Ich kann es schaffen, ich kann es schaffen! (Teil 2)

Nachdem ich euch im letzten Artikel über das Genre der Horizontal-Shooter auf der Virtual Console meine persönliche Top 3 präsentiert habe, bei dem es ein Kopf-an-Kopf Rennen zwischen Soldier Blade und Blazing Lazers gab, sind heute die Vertikal-Shooter dran. Wie es der Zufall will, befinden sich unter den vorgestellten Spielen wieder zwei aus einer Serie, und ein Einzelgänger spielt ebenfalls wieder eine nicht zu unterschätzende Rolle…

Platz 3: R-Type (1989, TurboGrafx-16)

Dieses R-Type stellt einen Arcade-Port für den TurboGrafx-16 dar. Und obwohl Spieleautomaten bekanntlich eine größere Leistung bieten bzw. boten als stationäre Konsolen (heute ist dies dank den neuen „Next-Gen“ Konsolen (leider?) kaum noch der Fall), war es Entwickler „irem“ gelungen, das Spiel ohne nennenswerte Unterschiede auf eine Konsole zu bringen. Sowohl Sound als auch die für damalige Verhältnisse sehr detaillierte Spiele- und Gegner-Welt wissen auch noch heute zu begeistern. Vielleicht auch deshalb war der TurboGrafx-16 damals sehr willkommen, wenn es um Shooter ging. Es gibt jedoch auch einen Nachteil, den die Arcade-Portierung mit sich brachte, aber dazu später mehr.
Kommen wir erst einmal zum Spielprinzip. Wie kaum anders gewohnt, gilt es mit Hilfe eines Raumschiffes gegnerischen Flugobjekten den Gar auszumachen. Gibt es wie beim 3.-platzierten des letzten Artikels wieder keine Smartbombs, ist es zumindest möglich, mit Hilfe der Feuertaste das Waffensystem aufzuladen, um dann einen größeren und effektiveren Schuss abzugeben. Dies ist vor allem bei den Endgegnern durchaus angebracht, auch wenn man dort mehr Zeit damit verbringt, den Angriffen auszuweichen. Doch auch sonst ist der Weg durch die mitunter sehr engen Gefilde im Spiel nicht gerade einfach, da von jeder Seite aus Schüsse zu erwarten sind. Und gerade deshalb wird sich der Spieler nahezu auf jedes Waffenupgrade stürzen, welches er finden kann, denn damit sind die Gegner wesentlich einfacher kleinzukriegen. Sollte man jedoch ein Schiff verlieren, so gilt es von neuem, sich seine zuvor hart erkämpften Upgrades wiederzubeschaffen. Auch sollte man nicht allzu oft den Freitod wählen, denn nach einigen Continues ist das Spiel vorbei.
Wie bei nahezu jedem klassischen Shoot’em Up gibt es eben auch hier eine deutliche Barriere, die zwischen dem Spiel und dem Videospieler steht: der Schwierigkeitsgrad. Was manche als eine willkommene Abwechslung zur heutigen, vielleicht „einfacheren“, Spielart ansehen und somit endlich wieder ihre Reflexe und ihr Gedächtnis trainieren können, artet bei manch anderem nur in Frustration aus. Um es kurz zu sagen: Das Spiel ist definitv nicht Anfängern zu empfehlen, das zeigt sich deutlich im Arcade-Ursprung. Allen anderen, denen das gewisse Etwas bei heutigen Shootern fehlt, sollten zugreifen, denn das Spiel weiß trotz des Alters immer noch zu begeistern.

Platz 2: R-Type III (1994, SNES)

Fortsetzungen fallen meist immer durch verbesserte Grafik, gleichbleibenden Stil des Sounds und Ver(schlimm?)besserung des Gameplays auf. Wie auch bei R-Type III sind diese Merkmale vorhanden, doch kann bei den Änderungen im Gameplay schon einmal Entwarnung gegeben werden. Der Titel spielt sich weder besser noch schlechter als der Ur-Vorgänger R-Type I, es ist immer noch ein fantastischer Sidescroll-Shooter. Doch was verhilft dem Spiel dann auf den 2. Platz? Sicherlich kann darüber gestritten werden, doch einige Features bewirken nun einmal den entscheidenen Sprung auf den zweiten Podestplatz. Zum einen sieht die Grafik, kaum überraschend, natürlich besser aus, was auch den Mode-7 -Effekten zu verdanken ist. Waren die Levels bei den Vorgängern noch starr und kaum beweglich, so werden bereits im ersten Level Gegner aus dem Hintergrund ins Spiel fliegen und es werden Wände gedreht, so dass man mit Mühe und Not das Schiff durch diese neuartige Levelstruktur steuern muss. Am eigentlichen Spielprinzip hat sich eigentlich fast garnichts geändert. Immernoch gibt es Waffenupgrades und den aufladbaren Schuss, der jetzt jedoch noch mit einer weiteren Stufe glänzen kann, so dass sich bei längerem Gedrückthalten des Feuerknopfes ein noch gewaltigerer Schuss entlädt, der den Feinden ordentlich einheizt. Ebenso hat sich der Schierigkeitsgrad kaum verändert, was widerrum erneut Genre-Neulinge abschrecken mag.
Eine Neuerung hingegen ist der Zwei-Spieler-Modus. Man kann zwar leider nicht zusammen durch die Lüfte fliegen (das hätte das SNES wahrscheinlich kaum gepackt), aber immerhin kann man nun abwechselnd, nachdem ein Spieler das Zeitliche gesegnet hat, die Levels bestreiten.
Desweiteren kann man sich nun vor jedem Neustart des Spiels zwischen 1 von 3 Waffensystemen entscheiden, je nach Vorliebe des Spielers.

Alles in allem ist auch dieses Spiel, wie sein Ur-Vorgänger, jedem Genre-Liebhaber sehr zu empfehlen, doch auch wie R-Type I jedem Neuling im Shooter-Genre abzuraten, da auch dieses Spiel kein Zuckerschlecken ist.

Platz 1: Air Zonk (1992, TurboGrafx-16)

Kennt ihr Bonk, den Urzeitmenschen, aus diversen Jump’n Runs bekannt? Wenn ja, dann müsstet ihr euch bei Anblick des Spielecharakters ziemlich wundern, weist er doch deutliche Ähnlichkeiten zu eben jenem Charakter, der gerade noch vor Dinosauriern davon lief, auf. Und weil auch Hudson das für komisch hielt, tauften sie den Überflieger einfach Zonk, eine Art Cyborg-Version von Bonk… Ihr haltet das schon für Ungewöhnlich? Dann schaut euch erstmal diesen Screenshot an:

Was das Spiel von nahezu allen Weltraumshootern unterscheidet, ist die Grafik. „Comiclook“ an sich hört sich zwar ein wenig merkwürdig an, passt aber wie die Faust aufs Auge. Das Spiel kann durch die außergewöhnliche Optik unterhalten, während die Musik ihr übriges tut (in postiver Weise), dem Einheitsbrei anderer Shooter zu entfliehen.

Kurz zur Story: Im Jahr 2999 formt ein Cyborb (Zonk) eine Truppe namens „Team Cool“. Ihr Ziel: „King Drool“ davon zu stoppen, die Welt zu übernehmen… Ja, es gab schon innovativere Storykonzepte, aber wie bei fast jedem klassischen Shoot’em Up ist die Geschichte, wenn denn überhaupt vorhanden, sowieso nebensächlich. Das Gameplay ist das entscheidene, und hier punktet Air Zonk. Schon vor dem Beginn weiß das Spiel zu gefallen, kann man doch zwischen 3 verschiedenen Schwierigkeitsgraden wählen. Des weiteren gilt es vor dem Level einen Freund des „Team Cool“ auszuwählen, der bei entsprechender Einsammlung bestimmter Symbole erscheint und zusätzliche Hilfe bietet. Das gibt dem Spiel eine gelungene Abwechslung und bietet verschiedenste Varianten an.

Ansonten gibt es Genre-typische Kost: Fliegt von Links nach rechts, besiegt herumfliegende Gegner, und am Ende jeden Levels steht der Bossfight an. Doch das ist ja bei fast jedem klassichen Shoot’em Up so, von denen sich Air Zonk dank des etwas anderen Konzepts doch abhebt. Da auch der Schwierigkeitsgrad bei der untersten Stufe moderat ist, kann bei diesem Spiel auch eine Empfehlung an die etwas ungeübteren Spieler gegeben werden. Die, die eine Herausforderung suchen, können sich ja am schwierigsten Grad versuchen.

Mit diesen Features und der ungewöhnlichen Optik hat es Air Zonk geschafft, sich an die Spitze zu schlagen, obwohl man sagen muss, dass es qualitätsmäßig gesehen kaum Unterschiede zwischen allen drei vorgestellten Spielen gibt.
Und man kann erkennen, auch mit Rückblick auf den ersten Teil des Artikels, dass es von Nintendo eine äußerst gute Entscheidung war, den TurboGrafx-16 mit an Bord der Virtual Console zu nehmen, stehen uns doch noch einige fantastische Shoot’em Ups bevor.

Gastbeitrag von ness

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4 Antworten zu Ich kann es schaffen, ich kann es schaffen! (Teil 2)

  1. janbaart sagt:

    Es gibt keinen „Mode-7 Chip“. Die SNES PPU bietet von Haus aus den Mode-7 an. Spiele mit Mode-7 Effekten haben keinen extra Chip, zumindest nicht dafür. Kurz: R-Type III hat keinen Spezialchip.

  2. Otaku1990 sagt:

    Kam mir auch komisch vor. Habs mal für ihn etwas abgeändert.

    Hm, Air Zonk wäre vielleicht eine Überlegung wert. Immerhin kostet es „nur“ 600 Punkte und auch wenn der Titel wohl keine allzu lange Spielzeit bieten wird, so scheint es ja auf die kurze Dauer immerhin eine Menge Spaß zu machen.

  3. Wahrheit sagt:

    Mit meiner Vorhersage zwei R-Types betreffend hatte ich also Recht… *g* Aber Air Zonk so gut?? Hui, ist ja mal eine coole Überraschung! Mal schauen…, könnte über einen Kauf nachdenken…

  4. ness sagt:

    Stimmt ja, habs mit dem FX-Chip verwechselt, sorry.