Liegt die Zukunft in Handy-Games?

Namhafte Spieleschmieden wie Capcom und Square-Enix produzieren eine Vielzahl an Handy-Games. Warum? Die Antwort liegt in den Entwicklungskosten.

In der letzten „Tokyo Game Show“ (eine Spieleausstellung) haben die grossen Spielefirmen nicht gerade mit grossartigen Ankündigungen geglänzt. Diese Erkenntnis gilt für alle Plattformen ausser jene der Handys: Capcom bringt ihre Franchises ebenso auf Handys wie Square-Enix. Besonders die letztgenannte Firma hat sehr viele Spiele dafür entwickelt. Viele Spieler reagierten entweder erstaunt oder gar hässig, sie verstehen nicht, warum die Firmen nicht ihre Energie in den grossen Plattformen wie die PS3, die Xbox oder die Wii aufwenden.

Ich selber kann mit Handy-Games wenig anfangen. Handys sind in der Regel keine vernünftige Spieleplattform, weil die Bedienung nicht fürs Spielen gemacht ist. Solange Touchscreens nicht standardmässig eingebaut werden und genügend gross sind, wird meine Meinung über die Steuerung kaum auf Gegenmeinungen stossen. Ich kann jedoch verstehen, warum Spiele für Handys nicht nur von unbekannten Firmen produziert werden, sondern auch bei den namhaften Spieleschmieden Interesse wecken. Man muss das Engagement von Capcom und Square-Enix als Flucht nach vorne verstehen. Wovor flüchten sie? Die Antwort lautet: Sie flüchten vor den steigenden Entwicklungskosten.

Tobal M für Handys

Schon in früheren Kolumnen habe ich darauf hingewiesen, dass die Entwicklungskosten ständig steigen und somit den Druck auf die Spieleproduzenten erhöhen. Viele Spieler verstehen den Zusammenhang jedoch nicht oder unterschätzen den Faktor „Entwicklungskosten“ massiv. Wie sehr die Kosten gestiegen sind, zeigt das Beispiel „Final Fantasy IV“: Das Original kam Anfang der 90er-Jahre für das SNES, das Team bestand aus etwa ein Dutzend Personen, welche das Spiel innerhalb eines Jahres fertigten. Nun kommt für den DS ein Remake, dieses benötigt ein etwa drei bis vier Mal grösseres Team und deutlich mehr Entwicklungszeit, aber es wird sich wohl kaum so gut verkaufen wie das Original. Dabei gehört der DS bereits zu den günstigsten Plattformen. Die Kostenspirale wird sich beim DS dennoch nach oben drehen, denn im Kampf gegen Konkurrenzspiele müssen die Entwickler technisch immer raffiniertere Spiele machen.

Die Konsolenhersteller haben die Kostenexplosion erkannt, aber nicht genügend Massnahmen dagegen unternommen. Selbst die Wii, die günstigste neue Heimkonsole unter den drei Produkten (Wii, Xbox360 und PS3), stoppt die Kostenspirale nicht, sondern verlangsamt sie nur. So erfordert die Entwicklung von „Super Mario Galaxy“ und „Super Smash Bros. Brawl“ deutlich grössere Teams und mehr Entwicklungszeit als ihre Vorgänger, Gerüchten zufolge kostet „Brawl“ mindestens doppelt so viel wie sein Vorgänger. Die Wii ist als Spieleplattform also nur günstig im Vergleich mit ihren direkten Heimkonsolen-Konkurrenten, aber im Vergleich mit der letzten Konsolengeneration wird sie bezüglich Produktionskosten nicht besser abschneiden. Als Produzent kann man gewisse Massnahmen treffen, um die ausufernden Kosten zu dämmen. Zum Beispiel verlangte der frühere Nintendopräsident Yamauchi, die Entwicklungszeit einzuschränken. Die Spiele kamen dadurch zwar schneller auf den Markt, Nintendo wurde produktiver, aber die Qualität erreichte nicht die Standards von früher. Nun versucht Nintendo, sowohl günstige als auch teure Produktionen zu haben, das heisst gezielt auf die Bedürfnisse der jeweiligen Kundschaft anzusprechen. Leider akzeptieren viele Spieler diese Politik wiederum nicht, weil sie grundsätzlich technisch raffinierte Spiele haben wollen. Am deutlichsten sieht man diesen Unmut in den Äusserungen zu „Mario Kart“ für die Wii.

Die Spiele innerhalb einer Plattform stehen in Konkurrenz untereinander, dabei bietet die Grafik am meisten Angriffsfläche. Ob einem die Grafik gefällt? Diese Frage stellt sich nicht. Man fragt auch nicht danach, ob die Grafik zum Spiel passt. Nein, am meisten interessiert es den Vielzockern, ob ein Spiel die Plattform technisch ausreizt. Beschimpft werden Entwickler, die dieser Maxime nicht folgen. Nicht wenige Personen, die in diesem Geschäft beteiligt sind, weisen darauf hin, dass die Entwicklungszeit und –kosten eine Hürde seien: Nicht alle können es sich leisten, die Veröffentlichung der Spiele immer wieder zu verschieben oder Teams mit Dutzenden von Leuten zu haben.

Entwicklungskosten bestimmen in vielen Fällen, ob ein Projekt in Angriff genommen werden kann. „Monster Hunter 3“ war ursprünglich eine Spielentwicklung für die Playstation 3 und wird nun exklusiv für die Wii kommen. Erstaunlicherweise entscheiden sich die Entwickler nicht für Multiplattformentwicklung, denn offensichtlich wäre das finanzielle Risiko selbst so viel zu hoch. Natürlich begleitet die Warnung vor zu hohen Entwicklungskosten die Videospielindustrie seit ihren Anfängen, jedoch fordern die heutigen Heimkonsolen so viel, dass viele kleine Firmen sich ein Projekt nicht mehr leisten können. Die Wii ist nur bedingt eine Lösung, denn sie stoppt – wie bereits geschrieben – die Kostenspirale nicht, sondern verlangsamt sie nur.

Werden Handyspiele wirklich die Zukunft darstellen? Sicherlich werden diese Spiele an Einfluss zunehmen, doch hoffen viele Spieler insgeheim, dass die wirklichen Spieleplattformen weiterhin den Markt dominieren. Dafür müssen die Konsolenhersteller in der nächsten Generation allerdings ernsthafte Massnahmen ergreifen, um die Kostenentwicklung nicht nur zu verlangsamen sondern zu stoppen. Am besten wäre es natürlich, die Kosten zum Sinken zu bringen. Aber würden die Spieler es goutieren, wenn nicht mehr die Leistungsteigerung als primäres Ziel eines Konsolenherstellers gilt?

3 Antworten zu Liegt die Zukunft in Handy-Games?

  1. Boris sagt:

    Nun, ob Handyspiele mittelfristig überhaupt dazu geeignet sind, einen Handheld zu ersetzen? Ich halte das für unwahrscheinlich. Ich denke auch, dass Prestige hier – vor allem für die Publisher – eine wichtige Rolle spielt. Mit Handy-Games lasst sich vielleicht kosteneffektiver produzieren, aber ein Aushängeschild sind sie längst noch nicht. So richtig lohnenswert ist das derzeit sicher nur für kleinere und mittlere Unternehmen; die großen sind einfach auf den größeren Konsolenmarkt angewiesen, der mehr Geld einspielt und damit deren finanzielle Aufwendungen rechtfertigt. Mich würde umgekehrt wirklich einmal interessieren, wie viele – wenn überhaupt – erfolgreiche Hersteller von Handy-Games sich einer Konsole zuwenden?
    In jedem Fall wird die Lücke zwischen den Branchen schmaler. Als Nokias N-Gage rauskam, musste ich einen Moment schlucken, aber so richtig eingeschlagen ist das Teil ja dann doch nicht. Vielleicht ist es ja noch für die nächsten Jahre ein abschreckendes Beispiel für andere und die Verschmelzung von Handy- und Handheld.

  2. ness sagt:

    irgendwie finde ich, dass auf das Thema Handy im Artikel nicht genug eingegangen wird, eher wieder auf die Entwicklungskosten^^.

    Aber auch ich glaube, dass die Zukunft auf keinen Fall in Handy-Games liegt, Ich hab mal „Snake“ auf nem Handy gespielt, und das ich auch schon lange her.

    Aktuell viel zu kleine Bildschirme, viel zu kleine Tasten, doofe Anordnung und unergonomisch. Nee, für mich sind Handys alles andere als Spielstationen =).

  3. Wahrheit sagt:

    Der japanische Markt ist wohl auch ein wenig ein anderer als der westliche, doch zumindest hier kaufen wirklich nur die wenigsten Leute ein Handy unter dem Gesichtspunkt der guten Bespielbarkeit… Klar zockt fast jeder gern einmal ein Spielchen zwischendurch, aber die Entwicklung schreitet diesbezüglich nur langsam voran… Nintendo hingegen hat gerade mit dem DS alles richtig gemacht, indem man einen Handheld kreierte, welcher dem Handy tatsächlich viel voraushat und dessen Spiele eben nur dort machbar sind! Die PSP hingegen verschwindet irgendwo im Niemandsland…, bietet viele Funktionen, die ein Handy – welches fast jeder sowieso immer dabei hat – auch bietet und momentan noch eine beeindruckende Technik, aber auch da holen die Handys stark auf… Auf der anderen bietet sie natürlich „echtes“ Gaming ohne Kompromisse, großer Bildschirm und so weiter, eben mehr als ein Spiel für zwischendurch, aber andererseits steht sie dann eben schon wieder in Konkurrenz zu den Heimkonsolen…

    Soviel zum Handy, nun kurz zu den Entwicklungskosten… Mit SMG und SSBB wurden meiner Meinung nach ein wenig unglückliche Beispiele genommen! SMG DARF viel kosten, schließlich ist es der potentielle Systemseller, ein Vorzeigetitel, welcher dem Mario Franchise viel neues Leben einhauchen wird und Spieler aller Art anspricht! Und wenn SSBB doppelt so viel kostet wie der Vorgänger, dann ist das auch nicht verwunderlich… Der Vorgänger ist das meistverkaufte GCN Spiel und mit dem Nachfolger strebt man ähnliche Erfolge an! Sparmaßnahmen wären hier an der falschen Stelle – erst recht, weil Nintendo beim aktuellen Erfolg der Wii (anders als gerade in der Endzeit des GCN) gar nicht mehr zum Sparen gezwungen ist und mit richtig großen Entwicklungen wohl mehr verdient!