DS in Japan: Ende der Hardwareknappheit

Unglaublich, aber wahr: Der DS (Lite) war seit Ende 2005 so begehrt, dass das Gerät anderthalb Jahre lang immer ausverkauft ist. Nun hat das Schlangestehen endlich ein Ende.

Im Nachhinein erscheint die Geschichte kurios zu sein, denn wie kann ein Handheld in Japan anderthalb Jahre lang stets ausverkauft sein, obwohl wöchentlich über hunderttausend Einheiten ausgeliefert wurden? Jedesmal, wenn die neue Lieferung ankam, standen die Leute Schlange, und innert Stunden befand sich keine einzige Einheit mehr in den Regalen. Ein solches Szenario wäre in einem altkommunistischen Land keine Seltenheit, doch wir haben es hier mit einem Handheld in einem kapitalistischen Land zu tun. Nun ist der DS Lite überall verfügbar, die Verkaufszahlen liegen wöchentlich nicht mehr stets über 100’000 Einheiten, und plötzlich muss man sich als Marktbeobachter an diese neue Normalität gewöhnen.

Japaner warten auf ihren DS

Nach einer so langen Zeit haben die meisten Leute, die die Verkaufszahlen in Japan verfolgen, sich daran gewöhnt, den DS Lite als Marktdominator zu sehen – über 50% der Hardwareverkäufe gehen wöchentlich immer auf dessen Konto. In September 07 sehen wir nun einen Absatz von wöchentlich über 70’000. Vor der DS-Ära waren solche Zahlen grossartig, für den DS scheinen sie eher niedrig zu sein; alleine diese Erkenntnis zeigt, wie sehr sich die Sichtweise durch die abnorme Popularität des DS geändert hat, wie erstaunlich leicht es ist, gigantische Verkäufe als Normalität zu akzeptieren, solange sie Monate lang auf gleichem Niveau andauern.

Was bedeutet das Ende der Hardware-Knappheit? Wir können davon ausgehen, dass eine weitere Knappheitsperiode nicht mehr geben wird, ausser vielleicht nach Weihnachten, und auch dann eher von kurzer Dauer. Vielleicht wird Nintendo die Produktion ab 2008 drosseln, denn momentan liegt die Produktivität bei gigantischen 2,5 Millionen Geräten pro Monat. Diese freien Produktionslinien könnte die Firma für die Wii-Produktion verwenden. Aber die wichtigste Erkenntnis ist, dass in Japan nun nach etwas über zweieinhalb Jahren seit dem DS-Launch eine solch grosse Userbasis entstanden ist, die den Spielefirmen enormen Softwareabsatz bescheren. Wir Zocker können uns freuen, denn der DS bekommt derart viele gute Spiele, dass er selbst den GBA in den Schatten stellt. Nicht nur die grossen Namen wie Final Fantasy oder Dragon Quest finden sich auf der Spieleliste wieder, sondern auch exotische wie Bangai-O, das auf dem N64 und Dreamcast erschienen ist und nun eine Sequel auf dem DS erhält. Mit anderen Worten: Der DS hat dank seinen grossen und differenzierten Käuferschichten so viel Absatzpotenzial, dass die verschiedensten Spiele für das System erschienen sind und erscheinen werden. Nicht nur die Quantität stimmt, sondern man findet mit etwas Erfahrung auch Unmengen an qualitativ hochwertigen Spielen – und als besondere Zugabe gibt es eben Dutzende Nischenspiele. Welcher Spieler kann in dieser Lage nicht zufrieden sein?

Der DS zeigt, wie die Zukunft der Wii ungefähr aussehen könnte. Natürlich gibt es deutliche Unterschiede zwischen dem Heimkonsolen- und dem Handheldmarkt, und die Wii wird sicherlich keine anderthalb Jahre wöchentlich 150’000 Einheiten verkaufen können, schliesslich werden in einem Haushalt eher selten mehr als eine Wii-Konsole zu finden sein. Dennoch kann die Wii als Marktführer der Heimkonsolen ein differenziertes Softwareangebot erwarten. Bereits haben kleine Studios wie Vanillaware angefangen, Spiele für die Wii zu entwickeln.

Was bringt der Erfolg des DS im Osten für uns Zocker im Westen? In erster Linie haben wir die Gewissheit, das die japanische Firmen mit vollem Effort weiterhin Spiele für den DS entwickeln. Schon jetzt kann man davon ausgehen, dass das Spielangebot jenes des Vorgängers – des GBAs – hinsichtlich Quantität, Qualität und Diversität übertreffen wird. Zwar schaffen nicht alle japanischen Spiele den Sprung nach Europa, aber dank Import muss man nur die Sprachbarriere überwinden. Etwas schade ist die Tatsache, dass die Produzenten und Entwickler im Westen den DS immer noch nicht voll unterstützen, weshalb sie vor allem mit Spielen wie „Catz“ und „Dogz“ für das junge weibliche Publikum auffallen.

4 Antworten zu DS in Japan: Ende der Hardwareknappheit

  1. Louie sagt:

    Schöner Artikel, wirklich. Hat viel Spaß beim lesen gemacht.

    Ich frage mich aber ob die Hardware – Knappheit wirklich ganz vorbei ist. September und Oktober sind traditionell die schwächsten Monate des Jahres, zumindest in Japan. Die Sommerferien sind vorbei, kaum neue Spiele erscheinen, große Geschenke werden für Neujahr oder auch Weihnachten aufgeschoben. Kein Wunder, dass die NDS Verkaufszahlen unter die 100k Marke sinken.

    Aber wie wird es im November oder Dezember aussehen? Und was man auch bedenken sollte: Nintendo hat den Preis des NDS seit drei Jahren nicht gesenkt. Nächstes Jahr wäre eine Preissenkung jedoch angebracht.

    Es ist also durchaus möglich, dass die exzessiven Verkäufe von 100k+ Einheiten die Woche noch einmal eintreten. Neue DS Lite Farben + Preissenkung + Dragon Quest 9? Und wie wäre es mit neuen Casual Titeln? Brain Training 3 zum Beispiel könnte den Gehirn-Jogging Boom erneut aufleben lassen.

    Es wäre interessant zu wissen, was die anderen hier denken? Sind die Zeiten der exzessiven NDS Verkäufe nun endgültig vorbei? Oder werden die NDS Verkaufszahlen wieder nach oben schnellen?

  2. ness sagt:

    Schwer vorauszusehen. Bestimmt wird der DSLite wieder über 100k kommen, die Frage ist jedoch auch, ob er dies langfristig noch schaffen wird. Wobei ihm die Spiele nicht fehlen dürften. Final Fantasy und Dragon Quest (Umsetzungen) stehen alle noch an, und eine Preissenkung gab es auch noch nicht, wie Louie schon anmerkte. Denn gerade bei diesem Punkt könnte eine signifikante Senkung dem DSLite durchaus wieder etwas länger in exorbitante Höhen bringen.

    Ist sowieso wie schon gesagt schwer vorrauszusagen, da seit dem DS und dem Wii nahezu nichts mehr so wie vorher ist, alle Gesetze scheinen ihre Glaubwürdigkeit verloren zuhaben^^.

    Muss Louie auch in Hinblick auf den Artikel Recht geben, ist wirklich klasse geschrieben. =)

  3. Neo C. sagt:

    Es werden sicher wieder einige Wochen mit horrend hohen Zahlen geben (100k+), aber die Geschäfte haben sich mit genügend Lites ausgerüstet, und Nintendo hat die Lagerräume in der Zwischenzeit auffüllen können. Deshalb denke ich, dass es keine längere Knappheitsperiode gibt. Meine Prognose: Hohe Zahlen ja, aber Knappheit höchstens für einige Wochen.

  4. piccolo-junior sagt:

    Hervorragender Artikel!

    Ich kenn die Situation in Japan zu wenig, um beurteilen zu können, ob die VKZ über 100k steigen oder nicht.

    Ob aber Nintendo die Produktion der DS drosselt und im Gegensatzt diejenige der Wii forciert, mag ich zu bezweifeln. Ich glaube kaum, dass beide Konsolen in den gleichen Fabriken produziert werden bzw. produziert werden können.