Freiheit für Videospiele!

Ignoranten und populistische Politiker wollen die Videospiele unter den Vorwand des Kinderschutzes zensieren, verbieten, und verstümmeln. Dabei fängt die grosse Zeit der Videospiele erst an.

Der Streit um die richtige Schutzmassnahme gegen angeblich gewaltverherrlichende Videospiele ist an und für sich nicht neu, sondern er schwillt schon seit der frühestens Geschichte des Videospiels an. Einen grossen Fehler machen die Beteiligten dabei immer wieder: Sie fragen sich nicht, was unter Videospiele zu verstehen sind. Während die Gegner sie als blosse Güter, im besten Fall Unterhaltungsprodukte ansehen, plädieren andere dafür, Videospiele als ein Medium und damit als eine Kunstform anzusehen. Diese zwei verschiedene Sichtweise erklären die unterschiedliche Behandlung in diesem Thema.

Verschiedene Gründe hindern gewisse Leute daran, das Videospiel als Kunstform zu respektieren: Wer mit einem „Gegen-Killerspiele“-Populismus Stimmung machen will, darf Videospiele nicht als etwas hochwertiges betrachten; wer die alten Medien wie Literatur und Theater hochhalten will, möchte die Videospiele nicht gerne als Kunstform anerkennen wegen der Befürchtung, die sogenannt hohe Künste in den alten Medien verlören an Bedeutung durch die Nivellierung; und wer mit Videospielen Geschäfte macht, möchte seine Produkte am liebsten nicht mit dem unsinnigen Kunststeuer belasten. Leider wissen viele Menschen nicht, dass die Anerkennung der Videospiele als Medium und damit auch als Kunstform noch nichts über die allgemeine Qualität aussagt. Ich selber möchte hier nicht den Kopf zerbrechen, welche Spiele nun als Kunst zu betrachten seien. Darüber können sich andere streiten.

Vielmehr sollten wir uns fragen, was für mehrheitlich positive Konsequenzen die Anerkennung der Videospiele als Kunstform hätte:

  • Videospiele sollten die Kunstfreiheit zugesprochen bekommen. Damit erhalten Entwickler die Gewissheit, Spiele nach ihrer Vorstellung kreieren zu können. Natürlich steht die Kunstfreiheit nicht über allen Gesetzen und Spiele müssten nach wie vor eine Altersbeschränkung bekommen. Dennoch sollten Produzenten alle Spieler veröffentlichen dürfen, unabhängig ihres Inhalts.
  • Die gesellschaftliche Anerkennung für Videospiele nimmt mit Gewissheit zu, wenn die Spiele als Kunstform akzeptiert werden. Dadurch profitiert nicht nur die Industrie, weil das Medium an Popularität zunähme, sondern auch die Spielerszene, deren Hobby nicht mehr als eine Kuriosität angesehen würde. Mehr Verständnis bringt die Spielkultur auf eine breitere Ebene.
  • Die bisher geführten Diskussionen um die „Killerspielen“ würden sich von den Spielen auf die Spieler verschieben. Mit anderen Worten, statt um Verbote würden sich die Politiker um Prävention und Aufklärung bemühen. Im Moment geht die Entwicklung immer noch mehr in die Richtung Bevormundung: Um Kinder zu schützen, schneidet man den Erwachsenen das Recht ab, bestimmte Spiele kaufen zu können.

Theater, Literatur, Film und Musik: Gerade im Vergleich mit diesen Medien wirken Videospiele desöfteren sehr begrenzt in ihren Themen. Noch immer müssen Entwickler mit angezogener Handbremse arbeiten. Selbst ein verhältnismässig harmloses Thema wie die Sexualität kann in Videospielen nicht explizit behandelt werden, stattdessen kann man es nur andeuten. Eine solche Hemmung muss man in anderen Medien nicht zeigen, im Gegenteil: Die brutalsten Werke und die ausschweifendsten Fantasien findet man nicht in Videospielen, sondern in der Literatur. Es ist also nur fair, wenn wir die gleiche Kunstfreiheit für Videospiele fordern, die für andere Medien schon seit langer Zeit gilt. Erst mit dieser Freiheit wird das Medium endlich die Anerkennung verdienen, die es schon immer verdient hat.

2 Antworten zu Freiheit für Videospiele!

  1. ness sagt:

    Jep, kann dem nur zustimmen.

    Und allgemein sehe ich auch schon eine langsame „Öffnung“ der Anerkennung. Wie auch schon im letzten Artikel geschrieben, nehmen sich die Medien in letzter Zeit des Öfteren dem Kulturgut Videospiele an, es erscheinen mehr Bücher, die sich mit dem Thema befassen, und auch im Fernsehen wird über Wii und Co. berichtet. Hoffentlich ist das erst der Anfang^^.

  2. HomiSite sagt:

    Mal sehen, ob/was die breite und überraschend positive Wahrnehmung von GTA4 bewirken kann. Die „Killerspiel“-Debatte wird dadurch aber sicher nicht abgewürgt werden und es wird wohl auch in Zukunft Kürzungen/“Schnitte“ in Spielen geben, die aber eh keine Jugendfreigabe haben…