FUD: Die drei scheinbaren Argumente gegen die Wii

Jetzt reicht’s! Seit Monaten wetterte die Anti-Wii-Fraktion mit den immergleichen Argumenten, die bisher schlicht nicht bestätigt werden konnten. Räumen wir hier mit den Haltlosigkeiten auf!

FUD steht für „fear, uncertainty and doubt“ und bezeichnet ursprünglich eine Werbestrategie, die gezielt auf die Schwächen der Gegner zielt, statt auf die Stärken des eigenen Produktes zu setzen. Dabei halten sich die Akteure nicht streng an die Wahrheit, sondern verbreiten bewusst Gerüchte und Unklarheiten. Im Konsolengeschäft ist die FUD-Taktik nicht neu, aber selten gehen sich Werbeleute, Fans und sogar Entwickler derart an die Gurgeln wie in dieser Generation. Am Anfang kam die PS3 unter die Räder, doch nun muss sich vor allem die Wii mit Halbwahrheiten auseinandersetzen. Die Konsolenhersteller haben dabei Mitschuld, vor allem Microsofts Verantwortliche gingen am Anfang hart gegen die PS3 an. Da jetzt die Wii mit rasanter Geschwindigkeit an die Spitze kam und den Vorsprung weiter ausbauen wird, äussern alle Fans, Entwickler und Analysten, die mit der Wii nicht einverstanden sind, allerlei wirre Prognosen. Gehen wir also gegen die populärsten Behauptungen vor:

1) Die Wii ist technisch zu schwach und wird einen kurzen Lebenszyklus haben. Die Befürworter dieser Hypothese gehen davon aus, dass die Leute bald nicht mehr mit der Grafik zufrieden sind und eine Spielweise wünschen, die nur die Konkurrenz bieten können. Konkret äussert sich die bessere Leistung der Konkurrenz in höherer künstlicher Intelligenz, bessere Physiksimulation und einer grösseren Anzahl beweglicher Objekte. Diese Argumentation hat jedoch mehrere Schwächen: Erstens mögen die anderen zwar in anderen Bereichen besser abschneiden, aber die Wii bietet eine andere Spielweise mit Motionsensoring und Pointing. Solange die anderen Konsolen diese nicht anbieten können, wird die Wii immer etwas Einzigartiges haben. Zweitens hatten die bisherigen Marktführer immer einen langen Lebenszyklus mit Ausnahme des GBAs, aber dieser bekam eine neue Konkurrenz. Das heisst, solange die Wii nur von der 360 und der PS3 bedrängt wird, gibt es für Nintendo keinen Grund für einen verfrühten Generationswechsel. Drittens: Die Grafik der Wii wird den Konsumenten ebensowenig vergraulen wie jene des DS, der technisch ebenfalls deutlich schwächer ist als die PSP. Zwar behaupten viele, dass diese Parallele nicht funktioniert, aber bisher gibt es keinen Anhaltspunkt, dass die Geschichte nicht ähnlich verläuft wie der Kampf zwischen dem DS und der PSP. Und Viertens ist die Wii technisch auf dem neuen Stand, denn die Konkurrenz braucht noch eine ganze Weile, bis sie auf die Grösse der Wii kommen werden.

2) Die Wii ist eine Konsole für Gelegenheitsspieler und weist deshalb schlechte Softwareverkaufszahlen vor. Zum Glück gehört diese Behauptung der Vergangenheit an, obwohl schlecht informierte Leute immer noch diese Halbwahrheit verbreiten. Zwar hat die Wii tatsächlich sehr viele neue und mit Konsolen wenig vertraute Nutzer, aber die Software verkauft sich im Westen bisher blendend. Auch in Japan lieferte Nintendo sehr viele Spielekopien. Gewiss haben die Dritthersteller in Japan noch nicht reüssiert, aber ihre Verkaufszahlen im Westen können sich sehen lassen.

3) Die Dritthersteller unterstützen die Kombination PS3+XBox 360 mit besseren Spielen, weil die besten Teams an diesen Spielen arbeiten. Diese Behauptung stützt sich vor allem auf zwei Fakten: Erstens kostet die Spielentwicklung für diese Plattformen mehr und beansprucht deshalb grössere Teams. Und zweitens liegen die 360 und die PS3 technisch nicht weit auseinander, Multiplattformentwicklungen setzen also auf diese beiden Plattformen plus den PC. So einleuchtend diese Behauptung auch ist, sie hat eklatante Schwächen. Erstens berücksichtigt sie nicht die Vorgeschichte der Wii, die als Underdog in dieses Rennen gestartet ist: Viele Dritthersteller haben erst spät gemerkt, was für eine lukrative Einnahmensquelle die Wii darstellt. Die Folge war eine Flut an billig produzierten Spielen. Aber die Entwickler machen zurzeit deutliche Fortschritte, die Spiele werden besser und schöner. Zweitens machen die Firmen mit Multiplattformentwicklung nicht immer die besseren Geschäfte, weil eine Exklusiventwicklung günstiger ist und auf der Wii eine fast so grosse Userbasis hat wie die zwei anderen Plattformen zusammen. Ausserdem kann die Userbasis in Zukunft sogar grösser sein als die kombinierte der Konkurrenz. Drittens sagt das Budget eines Spiels nur bedingt etwas über die Qualität des Spiels aus. Warum sollen Entwicklungen mit dem Budget eines PS2-Spiels keine guten Spiele bringen?

Aufgrund der zwei letzten Behauptungen schliessen viele Kritiker daraus, dass die Dritthersteller sich auf die anderen Plattformen konzentrieren werden, während die Wii nur minderwertige Produkte bekommt. Sicherlich hat die 360 bisher gezeigt, dass sie Gewinne für die Third Parties generieren kann. Aber nur die engstirnigsten und verbohrtesten Manager würden nicht versuchen, den Markt der Wii zu erobern. Dabei müssen sie auch gute Spiele bringen, denn nur mit Billigprodukten kann man nicht ewig reüssieren; nicht zuletzt weil Nintendo ihre Anstrengungen für Wii-Spiele gesteigert hat und noch mehr Teams für die Wii-Spieleentwicklung einsetzen will als früher.

6 Antworten zu FUD: Die drei scheinbaren Argumente gegen die Wii

  1. piccolo-junior sagt:

    Die 360 hat auch deshalb gezeigt, dass Dritthersteller mit ihr Gewinne erzielen können, weil MS bei weitem nicht so viele (gute) Spiele veröffentlicht wie Nintendo.

  2. ness sagt:

    Mich ko**t diese ganze Schwarzmalerei sowieso an. Ständig wird an irgendetwas rumgemeckert, oft auch mit absolut haltlosen Argumenten.
    Deshalb ist es auch schön zu sehen, dass sich auch mal jemand zum Auftrag gemacht hat, manche Behauptungen zu entkräften. Danke =)

    ^^

  3. Robert sagt:

    Ich hät gerne eine Wii aber naja.. für den Preis werd ich mir keine holen. Dafür krieg ich ja auch schon ne 360’er.. sollte er doch unter 100€ fallen…

  4. Ronny sagt:

    Also von der Qualität her finde ich alle drei Konsolen scheuslich. Seit Jahren verhagelt man den lieben PC-Spielern jegliche Spieltiefe und Grafikqualität, weil die armen Konsolis sonst nicht mehr mitspielen könnten. Tolles Ding.

    • ness sagt:

      „Seit Jahren verhagelt man den lieben PC-Spielern jegliche Spieltiefe und Grafikqualität“

      O.K., das mit der Grafikqualität kann ich in gewisserweise nachvollziehen, aber wieso denn Spieltiefe? O_o

  5. Ich weiß zwar auch nicht, wie das mit der fehlenden Spieltiefe genau gemeint ist (Außer der Herr gehört zu jenen Zeitgenossen, die Halo für jede „Casualisierung“ in der Shooter-Welt verantwortlich macht), aber da der PC inzwischen seit Jahren den HD-Konsolen den Grafik-Rang abläuft, verstehe ich nicht wirklich, weshalb sich ein Mitglied der „Master-Race“ so abfällig gegenüber den Konsolen äußert.