustellen. Genau das ist dann auch die erste Aufgabe, welche dem Spieler zuteil wird, wobei die Macht von Architek begrenzt ist: Zum einen vertilgt jedes erbaute Gebäude „Elementite“, ein kristallines Material welches in Dungeons gewonnen werden kann. Zum anderen hat der junge Protagonist nicht das beste Gedächtnis, weshalb er sich zu Beginn an nichts weiter als kleine Einfamilienhäuser erinnern kann. Weitere Gebäudestrukturen werden dem Prinzen mithilfe von Zeichnungen und ähnlichen Gedächtnisstützen wieder in Erinnerung gerufen oder warten als Belohnungen für das Erforschen eines Dungeons auf den Spieler. Der Reiz, neue Gebäude zu entdecken und diese zu nutzen stellt die größte Stärke von My Life as a King dar und kann geradezu süchtig machen. Glücklicherweise dauert es eine ganze Weile, bis alles zur Verfügung steht, denn die letzten Spielstunden, in welchen es hauptsächlich darum geht, zum Endgegner vorzudringen, sind nicht mehr halb so unterhaltend wie der Rest des Spiels. Wer sich intensiv mit Genrevertretern wie „Harvest Moon“ und „Animal Crossing“ beschäftigt hat, kennt diesen Effekt: Hat man erst einmal alles gesehen, stellt sich schnell der graue Spielealltag ein.

Ein Tag im selbstbenannten Königreich besteht natürlich nicht nur aus Bauarbeiten, tatsächlich stellt dies den kleinsten Teil eines typischen Tagesablaufs dar. Nach Sonnenaufgang werden erst einmal die Aufgaben für die ansässigen Abenteurer verteilt. Diese jungen Helden (welche Anfangs als einfache Krieger daherkommen, mithilfe der richtigen Establishments jedoch in Schwarz- sowie Weißmagier und Diebe umgeschult werden können) verbringen die meiste Zeit damit, Dungeons zu erkunden und Erfahrungspunkte zu sammeln. In morgentlichen Berichten kann jeder Kampf der tapferen Recken Runde für Runde mitverfolgt werden, wirklich zu Gesicht bekommt man allerdings keinen der traditionellen RPG-Kämpfe. Genau dies schreckt mit Sicherheit diejenigen ab, welche nach einem herkömmlichen Final Fantasy-Erlebnis suchen, denn wie Daemon Hatfield in seinem Review für IGN treffend bemerkte, ist My Life as a King „ein Final Fantasy-Spiel in welchem man zuhause bleibt und andere Leute losschickt, Final Fantasy zu spielen“. Jedoch steht dieser WiiWare-Titel auf eigenen Beinen und kommt auch ohne die Gameplay-Elemente der Hauptserie aus.

My Life as a King

Sind die Aufgaben für die Abenteurer verteilt, besteht der Rest des Tages darin, mit den Einwohnern der Stadt zu plaudern und somit ihre Moral zu erhöhen. Eine hohe Gesamtmoral wird durch „Moral-Sphären“ belohnt, welche zum einen dazu genutzt werden können, das Königreich auszubauen und beispielsweise Feiertage ausrufen zu können. Zum anderen lassen sich damit Familien näher zusammenbringen, was wiederum Auswirkungen auf die Länge der Spieltage hat und nebenbei auch noch mit speziellen Medaillen belohnt wird, die den Abenteurern zu Gute kommen. Ist der Tag noch nicht vorbei, können Item-Läden und Trainingshallen gesponsort werden, um bessere Waffen und Fähigkeiten für die Helden freizuschalten.

My Life as a King kostet wie bereits erwähnt 1500 Punkte und damit umgerechnet ungefähr 15 €. Der Preis ist schonmal nicht von schlechten Eltern, doch viel schlimmer ist, dass man damit noch nicht das ganze Spiel erworben hat. Square-Enix sind nämlich die ersten Entwickler, welche Nintendos „Pay & Play“-System nutzen, womit die gefürchteten Microtransactions des Vorreiters Microsoft nun auch die Wii befallen haben. Im Klartext heißt das: Wer neben den Clavats weitere Rassen in seiner Stadt haben möchte, muss für jeden weiteren Stamm 300 Punkte(!) blechen oder im Gesamtpaket für 800 Punkte erwerben. Schnickschnack wie alternative Outfits für die Hauptcharaktere kosten ebenfalls satte 100 Punkte und auch zusätzliche Dungeons (von denen man beim Erkunden sowieso nicht mehr als einige Textzeilen mitbekommt) sind mit 300 Punkten nicht gerade günstig. Ich habe ja im Prinzip nichts gegen herunterladbares Zusatzmaterial, jedoch sehe ich es nicht ein, für etwas Geld zu bezahlen, das im Grunde nichts anderes tut, als Inhalte, welche sich sowieso schon im Spiel befinden, freizuschalten. Dafür erhält Square-Enix von mir ein dickes Daumen runter. Dementsprechend habe ich natürlich auch keines der Add-Ons erworben, weshalb dieses Review sowie die Wertung auf dem „Rohling“ des Spiels basieren.

My Life as a King stellt derzeitig das wohl komplexeste WiiWare-Spiel dar und ist sein Geld aufgrund der schönen Präsentation (nur die Musik ist auf Dauer etwas eintönig) und der relativ langen Spieldauer von 10 bis 12 Stunden (die nach Spielabschluss freischaltbaren Schwierigkeitsgrade nicht mitgezählt) auf jeden Fall wert. Könnte es seine Motivationskurve das gesamte Spiel hinweg aufrecht erhalten, wären garantiert 4 Takos dringewesen und auch die käuflich zu erwerbenden Inhalte hätten den Spielspaß sicherlich gesteigert. Aber auch so gehört das neuste Kapitel der Kristall-Chroniken zusammen mit „LostWinds“ zu den bisher besten WiiWare-Spielen.

3 von 5 Takos

Otaku1990 vergibt 3 von 5 Takos

2 Antworten zu Final Fantasy Crystal Chronicles: My Life as a King – Review

  1. ness sagt:

    Ich verstehe sowieso nicht, warum man Dungeons kaufen kann? Ich mein, wie auch erwähnt, man hat doch garnichts davon?!

    Und dem letzten Satz kann ich so nicht uneingeschränkt zustimmen, denn das WiiWare Spiel „Toki Tori“ ist ein absolut fantastischer Puzzler und für mich auf einer Höhe mit Lost Winds.

    Ansonsten gutes Review, das Spiel wird demnächst wohl mein 3. WiiWare Game werden^^.

  2. piccolo-junior sagt:

    Einfach eine Frechheit. Schade, dass man aus dem Spiel nicht ein richitges FF gemacht hat. Aber wenn man eben nur 512 MB Speicherplatz hat, gibt es eben Abstriche. Aus diesem Grund werde ich mir das Spiel auch nicht kaufen.

    Im Übrigen ein guter Testbericht.^^