In eigener Sache

Sollte ich den einen oder anderen Leser mit dem folgenden Artikel langweilen, möchte ich mich schon an dieser Stelle entschuldigen. So, damit bin ich aus dem Schneider.

Mittwoch: Nur noch zwei Tage, dann kommt „Die Legende von Schröder: Die Zwieback-Prinzessin“ auf den Markt. Wie lange habe ich auf dieses Ereignis gewartet, wie viel wurde darüber geschrieben und wie pedantisch wurde jedes bekannte Detail unter die Lupe genommen. Wobei ich da schon deutlich vorsichtiger zu Werke ging, als noch beim Sequel „Der Windel-Wecker“, von dem ich schon den Ablauf des finalen Bosskampfes kannte, noch bevor das Spiel einen europäischen Erscheinungstermin bekam. Aber aus Fehlern lernt man…

Samstag: SAGENHAFT. Ich bin nur noch am Spielen. Dabei habe ich nicht einmal den ersten Dungeon komplett hinter mich gebracht. Die Jungs und Mädels (haha..) in den Foren müssen vor Lobeshymnen nur so dahin schmelzen. Schnell wieder an die Konsole..

Montag: Meine armen Hände. Ach egal.

Donnerstag: Schon Donnerstag?!

Freitag, zwei Wochen später: Soeben flimmerte der Abspann über den Bildschirm. Das war ein Trip, den man nicht allzu oft mitmacht. Nun wollen wir mal schauen, wie die Stimmung im Forum aussieht und wie viel Superlativen sich in einen Beitrag quetschen lassen.

*Es folgt eine längere Sitzung am PC*

Typisch, wieder zwei Kerle dabei, die man einfach nicht zufrieden stellen kann. Der eine lamentiert darüber, dass ihm alte Elemente wie die Tuba der Zeit gefehlt haben und drückt mit seiner folgenden Aufzählung doch nur aus, dass er sich Kindheitserinnerungen zurückwünscht. Die zweite Person nimmt die exakte Gegenposition ein: Seiner Ansicht nach wurden doch viel zu wenig Neuerungen geboten und er hätte reihenweise negative Déjà-vu-Erlebnisse durchlitten. Beide Positionen kann ich nicht nachvollziehen. Ist auch egal, ich setze mich ans Spiel zurück und kümmere mich um die ausstehenden Geheimnisse.

Sonntag: Hm, so langsam nehmen die negativen Stimmen aber zu. Die eine, wie die andere Person, von der ich vorgestern sprach, kann inzwischen auf eine nicht zu verachtende Anhängerschaft verweisen. Ich setze mich dann mal an einen längeren Text und gehe auf die Kritikpunkte ein.

Mittwoch: Und schon wieder neue Beiträge von Forenbesucher, die seitenlang über ihre Enttäuschungen sprechen. Vielleicht hatte ich ja unrecht und habe im blinden Hype die ganzen Mankos, die das Spiel anscheinend wie einen Schweizer Käse durchlöchern, nicht gesehen. Wollte sie nicht sehen…

Dienstag, zwei Monate später (aus einem Foreneintrag von mir entliehen): (….) Die Zwieback-Prinzessin zeigte doch überdeutlich, wie sehr Minitendo im Dunkel herumstochert. Ein unausgegorener Mist, der mich wehmütig an selige N46 Zeiten zurückerinnern lässt. Und wer mir in dieser Sache nicht zustimmt, soll sich doch alleine die überwältigenden Stimmen hier im Forum ansehen.

Sicherlich, dies war eine recht abstrakte Nacherzählung der Ereignisse rund um Twilight Princess, aber sie zeigt dennoch recht gut den Kern meines Anliegens auf, denn noch vor wenigen Tagen war ich eine der Personen, die das letzte Zelda-Abenteuer inzwischen so schlecht in Erinnerung hatte, dass es im Rückblick fast schon zum lachen ist. Bis ich nun zu einem erneuten Durchgang ansetzte, der mich wie aus einem Traum aufweckte. Das perfekte Beispiel, wie man, ohne es zu erkennen, der Gruppendynamik eines Forums erliegt. Der finale Satz des letzten fiktiven „Tagebucheintrages“ gibt das Dilemma so schön ehrlich preis. Ich wage es an dieser Stelle jedoch nicht, meine Hand in das Feuer zu legen, in dem ich behaupte, dass auch der Großteil der Foren-Kritiker in diese Spirale geraten sind. Ich nehme es aber, aufgrund vergleichbarer Beobachtungen in der Vergangenheit, äußerst stark an.

Ich hätte es mir jedoch auch einfacher machen und eine Digital-Cam schnappen können, um ein Photo von meinem derzeitigen Backlog (aka nicht durchgespielte Titel) zu machen. Der ist nämlich bedrohlich gewachsen, wobei die alleine Existenz des Backlogs für sich spricht, da in früheren Zeiten jedes Videospiel von mir gnadenlos gemeistert wurde. Dies hängt ohne Frage mit meiner Tätigkeit als Redakteur bei Gaming Universe zusammen, aber eben auch nur zu einem bestimmten Anteil. Ich habe zwar nur wenig Wissen darüber, wie es anderen Spielern ergeht, aber wenn ich Hasstiraden zu einem Titel lese, dann kann mir schon leicht die Lust darauf vergehen. Eine Angewohnheit von der ich ganz besonders schockiert bin und die dazu führte, dass ich in den letzten zwei Jahren erschreckend wenige Spiele perfekt durchgezockt habe. Gleichzeitig sitze ich (viel zu) lange vor dem Computer und lese gebannt in Foren wie dem Neo Gaming Age (auch bekannt als Himmel und Hölle der Videospieldiskussion) über kommende Spiele, bin neidisch auf die Japaner und Amerikaner, die schon die neusten Hits in den Händen haben dürfen, während mein Backlog stumm in der Ecke sitzt. Noch schlimmer wird es allerdings, wenn hier die schon angesprochene Forendynamik einsetzt. Ein Beispiel: Ein japanisches Forenmitglied postet im Neo GAF sein negatives Resümee zu Spiel X. Sofort verbreitet sich diese einzelne Meinung in Foren in aller Welt. Zwar überwiegt die Anzahl der Spieler, die auf eine einzelne Meinung nichts geben, aber jene Forenbesucher, die diese Kritik für bare Münze halten bzw. schon als Fakt erklären, sorgen für eine unterschwellige Verschlechterung der Stimmung. Am Ende kann die absurde Situation eintreffen, dass ein Großteil aller Forenbesucher schon eine vorgefertigte Meinung zum Spiel im Kopf hat, noch bevor sie den Startbildschirm passierten und (und das ist ein Knackpunkt) auf Kritikpunkte, die anderen Leute mit völlig anderen Geschmäckern aufgestoßen sind, mit akribischem Auge achten, an die sie selbst aber nicht im Traum gedacht hätten. Mir persönlich ergeht es so immer dann, wenn einmal mehr die Sprachausgabe-Diskussion auftritt. Erst als ich die Diskussion über diesen „Schönheitsfehler“ der Zelda-Spiele in Internetforen bemerkte, fand ich am Fehlen der Sprachausgabe bei den Charakteren außer Link ebenfalls Anstoß. Obwohl ich daran zuvor nie einen Gedanken verschwendete. Woraufhin viele Stunden draufgingen, in denen ich andere User davon überzeugen wollte, wie wichtig dieses Feature doch wäre. Und wieder ein Punkt für die Gruppendynamik.

Auf was ich eigentlich hinaus möchte: Ich werde mir die Freiheit erlauben und mir für eine unbestimmte Zeit eine Internet-Pause gönnen (von regelmäßigen Besuchen der News-Seiten abgesehen, versteht sich), weswegen dies auch mein vorerst letzter Artikel für den Retro V Blog darstellen wird. Falls die berechtigte Frage aufkommen sollte, weshalb ich dies nicht gleich hinausposaunen konnte, anstatt die Leser mit dem oben stehenden Text zu malträtieren: Weil mich die Frage interessiert, ob auch andere Videospieler da draußen dieselben Beobachtungen machen konnten, egal ob an sich oder andere. Womit ich freundlich auf die Kommentarfunktion verweise. ;)

Ich möchte Kevin aka Otaku1990 dafür danken, dass er mich seinen schönen Blog mit meinen wirren Gedanken hat verschandeln lassen – und das auch noch freiwillig und (na ja, fast) ohne Waffengewalt. Das müssen er, Neo Caligula und Ness nun wieder ausbaden, aber ich bin vom Erfolg dieser Mission überzeugt. Und nicht zuletzt ein Dankeschön an die Leser des Blogs und die vielen freundlichen Kommentare der vergangenen Monate. Wobei: Was macht ihr noch am PC? An die Konsole, aber schnell. Nein, Wii- und PS3-Browser zählen nicht.

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4 Responses to In eigener Sache

  1. America`s Most Wanted sagt:

    Find ich schade das du dich etwas zurückziehst, auch wenn ich die Gründe dafür durchaus nachvollziehen kannst. Zum Glück [glaube und hoffe ich zumindest] lasse ich mich kaum von so etwas beeinflussen…

  2. ness sagt:

    Kann dem Artikel vollkommen zustimmen. Habe mir deshalb vor knapp nem Monat selber ein Thread-Verbot für kommende Hype-Spiele auferlegt (SSBB, SMG, MP 3, …), und bis jetzt es auch gehalten^^. Kann dem Fernbleiben auch deshalb voll und ganz nachvollziehen, Foren können das ganze Spielgefühl zerstören (allein schon wenn ich an die Phantom Hourglass Diskussion denke, oh man…). Hab auch schon an komplette „Videospielinternetseiten“-Abstinenz gedacht, mal schaun ob daraus auch mal was wird.

    Früher war es halt doch besser; durch Zeitschriften alle paar Monate mal ein Bericht, und dann gings ans Zocken. Hach, war das schön… =)

  3. grapple sagt:

    Ich kann dir wirklich nur zustimmen. Man wird doch sehr stark von Meinungen einzelner beeinflusst und viele „sehen“ dann diese Kritikpunkte auch. Das beste Beispiel dafür sind imo technische Geräte wie Fernseher und DVD Player, deren Mängel der „Uninformierte“ nicht sieht, der „Informierte“ aber überdeutlich zur Kenntniss nimmt.

    Wie du denke ich auch, dass die Informationsflut das Spiel ansich einfach zerstört und auch in gewisser Weise die Vorfreude ergo den Hype nimmt. So kann man auch die genialen Momente des Spieles nicht genießen, da man immer Kritik im Kopf hat bei TP z.B. „wie wäre das wohl jetzt mit Sprachausgabe…“

  4. piccolo-junior sagt:

    Ich bedauere, dass du jetzt eine Pause einlegst. Obwohl ich die Gründe gut nachvollziehen kann, habe FF XII und Hotel Dusk noch immer nicht durchgespielt, auch wenn dies weniger an der fehlenden Zeit, sondern an der fehlenden Motivation liegt.