Aus alt mach neu – Fire Emblem: The Sacred Stones

Mit dem neuesten Ableger von Nintendos Strategie-RPG-Serie „Fire Emblem“ kehrt Entwickler Intelligent Systems zu den Wurzeln zurück und präsentiert der Videospielgemeinde ein Remake des allerersten Teils, mit Marth in der Hauptrolle. Dass Fire Emblem auf vergangene Tage zurückgreift ist allerdings kein Novum…

Es hat den Anschein, als wäre Nintendo zu Zeiten des NES geradezu darauf erpicht gewesen, mit dem jeweils zweiten Teil ihrer erfolgreichen Franchises gnadenlos herumzuexperimentieren: Westliche Spieler sahen sich mit radikalen Änderung im Gameplay konfrontiert, als sie zum ersten mal ihre Super Mario Bros. 2-Cartridge ins Entertainment System schoben, mussten sich mit einer vollkommen neuen Perspektive und Rollenspiel-Elementen in Zelda 2: The Adventure of Link anfreunden und waren in Metroid II: Return of Samus gezwungen, ihren Forschungsdrang zurückschrauben, um stattdessen eine vorgegebene Anzahl an Mutationen auszuschalten. Ähnlich erging es der Fire Emblem-Reihe: Während der erste Teil spielerisch bis auf einige Details den heutigen Spielen ähnelt, wie ein Ei dem anderen, führte der zweite Teil unter dem Namen „Fire Emblem Gaiden“ viele Neuerungen ein, die allerdings im Nachfolger bereits wieder fallen gelassen wurden. Es dauerte fast 15 Jahre, bis ein neuer Teil der Serie einige dieser Elemente wieder aufgriff: Fire Emblem: The Sacred Stones bediente sich bei seinem Erscheinen im Jahre 2004 (2005 im Westen) auf dem GameBoy Advance reichlich beim schwarzen Schaf der Reihe.

Die Story des dritten GBA-Teils (und zweiten jemals im Westen veröffentlichten Fire Emblems) lässt sich schnell zusammenfassen: Im Mittelpunkt der Handlung stehen die beiden Zwillinge Eirika und Ephraim, respektive Prinzessin und Prinz des Königreichs Renais. Dieses wird, während Ephraim mit einigen seiner Gefolgsleute unterwegs ist, von den alliierten Truppen des Imperiums Grado aus heiterem Himmel angegriffen. Prinzessin Eirika kann dank der Hilfe des Paladins Seth den Fängen des Feindes entfliehen, sieht sich aber schon bald der Bedrohung durch den versiegelten Dämonenkönig ausgesetzt, welcher von Grado durch das Zerstören der fünf „Heiligen Steine“ freizusetzen versucht wird.
Der Spieler startet mit der noch unerfahrenen Eirika und einigen wenigen Truppen und baut sich im Laufe der einzelnen Kapitel eine immer stärkere Armee auf, bis schließlich Ephraim mit seinen Gefolgsleuten hinzustößt. Fortan arbeitet das Spiel einige Kapitel mit beiden Lords, während sich deren Wege allerdings bald schon wieder trennen. Hier muss der Spieler nun wählen, welche Kampagne er bestreiten möchte: Die von Eirikia oder die von Ephraim? Wer also wirklich alle Missionen einmal bestreiten möchte, der muss The Sacred Stones zweimal durchspielen; ein Punkt, auf den ich später noch einmal zu sprechen kommen werden. Dieses Element stellt bereits das erste Leihgut aus Gaiden dar: Auch dort gab es zwei Lords (Alm und Selica), deren Kampagne sich trennte und später wieder vereinte.

Übersichtskarte in Sacred Stones und Gaiden

Zwischen den Schlachten findet man sich auf einer Übersichtskarte wieder, wobei auch dieses Feature nur in Gaiden und The Sacred Stones vorzufinden ist. Nun steht es dem Spieler frei, die nächste Mission in Angriff zu nehmen oder erst einmal eine Stadt aufzusuchen, um dort neue Waffen und Items einzukaufen. Ausserdem tauchen in regelmäßigen Abständen Monsterhorden auf diversen Punkten der Karte auf, die optional angegriffen werden können. Da jene Kreaturen nicht allzu schwer zu besiegen sind, stellt dies die perfekte Möglichkeit dar, die eigenen Einheiten hochzuleveln, um sie für kommende Schlachten vorzubereiten. War dies in dem recht schweren Gaiden noch dringend nötig, waren im Fall von The Sacred Stones viele Fans, sowie Kritiker, der Meinung, dass dies den Schwierigkeitsgrad zu sehr senkte. Unerfahreneren Spielern bot dies aber immerhin einen leichteren Zugang zum recht anspruchsvollen Spielprinzip.

Wie gehabt war es den Einheiten möglich, ab Erreichen von Level 10 im Rang aufzusteigen. Aus einem Kavalier wurde ein Paladin, aus einem Bogenschützen ein Scharfschütze und so weiter. Eine durchaus sinnvolle Neuerung stellte dabei die Wahl zwischen zwei Klassen dar: Dem Kavalier war es also nicht mehr vorgeschrieben, zum Paladin aufzusteigen, er konnte auch zum Erzritter promovieren. Dies verschaffte dem Spieler den Vorteil, mit der passenden Klasse die Stärken der einzelnen Kämpfer ausnutzen und die Schwächen ausmerzen zu können. So sind Ritter und Generäle beispielsweise dafür bekannt, über eine enorm hohe Verteidigung zu verfügen, allerdings extrem langsam zu sein. Beförderte man allerdings z.B. die schnelle Rekrutin Amelia zum Ritter, so konnte sie ihre hohen Schnelligkeitswerte einsetzen, um dieses Manko auszugleichen. Leider behielt man dieses Feature im nächsten Teil der Reihe, dem GameCube-Ableger „Path of Radiance“, nicht bei. In ähnlicher Form kam auch dies bereits in Gaiden vor: Hier starteten rekrutierte Charaktere als normale Kämpfer ohne besondere Merkmale, konnten aber ab dem 3. Level eine der Standartklassen bekleiden. Welche, war der Wahl des Spielers überlassen. Sobald die Entscheidung gefallen war, folgten die Charaktere allerdings einer vorgeschriebenen Klassenlaufbahn.
In The Sacred Stones zeichneten sich höhere Ränge nicht nur durch einen Kraftzuwachs und die Beherrschung neuer Waffen aus, einige verfügten auch über Spezialfähigkeiten: Ein Bischof richtete beispielsweise verheerenden Schaden bei Monstern an, während Attentäter ab und zu eine 50%-Chance auf einen kritischen Treffer erhielten. Zum ersten mal wurden diese Fertigkeiten in Fire Emblem: Genealogy of the Holy War fürs SNES eingeführt, waren dort allerdings sehr unbalanciert. Nach ihrem Comeback 10 Jahre später spielten sie in Path of Radiance abermals eine große Rolle. Als letztes Relikt aus vergangenen Tagen sei noch Myrrh, die Manakete, zu erwähnen. Manaketen zeigen sich für gewöhnlich in der Gestalt von kleinen Mädchen, verwandeln sich aber bei Einsatz besonderer Steine in gefährliche Drachenkreaturen. Die erste Manakete tauchte bereits in Teil 1 der Fire Emblem-Serie auf: Chiki, eine Nachfahrin des Drachengotts Naga spielte dort eine tragende Rolle. Diese Sonderklasse feierte 12 Jahre später im sechsten Teil „Sword of Seals“ ihr Comeback mit Fa, ließ sich im siebten Teil allerdings nicht blicken und tauchte erst im achten, The Sacred Stones, wieder auf.

Myrrh, die Manakete

Wie bereits erwähnt, muss The Sacred Stones zweimal durchgespielt werden, damit die gesamte Geschichte erfahren werden kann. Genau wie Hectors Kampagne im siebten Teil dient dies zur Verlängerung der Gesamtspielzeit und soll den Spieler auch nach dem Beenden der Hauptstory noch unterhalten. Dazu tragen in The Sacred Stones auch die Ruinen und Türme auf der Übersichtskarte bei: Diese bieten nicht nur eine Herausforderung für die hochtrainierten Truppen, sondern Belohnen ein erfolgreiches Beenden auch mit Bonuscharakteren, was z.B. die Kontrolle über einige der Bösewichte ermöglicht. Auch dies gab es so ähnlich schon einmal in einem voherigen Teil, nämlich dem sechsten: Hier wurde mehrmaliges Durchspielen der Kampagne mit Bonuskämpfern belohnt.

Es ist interessant zu sehen, wieviele Elemente Fire Emblem: The Sacred Stones aus alten Spielen der Reihe übernommen hat und wieviele in den Nachfolgern wieder fallen gelassen wurden. Daher bleibt es abzuwarten, ob das kommende DS-Remake des Erstlings auf aktuelle Standarts zurückgreifen oder das simplere Gameplay von damals (nur eine Magie-Klasse, kein Waffen-Dreieck etc.) beibehalten wird. Hoffen wir, dass Intelligent Systems einen Schritt nach vorne tut, nicht zurück.

3 Antworten zu Aus alt mach neu – Fire Emblem: The Sacred Stones

  1. ness sagt:

    Cooles Feature, vieles war mit davon garnicht bekannt. Weiter so =).

  2. piccolo-junior sagt:

    Dem kann ich nur zustimmen. Super Artikel. Weiss man eigentlich, wann der Wii-Teil in Europa erscheint?

  3. Retro V sagt:

    Soweit ich weiß, wurde noch nichts über einen Europa-Release von Radiant Dawn bekanntgegeben, man muss also vorerst hoffen.