Firmenübernahmen und deren Auswirkungen

In der Videospielindustrie fressen grosse Firmen die kleinen, um begehrte Spielereihen sichern zu können. Was für Auswirkungen hat diese Geschäftspolitik auf die Spielentwicklung?

EA ist noch grösser geworden: Mit dem Kauf von Bioware Corp. und Pandemic Studios sicherte sich der Softwaregigant weitere Spieleserien. Schon vor dem Kauf war EA die umsatzstärkste Firma im Westen, bevor Nintendo sie ablöste. Nicht wenige Spieler und Branchenkenner reagieren skeptisch bis ablehnend, denn EA hat den Ruf, die aufgekauften Firmen im engen Korsett zu schnüren. Aufwändige und riskante Projekte haben zukünftig geringere Chancen, bei Bioware und Pandemic in Angriff genommen zu werden.

Bioware Logo

Dabei handelt es sich hier nicht um eine feindliche Übernahme: die beiden Firmen gingen freiwillig in die Abhängigkeit von EA. Grundsätzlich werden nicht so viele kriselnde Studios geschluckt, sondern erfolgreiche, die ihre Unabhängigkeit nicht ungern aufgeben, wenn die Käuferfirma über eine gesunde Finanzierung verfügt. Aber warum geben kleine Firmen ihre Unabhängigkeit auf? Man würde doch annehmen, dass die kreative Freiheit ein wichtiges Gut sei, die unter den strengen Augen eines kalkulierenden Auftraggebers wie EA zu leiden hätten.

Die einfachste und wohl auch treffendste Erklärung ist die gesicherte Finanzierung: Eine unabhängige Firma muss einen grossen Teil ihres Projektes selber finanzieren und trotzdem noch nach einem Publisher suchen, denn die meisten Spiele können sie aus finanziellen Gründen nicht selber veröffentlichen. Auch ein so erfolgreiches Studio wie „Level 5“ übernimmt nur bei ganz wenigen Spielen die Veröffentlichung, wie zum Beispiel bei „Professor Layton“. Sehr oft können unabhängige Firmen nicht wirklich unabhängig agieren, sondern übernehmen viele Auftragsarbeiten von grossen Firmen: Nintendo muss zum Beispiel mehrere Spielentwicklungen an externen Firmen übergeben, weil sie selber nicht über genügend Teams verfügt, um alle Franchises und Spieleserien gerecht zu werden – und völlig neue Spiele müssen schliesslich auch noch von internen Teams erfunden werden. Die Unabhängigkeit der kleinen Firmen ist also relativ zu verstehen.

Zwar haben grosse Firmen schon immer talentierte Kleinfirmen mit guten Franchises aufgekauft, wenn die Gelegenheit vorhanden war, und schon immer konnten kleinere Firmen oft nur überleben, wenn sie hin und wieder mit Auftragsprojekten beschäftigt waren. Dennoch gibt es Grund zur Sorge: Einerseits verlieren kleine Studios zusehends ihre Unabhängigkeit, weil die Spielproduktionskosten stetig gestiegen sind. Andererseits werden die grossen Firmen immer mächtiger, denn selbst im Falle einer Talentflucht nach dem Kauf behalten die Spielegiganten wie EA und Ubisoft immer noch die Rechte an den Spielen. Will man also die Diversität unter den unabhängigen Studios sichern oder gar vergrössern, dann müssen die Konsolenhersteller garantieren, dass ihre Konsolen auch Möglichkeiten für günstige Spieleproduktionen bieten. Sind diese Möglichkeiten nicht vorhanden, können immer nur die gleichen Teams von den wenigen grossen Firmen die Spiele dafür entwickeln. Da diese Teams aber oft dazu gezwungen werden, Sequels zu erfolgreichen Serien herzustellen, kann die Diversität der Spiele bei gewissen Konsolen nicht genügend zunehmen, um mehr Konsumenten anzusprechen. Die Stärkung der kleinen Firmen kommt also nicht nur der Industrie zugute, sondern auch die Spieler müssen ein Interesse daran haben, denn wer möchte schon ständig First-Person-Shooters spielen? Natürlich sorgt eine grössere Spielevielfalt nicht automatisch für eine höhere Spielequalität, sondern man bekommt im Gegenteil sogar mehr mittelmässige bis schlechte Spiele angeboten. Wer jedoch über genügend Erfahrung verfügt, um die Qualität der Spiele einzuschätzen, kann von der Abwechslung im Spielangebot enorm profitieren: Neue Spielideen gedeihen in völlig neuen Spielen besser als in Sequels, weil letztere sich immer um ihre konservative Stammspieler sorgen müssen.

2 Antworten zu Firmenübernahmen und deren Auswirkungen

  1. ness sagt:

    Schon ein schwieriges Thema (toller Artikel wieder btw ;)), da man halt nie weiß, was aus dem Team dann wird (*auf Rare schau….*), andererseits gibt es natürlich auch Studios, denen dies keinen Abbruch tat.

    Mal schauen wie es Bioware und Pandemic gehen wird, man kann nur hoffen…

  2. piccolo-junior sagt:

    Ich schliesse mich der Meinung von Ness an ^^. (Super Artikel, wie immer^^)