Das S-RPG aus der Hölle kehrt zurück: Disgaea 2

Nach drei Jahren Abstinenz kehrte Nippon Ichi’s beliebtestes S-RPG-Projekt 2006 aus den Tiefen der Netherworld zurück. In welchen Belangen Disgaea 2 seinen Vorgänger übertrifft, erfahrt ihr hier.

Cursed Memories

Während das Strategie-RPG „Disgaea: Hour of Darkness“ nach seinem Release im Jahre 2003 eine immer größere Fan-Gemeinschaft aufbaute, verschwendete Entwickler Nippon Ichi keinen Gedanken an eine Fortsetzung und werkelte stattdessen an neuen Konzepten, welche in zwei weiteren Spielen für die PS2, „Phantom Brave“ (2004) und „Makai Kingdom: Chronicles of the Sacred Tome“ (2005), umgesetzt wurden. Auch wenn diese auf einige Elemente aus Disgaea zurückgriffen, unterschieden sie sich doch spielerisch wie storytechnisch merklich von jenem Titel. Die neuen Konzepte kamen bei Fans nicht immer gut an, weswegen der erste wahre Nachfolger zu der verrückten Dämonen-Story nicht allzu lange auf sich warten ließ: „Disgaea 2: Cursed Memories“ übernahm das Gameplaygerüst seines Vorgängers komplett und schickte sich an, dessen Mängel möglichst auszumerzen (für eine Einführung ins Spielprinzip der Serie sei bitte dieser Artikel zu Rate zu ziehen).

Cursed Memories erzählt die Geschichte eines jungen Mannes namens Adell, dessen Dorf vom mächtigen Overlord Zennon (auch „Gott aller Overlords“ genannt) in eine Netherworld verwandelt wurde. Dementsprechend befinden sich die Einwohner nun in Gestalt von Monstern, nur Adell selbst blieb aus mysteriösen Gründen von Zennons Fluch verschont. Um besagten Fluch zu brechen, versucht er Overlord Zennon nach jahrelangem Training persönlich herauszufordern und zu besiegen, weswegen seine Mutter ein Beschwörungsritual durchführt, um den mächtigen Dämonen herbeizurufen. Irgendetwas scheint jedoch schiefgegangen zu sein, denn statt dem Imperator selbst erscheint seine Tochter Rozalin. Durch die Regeln des Rituals gebunden, macht Adell es sich daher zum Ziel, das verwöhnte Prinzesschen nach Hause zu führen und lässt sich so gleichzeitig den Weg zum Unterschlupf des wahren Zennon zeigen.

Die Story weist bis auf wenige Details keinerlei Verbinung zum ersten Disgaea auf, weshalb das gesamte Spiel ohne Vorkenntnisse in vollen Zügen genossen werden kann. Fans dürfen sich dennoch auf ein Wiedersehen mit alten Bekannten freuen: Während Laharl, Flonne und Co. lediglich Gastauftritte haben (es sei denn, man rekrutiert sie in einer der vielen Bonusmissionen), schließt sich die selbsternannte „Beauty Queen“ Etna im späteren Spielverlauf der Truppe permanent an. Liebhaber des ersten Disgaea müssen jedoch nicht traurig sein, denn die neuen Protagonisten stehen ihren Vorgängern in Sachen Charme kaum nach. Allerdings ist gerade Held Adell weniger interessant als Laharl, da er nicht so vielschichtig daherkommt und sein Charakter, der geradewegs aus einem beliebigen Shonen-Manga entsprungen sein könnte, leicht abgedroschen wirkt. Dennoch weiß die Besetzung wieder einmal für einige Lacher zu sorgen: Neben Rozalin und Adell sorgen der lüsterne, schizophrene Frosch Tink, Adells Dämonengeschwister Taro und Hanako, sowie die niedliche Ninja-Dame Yukimaru (welche ihr Ki durch Änhängen der Floskel „zam“ an jeden ihrer Sätze kontrolliert) für die nötige Unterhaltung. Leider kann die Geschichte von Cursed Memories insgesamt dennoch nicht mit der der von Hour of Darkness mithalten: Sie ist weniger abwechslungsreich, weist nicht so viele überraschende Wendungen auf und nimmt sich stellenweise zu ernst. Damit wäre das einzige wirkliche Makel von Disgaea 2 jedoch bereits abgedeckt, in allen anderen Belangen macht dieser Titel nämlich einen spürbaren Schritt nach vorne.

Cursed Memories

Es wird schnell deutlich, dass das Gameplay des Vorgängers stark verfeinert und verbessert wurde. Am meisten gewandelt hat sich wohl die Item World, die jetzt wesentlich interessanter und motivierender daherkommt. Während man in Teil 1 auf den zufällig generierten Maps stur und ohne Überraschungen von A nach B lief oder sich den Weg freikämpfte, gesellen sich nun diverse neue Faktoren hinzu. So kann jede Map der Item World beispielsweise von Piraten überfallen werden, deren Level meist nicht zu verachten ist. Kreuzen diese mit ihren teils etwas eigenartigen „Schiffen“ (Waschzubern, Baumstämmen etc.) auf, so gilt es in den meisten Fällen, die Beine in die Hand zu nehmen, bevor die Piraten die Truppe ordentlich aufmischen. Sollte einer der Räuber jedoch besiegt werden, so hinterlässt jeder von ihnen eine Schatzkarte, welche zusammen das Tor zu neuen Bonusmaps öffnen.
Ab und an tauchen in der Item World auch geheime Ausgänge auf, die zu allerlei Orten führen können, wie beispielsweise einem Hospiz zur Heilung der Gruppe oder einem Handy-Shop. Handys sind zum einen dazu da, Unterstützung in schwierigen Kämpfen anzufordern und zum anderen, um sich mit Senatsmitgliedern der „Dark Assembly“ (ebenfalls bekannt aus Disgaea 1) in Verbindung zu setzen und so ein wenig zu beeinflussen. Apropos „Dark Assembly“: Auch dieses Feature wurde merklich verbessert. Während es in Teil 1 oft frustrierend war, einen Gesetzentwurf (z.B. für stärkere Waffen im hiesigen Shop) durchzusetzen, wurde das ganze inzwischen etwas erleichtert. Der dunkle Kongress ist nun wesentlich überschaubarer und leichter zu überzeugen.
Ein zusätzlicher Grund zur Reise in die Item World ist das dunkle Gericht: Erreicht ein Charakter beispielsweise einen hohen Level, so wird er dafür angeklagt und muss sich in der Item World vor Gericht verantworten. Da das ganze in der Dämonenwelt stattfindet, wird eine hohe Anzahl an Straftaten lustigerweise bewundert, was z.B. Rabatte beim Shoppen zur Folge hat.

Grafisch hat sich in den drei Jahren nicht viel verändert: Disgaea 2 erstrahlt noch immer in simpler, aber durchaus schön anzusehender 2D-Pracht. Die Animationen haben derweil einen sichtbaren Sprung gemacht: In gewagten Choreographien wirbeln die flachen Sprite-Charaktere bei Einsatz der Spezialattacken nur so durch die Gegend, dass es eine wahre Freude ist. Der Soundtrack weiß mit einigen sehr guten Musikstücken wieder einmal zu überzeugen (er liegt dem Spiel übrigens als Bonus-CD bei), ganz an die Qualität des Vorgängers reicht er aber nicht heran. Der Soundtrack setzt sich zwar teilweise auch aus Remixes von Melodien aus dem ersten Teil zusammen, trotz allem ist die Anzahl an Ohrwurmkandidaten dieses mal nicht ganz so hoch. Lobend erwähnt werden muss natürlich auch diesmal wieder die exzellente englische Synchronisation: Disgaea 2 bewegt sich dabei auf dem selben hohen Niveau des Vorgängers und bringt seine Charaktere gekonnt wie eh und je rüber. Tink mit seinem starken französischen Akzent und der leicht cholerische Regisseur des ehemaligen Superstars Axels stellen nur zwei der vielen Höhepunkte in diesem Bereich dar. Puristen wird es derweil freuen, dass diesmal auch die japanische Original-Sprachausgabe anwählbar ist. Die Texte jedoch sind wie eh und je ausschließlich in Englisch vorzufinden.

Cursed Memories

Mit einer Spielzeit von 35 bis 40 Stunden ist die Hauptkampagne von Disgaea 2 nicht ganz so lang wie Laharls Abenteuer, bietet aber dennoch viel Unterhaltung fürs Geld, vorallem da der Stundenzähler leicht in den dreistelligen Bereich rutschen kann, möchte man wirklich alles vom Spiel sehen. Denn wie schon bei Hour of Darkness ist das „Spiel nach dem Spiel“ enorm umfangreich. Zur kürzeren Spielzeit trägt unteranderem der etwas leichtere Schwierigkeitsgrad bei, denn erst zum Ende hin zieht dieser an, ohne aber jemals an den des ersten Teils heranzukommen. Für Neueinsteiger ist das sicherlich eine gute Nachricht, während sich Veteranen mit dem „Cave of Ordeals“ und den etlichen anderen Bonusmaps eine Herausforderung verschaffen.

Vorallem aufgrund der Story ist Cursed Memories dem Erstling der Reihe leicht unterlegen, im großen und ganzen bewegen sich beide Teile aber auf dem selben Niveau. Durch eines kann Teil 2 jedoch überzeugen: Feinschliff. Wem also bereits Hour of Darkness gefallen hat, der wird mit Adells Geschichte keinesfalls enttäuscht sein. Nippon Ichi machte Disgaea vor kurzem übrigens zur Trilogie: Zumindest in Japan darf man bereits Hand an den dritten Teil legen, diesmal für die PlayStation 3, wobei sich optisch trotz der deutlich überlegenen Handware wenig geändert hat. Ob es auch Disgaea 3 zu uns schafft, steht zurzeit noch in den Sternen.

2 Antworten zu Das S-RPG aus der Hölle kehrt zurück: Disgaea 2

  1. vanduhn sagt:

    Tolliger Artikel. :A

    Hab zwar Disgaea 1 noch nicht durch (Episode 7 oder 8, also etwa die Hälfte – bin aber momentan zu faul zum leveln), aber vielleicht wäre es ja eine Überlegung wert, sich Teil 2 einfach mal zu kaufen. Richtig spielen kann ich den ja immer noch, nachdem ich Teil 1 durch hab. xD

  2. ness sagt:

    Ich finde es ja löblich, dass dem Spiel der Soundtrack als Bonus-CD beilag, das könnten Spiele im Allgemeinen ruhig öfters machen, zumal deren Soundtracks hierzulande fast eh nie erhältlich sind… =(

    Und nach dem Lesen des Artikels wird mein Interesse auf die DS-Version auch immer mehr angeregt^^.