Späte 8-Bit-Liebe

Ein persönlicherer Artikel über Spiele, deren Gameplay auch noch nach fast einem viertel Jahrhundert zu fesseln weiß…

Da das Nintendo 64 meine erste eigene Konsole und Super Mario 64 mein erstes Videospiel darstellte, wuchs der Spieleliebhaber in mir mit Polygonmodellen statt Sprites und frei begehbaren Landschaften statt seitlich scrollenden Bildschirmen auf. Trotz allem griff ich aufgrund der schieren Qualität der SNES-Bibliothek wenige Jahre später auch zur Vorgängerkonsole und hatte mit den „flachen“ Games der 16-Bit-Generation eine Menge Spaß. Doch während Yoshi’s Island und Co. viele Stunden meiner Freizeit geopfert wurden, beschäftigte ich mich, mit einigen Ausnahmen, nie richtig mit den Klassikern auf Nintendos erstem Entertainment System. Der graue „Brotkasten“ steht noch nicht allzu lange unter meinem TV und fungiert eher als Sammlerstück denn als regelmäßig genutzte Spielekonsole. Und obwohl sich meine Sammlung an NES-Catridges momentan noch auf Super Mario Bros. 1 und 3 beschränkt, bekam ich in letzter Zeit endlich einmal die Chance, einige der teilweise über 20 Jahre alten Spiele einem ausgiebigen Perfomancecheck zu unterziehen: Dank der Virtual Console zeigte sich schnell, welcher Titel den stetig nagenden Zahn der Zeit unversehrt überstanden hat.

Natürlich kaufte ich nicht blindlings drauf los, schließlich wächst das Geld nicht auf Bäumen, wovon meine NES-„Sammlung“ ein Liedchen singen kann… Mit Super Mario Bros. begann meine Reise ins Zeitalter der acht Bit, obwohl ich dieses schon als Originalcartridge besaß. Nachdem ich mich zuerst einmal angestrengt gefragt hatte, welcher Esel die Classic Controller-Steuerung konfiguriert haben mochte, wagte ich das Experiment und versuchte, den Urvater aller Jump ’n Runs mit dem GameCube-Pad zu steuern. Zu meinem Erstaunen mochte ich meine Wiimote nicht mehr seitlich halten, da der Analogstick des lila Eingabegeräts eine enorm präzise Kontrolle über Mario und seinen Bruder ermöglichte. Derart gewappnet beendete ich das Spiel zum zweiten mal in meiner Zockerkarriere, während für meinen ersten Durchlauf vor einigen Jahren die All-Stars-Version herhalten musste. Der erhöhte Schwierigkeitsgrad muss übrigens noch in Angriff genommen werden.

Super Mario Bros.

Mit dem nächsten Download machte ich einen kleinen Zeitsprung, denn Kirby’s Adventure erschien sehr spät, nach dem Launch des Super Nintendo. Wäre die Farbpalette des NES nicht so beschränkt gewesen, hätte man dieses Werk auch tatsächlich für ein Spiel der 16-Bit-Generation halten können, so stellt es doch gameplaymäßig und technisch eines der fortgeschrittensten Games der NES-Bibliothek dar: Von der tiefgreifenden Kopier-Technik des rosa Knödels bis zu optischen Spielereien wie der Darstellung des Bossturms gegen Ende des Spiels überzeugt Kirby auf ganzer Linie, obwohl wenn es keine bahnbrechenden Neuerungen wie manch anderer Titel aus dem Hause Big N zu bieten hat.

Kirby ist nicht der einzige, der sich die Fähigkeiten seiner Gegner zu Eigen machen kann, denn mit dieser Technik debütierte der blaue Bomber aus dem Hause Capcom ein paar Jahre zuvor. Mega Man ließ nicht nur Midi-Stücke mit Ohrwurmcharakter aus meinen Boxen tönen, sondern machte mir auch schmerzlich klar, dass Videospieler in den späten 80ern nicht an die Hand genommen wurden: Erst als ich in einem Speedrun verzweifelt nach Techniken suchte, mir das Ice Man-Level ein wenig einfacher zu gestalten, entdeckte ich den eigentlichen (und äusserst nützlichen) Zweck des Magnet Beams… Mithilfe des Select-Tricks war ich schlussendlich auch in der Lage, die heftigen Bosskämpfe in Wileys Versteck zu meistern und konnte schon bald den Abspann bewundern. Leider zeigte Mega Man, dass nicht jeder 8-Bitter den Umfang eines Kirby’s Adventure oder gar The Legend Of Zelda aufweisen konnte, war dies doch ein recht kurzes, wenn aber auch äußerst spaßiges und forderndes Abenteuer.

Appropos The Legend Of Zelda: Auch diesen Klassiker nahm ich mir vor, endlich einmal durchzuspielen. Zwar hatte ich Links erste Reise schon mehrmals angetreten, schließlich aber immer wieder die Lust verloren. Dieses mal jedoch schaffte ich es über den zweiten Dungeon hinaus und erhielt im dritten Verlies das Floß. Plötzlich eröffneten sich mir neue Wege, die ich zuvor nicht zu erreichen vermochte. Ich konnte es kaum erwarten, die Höhlen, von denen mich zuvor eine beträchtliche Menge Wasser getrennt hatte, zu erkunden… Und ehe ich mich versah, war es da: Das Zelda-Feeling! Ich nahm mir zu Tagesbeginn fest vor, den und den Dungeon zu meistern, dieses und jenes Item einzusammeln, während mich die diversen Geheimnisse Hyrules immer wieder motivierten. Mit jedem Schwert-Upgrade fühlte ich mich unbesiegbarer als zuvor, jeder neue Herzcontainer machte mir Mut für die nächste Herausforderung. Für Ganons labyrinthartiges Verließ zeichnete ich sogar eine Karte und war natürlich mehr als Stolz, als ich Prinzessin Zelda kurz vor den Credits dann endlich gegenüberstand. Natürlich mag The Legend Of Zelda im Vergleich zu seinen Nachfolgern antiquar wirken, schließlich waren Rätsel im heutigen Sinne kaum vorhanden und die Endgegner selbst um einiges einfacher zu bewältigen, als deren Behausungen; doch fiel mir dies aufgrund des Charmes, den der Titel kontinuierlich versprühte, nicht sonderlich negativ auf. Ich hätte nicht erwartet, dass mich das erste Zelda-Abenteuer derart fesseln würde.

Leider haben sich nicht alle Nintendo-Klassiker derart gut gehalten: Ich ging bereits mit nicht allzu hohen Erwartungen an Kid Icarus heran und diese Haltung wurde auch schnell bestätigt. Genau wie das Geschwisterkind Metroid leidet dieser Titel an einigen typischen Krankheiten der 8-Bit-Ära: Die Steuerung wirkt ungenau und schwammig, Features wie das Shopsystem werden unzureichend erklärt und der Schwierigkeitsgrad scheint unausgewogen. War es wirklich nötig, dass man bei Berührung des unteren Bildschirmrandes (und das bei einem anfangs vertikal scrollendem Spiel!) das Zeitliche segnet? Ich kann es wohl kaum mehr an zwei Händen abzählen, wie oft ich mich bereits vor einem Gegner ducken wollte, nur um daraufhin durch die Plattform hindurch in meinen sicheren Bildschirmtod zu fallen (nach unten zu drücken lässt Hauptcharakter Pit nämlich unangenehmerweise durch manche Ebenen gleiten).

Dennoch bin ich glücklich darüber, die Zeit aufgebracht zu haben, welche diese Olides verdienen. In den letzten Tagen konnte mich übrigens ein weiterer, zu seinerzeit im Westen aber leider wenig geachteter Klassiker begeistern; dieser stammt aber ausnahmsweise aus dem Zeitalter der 16 Bit: Earthbound (in Japan als Mother 2 bekannt), welches leider nie in Europa erschien, fesselte mich allein mit seinem schrägen Humor. Das optisch einfache, streng rundenbasierte Kampfsystem, die einen angestaubten Eindruck machende Menüführung, das gelegentlich nötige Aufleveln… All das hätte mich eigentlich abschrecken müssen, machen diese Faktoren doch viele RPGs für mich nahezu unspielbar. Doch dieses mal war es anders. Earthbound versprüht soviel Witz und Charme, dass ich, ähnlich wie bei The Legend Of Zelda, über die altmodischen Aspekte des Spiels hinwegschauen konnte. So wanderte ich (aufgrund der fehlenden Zufallskämpfe) entspannt durch das von Japanern parodierte Amerika und ließ mich von den selbstironischen Texten der Einwohner berieseln, während ich gelegentlich ein paar Musikstücken, die mir bereits aus Super Smash Bros. Melee bekannt waren, lauschen konnte. Wenn ich mal gerade nicht gegen Gegner wie „New Age Retro Hippie“ und „Cute Li’l UFO“ kämpfte, beobachtete ich belustigt, wie die Entwickler Rollenspiel-Klischees ins moderne Zeitalter verfrachteten.

Earthbound / Mother 2

Vielleicht werde ich später einmal auf Earthbound zurückkommen, für heute aber möchte ich meinen kleinen Retro-Ausflug beenden. Abschließend bleibt nur noch zu vermerken, dass es schon erstaunlich ist, nach wie vielen Jahren man noch auf echte Perlen stoßen kann.

6 Antworten zu Späte 8-Bit-Liebe

  1. theNerd sagt:

    Ich würde Dir noch Castlevania empfelhlen vor allem der Dritte Teil. Ich fürchte jedoch, dass dieser es noch nicht in die „Virtual Console“ geschafft hat.

  2. shadaik sagt:

    Castlevania III hat es in Form seines Remakes, Super Castelvania IV, auf die VC geschafft.

    Ich würde ja noch die Bonk-Titel für TurboGrafX empfehlen, aber ich fürchte die mag ich nur, weil ich Dinosaurier mag. ^^

  3. ness sagt:

    Kein NES gehabt? Boah, dann fühl ich mich mit meinen 16 original NES-Spielen ja gerade zu alt. =)

    Ach ja, Punch-Out!! für die VC ist cool! Und Super Mario Bros. 2 ist auch toll.

  4. Retro V sagt:

    Punch-Out!! habe ich mir sogar bereits geladen, aber da ich (obwohl es natürlich ein sehr gutes Spiel ist) nicht viel dazu zu sagen hatte, habe ich es in dem Artikel nicht erwähnt. Es ist wirklich zu empfehlen^^

    Super Mario Bros. 2 habe ich so oft auf anderen Systemen gespielt, dass es mir die 5 € nicht ganz wert sind.

  5. Marco sagt:

    Guter Artikel, sehr interessant.

  6. piccolo-junior sagt:

    Guter Artikel. Ich hoffe, du wirst noch viele Perlen finden.^^