„Digital Distribution“ – die Zukunft?

Werden zukünftig alle Spiele via Internet runtergeladen? Warum die Online-Distribution noch eine Weile braucht, bis sie das hiesige Verkaufsystem ersetzen kann, erfährt ihr hier.

Seit mehreren Jahren und mit zunehmender Wichtigkeit des Internets versprechen sich viele Leute – vor allem Geschäftsleute, aber auch Spieler – von der digitalen Distribution nicht weniger als die Zukunft des Spielemarktes. Wenn Daten online vertrieben werden, dann fallen die kostentreibenden Zwischenhändler weg. Ausserdem sparen die Hersteller an Materialkosten, und ein Spiel ist immer erhältlich, weil der Onlinevertrieb sich nicht um Lagerplätze scheren muss. Die weggefallenen Kosten können die Hersteller entweder an die Spieler weitergeben, oder sie können dadurch einen grösseren Gewinnanteil sichern.

Heute haben wir tatsächlich einige profitable Angebote, das bekannteste jedoch hat mehr mit Musik und Filmen zu tun – die Rede ist von iTunes. Während die Musikbranche tatsächlich mit schwindenden Umsätzen in den herkömmlichen Märkten kämpfen muss, merkt die Videospielbranche jedoch wenig vom Paradigmenwechsel. Spiele werden immer noch hauptsächlich mit Hülle und in der Regel in Läden gekauft. Zwar gibt es mittlerweile mit „Steam“ eine variable „Digital Distribution“, jedoch nur für den PC-Markt und eher ergänzend als den herkömmlichen Markt verdrängend. Die am häufigsten genannten Nachteile sind die Kopiebeschränkungen durch DRM und der hohe Preis, der an die Preise des alten Marktes erinnert. Steam kann die Spiele nicht viel günstiger anbieten, weil sie die Spielladenketten und andere Vertriebe nicht verärgern wollen, schliesslich kann sich kaum ein Spiel leisten, sich nur mit Onlinevertrieb zu verkaufen.

Was Konsolenspiele betrifft, so kommt hier noch der vergleichsweise geringe Speicherplatz hinzu: Die Xbox 360 hat bis jetzt maximal 120 GB, die Premiumversion mit 20 GB ist jedoch die populärste. Die PS3 zeigt etwas mehr Flexibilität, seine Festplatte lässt sich beliebig und relativ günstig auswechseln. Die mitgelieferte Festplatte hat jedoch in der teuersten Version 80 GB. Die Wii hat sogar nur 512 MB Flashspeicher. Da die Spiele heutzutage mindestens eine DVD, bei der PS3 sogar eine Blu-Ray-Disc füllt, stösst man diesbezüglich schnell an die Grenze. Die Konsolenhersteller gehen deshalb andere Wege: Angeboten werden vergleichsweise kleine Spiele, klein im Sinne von wenig Speicherplatz fordernd. Egal ob Xbox Live Arcade, Virtual Console, Wiiware oder Playstation Network, sie alle bieten eine interessante Alternative, aber keinen Ersatz des alten Marktes.

Falls in der nächsten Generation die digitale Distribution tatsächlich eine grössere Rolle, wenn nicht gar die Hauptrolle spielen soll, dann müssten folgende Bedingungen erfüllt sein: Die Spielkonsole muss über eine Festplatte mit enormen Speicherplatz verfügen, die Bauweise mit 3.5 Zoll Scheibe ist wahrscheinlicher als die teureren 2.5 Zoll Scheiben. Zudem muss die Festplatte leicht auszuwechseln sein und eine zusätzliche Festplatte sollte angeschlossen werden können. Die Spiele werden in der nächsten Generation noch mehr Speicherplatz benötigen, der Konsolenhersteller muss deshalb darauf achten, Limite zu setzen. Sonst werden die angebotenen Spiele hundert und mehr Gigabyte fressen.

Viel wahrscheinlicher scheint mir jedoch eine konsequente Weiterführung des heutigen Systems zu sein: Die Spiele werden weiterhin mit Hüllen und in einem Speichermedium verkauft, während die digitale Distribution zwar grössere Spiele anbieten werden, aber diese Spiele sind immer noch klein genug, um die Spieler nicht vor Speicherplatzprobleme stehen zu lassen. Mit anderen Worten: Ich rechne mit eher kleinen und günstigen Festplatten als Speicher, im Falle von Nintendo eher mit Flashspeicher. Es wäre nicht verwunderlich, wenn die Konkurrenz auch auf Flashspeicher setzen würde, da eine Festplatte mit hohen Grundkosten verbunden ist. Im Gegensatz zum PC-Markt wird die digitale Distribution wahrscheinlich weiterhin nicht Ersatz, sondern eine Ergänzung des herkömmlichen Marktes sein. Zweifelsfrei wird sie jedoch eine gewichtigere Rolle einnehmen.

4 Antworten zu „Digital Distribution“ – die Zukunft?

  1. ahe sagt:

    Digitale Distribution würde bedeuten, dass in Zukunft alle Spiele genauso eingeschränkt sind, wie die, die man heute über die Virtuelle Konsole „kaufen“ kann. Somit könnte man die Spiele nicht mehr weiterverkaufen und die Hersteller würden sich noch weitere kundenfeindliche Lizenzbedingungen ausdenken. Ein „tolles“ Beispiel hierfür liefert wieder die VC, wo Nintendo doch allen Ernstes verlangt, dass man die VC-Spiele vor dem Verkauf der Konsole wieder löschen soll und so versucht, die VC-Spiele an eine Person zu binden.

    Also mir schauderts bei dem Gedanken und ich hoffe, dass das Internet auch in der nächsten Konsolengeneration für den Download kompletter Spiele zu langsam sein wird.

  2. ness sagt:

    Digitale Distributionen wie die Virtual Console oder WiiWare finde ich klasse, da solche Spiele es sonst nicht (wieder) auf den Bildschirm schaffen würden(/geschafft hätten).

    Bei Vollpreisspielen sehe ich das anders, da ich da immer noch etwas in der Hand haben will. Genauso wie bei Filmen und Musik. Ich lade mir eigentlich nichts legales oder illegales runter, ich hole mir lieber den Film auf DVD oder die Musik auf CD, sieht auch außerdem schöner im Regal aus^^.

    Außerdem müssten die Speicher enorm wachsen, damit ich auch wirklich jedes Spiel speichern könnte, das ich haben will, und nicht wieder was löschen muss. Zudem sollte das Internet noch „ein wenig“ schneller werden, damit ich keine 2 Tage an einem Download für ein Spiel sitze^^.

  3. theNerd sagt:

    Ich finde diese langsame Entwicklung eher positiv. Bei digitaler Distribution dürfte es für deutsche Zocker wohl nahezu unmöglich sein ungeschnittene Titel zu zocken. Ganz abgesehen von den vielen Spielen (aktuell Condemned 2, Army of 2) die in Deutschland erst gar nicht veröffentlicht werden.

  4. piccolo-junior sagt:

    Die digitale Distribution wird eher etwas für kleine, unabhängige Entwickler sein. Die grossen Multis werden auch in Zukunft auf die konventionelle Distribution setzen. Vor allem die Entwickler, die immer auf eine bessere Grafik setzen, werden kaum ihre Spiele für WiiWare oder Xbox Live entwickeln.