Wii @ Tokyo Game Show

Heutzutage werden Spiele seltener in Messen neu vorgestellt, aber es gibt trotzdem einige Überraschungen und zumindest Anspielgelegenheiten der kommenden Spiele. Hier eine Auswahl!

Die Tokyo Game Show ist auch nicht mehr das, was sie mal war: eine Videogames-Messe voller Neuankündigungen und für einige Tage das Zentrum der Videospielkultur. Spiele werden in den letzten Jahren immer häufiger auf Webseiten und Magazinen angekündigt, die grossen Firmen leisten sich lieber eigene Pressekonferenzen abseits der grossen Messen. Was bleibt, ist die Möglichkeit für Besucher, Demos zu den kommenden Spielen zu spielen.

Kleine Firmen nutzen nichtsdestotrotz die Aufmerksamkeit und die fehlende bzw. mangelnde Präsenz einiger grosser Firmen dazu, auf sich aufmerksam zu machen. So hat zum Beispiel das Studio D3 angekündigt, „Oneechanbara R“ für die Wii zu entwickeln. Die Oneechanbara-Reihe geniesst einen umstrittenen Ruhm als Trash-Kult, geht es zum Beispiel in der 360-Version (letztes Jahr veröffentlicht) doch im Kern darum, wahlweise mit einer halbnackten Schönheit, einem niedlich-gefährlichen Schulmädchen oder mit einer vollbusigen Polizistin hunderte Zombies niederzuschnetzeln oder in den Haufen zu schiessen. Entweder man schimpft über das oberflächliche Gameplay und die reisserische Darstellung, oder man fühlt sich bei dieser übertrieben trashigen Inszenierung unweigerlich an Robert Rodriguez und Quentin Tarantino erinnert; in Japan ist die Reihe nicht ohne Grund ein Budgettitel. Doch egal, ob man dieses Spiel liebt oder hasst, zweifelsohne nimmt das Softwareangebot der Wii langsam an Variation zu, und sicherlich hat das Spiel das Potenzial, von der Wiimote zu profitieren, wenn die Macher sich Mühe geben. Falls das Spiel auch in Europa erscheint, müssten deutsche Spieler allerdings mit einer Indizierung rechnen.

Neben einigen wenigen Neuankündigungen wurden vor allem die bereits bekannten Projekte einem grösseren Publikum vorgestellt. „King Story“ von Cing/Town Factory besticht durch eine liebevoll detaillierte Grafik und ein neuartiges Gameplay, das ein bisschen an Pikmin und ein bisschen an traditionelle Aufbauspiele wie Siedler oder Cultures erinnert. Es gibt allerdings noch keine spielbare Demoversion. Vanillaware hat einen ersten Trailer zu „Oboro Muramasa Youtouden“ gezeigt, ein Action-RPG-Spiel mit wunderschöner 2D-Grafik, die so herrlich detailliert wie Vanillawares letztes Spiel „Odin Sphere“ ist. Vielzockerlieblingsentwickler Suda 51 hat mit seinen Leuten von Grashoppers einen neuen Trailer zu „No More Heroes“ rausgebracht. Gerade die Unterstützung von eher kleinen Studios wie Vanillaware, Grashoppers und Cing zeigt, dass die geringen Entwicklungskosten ein wichtiges Argument ist, um möglichst viele kleine und kreative Entwicklerteams für die Wii zu überzeugen.

Oboro Muramasa Youtouden

Neben kleinen Studios haben auch die grossen Firmen wie Capcom, Sega und Namco einige Spiele für die Wii gezeigt: Für Vielzocker hat Capcom mit „Zack & Wiki“ ein tolles Spiel parat, ein Adventure mit sehr vielen Rätseleinlagen. Grössere Absatzambitionen hat „Resident Evil: Umbrella Chronicles“, das den neuen Wii-Zapper unterstützt. Sega nutzt den Zapper auch mit dem Spiel „Ghost Squad“, das bereits jetzt dank diversen Zusatzmodi einen gewissen Kultstatus erreicht hat – nebenbei gesagt hat mir die Arcadeversion von Ghost Squad relativ gut gefallen. Für Core-Gamer ist die spielbare Demostation von „Nights“ ein Grund zur Freude, das Nachfolgespiel zum Saturn-Vorgänger bietet eine farbenfrohe Fantasywelt und eine tolle Spielmechanik, nur die Framerate soll leider ziemlich tief sein; hoffentlich gibt sich Sega noch die Mühe, das Spiel zu überarbeiten und zu polieren. Namco hat mit Soul Calibur Legends insofern die Presse überrascht, als das Spiel in früheren Previews nicht viel Kredit gegeben wurde. Auf der TGS hat das Spiel jedoch gezeigt, dass es tatsächlich von einigen profilierten Köpfen des Soul-Calibur-Teams gemacht ist: Die Grafik ist solide und mit übergrossen Gegnern gespickt, das Gameplay wurde mit Blick auf die Wiimote-Steuerung entwickelt. Auf ähnlichen Spuren folgt „Rygar“ von Tecmo, das jedoch eine schlechtere Grafik bietet, weil es angeblich eine Quasi-Portierung des PS2-Vorgängers ist. Quasi-Portierung, weil die Änderungen eher kosmetischer Natur sind – von der Story wissen wir im Moment noch zu wenig.

Was können wir von der Tokyo Game Show nehmen? Die Wii hat noch nicht die ganz grossen Spielprojekte erhalten bzw. werden diese noch nicht gezeigt. Die bisherige Unterstützung der Dritthersteller ist aber erfreulich. Auf alle Fälle wird es der Wii nicht wie ihren Vorgängern an Spiele mangeln.

3 Antworten zu Wii @ Tokyo Game Show

  1. ness sagt:

    Jep, die östlichen Entwickler geben sich sichtlich Mühe, was man von manchen westlichen Entwickler nicht gerade sagen kann, auch wenn man bei den meisten erst mal Bewertungen abwarten muss. Aber schön zu sehen, dass der Wii ziemlich viele gute Spiele in der Pipeline hat, hoffentlich schaffens auch alle nach Europa^^.

  2. America`s Most Wanted sagt:

    King Story ist doch nicht von Level 5, Neo, sondern von Cing und Town Factory und Marvelous spielt den Piblisher. ;)

  3. Neo C. sagt:

    ups, korrigiert.^^