Konsolen mal anders betrachtet: Form, Eleganz und Luftwege

Was sind Spielkonsolen? Auf alle Fälle sind sie nicht bloss technische Geräte, die Videospiele abzuspielen haben, sondern auch Objekte für das Wohnzimmer. Diese Kolumne analysiert, wie die aktuellen Konsolen sich in Form und Bauweise unterscheiden.

Viele Spieler kaufen eine Spielkonsole primär, um zu spielen. Und sie haben sicherlich Recht in der Äusserung, dass Äusserlichkeiten nicht den Kauf einer Konsole entscheiden sollen, sondern das Spieleangebot – wer kauft denn ein Buch nur wegen seiner Fassung und nicht wegen des Inhalts? Die Spielerdiskussionen drehen sich deshalb in der Regel um die Qualität und Quantität der Spiele für eine bestimmte Konsole, manchmal auch um die Hardwarearchitektur, d.h. um die Leistung der Konsole. Über die Form der Konsole verlieren die meisten kaum einen Wort. Meines Erachtens hat die Form jedoch einen Einfluss auf die Kaufentscheidung: Bei Vielzockern ist dieser Einfluss wahrscheinlich gering und eher unbewusst, bei allen anderen könnte die Form jedoch ein offenes Argument für oder gegen eine Konsole sein.

 Ein Blick auf die Xbox 360 genügt, um die Bedeutung des Äusseren wahrzunehmen. Die verantwortlichen Designer bemühten sich, die Konsole kleiner und modischer zu gestalten als ihre Vorgängerin, die zwar für ihre technische Leistung gelobt wird, aber mit ihrem klobigen Design und ihrer Masse keine Schönheitspreise gewinnen konnte. Die konkave Form der 360 hat nur stilistische und keine funktionelle Bedeutung, offensichtlich will Microsoft eine passende Konsole für das Wohnzimmer kreieren. Leider hatte es Microsoft so eilig mit dem Markteintritt, dass sie alle anderen Bereiche vernachlässigt haben. Zwar ist die Nachfolgekonsole etwas kleiner und leichter als ihre Vorgängerin, aber im Vergleich mit der PS2 oder der Wii immer noch recht gross. Das Netzteil sorgt nicht nur wegen ihrer Grösse für viel Spott, sondern auch wegen des Lärms durch eingebaute Ventilatoren. Überhaupt kritisieren viele Besitzer den Lärm ihrer Konsole, denn dieser stört oft das Spielerlebnis. Die leistungsintensiven Chips verursachen so viel Hitze, dass die Designer keine andere Möglichkeit sahen, als möglichst viele Ventilatoren einzubauen. Um den Lärm nicht unerträglich zu machen, laufen die Ventilatoren der 360 nur mit eingeschränkter Kraft – eine fatale Entscheidung der Designer! Aufgrund der mangelhaften Abkühlung überhitzten sich der Prozessor und die Grafikkarte, die Folge sind zahlreiche defekte Konsolen. Dazu trägt auch den nicht optimalen Luftweg bei, d.h. die Hitze staut sich in einigen Bereichen. Es ist erstaunlich, dass die auch nicht gerade leise Vorgängerin trotz ihrer Grösse und Masse die Nachfolgerin in vielen äusserlichen Punkten übertrifft. Microsoft wird jedoch noch in diesem Herbst verbesserte Modelle auf dem Markt bringen.

Sony hat eine wesentlich grössere Tradition in der Herstellung von technischen Geräten als Microsoft und legte mit der PS3 in vielerlei Hinsicht ein Meisterwerk vor. Die PS3 hat eine elegante und ovale Form, das Netzteil ist in der Konsole integriert. Beeindruckend zeigte sich die Kühlung: statt mehrere kleine Ventilatoren bauten die Ingenieuren einen grossen Ventilator ein, der langsam läuft und deshalb nur wenig Lärm produziert. Deshalb bleibt die Konsole trotz des etwas komplizierten Luftweges stabil und ruhig, obwohl die Konsole deutlich mehr Leistung bringt als die 360. Leider musste die PS3 eine bedenkliche Grösse annehmen, um diese Stabilität (der Temperatur) zu gewährleisten. Nicht unerwartet hoffen viele Fans darauf, dass Sony die Konsole in naher Zukunft verkleinern kann – mit der PStwo hat sie auch gezeigt, dass sie dazu fähig ist.

Nintendos Präsident Satoru Iwata brachte seine Ingenieure ins Schwitzen, als er verlangte, die neue Konsole solle nicht viel grösser sein als drei aufeinanderliegende DVD-Hüllen. Dennoch schafften es die Ingenieure es, die Vorgaben einzuhalten. Die Wii ist deshalb die kleinste Konsole von Nintendo und sorgt vor allem in aufgestellter Form für viel Bewunderung. Die Form lässt sich eher als schlicht und eckig bezeichnen, die glatte Oberfläche aber macht die Wii elegant. Die geringe Lärmemission fällt positiv auf, auch wenn Kenner gerne darauf hinweisen, dass der Luftweg nicht ganz so effizient gestaltet ist wie beim Gamecube, der im Hardwaredesign zu den (technisch) elegantesten und effizientesten zählt. Für die geringe Grösse müssen die Ingenieure nicht nur auf Kompromisse im Luftweg eingehen, sondern auch Komponente verwenden, die nicht so viel Energie benötigen. Es gibt nicht wenige Vielzocker, die mit Nintendos Entscheidung, zugunsten der Form und des sparsamen Verbrauchs auf Leistung zu verzichten, nicht einvestanden sind. Man muss sich allerdings bewusst sein, dass die Wii in jetziger Form nicht möglich ist, wenn die Leistung deutlich höher sein müsste.

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4 Antworten zu Konsolen mal anders betrachtet: Form, Eleganz und Luftwege

  1. Free sagt:

    Die PS3 ist vor allem deswegen leiser, da sie ein deutlich langsameres Laufwerk besitzt. Der Preis dafür sind die relativ langen Ladezeiten.

  2. affentausch sagt:

    Also ich hätte auch mehr Grafikpower befürwortet. Ein wenig größer hätte mich auch nicht gestört…

  3. ahe sagt:

    @Free: Hab zwar selber (noch) keine PS3 aber macht die PS3 die geringeren Umdrehungszahlen nicht durch die höhere Datendichte von Blu-Ray wieder wett?

    Insgesamt finde ich das Größenformat der Wii in Ordnung. Lediglich die PS2 Slim finde ich vom Format und der Lautstärke noch einen Tick besser. Bei der PS3 bin ich dagegen noch am überlegen, ob ich auf eine mögliche Slim-Version warten soll, da sie für meinen Geschmack einfach unheimlich klobig ist.

  4. piccolo-junior sagt:

    Guter Artikel. Wenn man die Konsolen der letzten Jahre anschaut, kann man die Fortschritte im Design sehen. Die Konsolen passen immer besser im Wohnzimmer. Mir wäre es lieber gewesen, Nintendo hätte die Wii grösser gebaut, anstatt an der Leistung zu sparen.