Mario Strikers Charged Football – Review

Wer über die anhaltende Spieledürre auf der Wii klagt, sollte sich den Nachfolger zu Mario Smash Football nicht entgehen lassen. Warum auch Fußballhasser glücklich werden…

Es passiert zwar äußerst selten, aber es passiert: Das Rasensport-Spektakel aus dem Hause „Next Level Games“ ist bei uns fußballverrückten Europäern bereits erschienen, während der Rest der Welt noch darauf wartet, den Metallball übers Feld kicken zu dürfen. Ja, ganz recht: Metallball. Mario Strikers Charged Football ist wilder, brutaler und chaotischer als sein GameCube-Vorgänger, weshalb das runde Leder gegen eine Kugel aus beständigerem Material ausgetauscht wurde (übrigens eine Idee von Shigeru Miyamoto). Die kanadischen Entwickler nahmen das Grundgerüst von Mario Smash Football und verliehen diesem mehr Spieltiefe, Dynamik und Action, was sich allerdings auch in einer komplizierteren Steuerung bemerkbar macht, welche nach kurzer Eingewöhnungszeit (und Abschluss des ausführlichen Tutorials) aber in Fleisch und Blut übergeht. Bald schon werden dann Ausweichmanöver, Lupfer und verschieden starke Blutgrätschen kontrolliert eingesetzt.

Super Mario räumt auf

Eine augenscheinliche Neuerung ist die Farbe des Balls: Die Eisenmurmel sondert ein glühendes Licht ab, welches nicht nur ihre Position auf dem Spielfeld hervorhebt, sondern auch anzeigt, mit welcher Wucht sie dem Torwart entgegengedonnert werden kann. Wird der Ball durch längeres Halten des B-Triggers oder durch schnelles Passen aufgeladen, so ändert sich auch die Farbgebung des Lichts, wobei Weiß die höchste Stufe darstellt und ein gegnerischer Schuss in diesem Fall tunlichst vermieden werden sollte. Wer beim Versuch, das Runde ins Eckige zu bekommen, lange genug auflädt, der darf bei Ballbesitz eines Teamkameraden eine weitere Neuerung in Augenschein nehmen: Koopa, Shy Guy, Knochentrocken und Co. (welchen nun verschiedene Attribute wie Schnelligkeit und Stärke zugeordnet sind) besitzen sogenannte Trickschüsse, die meist den Keeper in irgendeiner Form paralysieren. Trotz allem verfügen Mario, Bowser und die anderen Kapitäne weiterhin über die verheerensten Kicks: Wie im Vorgänger erscheint nach längerem Betätigen von B eine bogenförmige Leiste, bei der zweimal möglichst der orangefarbene Bereich getroffen werden muss. Danach startet die Mega Strike-Sequenz, infolgedessen dem Torwart, welcher nun vom Spieler verkörpert wird, drei bis sechs Bälle entgegengeschmettert werden. Mit der Wiimote, deren Pointer hier als ein Paar Torwarthandschuhe dargestellt wird, gilt es nun, die heransausenden Kugeln mit einem Druck auf A unschädlich zu machen. Das ganze funktioniert sehr gut, sofern man alleine spielt, könnte aber bei Multiplayermatches Probleme bereiten, sollten einige der Mitspieler nicht an die Einstellungen der jeweiligen Sensorleiste gewohnt sein, wodurch das Zielen erschwert wird. Items sind natürlich auch wieder mit von der Partie und auch wenn sich in deren Lager nicht viel verändert hat, so kann es passieren, dass plötzlich das Gesicht des jeweiligen Teamkapitäns im Itempool auftaucht. In diesem Fall können deren Spezialfähigkeiten genutzt werden: Mario stampft im Gigantoformat über den Rasen und plättet so die anderen Spieler, Wario lässt seine gefürchteten Gase entweichen, wodurch die Sinne des Gegners benebelt werden.

Diese Fertigkeiten wird jeder Mario Strikers Charged Football-Spieler dringend benötigen, denn das Spiel bietet einen knackig schweren Singleplayermodus, an dem sich selbst Virtuosen des Vorgängers den ein oder anderen Zahn ausbeißen werden. Im Hauptteil dürfen drei Cups bestritten werden, bei denen die Spielweise der CPUs schnell von angenehm fordernd zu absolut fehlerfrei avanciert. Wem die Pokale Schwierigkeiten bereiten, der kann sein Glück an den sogenannten Striker-Challenges versuchen: Hier wird man in diverse Spielsituationen geworfen und muss besondere Aufgaben erfüllen, beispielsweise mit einem bestimmten Vorsprung den Sieg nach Hause holen oder besonders viele Mega Strikes einsetzen. Belohnt wird Fortschritt im Einzelspielermodus mit neuen Charakteren, zusätzlichen Multiplayer-Optionen und abgefahreneren Stages. Letztere beherbergen allerlei Fallen und sind somit, im Gegensatz zu den Arenen im Vorgänger, spielentscheidend. Wer ein klassisches Match ohne einschlagende Blitze und Lavagruben bevorzugt, der darf sich auf eine Wiederkehr von allen Spielfeldern aus Mario Smash Football freuen.

Daisys Spezialfähigkeit im Einsatz

Technisch macht der Wii-Titel eine ordentliche Figur: Die Grafik ist detail- und effektreicher als beim Prequel, ein 16:9-Modus ist (auch wenn uns Mario Party 8 anscheinend das Gegenteil beweisen möchte) genauso Standart wie 60Hz. Einen Ohrenschmaus stellt der Sound dar, denn hier sind diverse Musikgenres vertreten. So spielen flotte, spanische Rhytmen, sobald Luigi ein Tor erzielt, während Wario mit Tubatönen das Stadion betritt.

Ein wichtiger Kaufgrund für viele Kunden ist sicherlich der Onlinemodus des Spiels, in welchem man alleine oder lokal mit einem Freund im Team die Internetliga aufmischen darf. Leider trüben neben dem nervigen Freundescode-Zwang auch Performanceprobleme vor und während der Matches den Gesamteindruck: Besonders das Verbinden mit Rivalen aus der Freundesliste kann zu einer echten Tortur werden, wenn man zum x-ten mal wegen eines Fehlers in der Datenübertragung aus dem Netz geworfen wird. Läuft das ganze erst einmal, so gibt es dann aber nicht mehr allzu viel zu bemängeln. Schade ist jedoch, dass das Geschehen selbst bei höchster Verbindungsstärke nicht vollkommen ruckelfrei über den Schirm läuft. Dass man sich bei Zufallsmatches mit der nervtötenden Plage des gemeinen Onlinezockers, dessen Verbindung sich bei Rückstand anscheinend vollautomatisch kappt, herumschlagen muss, dürfte sowieso jedem klar sein. Erfreulich ist die Existenz einer Rangliste, bei der um einen Platz in der Tages- oder Saisontabelle gekämpft werden kann.

Yoshi eiert übers Spielfeld

Wie beim Vorgänger gilt: Wenn Mario und seine Freunde über den Rasen flitzen, sind alle Mittel erlaubt und rote Karten Tabu. Da das Spielgeschehen oft mehr einer Schlacht, statt einem sportlichen Ereigniss gleicht, ist Mario Strikers Charged Football auch Fußballhassern wie mir ans Herz zu legen. Eine saubere Präsentation und unglaublich wildes, aber dennoch tiefgreifendes Gameplay mit diversen Tricks und Kniffen machen das Game trotz verbesserungswürdigem Onlinemodus und einem nicht allzu umfangreichen, aufgrund eines enorm harten Schwierigkeitsgrades aber dennoch lange währenden, Singleplayers zu einem Vorzeigespiel der weißen Konsole.

4 von 5 Takos

Otaku1990 vergibt 4 von 5 Takos

4 Antworten zu Mario Strikers Charged Football – Review

  1. Boogie sagt:

    Danke für den tollen Test! Klingt sehr verlockend, aber habe weiterhin noch zu viel zu spielen und auch finanziell sieht es düster aus. Sehr schade, würde es gerne mal zocken.. vor allem die online-Geschichte reizt mich sehr. Vielleicht habe ich ja Glück und meine örtliche Videothek nimmt auch dieses Wii-Spiel ins Programm. Bisher gab es dort alles. Düsseldorf rockt! ;-)

  2. piccolo-junior sagt:

    Ich halte die Mario Fussballspiele für die schwächsten Teile der Mario-Franchise. Mir gefallen Mario Kart, -Tennis und – Golf bei weitem besser als dieser Titel.

  3. Ness sagt:

    Also der Text macht einem das Spiel ja schon schmackhaft. Wäre das Geld lockerer und die Menge an coolen VC-Titeln nicht so hoch, hätte ich mir das Spiel schon geholt. So muss es leider noch auf mich warten.
    Aber wirklich gut geschriebenes Review. =)

  4. Sasuke sagt:

    Ich finde den Titel genial. Der Review ist gelungen Otaku1990.