50 Jahre Videospiele – Wie die Pixel laufen lernten (Teil 1)

Kaum zu glauben, aber die ersten Gehversuche in Sachen Computer- und Videospiele liegen bereits fünfzig Jahre zurück. Wer hätte sich vor einem halben Jahrhundert träumen lassen, dass es jemals möglich sein würde, fotorealistische Grafikelemente in Echtzeit über den Bildschirm zu bewegen oder wie selbstverständlich mit Menschen, die tausende von Kilometern entfernt wohnen, zu spielen.

Die offizielle Geburtsstunde der Videospiele, wird gemeinhin auf das Jahr 1958 datiert, also vor genau fünfzig Jahren. Dieses historische Ereignis fand aber nicht in irgendeiner Garage oder dem Computerzimmer eines pubertierenden Teenagers statt. Soweit war man zu dieser Zeit noch lange nicht. Nein, vielmehr handelte es sich bei dem „Geburtshaus“ um ein wissenschaftliches Labor. Genau gesagt das National Laboratory von Brookhaven (USA). Der Physiker William Higinbotham arbeitete dort in der Abteilung für Mess- und Analyseinstrumente. Die Hauptaufgabe dieser Abteilung bestand darin, Analogcomputer für die Öffentlichkeitsarbeit des Labors zu entwickeln. Das erste historisch verzeichnete elektronische Spiel mit dem Namen „Tennis for two“, war anfangs eigentlich auch eher als technische Demonstration gedacht und wurde der neugierigen Presse ganz unspektakulär in der ansässigen Turnhalle vorgestellt. Auf einem fünf Zoll kleinen Oszillographen Monitor konnte man einen Lichtpunkt beobachten, der wie von Geisterhand bewegt, über einen kleinen Strich (der das Netz darstellen sollte) hüpfte. Natürlich handelte es sich bei Tennis for two nicht um ein Videospiel wie wir es heute kennen. Die Erfindung der Heimkonsolen bzw. Spielautomaten lag noch in ferner Zukunft, aber trotz alledem handelte es sich bei dieser Demonstration um das erste elektronische, interaktive Spiel der Welt. Als Steuerungseinheit diente ein quadratischer Controller, inklusive Drehknopf und Action-Button.

Tennis for Two

Diese kuriose Entwicklung sollte für lange Zeit einmalig bleiben. Der technische Aufwand für solch eine Art von Spielen war einfach noch zu groß. Die hierfür erforderlichen Hochleistungscomputer füllten nicht selten ganze Räume, hatten einen enormen Stromverbrauch und waren äußerst wartungsintensiv. Diese Gründe sprachen damals ganz klar gegen die Vision eines massentauglichen Spielgeräts. Bis 1972 sollte es dauern, bis diese Idee wieder ernsthaft weiterverfolgt wurde. Die von Nolan Bushnell gegründete Unterhaltungselektronikfirma Atari schickte sich an, einen weiteren Impuls in Sachen Computer- und Videospiele an die nach Zerstreuung lechzende Menschheit auszusenden. Die Rede ist natürlich vom Urvater aller Videospiele – Pong. Urvater deshalb, weil Pong das erste elektronische Spiel sein sollte, das die heimischen Haushalte erreichte und vom Preis her auch für Privatpersonen erschwinglich war. Begonnen hatte die Pong-Hysterie allerdings mit klobigen Spielautomaten, die in einigen Kneipen aufgestellt wurden. Anfangs versprach sich Atari nicht allzuviel Erfolg von dem Spiel. Schließlich handelte es sich um eine vorsichtige Weiterentwicklung des Tennis for two-Prinzips aus den 50er Jahren. Die Grafik, wenn man das so nennen darf, bestand gerade mal aus zwei Balken, einem Ball und einer Punkteanzeige. Die Spieler mußten außerdem mit einer schlichten schwarz-weißen Darstellung leben. Allerdings hatte Atari den Spieltrieb der zumeist jugendlichen Zielgruppe unterschätzt. Die reine Möglichkeit, interaktiv in ein am Fernsehbildschirm angezeigtes Spielgeschehen einzugreifen, faszinierte eine ganze Generation von jungen Menschen dermaßen, das der Pong Automat schnell ein Renner wurde. Angespornt von diesem unerwarteten Erfolg war es natürlich nur eine Frage der Zeit, bis Atari die ersten Heimvarianten von Pong auf den Markt brachte. Die Folge waren ausserdem zahlreiche Klone und Nachahmer, die kurz danach den Markt überschwemmten und die Nachfrage schnell befriedigten.

Ein paar Jahre nach diesem Überraschungserfolg, nämlich 1976, war es an der Zeit für etwas Neues. Was lag da näher, als das erfolgreiche Pong-Konzept konsequent weiterzuentwickeln und auch Einzelspielern zugänglich zu machen. Das Ergebnis nannte sich Breakout (auch bekannt als Arkanoid) und wurde maßgeblich von dem jungen Atari Mitarbeiter und späteren Apple Gründer Steve Jobs vorangetrieben. Das Ziel dieser Solo-Pong Variante bestand darin, mit einem beweglichen Balken die Laufrichtung eines Balls so zu beeinflussen, das er die am oberen Rand befindlichen Mauersteine möglichst schnell und effektiv zerstörte. Waren alle Steine aus dem Weg geräumt, gelangte man in das nächste Level, um wieder neue Maueranordnungen vorzufinden. Dieses Spielprinzip stellte eine konsequente Weiterentwicklung des etwas angegrauten Tele-Tennis Prinzips dar und hat bis heute nichts von seinem ursprünglichen Charme verloren.

Arkanoid

Eine wirkliche Innovation im Computer- und Videospiele-Markt sollte allerdings noch ein paar Jahre auf sich warten lassen. Erst der japanische Arcade Spezialist Namco sollte hier Abhilfe schaffen. Als 1980 die ersten Spielautomaten des grandiose Geschicklichkeitsspiels Pac-Man auftauchten, war dies einer kleinen Revolution gleichzusetzen. Die Grafik wurde aufwendiger, das Spielkonzept komplexer und gleichzeitig fordernder als je zuvor. Der berühmte gelbe Pillenfresser mußte so durch die verwinkelten Labyrinthe gesteuert werden, dass er ohne Feindberührung alle im Level enthaltenen Punkte (bzw. Pillen) abräumte. Die Gegnerschar bestand aus vier flinken Geistern (Blinky, Pinky, Inky und Clyde). Allerdings konnte der Spieß auch umgedreht werden. Sobald Pac-Man eine der in den Ecken plazierten Power-Pillen verputzte, tauschten die Parteien kurzzeitig ihre Rollen und Pac-Man hatte für ein paar Sekunden die Möglichkeit, die Jagd auf die bunten Geister zu eröffnen. Je mehr man erwischte, desto höher stieg der Highscore. Ich denke es gibt wenig spielebegeisterte Menschen, die nicht zumindest ein paar Minuten mit einer der zahlreich veröffentlichten Nachfolger dieses Spiels verbracht haben. Bis heute erscheinen immer noch Umsetzungen in Klassik Compilations und sogar neue Varianten für so ziemlich jede Konsole. Kein Wunder, dass der gelbe Pillenfresser zum damaligen Zeitpunkt einen regelrechten Hype ausgelöst hat. Ein kuriose Fußnote der Geschichte ist übrigens, das das Spiel ursprünglich eigentlich Puck-Man hieß. Die japanischen Entwickler ahnten aber wohl voraus, was vor allem amerikanische Teenager aus diesem Spielenamen gemacht hätten.

5 Antworten zu 50 Jahre Videospiele – Wie die Pixel laufen lernten (Teil 1)

  1. ness sagt:

    Ich interessiere mich ja auch für die Geschichte der Videospiele.
    Kann da allen, die so etwas interessiert, die Bücher „Wir waren Space Invaders“ und „The Ultimate History of Video Games“ (sehr, sehr umfangreich, allerdings nur in Englisch) empfehlen, da erfährt man wirklich Wissenswertes über die ganze Entstehungsgeschichte, Ralph Baer war da ja auch involviert^^.

    Ansonsten gut geschriebene Zusammenfassung, das Bild von „Tennis for two“ sehe ich sogar zum ersten Mal^^.

  2. Retrozocker sagt:

    Ich kann euch zu diesem Thema nur wärmstens das deutschsprachige Buch „Spielkonsolen und Heimcomputer“ vom Gameplan Verlag empfehlen.

  3. ness sagt:

    Stimmt, wie konnte ich das nur vergessen?

    Allerdings wird da eher nicht auf den geschichtlichen Hintergrund eingegangen, ein Pflichtbuch für Gamer stellt es aber sowieso dar =).

  4. piccolo-junior sagt:

    Guter und interessanter Artikel. Werde mir jetzt auch noch die nächsten Teile durchlesen.^^

  5. Monty sagt:

    In demArtikel hat sich ein Fehler eingeschlichen. „Arkanoid“ war mitnichten ein anderer Name für „Breakout“ sondern ein eigenständiges Spiel das in den 80ern von Taito entwickelt wurde.
    Aber ansonsten ein recht netter Artikel :)